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Der Bürger - und Interventionskrieg in Sowjetrussland 1918-1920

Autor: Miriam Grab
Fach: Geschichte - Ausland

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Details

Veranstaltung: Geschichte der Sowjetunion. Von der Oktoberrevolution bis zum Zweiten Weltkrieg
Institution/Hochschule: Universität Lüneburg
Tags: Bürger, Interventionskrieg, Sowjetrussland, Geschichte, Sowjetunion, Oktoberrevolution, Zweiten, Weltkrieg
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 21
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 15  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 283 KB
Archivnummer: V39147
ISBN (E-Book): 978-3-638-38011-9

Textauszug (computergeneriert)

Der Bürger - und Interventionskrieg in Sowjetrussland 1918-1920

von: Miriam Grab

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S. 1

2. Historischer Hintergrund S. 1-4

3. Kriegsursachen S. 4-5

4. Der Krieg S. 5-12

4.1 Phasenübergreifende und strukturelle Elemente des Bürgerkrieges S. 5-7

4.2 1. Phase des Krieges S. 7-9
4.3 2. Phase des Krieges S. 9-10
4.4 3. Phase des Krieges S. 10-11

4.5 Der Ausklang des Krieges und seine Folgen S. 11-12

5. Politische, gesellschaftliche und soziale Verhältnisse während des Bürgerkrieges S.12-16

5.1 Ernährungsdiktatur S. 12-13
5.2 Kriegskommunismus S. 13-16

6. Der Kronstädteraufstand S. 16-17

7. Literaturverzeichnis S.18


 

1. Einleitung

Am 21. Januar 1924 starb Lenin. Noch heute ist sein Name für viel ein Begriff und das nicht ohne Grund. Die Bolschewiken waren seit sechs Jahren an der Macht, und die Revolution hatte Russland völlig verändert. Der Zar wurde im Zuge der Februarrevolution abgesetzt und die Republik ausgerufen. Einige Monate später stürzte die Oktoberrevolution die Regierung und übergab die Macht den Sowjets. Das russische Reich war durch den Weltkrieg und den Unruhen der Massen zusammengebrochen. Die bäuerliche russische Gesellschaft, die gerade dem Mittelalter entronnen war, begab sich unter die Führung eines entschlossenen Proletariats auf dem Weg zum Sozialismus. Russland schloss einen Separatfrieden mit Deutschland und Österreich-Ungarn. Seine ehemaligen Verbündeten Frankreich und England unterstützten mit Waffen, Geld und Beratern die konterrevolutionären Armeen und entsandten eigene Truppen. Der nun folgende Bürgerkrieg erwies sich als eine entscheidende politische, wirtschaftliche und soziale Epoche in der Geschichte der Sowjetunion und seine Folgen waren für das Land verheerender als die Auswirkungen des 1. Weltkrieges.

2. Historischer Hintergrund

Die Bolschewiken übernahmen unter der Führung Wladimir I. Lenin im Zuge der Oktoberrevolution in Russland von 1917 die Macht, nachdem sie im September/Oktober die Führung im Petrograder und im Moskauer Sowjet errangen. Dies gelang ihnen durch die Aprilthesen Lenins – „Frieden um jeden Preis“, „Alle Macht den Sowjets“ –, durch die sie großen Zuspruch von der Bevölkerung erhielten. 1 Die Bolschewiken hielten den Zeitpunkt für angemessen, um die provisorische Regierung zu stürzen und selbst die Macht zu übernehmen. Lenin bestimmte den 7. November zum Beginn des Aufstandes, welcher bewaffnet durch das „Militärrevolutionäre Komitee zur Abwehr konterrevolutionärer Gefahren“ unter Lew D. Trotzkij ausgeführt wurde. Es kam zur Besetzung zentraler Punkte in Petrograd und zur Verhaftung der Regierung Kerenskij. Die Staatsgewalt konnten die Bolschewiken am 8. November für sich gewinnen und verabschiedeten auf dem 2. Allrussischen Sowjetkongress drei richtungweisende Dekrete: 1. „Sofortiger Frieden ohne Annexionen und Kontributionen“ (das den sofortigen Waffenstillstand forderte), 2. „entschädigungslose Enteignung allen Landbesitzes in private Hand“ (Verteilung des Großgrundbesitzes an die Bauern), 3. Einsetzung des Rates der Volkskommissare unter Lenin als vorläufige Regierung. 2 Grund für den Erlass dieser Dekrete war die noch geringe Macht der Bolschewiken im Spätherbst und Winter 1917. Die Dekrete entsprachen den Wünschen der Bevölkerung und die Bolschewiken gewannen an Zuwachs.3 Die Sozialrevolutionäre und die Menschewiken verließen aus Protest den Kongress, so dass nur noch Vertreter des Kommunismus anwesend waren. Die Bolschewiken kürten sich somit geradezu selbst zum „Rat der Volkskommissare“. Der Regierung gehörten u. a. auch Trotzkij als Außenminister und Jossif W. Stalin, der das Volkskommissariat für Nationalitätenfragen übernahm, an.

Mit dem „Dekret über Grund und Boden“ (2.) beschloss die neue Regierung die Verstaatlichung von Industrie und Banken und das Verbot des Privathandels. Die Warenverteilung sollte von der Regierung übernommen werden. Die Soldaten strömten scharenweise nach Hause, als sie von der Umverteilung des Grundbesitzes hörten, um nicht zu kurz zu kommen: Infolge dessen wurde die Ostfront geschwächt.

Der Kommunismus konnte sich unaufhörlich durchsetzen und es gab immer neue Dekrete: Das Geld verlor an Bedeutung, Mieten wurden abgeschafft, staatliche Dienstleistungen, Massengebrauchsgüter und sogar Lebensmittel wurden kostenlos. Die Religion wurde verboten, Kirchen enteignet und zerstört („Dekret zur Trennung von Staat und Kirche“) und die Pressefreiheit wurde aufgehoben. Die Schulpflicht sollte die hohe Analphabetenrate senken und das allgemeine Bildungsniveau heben. Die Gleichstellung von Mann und Frau sowie von ehelichen und unehelichen Kindern wurde festgeschrieben, Scheidungen wurden erleichtert.4 Am 15. November 1917 gestand Lenin allen Nationen des ehemaligen Zarenreiches das volle Selbstbestimmungsrecht zu. Jedes Volk durfte sich von nun an jederzeit von Russland loslösen und einen autonomen Staat bilden. 5 Daraufhin erklärten zunächst die Finnen, gefolgt von den Ukrainern, den baltischen Ländern, den Georgiern, Armeniern und den Aserbaidschanern, ihre Unabhängigkeit.

Es war ein folgenschwerer Fehler der provisorischen Regierung, dass sie die Wahl zur konstituierenden Versammlung nicht schon zuvor angesetzte hatten, denn die Bolschewiken hatten drei Wochen zuvor die Macht in Petrograd an sich gerissen und die politische Haltung in Zentralrussland hatte sich dementsprechend geändert. Die Bolschewiken gingen aus der Wahl der verfassungsgebenden Nationalversammlung am 25. November 1917 mit 23,9% zwar als Minderheit hervor, aber an den Wahlergebnissen war ablesbar, dass die Bolschewiken großen Zuspruch in den Großstädten und Industriezentren fanden. Die Menschewiken konnten sich nur im Schwarzerdegebiet und im Kaukasus behaupten. 6 „Am 27. Dezember bezeichnete Zinov`ev auf einer Soldatenversammlung in Petersburg die Konstituierende Versammlung als Aushängeschild der konterrevolutionären, anti-sowjetischen Kräfte, denen sich die Räte nicht beugen würden.“7 Die linken Sozialrevolutionäre stellten sich als einzige auf die Seite der Bolschewiken – gegen die Konstituierende Versammlung. Bei dem ersten und letzten Treffen der Konstituierenden Versammlung am 18. Januar 1918 entschied sich die Mehrheit gegen die Annahme der bolschewistischen „Deklaration der Rechte des werktätigen und ausgebeuteten Volkes“.8 Die Bolschewiken und die linken Sozialrevolutionäre verließen daraufhin die Versammlung und parallel zur Nationalversammlung beschloss das Zentralexekutivkomitee die Auflösung dieser.9 Um ihre Macht zu sichern und zu festigen hatten die Bolschewiken bereits im Dezember 1917 die politische Geheimpolizei Ceka gegründet. Vor allem durch diese wurden Bürgerliche Parteien verboten und die Presse der Menschewiken und der rechten Sozialrevolutionäre unterdrückt. Die Anwesenheit dieser Parteien in den Sowjets war von Region zu Region sehr unterschiedlich; so waren sie in einigen gar nicht mehr oder als „Parteilose“ vertreten und in anderen wie z.B. in der Stadt Tambov erlangten die beiden Parteien sogar die Mehrheit. Am 14. Juni 1918 wurden die Menschewiken und die rechten Sozialrevolutionäre aus den Sowjets ausgeschlossen. Die linken Sozialrevolutionäre waren zunächst an der Macht beteiligt, doch nun schlossen auch sie sich am 19. März 1918 vom politischen Leben aus, als Protest gegen die Unterzeichnung des Friedensvertrags von Brest-Litowsk (s. u.).10

[...]


1 Vgl.: Anweiler, Oskar: Die Rätebewegung in Russland 1905-1921. Leiden 1958. S. 264

2 Vgl.: Microsoft Encarta 2005 Enzyklopädie: Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken. Punkt 2: Revolution. O.V.

3 Vgl.: Geyer, Dietrich: Die Russische Revolution. Göttingen ³1980. S. 118

4 Vgl.: Gutsche, Christian : Die Geschichte der Sowjetunion zwischen den beiden Weltkriegen [2001] http://www:hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/ged/17346.html (02.03.2005)

5 Vgl.: Gutsche, Christian : Die Geschichte der Sowjetunion zwischen den beiden Weltkriegen [2001] http://www:hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/ged/17346.html (02.03.2005)

6 Vgl.: Anweiler, Oskar: Die Rätebewegung in Russland 1905-1921. Leiden 1958. S. 260-262

7 Anweiler, Oskar: Die Rätebewegung in Russland 1905-1921. Leiden 1958. S. 267

8 Anweiler, Oskar: Die Rätebewegung in Russland 1905-1921. Leiden 1958. S. 272

9 Vgl.: Anweiler, Oskar: Die Rätebewegung in Russland 1905-1921. Leiden 1958. S. 270-272

10 Vgl.: Anweiler, Oskar: Die Rätebewegung in Russland 1905-1921. Leiden 1958. S.288/289

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