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Termpaper, 2005, 28 Pages
Author: Sina Bottke
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Details
Institution/College: University of Cologne (Seminar für deutsche Sprache und ihre Didaktik)
Tags: Verhältnis, Privatlektüre, Schullektüre, Lesesozialisation, Kindern, Jugendlichen
Year: 2005
Pages: 28
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-38426-1
ISBN (Book): 978-3-638-65515-6
File size: 248 KB
Die Arbeit besteht aus einer Kombination aus Fragebogen und wissenschaftlicher Auswertung der Ergebnisse. Im Anhang der Arbeit befinden sich die gestellten Fragen.
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Abstract
Wenn man sich mit der Lesesozialisation von Kindern beschäftigt, ist es Grundvoraussetzung davon auszugehen, dass es dabei mehrere Faktoren gibt, die sich gegenseitig beeinflussen, deren Gewichtungen jedoch nicht gleichmäßig verteilt sind. So hängt es beispielsweise davon ab, ob es sich um ein Kind oder einen Jugendlichen handelt, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, wo und wie er oder sie lebt, welche Vorerfahrungen gemacht wurden, welche Vorbilder es gibt, welche genetischen Voraussetzungen gegeben sind, usw. Die Ergebnisse, die in der Leseforschung veröffentlicht wurden, sind immer in Abhängigkeit von der jeweiligen Fragestellung zu betrachten. Daher kann es auch zu unterschiedlichen Ergebnissen bzw. Aussagen der einzelnen Autoren kommen. Gerade nach dem so genannten „PISA-Schock“, der die schlechten Ergebnisse der deutschen Schüler bezeichnet, wurde der Ruf nach der wissenschaftlichen Erforschung der Lesegewohnheiten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland laut. Gemein haben die meisten Forschungsergebnisse jedoch, dass die Familie, die Schule und der Freundeskreis als drei bedeutende Instanzen der Lesesozialisation von Kindern und Jugendlichen betrachtet werden. Sie beeinflussen sich sowohl gegenseitig als auch das Individuum, das aufgrund seiner Biografie und der äußeren Einflüsse entweder zu einem Menschen wird, der gerne liest oder zu jemandem, der das Lesen aus verschiedensten Gründen ablehnt.
Excerpt (computer-generated)
Universität zu Köln
Institut für Deutsche Sprache und ihre Didaktik
Instanzen und Prozesse der Lesesozialisation
6. Semester HS
Das Verhältnis von Privatlektüre und Schullektüre
von: Sina Bottke
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
1.1 Problemstellung 3
1.2 Vorstellung des Fragebogens und der befragten Familie 4
2 Das Mehrebenenmodell der Lesesozialisation 5
2.1 Ziele der Lesesozialisation 5
2.2 Verlauf der Lesesozialisation 6
3 Instanzen der Lesesozialisation 8
3.1 Die Instanz Familie 8
3.2 Die Instanz Schule 12
3.3 Die Instanz Altersgruppe (peer group) 15
3.4 Zum Verhältnis der Instanzen Familie, Schule, Altersgruppe 17
4 Innere und äußere Einflussfaktoren 18
5 Zum Verhältnis von Schullektüre und Privatlektüre 18
6 Schlussbetrachtung 22
7 Literaturverzeichnis 24
8 Anhang: Fragebogen 26
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
„Unter Lesesozialisation wird im Forschungsschwerpunkt im weitesten Sinne der Prozess der Aneignung und Vermittlung von Kompetenzen zur Textrezeption und –verarbeitung verstanden.“ (Groeben, Hurrelmann, Eggert, Garbe, 1999, S.1)
Wenn man sich mit der Lesesozialisation von Kindern beschäftigt, ist es Grundvoraussetzung, davon auszugehen, dass es dabei mehrere Faktoren gibt, die sich gegenseitig beeinflussen, deren Gewichtungen jedoch nicht gleichmäßig verteilt sind. So hängt es beispielsweise davon ab, ob es sich um ein Kind oder einen Jugendlichen handelt, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, wo und wie er oder sie lebt, welche Vorerfahrungen gemacht wurden, welche Vorbilder es gibt, welche genetischen Voraussetzungen gegeben sind, usw.
Die Ergebnisse, die in der Leseforschung veröffentlicht wurden, sind immer in Abhängigkeit von der jeweiligen Fragestellung zu betrachten. Daher kann es auch zu unterschiedlichen Ergebnissen bzw. Aussagen der einzelnen Autoren kommen. Gerade nach dem so genannten „PISA-Schock“, der die schlechten Ergebnisse der deutschen Schüler bezeichnet, wurde der Ruf nach der wissenschaftlichen Erforschung der Lesegewohnheiten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland laut.
„Angesichts der Komplexität des Gegenstandes können bisherige Theorien der Lesesozialisation allenfalls Anspruch auf eine erste Vorstrukturierung des Untersuchungsfeldes erheben (vgl. als Überblick auch Oerter, 1999).“ (Hurrelmann 2004, S.2).
Gemein haben die meisten Forschungsergebnisse jedoch, dass die Familie, die Schule und der Freundeskreis als drei bedeutende Instanzen der Lesesozialisation von Kindern und Jugendlichen betrachtet werden. Sie beeinflussen sich sowohl gegenseitig als auch das Individuum, das aufgrund seiner Biografie und der äußeren Einflüsse entweder zu einem Menschen wird, der gerne liest oder zu jemandem, der das Lesen aus verschiedensten Gründen ablehnt.
In dieser Hausarbeit möchte ich mich damit beschäftigen, wie sich Privat- und Schullektüre definieren, was sie erfüllen müssen bzw. können und was diese Ergebnisse für den Schulalltag bedeuten.
Dabei sollen die drei Instanzen Familie, Schule und Freundeskreis mit einbezogen werden, deren Dynamik und Wechselwirkung ständig Einfluss auf die kindliche Entwicklung ausüben. Parallel dazu werde ich die Forschungsergebnisse und Aussagen der Autoren mit den Äußerungen von Mutter und Kind, welche ich interviewt habe, vergleichen. Dies ist natürlich nur als Fallbeispiel zu verstehen und erhebt nicht den Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Dennoch glaube ich, dass einige der Aussagen, die ich wiedergeben werde, für die typische Entwicklung eines unerwarteten Nichtlesers sprechen, da die heute 12-jährige Tochter mitunter aufgrund der Erfahrungen des schulischen Lesens und dem dahinter stehenden Lerndruck und ihrer mangelnden technischen Fähigkeit das Interesse am Lesen nach und nach zu verlieren scheint, obwohl ihre Mutter eine so genannte Vielleserin ist und versucht, positives Vorbild zu sein, Lesen in den Alltag einzubinden und ihre Tochter zu motivieren. Zudem scheint ihr größtes Interesse an Medien der Unterhaltungsgewinn zu sein, weswegen sie lieber fern sieht oder Hörspiele hört, da die eigene Aktivität, anderes als beim Lesen, nicht allzu stark gefordert wird.
1.2 Vorstellung des Fragebogens und der befragten Familie
Im Folgenden möchte ich die Gliederung, der ich im Fragebogen gefolgt bin, darstellen und die befragte Familie und deren Alltag vorstellen. Der gesamte Fragebogen befindet sich im Anhang.
Die ausgewählte Familie bewohnt eine Vierzimmerwohnung in einer mittelgroßen Stadt in NRW. Die jüngste Tochter ist 11 und besucht die 6. Klasse eines Gymnasiums, mit ihr und ihrer Mutter habe ich das Interview geführt. Die andere Tochter ist 14 und geht in die 8.Klasse einer Realschule. Beide Kinder können die Schule zu Fuß erreichen und ihr Freundeskreis ist in der näheren Umgebung angesiedelt. Die Eltern haben noch einen 26-jährigen Sohn, der eine eigene Wohnung in Nähe des Elternhauses bewohnt. Die Mutter ist 47Jahre alt und Hausfrau. Nachdem sie ihr Abitur gemacht hat, wurde sie schwanger und hat keine weitere berufliche Ausbildung.
Einmal in der Woche hilft sie ehrenamtlich in der Bibliothek einer Grundschule. Der Vater ist 51 Jahre alt und arbeitet als Supervisor in einer mittelgroßen Firma.
Durch den damit verbundenen Schichtdienst ist er zu unregelmäßigen Zeiten zu Hause, weswegen die Wochenenden als sehr wichtig für die ganze Familie gelten, da sie sonntags viel Zeit miteinander verbringen können. Ansonsten sorgt die Mutter dafür, dass die Töchter einen geregelten Tagesablauf haben. Nach der Schule essen sie gemeinsam und machen dann ihre Hausaufgaben. Danach dürfen die Kinder Freunde besuchen oder lesen, Musik hören, fernsehen usw.
Um das Verhältnis von Schul- und Privatlektüre definieren zu können, habe ich Mutter und Kind zunächst nach dem Familienalltag befragt, um heraus zu finden, ob ein strukturierter Ablauf besteht. Danach habe ich konkret Fragen zum Lesen gestellt, welche Bedeutung es hat, wann gelesen wird, wie gelesen wird, was, usw.
Im folgenden ging es mir darum, etwas mehr über den Schulalltag der Tochter zu erfahren, was dort gelesen wird und wie sie dies empfindet und letztendlich auch, wie das schulische Lesen von den Eltern gesehen wird. Im letzten Punkt wird dann versucht, ein Verbindung zwischen Schul- und Privatlektüre zu schaffen, indem Mutter und Tochter sagen sollten, was beides unterscheidet und was verändert werden sollte, um eine bessere Leseförderung bzw. Spaß am Lesen zu gewährleisten.
2 Das Mehrebenenmodell der Lesesozialisation
2.1 Ziele der Lesesozialisation
Lesesozialisation beruht auf einer Mehrebenenstruktur. Es gibt zunächst die Makroebene, die die gesellschaftliche Kultur und deren Normen beschreibt. Auf der Mesoebene wirken Familie, Schule und Freunde bzw. die Jugendkultur auf das Individuum ein, das wiederum auf der Mikroebene seine persönliche Kultur entwickelt und ausbaut.
Diese drei Ebenen beeinflussen sich immer gegenseitig und bewirken einen Wandel von Normen, Wünschen, Zielen und Umsetzungsmustern.
„Literatur zu verstehen, gehört nicht zu den angeborenen Fähigkeiten des Menschen; diese Fähigkeit muss von ihm allererst erworben werden. Sie besteht aus einem (unwissentlichen oder wissentlichen) Verfügen über die dazu erforderlichen Regeln.“ (Ewers1997, S.59)
Das Ziel der Lesesozialisation des Menschen ist es, Teil der literalen Gesellschaft zu werden, um soziale Kompetenz und Handlungsfähigkeit auch außerhalb des literarischen Bereiches zu erwerben. Lesesozialisation beginnt bereits präliterarisch im familiären Umfeld und wird durch den Eintritt in die Schule durch das Erlernen der Schriftsprache erweitert.
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