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Anforderungen an den Lehrerberuf aus der Sicht von Lehrern verschiedener Schulformzugehörigkeit

Examination Thesis, 2005, 136 Pages
Author: Luise Helfrich
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2005
Pages: 136
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V41337
ISBN (E-book): 978-3-638-39621-9

File size: 296 KB
Notes :
Examensarbeit zu Blastungen im Lehrerberuf/Lehrerbelastungen, 4 Interviews von Lehrern an der Grundschule und dem Gymnasium



Excerpt (computer-generated)

Wissenschaftliche Prüfungsarbeit

gemäß § 12 der Landesverordnung über die Erste Staatsprüfung für
das Lehramt an Grund- und Hauptschulen vom 16. Juni 1982 
(GVBI.S. 227), zuletzt geändert durch § 16 der Landesverordnung 
vom 28. Juni 1996 (GVBI. S. 251)
der Universität Koblenz-Landau, Abteilung L a n d a u
Fach: Soziologie

Thema: 

Anforderungen an den Lehrerberuf aus der Sicht 
von Lehrern verschiedener Schulformzugehörigkeit

von

Luise Helfrich

Abgabedatum: 23.05.2005

 

Inhaltsverzeichnis

1. Theoretischer Aufriss ... 3

2. Stand der Forschung  ... 9

3. Fragestellung der Studie  ... 24

4. Methodisches Design  ... 25
4.1 Planung  ... 25
4.1.1 Stichprobe ...  25
4.1.2 Leitfadeninterview ... 26
4.1.3 Leitfaden  ... 28
4.2 Auswertung  ... 33

5. Durchführung der Studie ...  37

6. Darstellung der Ergebnisse  ... 39
6.1 Einzelfalldarstellungen ...  39
6.1.1Interview 1  ... 39
6.1.1.1 Kurzbiographie der interviewten Person  ... 39
6.1.1.2 Analyse des Interviews 1  ... 39
6.1.1.3 Fazit  ... 47
6.1.2 Interview 2  ... 49
6.1.2.1 Kurzbiographie der interviewten Person ...  49
6.1.2.2 Analyse des Interviews 2  ... 49
6.1.2.3 Fazit  ... 56
6.1.3 Interview 3  ... 58
6.1.3.1 Kurzbiographie der interviewten Person  ... 58
6.1.3.2 Analyse des Interviews 3  ... 58
6.1.3.3 Fazit  ... 67
6.1.4 Interview 4  ... 70
6.1.4.1 Kurzbiographie der interviewten Person  ... 70
6.1.4.2 Analyse des Interviews 4  ... 70
6.1.4.3 Fazit  ... 83
6.2 Vergleichende Zusammenfassung  ... 86

7. Literatur  ... 92

8. Anhang  ... 93
8.1 Interview 1 ...  94
8.2 Interview 2  ... 102
8.3 Interview 3  ... 111
8.4 Interview 4  ... 119
8.5 Leitfaden zum Interview  ... 133

 

 

1. Theoretischer Aufriss

Schon seit den 80er Jahren werden die Anforderungen diskutiert, im Folgenden werden dazu die Standpunkte von Gudjons (Gudjons 2000: 33 ff.) zusammengefasst.

Eine grundlegende Eigenschaft von Belastungen ist es, dass sie nicht objektiv erlebt und betrachtet werden können, das heißt jede Person erfährt äußere Beanspruchung subjektiv. Dies bedeutet, dass das Individuum tatsächlich belastet ist, sobald es das Gefühl der Belastung empfindet. Die Umstände und das Ausmaß der Belastung, die vom Einzelnen erlebt werden, hängen von dessen Persönlichkeit und somit auch von Alter, Geschlecht, Wertorientierung, Qualifizierung und weiteren charakterlichen Eigenschaften ab. (Gudjons 2000: 35 f.)

Der Lehrerberuf ist ein pädagogischer Beruf, worin eine grundlegende Problematik im Bezug auf Belastungen besteht. Pädagogisches Handeln ist schwer messbar, es gibt keinen sichtbaren oder eindeutig feststellbaren Erfolg. Das pädagogische Handeln des Lehrers beginnt immer wieder von vorne, muss sich spontan Situationen anpassen und findet kein Ende. Die pädagogische Arbeit ist nicht ritualisierbar; zwar können sich gewisse Handlungsschemata in Situationen bewähren, jedoch können keine generellen Regeln verallgemeinert werden. Zudem treten nur ähnliche Situationen und nicht identische Situationen, so dass das gewonnene Erfahrungswissen nur bedingt anwendbar ist.

Zusätzlich wird Lehrerarbeit – gerade heute – zunehmend durch die Heterogenität der Schüler, ihre unterschiedlichen Lebenswelten, Persönlichkeiten und sozialen Hintergründe und die damit verbundene Notwendigkeit von Differenzierung erschwert. Daher bildet das Schüler-Lehrer-Verhältnis einen wichtigen Faktor für den Unterrichtserfolg sowie die Berufszufriedenheit oder -frustration und ist folglich für die subjektiv erfahrenen Belastungen des Lehrers ausschlaggebend. (Gudjons 2000: 36 f.)

Zahlreiche Studien zu den Belastungsfaktoren im Lehrerberuf variieren zwar in ihren Untersuchungsergebnissen, jedoch lassen sich durchaus Schwerpunkte bei den Belastungsfaktoren erkennen.
Nach den Studien von Häbler/Kunz (1985), Terhart (1993) oder Rudow (1994) (vgl. Gudjons 2000: 34 f.) lassen sich folgende Aspekte nennen: Schüler (Motivation/Lernbereitschaft, Verhältnis zum Lehrer, Disziplinprobleme, Probleme mit Schülern), Unterrichtsanforderungen (Benotung, methodisch-pädagogische Probleme, didaktische Kompetenz, Vor- und Nachbereitung), Rahmenbedingungen (Klassengröße, Organisation), Bürokratie, Kollegen und Eltern.

Es bestehen geschlechterspezifische Merkmale für das Berufsverständnis und die Ausübung.
Charakteristisch für die Berufsidentität von Männern ist, dass sie einen starken Bezug zur Institution Schule haben, sich nicht vor Beurteilungen (Leistung der Schüler) scheuen und sehr sach- und berufsorientiert arbeiten.
Im Gegensatz dazu stehen weibliche Lehrer, für die ein starker Schülerbezug typisch ist, weshalb Frauen eher zu Schwierigkeiten bei der Leistungsbeurteilung neigen. Die Unterrichtsgestaltung ist sehr stark an der jeweiligen Lehrerpersönlichkeit abhängig. (Gudjons 2000: 43 f.)

In den 80er Jahren war, trotz leerer Schulen, die gesamte Struktur der Schule eine starke Belastung für Lehrer, auf Grund der hohen Anzahl von Unterrichtsstunden pro Woche. Neben diesen Unterrichtsstunden, der Arbeitszeit in der Schule, müssen jedoch noch die Unterrichtsvor- und -nachbereitung, Gespräche, Korrekturen und an- dere Tätigkeiten außerhalb der eigentlichen Schulzeit hinzugezählt werden. Im Endeffekt entsteht damit eine sehr hohe Gesamtarbeitszeit, gerade auch im Vergleich mit Stundenzahlen anderer Berufe. Zudem sind die Arbeitszeiten eines Lehrers sehr unterschiedlich je nach Phase des Schuljahres, wodurch eine zusätzliche Belastung entsteht. (Gudjons 2000: 33 f.)

Im Zusammenhang mit dem Lehrerberuf wird immer wieder das Burnout-Syndrom erwähnt, so dass in den 80er und 90er Jahren dieses Phänomen genauer untersucht wurde. Das Burnout-Syndrom tritt jedoch nicht nur außergewöhnlich oft bei Lehrern, sondern bei allen Berufen im sozialen Bereich auf. Unter dem Begriff Burnout versteht man ein andauerndes Gefühl von Überforderung. Dieser Zustand kann sehr plötzlich, aber auch erst nach langer Zeit von andauernden beruflichen Schwierigkeiten und Enttäuschungen auftreten.
Neben dem Burnout-Syndrom sind andere berufstypische Krankheiten des Lehrers zu nennen, die auf Grund von langfristigem Stress oder Überlastung entstehen. So leiden Lehrer häufig an Neurosen, Nervenerkrankungen oder anderen starken psychischen Störungen. Dies ist ein Aspekt, der die hohe Rate von Frühpensionären bei Lehrern erklärt.

In Anbetracht der Erforschung des Burnout-Syndroms und der bestehenden Diskussion um den Lehrerberuf in den 80er und 90er Jahren wurden mit Hilfe von Studien verschiedene Entlastungsstrategien entworfen. Neben Trainingseinheiten bei Lehrerfortbildungen und Supervisionsgruppen wurde auch die individuelle Psychotherapie eine gängige Hilfe. Jedoch änderte das nichts an dem grundlegenden Problem des bestehenden Lehreralltags, der eigentlich hätte verändert werden sollen. Neben all den nachgewiesenen Problemen im Alltag des Lehrers gaben dennoch bei Untersuchungen zwei Drittel aller Lehrer an, mit ihrer Berufswahl zufrieden zu sein. (Gudjons 2000: 37 ff.)

Das Idealbild des Lehrers war in den 60er und 70er Jahren an der soziologischen Rollentheorie ausgerichtet. Der Lehrer musste demzufolge mehreren Rollen, die je nach Bezugsgruppe von ihm erwartet wurden, gerecht werden. In den 80er Jahren änderte sich diese soziologische Sichtweise, dass der Lehrer verschiedene Rollen erfüllen sollte. Der Lehrer als Person war nun wichtig, die Persönlichkeitsentwicklung im Berufsleben erhielt zentrale Bedeutung.
Auf Grund der allgemeinen Veränderungen in der Gesellschaft und der auch damit zusammenhängenden Tatsache, dass die Lehrerpersönlichkeit in das Zentrum aktueller Diskussionen der 80er Jahre rückte, wurde das vorher bestehende hochidealistische Bild des Lehrers aus den 60er Jahren abgelöst.

Der Lehrer als Individuum wurde als unterschätzte erzieherische Wirkung angesehen, so dass zahlreiche Untersuchungen psychologischer Persönlichkeitsaspekte durchgeführt wurden. Somit wurde die Lehrerpersönlichkeit immer wichtiger und in ihrer Funktion als Vorbild, Werteträger und Vermittler von Werten betrachtet.

Im Zuge dieser Untersuchungen entstanden dann auch mehrere Theorien zur idealen Person des Lehrers. In den 80er Jahren wurde somit die Ausgangslage für das psychoanalytische Verstehen der Schwierigkeiten bei der Lehrertätigkeit gelegt. Da Lernen auf einer positiven Beziehung basiert und das Entstehen von Autorität ebenfalls von einer positiven Beziehung abhängt, wurde dadurch die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler(n) zwangsläufig betont.
Gleichzeitig rückte das Interesse um die Lehrerpersönlichkeit und das psychische Wohlergehen des Lehrers in den Vordergrund. Lehrer sollten ein grundlegendes Vertrauen in ihre Schüler haben, offen sein und anderen Respekt entgegenbringen können. Obgleich er die gestellten Anforderungen erreichen und seinen persönlichen Aktionsrahmen erweitern sollte, sollte der Lehrer dennoch Verantwortung abtreten können und sich um ein psychisches Gleichgewicht bemühen.

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