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Hauptseminararbeit, 2004, 19 Seiten
Autor: Andishe Gottlieb
Fach: Dolmetschen / Übersetzen
Details
Institution/Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Fachbereich für Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaften Germersheim)
Tags: Prototypensemantik
Jahr: 2004
Seiten: 19
Note: 1.7
Literaturverzeichnis: ~ 5 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-44240-4
Dateigröße: 189 KB
Diese Seminar wurde von Dr. Kußmaul persönlich gehalten. Die Arbeit wurde von ihm gelesen und benotet.
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Prototypensemantik
von: Andishe Gottlieb
Gliederung
1) Einleitung: Der Begri ff Prototypentheorie 2
2) Experimentelle Ansätze 3
3) Die Standardversion 6
3.1) Prototypikalität 6
3.2) Familienähnlichkeit und Cue Validity 8
3.3) Hedges 10
3.4) Basic Level Terms 11
4) Ein kurzer Einblick in die Erweiterte Version 13
5) Kritik an der Prototypensemantik 15
6) Schluss 17
7) Literaturverzeichnis 18
1) Einleitung: Der Begriff Prototypentheorie
„Die Prototypentheorie an sich existiert gar nicht!“ (Hans-Jörg Schmidt, 2000:33) Der Begriff Prototypentheorie beschreibt nichts klar Begrenztes. Er ist lediglich eine Zusammenfassung mehrerer Ideen von Psychologen und Linguisten zu einem Begriff. Es ist sehr wichtig, die drei zentralen Facetten dessen, was mit dem Begriff Prototypentheorie bezeichnet wird, zu differenzieren. Diese sind wie folgt
1) Prototypikalität: Kognitive Kategorien enthalten Mitglieder oder Gruppen von Mitgliedern, denen der Status des Prototypen zugeschrieben wird. Prototypen könnte man also als besonders typische und hervorstechenden Vertreter einer Kategorie bezeichnen.
2) Typikalität: Man kann die Mitglieder einer Kategorie im Hinblick darauf, wie typisch und repräsentativ sie für die jeweilige Kategorie sind graduell abstufen. Die Skala reicht hier vom Prototypen über gute/wenige gute Vertreter bis hin zu schlechten, peripheren oder sogar fraglichen Vertretern einer Kategorie.
3) Unschärfe: Die Grenzen von Kategorien sind nicht klar und eindeutig, sondern unscharf. Zwischen den Kategorien, die ähnlich sind, existieren fließende Übergänge. (vgl. Mangasser-Wahl 2000:33)
Die zweite Annahme ist hierbei die Grundlegendste, da sich Prototypikalität und Unschärfe als maximale bzw. minimale Grade der Typikalität auffassen lassen. Die Prototypentheorie besagt also, dass Kategorien einen Kern und unscharfe Ränder (fuzzy edges) haben. Der Prototypentheorie liegt die empirisch getestet Hypothese zugrunde, dass die sprachlichen Verstehensprozessen im menschlichen Gehirn im entscheidenden Maße von unseren Erfahrungen und von unserer Kultur bestimmt werden. Das bedeutet, dass in jedem Land ein anderer Prototyp für dieselbe Kategorie festgelegt werden kann. Ziel dieser Arbeit ist es einen Einblick in die Prototypensemantik zu geben und die oben genannten Facetten zu erfassen und zu erklären.
2) Experimentelle Ansätze
Der Beginn der Prototypenforschung ist mit der Studie von Berlin und Kay (1969) zur Extension von Farbadjektiven anzusetzen. Der Grund für die Untersuchung von Farbbezeichnungen war, dass sich die Anzahl für Farben in verschiedenen Sprachen sehr deutlich unterschied. Das Italienische hat z.B. zwei Arten von blau (azuro, blu), das Französische zwei Arten von braun (marron, brun) und das in Wales gesprochenen Kymrische hat zwar ein Wort für braun, unterscheidet aber nicht zwischen blau und grün. Berlin und Kays Methode bestand aus zwei Stufen. Sie ermittelten zuerst durch Befragung die nativen und häufigsten Farbadjektive in 20 Sprachen. Die Farben, die aus diesen Befragungen hervorgingen, wurden als Basic Color Terms bezeichnet. Im Englischen sind das die Wörter white, grey, black, red, yellow, green, blue und purple. Alle anderen Farben waren aus den Grundfarben abgeleitet und konnten diesen mehr oder weniger zugeordnet werden. In der zweiten Stufe legten sie den Befragten eine Farbpalette vor. Sie sollte dann auf die besten und typischsten Beispiele des jeweiligen Farbtons deuten. Diese Stufe machte deutlich, dass es innerhalb der Farbkategorien wiederum prototypische Bereiche gibt.
Das Ergebnis ihrer Untersuchungen legte also zentrale und randständige Vertreter einer Farbe fest. Die zentralen Vertreter sind als universell zu betrachten, da fast alle Sprachen dieselben Farbtöne als zentral erkennen, auch wenn die Grenzen verschieden gesteckt sind. Die Basic Color Terms sind keine Hyponyme eines Farbwortes, wie z.B. türkis oder morphologisch komplizierten Wörter, wie z.B. hellgrün. Sie sind nicht fachsprachlich (cyan) oder beschränkt auf bestimmte Kollokationen, wie z.B. blond, dass man sowohl für Haare als auch für Bier verwenden kann. Eleanor Rosch griff in ihren Experimenten die Untersuchungen von Berlin und Kay wieder auf. Sie schaffte es, die Untersuchungen zu bestätigen und zu erweitern. Dafür führte sie verschiedene Experimente durch. Eines davon zu den Basic Color Terms war z.B. folgendes: Sie bildete 2 Gruppen, eine englischsprachige und eine Gruppe der Dani, einem Volk aus Papua-Neuguinea. Die Sprache der Dani kennt nur zwei Farbbezeichnungen, nämlich „mola“ für weiß und alle warmen Farben (wie rot, orange, gelb, rosa, lila) und „mili“ für schwarz und alle kalten Farben (wie blau, grün).
[...]
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