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Autor: Melanie Schwertfeger
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Details
Institution/Hochschule: Universität Hamburg (Fachbereich Sprach-, Lieratur- und Medienwissenschaft (Zentrum für Medien und Medienkultur))
Tags: Alfred, Hitchcocks, Rebecca, Suche, Identität, Tadellose, Flanellanzüge, Damenkostüme, Maskerade, Geschlechterverhältnisse, Kino, Alfred, Hitchcock, Seminar)
Jahr: 2005
Seiten: 23
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 257 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-48706-1
Textauszug (computergeneriert)
Universität Hamburg, Medienkultur
Tadellose Flanellanzüge und schlichte Damenkostüme:
Maskerade und Geschlechterverhältnisse im Kino von Alfred Hitchcock
Sommersemester 2005
Alfred Hitchcocks "Rebecca" –
Die Suche nach der weiblichen Identität
von: Melanie Schwertfeger
1.0 Einleitung S. 3ff
2.0 Hinter den Kulissen
2.1. Selznick und Hitchcock – Der erste Film in Amerika S. 4f
2.2. Der Kampf ums Drehbuch S. 5f
2.2.1. Änderungen am Original von Daphne du Maurier S. 6f
2.3. Casting und Schauspieler S. 8ff
2.4. Zahlen, Daten und Fakten zum Film S. 10f
3.0 Inhaltliche Analyse
3.1. Psychoanalytische Interpretationsansätze S. 11f
3.1.1. Das Kind in ihr – Begehren des Vaters und Ablösung von der Mutter S. 12f
3.1.2. „Werde nie erwachsen!“ S. 13f
3.2. R. de W. Der Terror einer Toten S. 14f
3.2.1. Die Macht der Mutter S. 15f
3.2.2. Identifikation mit der Weiblichkeit S. 16f
3.2.3. Missglückte Selbstfindung S. 17f
3.3. Weibliche Stärke und männliche Schwäche S. 17f
3.4. Rebecca als Femme Fatale – Bedrohung der männlichen Macht S. 18f
3.5. Die weibliche Identität – namenlos im Patriarchat S. 20
4.0 Fazit S.19ff
Literaturangaben S. 21
1.0 Einleitung
Als Alfred Hitchcock 1939 mit seiner Familie in die USA ging, tat er dies auf Einladung des dort damals erfolgreichsten Produzenten, David O. Selznick. Der Niedergang der Filmindustrie hatte seinen Höhepunkt in England zwar schon überwunden, doch Hitchcock fehlte es hier an ausreichend Anerkennung. Er sagte hierzu später: „Die Kunst des Filme Machens wurde von den Intellektuellen oft verachtet. … Kein Engländer, der etwas auf sich hielt, hätte sich dabei ertappen lassen, ins Kino zu gehen. Das machte man einfach nicht.“1 Besonders attraktiv waren aber auch die vorhandenen Ressourcen, die ihm Hollywood und in diesem Fall die Selznick-Studios boten. Die größeren Budgets und die gesteigerten technischen Innovationen der amerikanischen Studios versprachen Hitchcock optimale Bedingungen für seine Arbeit. Doch im Gegensatz zu den künstlerischen Freiheiten, die er innerhalb des englischen Produzenten- und Studiosystems genossen hatte, galt in Hollywood damals der Produzent als der Filmemacher. Der Regisseur war nur für die Umsetzung seiner Vorstellungen zuständig. „In those days the individual producer was the man who made the pictures. He was king.” Alfred Hitchcock in “In the Hall of Mogul Kings” veröffentlicht in der London Times am 23. Juni 1969 Aus dieser Erfahrung, im Laufe der nächsten Jahre, zog er die Konsequenzen und wurde selbst zum Produzenten seiner Filme.2
Schon 1937 bekundete Selznick zum ersten Mal sein Interesse an Hitchcocks Talent. Zwei Jahre später kam es dann, nach weiteren Angeboten aus Hollywood, zum Vertragsabschluss. Für 800 000 Dollar verpflichtete sich Hitchcock, vier Filme für ihn zu drehen.3 Sein erster, in Amerika gedrehter Film sollte „Rebecca“ werden, eine Geschichte nach dem Bestseller-Roman von Daphne du Maurier, in dem eine junge Gesellschafterin (Joan Fontaine), die für die dominante und dekadente Amerikanerin Mrs. van Hopper arbeitet, sich in Monte Carlo in den älteren und wohlhabenden Witwer Maxim de Winter (Lawrence Olivier) verliebt. Dieser leidet nochunter den schmerzhaften Erinnerungen an den Tod seiner ersten Frau Rebecca. Doch schon nach einigen Treffen macht er der jungen Frau ganz unerwartet einen Heiratsantrag. Sie nimmt ihn an, doch Maxim behandelt sie wie ein unmündiges Kind. Zurück in Manderley, dem Familiensitz, ist sie zunächst völlig verstört und verunsichert durch die unsichtbare und doch allgegenwärtige Präsenz der ersten Mrs. De Winter. Vor allem Mrs. Danvers, die Hauswirtschafterin, die Rebecca vergötterte, kann sie nicht als neue Herrin akzeptieren und verängstigt sie. Es stellt sich jedoch heraus, dass Rebecca keineswegs die perfekte Frau war, für die sie alle gehalten haben. Maxim erklärt seiner neuen Frau, dass er Rebecca nie geliebt, sondern gehasst habe, da sie eine kalte und selbstsüchtige Frau war. Diese Tatsache gibt der neuen Mrs. de Winter Kraft. Als das Boot mit Rebeccas Leiche gefunden wird, beichtet er ihr auch, dass er damals wissentlich gelogen habe, als er eine angespülte Leiche als Rebecca identifiziert hat. Denn bei einer heftigen Auseinandersetzung (sie erwartete ein Kind von einem anderen Mann) stolperte sie unglücklich und starb, worauf er ihren Körper in einem Boot versteckte und dies versenkte. Der Fall wird erneut untersucht, was das Liebesglück der beiden ein weiteres Mal zu zerstören droht. Es kommt während der Gerichtsverhandlung kommt jedoch heraus, dass Rebecca gar nicht schwanger war, sondern Krebs hatte und Maxim durch ihre Lüge und den Streit dazu provozieren wollte, sie zu töten, um sich selbst von den Leiden zu erlösen und ihrem Charakter entsprechend auch Maxims Leben zu zerstören.
Als Mrs. Danvers davon erfährt, legt sie in Manderley Feuer. Maxim und seine Frau müssen mit ansehen, wie sie und das ganze Haus verbrennen. Die Handlung und Umsetzung im Film lassen unterschiedliche Interpretationen zu, die jedoch eng miteinander zusammenhängen. In der folgenden Arbeit sollen diese untersucht werden. Es stellt sich erstens die Frage, inwiefern die Geschichte, mit ihrer überwiegend weiblichen Perspektive, als weiblich oedipales Drama gedeutet werden kann. Hierzu werden vor allem Laura Mulvey, Tania Modleski und Raymond Durgnat angeführt, die den Film unter diesem Gesichtspunkt untersucht bzw. bewertet haben.
Ein zweiter Interpretationsansatz soll „Rebecca“ als hürdenreiche Entwicklung vom Kind zur Erwachsenen und die einhergehende weibliche Identitätsfindung untersuchen. Hier ist in erster Linie Eva Rieger zu nennen, die sich mit dem Verhältnis von Film, Musik und Geschlecht in Hitchcocks Filmen auseinandergesetzt hat. Ein weiteres, Thema, das mit den vorigen eng verbunden ist, ist das gegenseitige Verhältnis von weiblichem Masochismus und männlichem Sadismus. Die „Darstellung exemplarischer Modelle weiblichen Verhaltens“ in einer patriarchalischen Ordnung“ sollen im Folgenden ebenfalls dargestellt und erklärt werden. Da die Protagonistin im Film, wie auch im Roman keinen Namen trägt, werde ich sie im Folgenden auch mit ihrem richtigen Namen - Joan Fontaine – bezeichnen. Die Interpretationsansätze können nicht scharf von einander getrennt werden können, da viele Elemente auch in den jeweils anderen Teilen vorkommen und eine wichtige Rolle spielen. Diese Arbeit hat nicht das Ziel, ein „Entweder oder“ aus den verschiedenen Ansätzen herauszuerarbeiten, sondern den Film „Rebecca“ auf diese hin zu interpretieren.
Das Drumherum des Films, seine Entstehung und all die interessanten Details, die Hitchcocks „ersten britischen Film in Amerika!“4 und die Arbeit mit Selznick ausmachen, sollen neben der Analyse des Inhalts jedoch nicht zu kurz kommen. Hitchcock selbst hat viele Jahre später gesagt, „Rebecca“ sei kein typischer Hitchcock-Film und distanzierte sich zeit seines Lebens von ihm. Und gerade dieser Aspekt verleitet zu einer nicht nur inhaltlich und analytischen, sondern auch äußeren Betrachtung des Films. Die Arbeit ist daher zweigeteilt. Im ersten Teil werden zunächst Informationen zum Entstehen des Films gegeben. Hierzu zählen zum Beispiel der Bereich Pre- Production , also die Entwicklung des Drehbuchs und auch das Casting und die Suche nach den Darstellern, des weiteren Infos zu den Kulissen und kleine Details am Rande der Produktion. Die meisten dieser Punkte werden vor dem Hintergrund des Verhältnisses zwischen Hitchcock und Selznick beleuchtet, wobei dieses Thema noch sehr viel ausführlicher behandelt werden könnte, da es, besonders auf Hitchcocks Anfangsphase in Amerika und seine weitere Arbeit großen Einfluss hatte. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich, wie bereits oben beschrieben, mit den inhaltlich analytischen Aspekten des Films. Das Fazit setzt sich vor allem mit Hitchcocks Einfluss und seiner Beziehung zum Film „Rebecca“, sowie dessen Auswirkungen auf seine weitere Arbeit auseinander.
2.0 Hinter den Kulissen
2.1. Selznick und Hitchcock – Der erste Film in Amerika
[...]
1 Fründt, Bodo: Alfred Hitchcock und seine Filme. Wilhelm Heyne Verlag, München 1986 (4. Auflage), S. 94.
2 Fründt, B.: Ebd.
3 Ebd
4 Gottlieb, Sidney: Hitchcock on Hitchcock – selected writings and interviews. faber and faber. S. 227.
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