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Autor: Markus Häberle
Fach: Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Details
Tags: Lebensstilanalysen, Vergleich, Bourdieus, Unterschiede, Schulzes, Erlebnisgesellschaft
Jahr: 2006
Seiten: 31
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 303 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-52972-3
ISBN (Buch): 978-3-638-72465-4
Zusammenfassung / Abstract
Die Lebensstilforschung scheint in letzter Zeit zu einer der bekanntesten und rege diskutier-testen Forschungsrichtungen der Soziologie geworden zu sein. Neben der Marktforschung, welche die Lebensweise der Einzelnen relativ genau erforscht um ihre Produkte „an den Mann“ zu bringen, gibt es seit den 1980er Jahren eine Vielzahl von wissenschaftlichen Stu-dien, die sich im Rahmen von Lebensstilanalysen mit dem sozialen und kulturellen Wandel der Gesellschaft beschäftigen. Dabei fallen die Diagnosen und Beschreibungen der Gesell-schaft höchst unterschiedlich aus: Bis in die 1970er Jahre wurden die Lebensstile fast aus-schließlich in einem Zusammenhang von sozioökonomischen Lagebedingungen und subjek-tiven Lebensweisen betrachtet. Die Einteilung der gesellschaftlichen Großgruppen mit ihrer jeweils eigenen Lebensweise wurde vor allem an dem ihnen zur Verfügung stehenden Geld festgemacht. Seit den 1980er Jahren änderte sich dies: Es wurden weitere Faktoren berück-sichtigt, vor allem wurden verstärkt die soziokulturellen Bedingungen betrachtet. Es wird argumentiert, dass aufgrund von veränderten Lebensbedingungen die individuellen Lebens-weisen von sozioökonomischen Lagebedingungen entkoppelt worden sind. Zwei Schlagwör-ter, die dabei immer wieder Verwendung finden heißen „Individualisierung“ und „Entstruk-turierung“. Damit soll, etwas zugespitzt formuliert, der angebliche Wandel der heutigen Ge-sellschaft hin zu einer losen Vereinigung aus individuellen, voneinander unabhängigen Per-sonen beschrieben werden, in der jeder „sein eigenes Süppchen kocht“, in der jeder sein ei-genes Leben lebt. Manche Autoren zeichnen ein Bild der Gesellschaft, in der sich gemein-same Lebensstile sich anscheinend völlig aufgelöst haben, das also ganz im Gegensatz zu den früheren Werken steht, in denen die Gemeinsamkeiten der Lebensweise der jeweiligen Gruppen betont wurde. Doch trifft dies alles zu? Um dies zu untersuchen soll hier eine aktuellere Studie, in diesem Fall Gerhard Schulzes „Erlebnisgesellschaft“, mit einem etwas älteren Werk, einem Klassi-ker der Lebensstilanalyse, nämlich Pierre Bourdieus „feine Unterschieden“, vergleichen. Dabei stellt sich die Frage, wie die Beschreibungen der Lebensstile differieren, nach welchen Markmalen sich die gesellschaftlichen Großgruppen herausbilden, ob sich die Lebensweise überhaupt geändert hat, inwieweit Unterschiede festzustellen sind und welche Gemeinsam-keiten es gibt.
Textauszug (computergeneriert)
Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Institut für Soziologie
Seminar: „Geld, Konsum & Lebensstile“
Sommersemester 2004
Lebensstilanalysen im Vergleich: Bourdieus feine
Unterschiede und Schulzes Erlebnisgesellschaft
von: Markus Häberle
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Hauptteil 4
2.1 Pierre Bourdieu: „Die feinen Unterschiede“ 4
2.1.1 Werdegang 4
2.1.2 methodische Vorgehensweise 4
2.1.3 theoretischer Hintergrund 5
2.1.4 Die Lebensstile 9
2.1.4.1 Der „Sinn für Distinktion“ 9
2.1.4.2 „Bildungsbeflissenheit“ 11
2.1.4.3 Der „Geschmack des Notwendigen“ 12
2.2 Gerhard Schulze: „Die Erlebnisgesellschaft“ 13
2.2.1 Werdegang 13
2.2.2 methodische Vorgehensweise 14
2.2.3 theoretischer Hintergrund 14
2.2.4 Der Lebensstilansatz 15
2.2.4.1 alltagsästhetische Schemata 15
2.2.4.2 Milieus 16
2.3 Vergleich der Ansätze 21
2.3.1 Vergleich der theoretischen Gerüste 21
2.3.2 Vergleich der Lebensstile 22
2.3.3 Vergleich der Erhebungsfelder 23
3 Resümee 25
Anhang 27
A. Literaturverzeichnis 27
B. Tabellen 28
B.1 tabellarische Übersicht der Klassen nach P. Bourdieu 28
1 Einleitung
Die Lebensstilforschung1 scheint in letzter Zeit zu einer der bekanntesten und rege diskutiertesten Forschungsrichtungen der Soziologie geworden zu sein. Neben der Marktforschung, welche die Lebensweise der Einzelnen relativ genau erforscht um ihre Produkte „an den Mann“ zu bringen, gibt es seit den 1980er Jahren eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien, die sich im Rahmen von Lebensstilanalysen mit dem sozialen und kulturellen Wandel der Gesellschaft beschäftigen. Dabei fallen die Diagnosen und Beschreibungen der Gesellschaft im Lauf der Zeit höchst unterschiedlich aus: Bis in die 1970er Jahre wurden die Lebensstile fast ausschließlich in einem Zusammenhang von sozioökonomischen Lagebedingungen und subjektiven Lebensweisen betrachtet. Seit den 1980er Jahren änderte sich dies: „Zur Bestimmung der sozialen Differenzierungen wurden nun vermehrt soziokulturelle Bedingungen in Betracht gezogen.“ (Risel: 5) Es wird argumentiert, dass aufgrund von veränderten Lebensbedingungen die individuellen Lebensweisen von sozioökonomischen Lagebedingungen entkoppelt worden sind. Zwei Schlagwörter, die dabei immer wieder Verwendung finden heißen „Individualisierung“ und „Entstrukturierung“. Damit soll, wie der Name es schon sagt, etwas zugespitzt formuliert, der angebliche Wandel der heutigen Gesellschaft hin zu einem Mix aus jeweils individuellen, voneinander unabhängigen Personen beschrieben werden, in der jeder „sein eigenes Süppchen kocht“. Manche Autoren zeichnen ein Bild der Gesellschaft, in der, so scheint es, sich gemeinsame Lebensstile sich völlig aufgelöst haben, das also ganz im Gegensatz zu den früheren Werken steht. (Risel 2005: 5-23, Wahl 1997: 15-31)
Doch trifft dies alles zu? Um dies zu untersuchen möchte ich eine aktuellere Studie, in diesem Fall Gerhard Schulzes „Erlebnisgesellschaft“, mit einem etwas älteren Werk, einem „fast schon“ Klassiker der Lebensstilanalyse, nämlich Pierre Bourdieu’s „feine Unterschieden“, vergleichen. Dabei stellt sich die Frage, wie die Beschreibungen der Lebensstile differieren, ob sich die Lebensweise überhaupt geändert hat, inwieweit Unterschiede festzustellen sind, welche Gemeinsamkeiten es gibt. Um diese Fragen beantworten zu können erscheint es sinnvoll zuerst die beiden Autoren vorstellen und zum besseren Verständnis ihre den Studien zugrunde liegenden Theorien kurz anzureißen. Damit sind die Grundlagen für eine anschließende Betrachtung der Lebensstilanalysen gegeben. Nach dieser Betrachtung sollen die Studien miteinander verglichen werden, Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden, um die eigentlichen Forschungsfragen, wie sie bereits aufgezeigt wurden, zu beantworten. Diesem Teil soll sich noch ein abschließendes Resümee anschließen um die Arbeit abzurunden
2 Hauptteil
2.1 Pierre Bourdieu: „Die feinen Unterschiede“
2.1.1 Werdegang
Pierre Bourdieu erblickte am 1. August 1930 im kleinen französischen Ort Denguin (Department Pyrénées-Atlantique) das Licht der Welt. Aus einfachen Verhältnissen stammend (Vater Landwirt bzw. später Postangestellter, Mutter Hausfrau) absolvierte er dennoch das Studium in Paris, dass er mit der Agrégation 1954 abschloss. Mit Studien zu der sich wandelnden Gesellschaft Algeriens trat er erstmals in den späten fünfziger Jahren wissenschaftlich in Erscheinung. In den Sechzigerjahren widmete er sich wieder Frankreich zu und untersucht die Rolle des französischen Bildungssystem bei der Reproduktion gesellschaftlicher Verhältnisse (bspw. „Homo academicus“). Nicht ohne Erwähnung bleiben sollen auch seine Studien zur Kunst und Kunstrezeption. Seit den 70ern stehen „kultursoziologische und klassentheoretische Fragestellungen“ (Schwingel 2000: 13), im Mittelpunkt seiner Untersuchungen (bspw. „Die Illusion der Chancengleichheit“, „Die Intellektuellen und die Macht“, „Die verborgenen Mechanismen der Macht“, „Das Elend der Welt“) . 1979 erscheint sein bekanntes Werk „La distinction. Critique sociale du judgement“ (dt.: „Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft“), welches dieser Arbeit mit als Grundlage dienen soll. Vor allem sein sozialpolitisches Engagement, zu dem er sich in der Rolle des Intellektuellen verpflichtet sah, machte ihn über die Grenzen der wissenschaftlichen Kreise hinaus bekannt; man denke nur an die Solidarisierung mit streikenden Bahnarbeitern 1995. Bourdieu verstarb im Januar 2002 in Paris. (Schwingel 2000: 12-21, http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Bourdieu)
2.1.2 methodische Vorgehensweise
Obwohl Bourdieus Monographie im Jahre 1979 erstmals veröffentlicht wurde fanden die Erhebungen bereits in den Jahren 1963 bzw. eine Nacherhebung 1967/68 statt. Insgesamt 1217 Personen aus Paris, Lille und einer französischen Kleinstadt wurden befragt, über die Hälfte davon allein aus Paris. Zur Auswertung der Daten wurden Klassen bzw. Klassenfraktionen gebildet. Die Fragebögen wurden durch einen Beobachtungsplan ergänzt, auch Beobachtungen und Befragungen im Feld wie auch Sekundärstatistiken flossen in die Studie mit ein. Die meisten Daten wurden mit Hilfe des Verfahrens der Korrespondenzanalyse ausgewertet. (Bourdieu 1987: 784 ff.)
2.1.3 theoretischer Hintergrund
[...]
1 Zunächst soll in diesem Kontext eine kurze Definition des Begriffs Lebensstil vorangestellt werden. Schäfers definiert Lebensstil zunächst als den „Gesamtzusammenhang des Verhaltens, das ein einzelner regelmäßig praktiziert.“ (Schäfers: 181) Die Lebensstiltheorien suchen also nach gemeinsamen, gruppenspezifischen Merkmalen in der Lebensweise der Individuen.
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