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Autor: Sonja Filip
Fach: Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Details
Tags: Staatstheorie, Thomas, Hobbes
Jahr: 2006
Seiten: 30
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 28 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 287 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-54037-7
ISBN (Buch): 978-3-638-66734-0
Sehr ausführliche und als sehr gut bewertete Arbeit über Thomas Hobbes und seine Theorie des Gesellschaftsvertrags, die auch kurz auf Hobbes' Biographie (soweit relevant) sowie den gesellschaftlichen und politischen Hintergrund und das Hobbes'sche Menschenbild eingeht.
Zusammenfassung / Abstract
Die vorliegende Arbeit soll die Theorie von Thomas Hobbes ausführlich darstellen, nachdem zuvor auf Hobbes’ Vita und auch auf die gesellschaftlichen sowie die politischen Umstände seiner Zeit, vor allem den englischen Bürgerkrieg, eingegangen werden wird. Es soll immer wieder auch die Staatstheorie des Aristoteles in den Blick genommen und diese der Theorie Hobbes’ gegenübergestellt werden, um wichtige Unterschiede untersuchen und die radikale Abwendung Hobbes’ von den antiken Vorstellungen erkennen zu können.
Textauszug (computergeneriert)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Philosophisches Seminar
WS 2005 / 2006
- Zwischenprüfungsarbeit -
„Homo homini lupus“ -
Die Staatstheorie des Thomas Hobbes
von
Sonja Filip
Germanistik (5), Philosophie (5), Mathematik (3)
Studienziel: Staatsexamen
0. Inhaltsverzeichnis 01
1. Einleitung 02
2. Thomas Hobbes 04
2.1. Biografie 04
2.2. Gesellschaftlicher und politische Hintergrund 05
3. Hobbes’ Menschenbild 08
4. Staatstheorie 09
4. 1. Naturzustand 09
4. 2. Gesellschaftsvertrag 14
4. 3. Gesellschaftszustand 19
4. 4. Zum Begriff des ‚Leviathan’ 26
5. Abschließende Bemerkungen 23
6. Literaturverzeichnis 28
7. Anhang 30
1. Einleitung
Die Suche nach der idealen Form des gemeinsamen Zusammenlebens ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Nicht nur in verschiedenen Ländern und Kulturkreisen, sondern auch – oder vor allem - in verschiedenen Epochen lassen sich hierbei jedoch gravierende Unterschiede aufzeigen. Der griechische Denker Aristoteles war einer der ersten, der eine Theorie zum Bau eines Staates aufstellte.1 Seine Staatstheorie, die er vor allem in seiner Schrift Politik darlegte, beeinflusste die Philosophie viele Jahrhunderte. Dieser scheinbar unüberwindliche Einfluss reichte bis ins 17. Jahrhundert und konnte erst von Thomas Hobbes gebrochen werden, der eine radikale Wende im Denken vollzog und von sich selbst im vollen Bewusstsein der eigenen Modernität sagte, dass erst mit ihm die neuzeitliche, politische Philosophie beginne:
„[S]o ist sie [die politische Philosophie, Anm. d. Verf.] nicht älter als das Buch, das ich unter dem Titel De Cive selbst geschrieben habe.“2
Für Hobbes hat die praktische Philosophie der Tradition versagt, da sie den Menschen keinen zuverlässigen Weg zum Frieden weisen konnte. Er löste sich vollkommen von den bis dato herrschenden Vorstellungen und war von dem Ehrgeiz erfüllt, die scholastische Philosophie zu überwinden und an die Stelle der Berufung auf Autoritäten wie Platon und Aristoteles eine systematische und methodisch stringente Argumentation zu setzen. Durch die in seinem 1651 erschienenen Hauptwerk Leviathan begründete Theorie des Gesellschaftsvertrages erlangte Hobbes Berühmtheit. Das Hauptziel seiner politischen Philosophie lag in der Errichtung einer friedvollen und stabilen Ordnung menschlichen Zusammenlebens. Dafür bedarf es einer präzisen und nachvollziehbaren Begründung der Existenz des Staates, die nicht mehr auf normativ-ontologischen Prämissen, sondern vielmehr den Genauigkeitsstandards der zeitgenössischen Naturwissenschaften, der Geometrie und der mechanischen Physik Newtons, basiert. Erstmals wurde durch ihn auch das radikale Programm der prinzipiellen Herrschaftslegitimation in die politische Philosophie eingeführt.
Die vorliegende Arbeit soll die Theorie von Thomas Hobbes ausführlich darstellen, nachdem zuvor auf Hobbes’ Vita und auch auf die gesellschaftlichen sowie die politischen Umstände seiner Zeit, vor allem den englischen Bürgerkrieg, eingegangen werden wird.
Es soll immer wieder auch die Staatstheorie des Aristoteles in den Blick genommen und diese der Theorie Hobbes’ gegenübergestellt werden, um wichtige Unterschiede untersuchen und die radikale Abwendung Hobbes’ von den antiken Vorstellungen erkennen zu können.
2. Thomas Hobbes
2.1. Biografie 3
Hobbes wurde am 5. April 1588 in Westport bei Malmesbury geboren. Er, der später den politischen Einfluss der Geistlichen als eine der Ursachen des Bürgerkriegs sah, war Sohn eins Pfarrers. Da er bereits mit vier Lebensjahren lesen, schreiben und rechnen konnte, wurde er als Wunderkind bezeichnet. Ein Onkel übernahm nach dem Tod des Vaters die Sorge für seine Erziehung und sorgte dafür, dass Hobbes in einer Privatschule in den klassischen Sprachen unterrichtet wurde. Mit vierzehn Jahren begann er 1603, in scholastischer Tradition Logik und Physik an der Universität in Oxford zu studieren. Allerdings lehnte er später die an der Universität herrschende Tradition der Philosophie scharf ab, vor allem Äußerungen Hobbes’ über Aristoteles waren meist polemischer Natur; einmal nannte er ihn beispielsweise „den schlechtesten Lehrer, den es je gegeben hat, den schlechtesten Moral- und Staatsphilosophen.“4 Nach seinem Bachelor-Abschluss im Jahre 1608 wurde er Hauslehrer bei der adligen Familie Cavendish. Diesen Posten hatte er mit Unterbrechungen bis zu seinem Lebensende inne. Unter anderem unterrichtete er William Cavendish, der später Graf von Devonshire wurde. Auf den Bildungsreisen, die er mit seinen Schülern unternahm, kam er unter anderem nach Frankreich und Italien, wo die Bemühungen um eine Erneuerung der Philosophie fortgeschrittener waren als in England. Außerdem kam er so in Kontakt mit den Gelehrten seiner Zeit wie Marin Mersenne, René Descartes, Francis Bacon (dessen Privatsekretär er vorübergehend war) und Galileo Galilei, was ihm einen intensiven Gedankenaustausch und auch die scharfe Auseinandersetzung mit den großen Denkern seiner Zeit ermöglichte. Der entscheidende Anstoß für sein eigenes methodisches Bewusstsein war seine Begegnung mit Euklids Geometrie, wonach für ihn die Geometrie zum Muster jeder wahren Wissenschaft wurde.
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1 Allerdings ist hierbei zu erwähnen, dass sich Staatstheorien aus der Zeit des antiken Griechenlands zunächst nicht auf einen Staat im heutigen Sinn einer Gebietskörperschaft bezogen, sondern auf den Personalverband einer Polis (Stadtstaat).
2 Hobbes: De corpore, dt.: Vom Körper, Widmungsbrief (fehlt in der deutschen Ausgabe), zitiert nach: Kersting: Thomas Hobbes zur Einführung, Hamburg 2002, 44.
3 Dieser Abschnitt stützt sich auf Tuck: Hobbes, Freiburg, Basel, Wien 2004 sowie auf Münkler: Thomas Hobbes, Frankfurt am Main 2001.
4 Zitiert nach Hobbes: Vom Menschen. Vom Bürger, Hamburg 1959, herausgegeben und übersetzt von Gawlick, Vorwort des Herausgebers, 5.
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