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Autor: Florian Jansen
Fach: Wirtschaft - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Details
Institution/Hochschule: Universität Witten/Herdecke (Fakultät der Wirtschaftswissenschaften)
Tags: Betriebswirtschaftlicher, Erlösbegriff, Krankenhaus, Health, Care, Controlling
Jahr: 2006
Seiten: 15
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 291 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-54405-4
Es werden theoretische und praktische Probleme bei der Übertragbarkeit des betriebswirtschaftlichen Erlösbegriffes auf den Kliniksektor thematisiert. Hintergrund: Der Erlösbegriff umfasst die für den Absatz vorgesehenen Leistungen. Damit bezieht er sich auf Leistungen, die bereits reduziert wurden um nichtmonetäre Dimensionen sowie mehrperiodige Konsequenzen. Der gängige Erlösbegriff umfasst also im Falle eines Krankenhauses einen vergleichsweise sehr geringen Anteil der tatsächlichen Leistunge
Textauszug (computergeneriert)
Universität Witten/ Herdecke
Health Care Controlling (BWL)
7. Fachsemester
Betriebswirtschaftlicher Erlösbegriff im Krankenhaus
von: Florian Jansen
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 1
I. ERLÖSBEGRIFF 3
II. BESONDERHEITEN DES KRANKENHAUSWESENS 5
III. SPIEGELUNG DES ERLÖSBEGRIFFES 7
FAZIT & IMPLIKATIONEN 8
ANHANG 9
LITERATURVERZEICHNIS 11
Abstract
Der gängige Erlösbegriff umfasst die für den Absatz vorgesehenen Leistungen.1 Damit bezieht er sich auf Leistungen, die bereits reduziert wurden um nichtmonetäre Dimensionen sowie mehrperiodige Konsequenzen. Ein Branchenspezifikum des Krankenhauswesens ist ein hoher Anteil von schlecht mess- und damit monetarisierbaren sowie periodisierbaren Leistungen. Der gängige Erlösbegriff umfasst also im Falle eines Krankenhauses einen vergleichsweise sehr geringen Anteil der tatsächlichen intendierten Leistungen. Diese inakzeptabel geringe Repräsentanz der medizinischen Leistungen in der betriebswirtschaftlichen Erlösbegrifflichkeit lässt die Übertragbarkeit fraglich erscheinen.
EINLEITUNG
Die Controllingperspektive auf das Gesundheitswesen im Allgemeinen, erlaubt in der aktuellen Phase der Reform zur Finanzierung desselben interessante Einblicke. Fokussiert man diese Perspektive auf den Krankenhaussektor im Speziellen, wird auch die hohe Relevanz deutlich. Etwa 300 Kliniken, insbesondere solche in öffentlicher Trägerschaft, stehen vor dem finanziellen Ruin2, sind vor der Schließung nur noch zu retten durch Hilfe von Außen; so waren in 2004 bereits ca. 100 Kliniken vom Trägerwechseln betroffen, etwa 33% aller ca. 2.200 Kliniken prüfen die Kooperation mit einem Investor, in 155 Kliniken wurde das Angebot um deckungsbeitragsschwache Leistungen verringert.3 Gründe für die dramatische Finanzsituation sind die Abschaffung der Selbstkostendeckung, die Einführung von Fallpauschalen sowie der notwendiger Ausbau von Qualitätssicherung: Bei gleich bleibenden Fallzahlen sinkt aufgrund kürzerer Verweildauern die Auslastung, die Jahresüberschüsse sinken. Die für eine fallbezogen effiziente Behandlung notwendigen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen sind so weder durch Eigenmittel noch durch die immer geringer werdende Investitionstätigkeit der Länder zu finanzieren – ein Teufelskreis.4 Unter diesen Umständen sind Analysen zu finanziellen Aspekten des Krankenhauswesens also nicht nur von wissenschaftlicher Bedeutung.
Diese Arbeit prüft die Übertragung eines gängigen betriebswirtschaftlichen Erlösbegriffes auf den Krankenhaussektor in vier wesentlichen Schritten: zunächst gilt es in Teil I. den Erlösbegriff zu analysieren und komplementäre Begrifflichkeiten und Aspekte klärend darzustellen. In Teil II. werden die relevanten Besonderheiten des Kliniksektors hinsichtlich der Erlösthematik untersucht, bevor dann in Teil III. der Erlösbegriff an den Besonderheiten des Krankenhaussektors gespiegelt wird. Die Analyse zieht ihr Fazit in Teil IV und schließt mit der Ableitung von Implikationen.
Der verwendete Erlösbegriff von Wieding5 repräsentiert gewissermaßen den Kern einer Vielzahl von betriebswirtschaftlichen Erlösdefinitionen in einer Prägnanz, die es gegenüber weiter gefassten Erlösdefinitionen überhaupt erst erlaubt, die Kernprobleme des Erlösbegriffes im Krankenhaussektor zu fokussieren. Somit wird sich auf diesen Begriff weitestgehend beschränkt. Die mit den Erlösen stark korrespondierenden Leistungen werden nach Ewert/Wagenhofer6 definiert. Der Begriff der Klinik ist dem des Krankenhauses synonym verwendet. Eine weitere Differenzierung ist in diesem Zusammenhang nicht Ziel führend – die Erlös- und Leistungsproblematiken unterscheiden sich in ihrer Natur zwischen einzelnen Formen der stationären Leistungserbringer nicht. Da diese Arbeit auf die Besonderheiten des Erlösbegriffes im Krankenhaussektor abzielt, betrifft die Analyse des Krankenhaussektors auch nur jene Erlös- und Leistungsarten, die Krankenhausspezifisch sind. Randaktivitäten, etwa Finanztransaktionen oder Leistungen nicht medizinischer Art, beispielsweise Beratungsleistungen an andere Organisationen, sind klassischer betriebswirtschaftlicher Natur und daher hier als irrelevant betrachtet.
IV. ERLÖSBEGRIFF
Der Erlösbegriff stammt aus dem Rechnungswesen. Erlöse stehen als positives Gegenstück den Kosten gegenüber und sind als Vermögensmehrungen der Berichtsperiode aus dem Verkauf von Vermögenswerten oder von Dienstleistungen im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit definiert.7 Oder einfacher: „revenues are inflows of assets received in exchange for products or services provided to customers”8 Diese Arbeit bezieht sich im Wesentlichen auf den Verkauf von Dienstleistungen9.
Es ist zu differenzieren nach pagatorischen und wertmäßigen Kosten respektive Erlösen. Abbildung 3 zeigt den Zusammenhang: während wertmäßige Erlöse tatsächlich die in Geldeinheiten bewertete, betriebsbedingte10 periodisierte Leistungserstellung umfasst, beschränkt sich der pagatorische Erlösbegriff auf die leistungsbezogenen Einnahmen der Periode. Kalkulatorische Erlöse, also beispielsweise Erlöse für nicht für den Markt bestimmte, innerbetriebliche Leistungen, sind keine Einnahmen und werden somit nicht als (pagatorische) Erlöse angesehen. In der Literatur11 werden daher die wertmäßigen Erlöse mit dem Leistungsbegriff gleichgesetzt, der pagatorische Erlösbegriff mit den Einnahmen.
Abb. 3 Übersicht zum wertmäßigen bzw. pagatorischen Erlösbegriff12 [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
[...]
1 Vgl. Wieding, A. (Leistungsrechnung 2000)
2 Vgl. Schmidt, H. (Kliniksterben 2005), S. 1 und Mummert Consulting (Pressemitteilung Kliniken 2004), S. 1
3 Vgl. DKG (Lagebericht 2004) und Abb. 1 (Realisierte und geplante Auswege der Krankenhäuser aus Finanzproblematik - Auswertung Lagebericht 2004) (Gründe für dramatische Situation deutscher Krankenhäuser - Auswertung Krankenhausbarometer 2004) im Anhang.
4 Vgl. dazu Blum, K.; Offermanns, M.; Schilz, P. (Krankenhausbarometer 2004), S. 20-26 und 54-58 sowie Abb. 2 (Gründe für dramatische Situation deutscher Krankenhäuser - Auswertung Krankenhausbarometer 2004) im Anhang.
5 Vgl. dazu Wieding, A. (Leistungsrechnung 2000).
6 Vgl. Ewert, R./ Wagenhofer, A. (Unternehmensrechnung 2005).
7 DRSC e.V. (Rechnungslegungs Standard 2002), S. 7
8 Quelle: Hoitsch, H.-J. (Kostenrechnung 2005), S. 5
9 Vgl. Argumentation in der Einleitung.
10 Betriebsbedingt meint Sachziel bezogen.
11 Über zahlreiche Quellen, z. B. Ferit, D. (Kostenrechnung 2005) oder http://www.doppikhessen. de/lexikon.php?id_nav=3&buchstabe=K
12 Eigene Darstellung, Quelle: Ferit, D. (Kostenrechnung 2005), S. 2.
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