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Scholary Paper (Seminar), 2006, 19 Pages
Author: Florian Jansen
Subject: Economics / Business: Economic Policy
Details
Institution/College: University Witten/Herdecke
Tags: Lobbyarbeit, Arbeit, Interessenvertreter, Brüssel, Europarecht
Year: 2006
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-54415-3
File size: 219 KB
Die Arbeit analysiert Lobbyismus generell, weist auf Spezifika in der EU hin, erörtert Problematiken und erarbeitet Verbesserungsvorschläge.
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Excerpt (computer-generated)
Universität Witten/ Herdecke
Europapolitik in der Krise
7. Fachsemester
Lobbyarbeit in der EU –
Arbeit der Interessenvertreter in Brüssel
von: Florian Jansen
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. ALLGEMEINE CHARAKTERISTIKA VON LOBBYISMUS
1. Definitionen
2. Funktionen
3. Berufsstand
4. Strukturen
5. Die Ziele und Methoden im Kräftefeld des Lobbyismus
III. VERÄNDERUNGEN DER POLITISCHEN RAHMENDBEDINGUNGEN UND IHRE AUSWIRKUNGEN
1. Megatrends der Politik
2. Auswirkungen auf den Lobbyismus
IV. SPEZIFIKA VON LOBBYISMUS IN DER EUROPÄISCHEN UNION
1. Unterschiede in der Funktion
2. Unterschiede im Berufsstand und den Strukturen
3. Unterschiede im Kräftefeld, den Zielen & Methoden und im Prozess
V. BEWERTUNG
1. Zielsetzung des Lobbyismus
2. Vor- und Nachteile von Lobbyismus
3. Bewertung
VI. BEISPIELE
1. Heilberufe: Strategie des Zusammenschlusses geht auf!
2. Bananenlobby: Vertrauen auf die eigene Macht geht nicht (immer) auf!
VII. FAZIT: VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE ZU RAHMENBEDINGUNGEN
Literaturverzeichnis
I. EINLEITUNG
Brüssel als Zentrum europäischer Macht!? Etwa drei Viertel aller nationalen Gesetze werden hier geprägt. Zudem wird über mehr als 100 Mrd. € an zu verteilenden Fördergeldern entschieden.1 Wo so viele Entscheidungen getroffen werden, wo so viel Geld verteilt wird, ist der Anreiz zur Vertretung seiner Interessen besonders hoch. Wo 25 Länder in mehr als 40 Fachbereichen harmonisiert werden müssen, ist unter Parlamentariern der Bedarf an externer Beratung besonders hoch. So wundert es nicht, dass Brüssel zum „Mekka für Lobbyisten“2 aufsteigen konnte.
Die stets gerne in Anspruch genommenen Informationsdienstleistungen bringen neben all ihren Vorteilen auch Nachteile mit sich. Diese Arbeit hat das Ziel, die Strukturen der organisierten Interessenvertretung allgemein verständlich zu machen, Besonderheiten des Brüssel’schen Lobbyismus zu analysieren, um auf dieser Grundlage eine Bewertung vornehmen zu können. Dazu werden zunächst in Kapitel II. allgemeine Charakteristika strukturiert erläutert. Der Beschreibung der Veränderungen der Rahmenbedingungen für Lobbyarbeit in Kapitel III., die die Bedeutung der Europäisierung unterstreicht, folgt eine Betrachtung der Spezifika der europäischen Variante von Interessenvertretung. Auf Basis dieser Informationen versucht Kapitel V. eine Bewertung der Lobbyarbeit in Brüssel. Die theoretischen Ausführungen in einen praktischen Bezugsrahmen zu setzen, sollen zwei kurze Beispiele (Kapitel VI.) zu mehr oder weniger erfolgreichen Lobby-Aktionen helfen. Das abschließende Fazit in Kapitel VII. schlägt notwendige Modifikationen der Rahmenbedingungen vor. Lobbyarbeit, Lobbyismus, Lobbying sind – sofern nicht explizit darauf hingewiesen - synonym verwendet. Ebenso wird keine Trennung vorgenommen zwischen Brüssel und EU – im Kontext ist Strassburg zu vernachlässigen, Brüssel repräsentiert hier ausreichend alle EU-Standorte und Institutionen.
II.ALLGEMEINE CHARAKTERISTIKA VON LOBBYISMUS
1. Definitionen
Strauch3 als einer der Pioniere in der Untersuchung des modernen Lobbyismus in Europa, definiert die Lobby4, aus der sich der Begriff des Lobbyismus ableitet, recht allgemein als „einen Zusammenschluss von Personen oder Organisationen zur Vertretung gemeinsamer Interessen gegenüber Dritten, insbesondere Gesetzgeber und Verwaltung." Etwas detailliertere Definitionen lassen sich zwar finden, jedoch nicht übereinstimmend zusammenfassen. Als Konsens der wichtigsten weitergehenden Definitionen hinsichtlich der Merkmale von Lobbyismus kann betrachtet werden: Einflussnahme, Informationsbeschaffung und Informationsaustausch – und das unter strategischer Ausrichtung der Lobbytätigkeit.
2. Funktionen
Wie die Historie zeigt, wuchs der Lobbyismus mit der Komplexität der von den politischen Entscheidern zu händelnden Rahmenbedingungen. Eine Entscheidung in ihren vielfältigen Auswirkungen realistisch abschätzen zu können, ist schon seit Jahren von einem Ministerialbeamten (auch wenn er vom Fach ist) kaum seriös durchzuführen; noch weniger scheint mir ein – mit weniger Fachkenntnis ausgestatteter und nur auf eine bestimmte Zeit im Amt stehender - Politiker dazu in der Lage. So wundert es nicht, dass externe Berater aus unterschiedlichsten Anspruchsgruppen in politische Entscheidungen einbezogen werden. Eine Form der externen Beratung – eine zunächst kostenlose – ist die durch Lobbyisten. Aus Sicht der Politik hat Lobbyismus die Funktion des Informationsgebers. Freilich wird von der Politik akzeptiert, dass die Perspektive der Lobbyisten ein Selbstbild pflegt, welches vor allem die Vertretung partikularer Interessen in den – wenn auch nicht kommunizierten – Vordergrund stellt.
3. Berufsstand
Ein Lobbyist ist die Person, die im Auftrag eines Dritten5 (oder im Rahmen eines Dienstvertrages) Lobbying durchführt. Historisch gesehen kommen Lobbyisten aus organisierten Interessensgruppen, meist aus Verbänden, hervor. Hierbei muss unterschieden werden, dass einerseits Führungspersönlichkeiten solcher Verbände neben ihrer Führungsarbeit im Verband Lobbyarbeit betreiben, andererseits aber auch „hauptberufliche“ Lobbyisten vor Ort des politischen Geschehens zu finden sind. Denn Lobbyarbeit ist nicht, wie gemeinhin unterstellt, das Abarbeiten von illustren Abendgesellschaften und Telefonieren mit Politikern: Lobbying umfasst neben der Weitergabe vor allem auch das Recherchieren, Sammeln und Auswerten von Informationen.
[...]
1 Vgl. Halusa, M. (Lobbyisten werden untersucht 2005)
2 Vgl. hierzu Hamann, G. (Geld für gute Worte 2005).
3 In Strauch, M. (Lobby in Europa 1993): S. 91.
4 Die „Lobby“ (Vorhalle, Wandelhalle) – insbesondere des britischen Unterhauses und des US-amerikanischen Kongresses – kann als Ursprung des Begriffs des Lobbyismus betrachtet werden: dort wurden Parlamentarier durch Vertreter unterschiedlicher Gruppen an ihre Abwahlmöglichkeiten erinnert und so „kontrolliert“.
5 Vgl. hierzu die Definition Strauchs, in Kapitel II., Abschnitt 1.
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