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Autor: Johannes Chun
Fach: Sport - Bewegungs- und Trainingslehre
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Darmstadt (Institut fuer Sportwissenschaft)
Tags: Hänschen, Hans, Gibt, Phasen, Entwicklung, ProSeminar, Motorische, Entwicklung
Jahr: 2003
Seiten: 17
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 8 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 239 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-56673-5
Textauszug (computergeneriert)
Technische Universität Darmstadt, Institut für Sportwissenschaft
ProSeminar: Motorische Entwicklung
Darmstadt, 18.2.2003
"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!"
Gibt es sensible Phasen in der motorischen Entwicklung?
von: Johannes Chun
Inhalt
1 Einleitung 3
2 Begriffsbestimmung 3
3 Die Hirtz Theorie 5
3.1 Die Untersuchung von Hirtz 6
3.2 Interpretation von Hirtz 8
4 Die Joch Theorie 9
4.1 Untersuchungen zur Joch Theorie 9
4.1.1 Das Fahrradexperiment 10
4.1.2 Das Jonglier-Experiment 10
4.1.3 Das Badminton-Experiment 12
4.2 Interpretation der Ergebnisse 13
5 Die Winter Theorie 14
6 Zusammenfassung 15
7 Literaturverzeichnis 17
1 Einleitung
Diese Ausarbeitung soll prinzipiell den roten Faden des Referats aufgreifen und in schriftlicher Form wiedergeben. Es geht, wie die Überschrift schon verrät, um die Überprüfung und darauffolgend entweder Ablehnung oder Bestätigung der weit geläufigen These, dass das beste motorische Lernalter im Lebensabschnitt vor der Pubertät liegt. Ein jeder von uns hat sicherlich in dem einen oder anderen Zusammenhang schon einmal das Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr !“ gehört, und dies zeigt mehr denn jede Umfrage, wie tief dieser Gedanke, diese Überzeugung, in unserer Gesellschaft verankert ist. In dieser Ausarbeitung wird auf drei verschiedene Untersuchungen zu dem Thema „Sensible Phasen“ eingegangen, die Theorien von Hirtz, Joch und Winter. Hirtz und Joch vertreten hierbei sehr unterschiedliche Standpunkte, die dann von Winter auf ihre Richtigkeit und ihre Übereinstimmbarkeit untersucht werden. Vorab erfolgt allerdings noch eine genaue begriffliche Abgrenzung zum eindeutigen Verständnis des Terminus „sensible Phase“.
2 Begriffsbestimmung
Vor der Auseinandersetzung mit der Existenz und dem möglichen Zeitraum sensibler Phasen in der motorischen Entwicklung ist eine genaue Abgrenzung dieses Begriffs unbedingt notwendig. Man unterscheidet zunächst einmal zwischen dem Begriff der sensiblen Phase und dem der kritischen Phase. Oftmals werden diese Begriffe noch synonym verwendet oder gar verwechselt, welches aufgrund ihrer grundsätzlich verschiedenen Bedeutungen allerdings vermieden werden muss.
Unter kritischer Phase versteht man den „begrenzte(n) Zeitraum innerhalb einer sensiblen Phase, in dem äußere Einwirkungen unbedingt erfolgen müssen, wenn gewünschte Entwicklungseffekte noch erreicht werden sollen.“ (Winter, 1980, S. 102) Dieses Phänomen ist bisher nur in der Tierwelt nachgewiesen worden. Konrad Lorenz beispielsweise beobachtete diese sog. Prägung bei jungen Enten, die sich kurz nach der Geburt auf bestimmte optische und akustische Signale fixieren. In der Natur entsprechen diese Signale im Regelfall dem Aussehen und den Geräuschen des Muttertiers. Bleibt diese Prägung in dem bestimmten Zeitraum aus, weil das Muttertier beispielsweise gestorben ist, so ist „der angestrebte Entwicklungseffekt … unwiederbringlich verloren (Winter, 1980, S. 102), und die Entenküken sterben. Die Existenz von kritischen Phasen in diesem engen Sinne ist in der Ontogenese des Menschen noch nicht nachgewiesen. Im Vergleich dazu beschreibt der Terminus „sensible Phase“ vielmehr einen trainingsgünstigen Zeitraum zur Entwicklung bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten. Der Hauptunterschied zur kritischen Phase liegt darin, dass nicht angeeignete Fähigkeiten und Fertigkeiten zu einem späteren Zeitpunkt im Leben durchaus noch erworben werden können, u.U. allerdings mit viel mehr zeitlichem und körperlichem Aufwand. An dieser Stelle erscheint es durchaus wichtig zu erwähnen, dass eine präzisere Definition als die obige selbst in der Fachliteratur nicht vorgenommen wird. Dabei wäre es sicherlich von großer Bedeutung, den genauen Umfang dieser sensiblen Phasen zu kennen, bevor man deren Existenz bejaht oder abstreitet. Handelt es sich lediglich um Zeiträume während der Ontogenese, in denen schnelleres motorisches Lernen möglich ist? Oder führt eine Nicht-Ausnutzung dieser sensiblen Phasen doch zu erheblichen Problemen beim späteren motorischen Lernen ? Die Konsequenzen dieses Spielraums in der Definition werden in der Zusammenfassung am Ende der Ausarbeitung noch einmal aufgegriffen.
Letztlich bedarf noch der Begriff „sensitive Phase“ einer gewissen Klärung. Man findet diesen Begriff in der sportfachlichen Literatur häufig synonym zur „sensiblen Phase“. Ein Vertauschen dieser beiden Wörter ist aufgrund ihrer ähnlichen, aber nicht gleichen, Bedeutung weniger problematisch als die bereits erwähnte Verwechselung der Termini „kritische“ und „sensible“ Phase. Es sollte dennoch die „sensible Phase“ bevorzugt werden, da sensibel, aus sprachlich-semantischer Perspektive, empfindlich bedeutet, während sensitiv eher als überempfindlich verstanden wird, und die Phase ja den Zeitraum der Entwicklung beschreiben soll, in dem der Mensch besonders empfindlich bzw. empfänglich für Trainingseinwirkungen ist, und nicht überempfindlich. (vgl. Winter, 1984, S. 343) Weiterhin weist Winter darauf hin, dass „das Wort ‚sensibel‘ in verschiedenen Zusammenhängen bereits seit längerem in der Sportwissenschaft gebräulich ist“ (Winter, 1984, S. 343), während das Wort „sensitiv“, wie zum Beispiel im „Sensitivitätstraining“, eher in der Psychologie zu finden ist.
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