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Didaktischer Einsatz von Hörspielen zur Vermittlung nonverbaler Kommunikationsmittel bei blinden Kindern

Examination Thesis, 2000, 103 Pages
Author: Bianka Rademacher
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2000
Pages: 103
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V6422
ISBN (E-book): 978-3-638-13990-8

File size: 280 KB


Excerpt (computer-generated)

Didaktischer Einsatz von Hörspielen zur Vermittlung
nonverbaler Kommunikationsmittel bei blinden Kindern

Wissenschaftliche Hausarbeit
zur ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers an
Sonderschulen/für Sonderpädagogik

Vorgelegt von: Bianka Rademacher

Berlin, den 28. 08. 2000

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
   
1.1. Vorgehensweise

2. Was die Arbeit nicht beinhaltet

3. Geschichte und Grundzüge des traditionellen und neuen deutschen 
Hörspiels
   
3.1. Das deutsche Hörspiel von 1923 bis heute
    3.2. Das traditionelle Hörspiel als Wortkunstwerk
    3.3. Das Hörspiel in der Schule für Blinde
    3.4. Hörbeispiel "Ben liebt Anna" von Peter Härtling

4. Die Wahrnehmung Blinder
   
4.1. Das Hören im Verhältnis zum Sehen
    4.2. Die Hörerziehung bei blinden Kindern
    4.3. Der Charakter: die Stimme

5. Kommunikation
   
5.1. Nonverbale Kommunikation

6. Mimik und Haltung als emotionale Informationsträger
   
6.1. Die Mimik
    6.2. Das Gesicht
        6.2.1. Gesichtsausdrücke Blinder
        6.2.2. Die Bedeutung unterschiedlicher Gesichtsausdrücke
        6.2.3. Die Fähigkeit blinder Kinder, Gesichtsausdrücke auf Verlangen 
        zu reproduzieren
    6.3. Das Lächeln
        6.3.1. Das Lächeln in der Interaktion
    6.4. Das coverbale Verhalten Blinder als Feedbackverhalten in sozialen 
    Interaktionen
    6.5. Die Körperhaltung Blinder
        6.5.1. Die Bedeutung der Haltung in der Interaktion
        6.5.2. Übungsprogramme zur Verbesserung der Haltung blinder Kinder

7. Die Psychomotorik in ihrer Bedeutung für den Menschen

8. Ausdruck und Darstellung
   
8.1. Die Symbolisierungsfähigkeit als Sprache des Ausdrucks
    8.2. Trainingsprogramme zur Differenzierung der emotionalen 
    Ausdrucksfähigkeit bei blinden Kindern

9. Darstellendes Spiel an der Schule für Blinde

10. Stereotypien

11. Der Katalog erwünschter Verhaltensweisen

12. Soziale Kompetenz

13. Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick

14. Literatur


1. Einleitung

Aus dem Wissen heraus, dass Mimik und Haltung des Körpers als erster Eindruck bei einer Kontaktaufnahme im Leben des Menschen eine bedeutende Rolle spielen, entstand die Idee zu dieser Arbeit.
Mimik und Körperhaltung dienen den sehenden Menschen als nonverbale Kommunikationsmittel und haben hierin eine ältere Tradition als das Werkzeug Sprache. Durch Mimik und Körperhaltung, aber auch durch die Stimme lassen sich Emotionen wie zum Beispiel Ärger und Ungeduld ausdrücken.

Für blinde Menschen, die diese Emotionen nicht visuell vom Gesicht ablesen, sich nicht in den Augen eines anderen sehen können, werden Stimme und Sprache zum wichtigen Kommunikationsmittel. Da der blinde Mensch in einer Welt der Sehenden lebt, ist es für ihn unabdingbar, sich mit den nonverbalen Ausdrucksformen Sehender und der Wirkung seiner eigenen nonverbalen Kommunikationsmittel auseinanderzusetzen.
In diesem speziellen Themengebiet der nonverbalen Verhaltensmuster, insbesondere der Mimik und Körperhaltung blinder Kinder sowie deren Wirkung auf Sehende herrscht ein erstaunlicher Mangel an Literatur.

Ich werde in meiner Arbeit den didaktischen Einsatz von Hörspielen zur Unterstützung des nonverbalen Ausdrucksprogramms bei blinden Kindern darstellen. Ich beziehe mich auf die eingegrenzte Gruppe der blinden Kinder, die von Geburt oder kurz danach erblindet sind, ohne zusätzliche kognitive oder andere Behinderungen. Diese starke Eingrenzung wurde vorgenommen, um klar davon ausgehen zu können, dass in der frühen Kindheit weder die Möglichkeit bestand, nonverbales Verhalten visuell zu erlernen, noch über noch so geringe visuelle Wahrnehmung Vorstellungen über nonverbales kommunikatives Verhalten zu erlangen.

Ziel der Aneignung und Erweiterung nonverbaler Kommunikationsmittel für blinde Kinder sollte die Erhöhung sozialer Kompetenz sein.

1.1. Vorgehensweise

Im ersten Teil der Arbeit wende ich mich der Geschichte und den Grundzügen des traditionellen und neuen deutschen Hörspiels zu. Dann werde ich theoretische und praktische Hinweise zum Gebrauch des Hörspiels in der Schule für Blinde geben. Als Hörbeispiel - in dem nonverbale Kommunikationsmittel sprachlich umgesetzt wurden - ziehe ich "Ben liebt Anna" von Peter Härtling heran. Durch das Hörspiel erlangen blinde Schüler das Bedeutungswissen, dass bei Sehenden Emotionen u. a. über das Gesicht und die Körperhaltung ausgedrückt werden können.

Bei der Durchsicht der Literatur vermisste ich die wissenschaftliche Diskussion darüber, ob das Hörspiel als Stimulus für gelernte und neu reproduzierbare nonverbale Ausdrucksmöglichkeiten blinder Kinder dienen kann. In Gesprächen mit Pädagogen und aus eigener Erfahrung im Umgang mit blinden Schülern kristallisierte sich heraus, welcher geringe didaktische Stellenwert dem Hörspiel beigemessen wird. Für mich stellt es eine Herausforderung dar, das Hörspiel im Medienzeitalter auf seinen Gehalt hin zu untersuchen. Gerade zum jetzigen Zeitpunkt - die Leipziger Buchmesse des Jahres 2000 kündigte es an - gewinnt das Hörspiel, insbesondere das Hörbuch als Medium immer mehr an Popularität.

Dass der blinde Mensch in einer auf Sehen ausgerichteten Welt lebt, wird auch nachvollziehbar durch die im Rahmenplan der Schule für Blinde verankerten Zielsetzungen. Dort wird in den Erziehungszielen der Schule das Anliegen deutlich, blinde Kinder zur Beherrschung von angemessenen Interaktionsformen im Umgang mit Sehenden anzuleiten und ihnen zuvor bewusst zu machen, dass sie durch ihre eingeschränkte Mimik und Körperhaltung normgerechte Kompensationsstrategien,
d. h. Erproben von Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, Benennen von Missverständnissen und Möglichkeiten der Vermeidung erkennen und entwickeln müssen . Die Schule für Blinde hat sich im Bereich des kulturellen Lebens unter anderem die zwei Ziele gesetzt, die blinden Schüler zur optimalen Nutzung der verbliebenen Sinne zu erziehen und sie dazu zu befähigen, die Bedeutung des Sehen und Gesehenwerdens zu verstehen und in ihr Verhalten miteinzubeziehen .
Darauf konzentriere ich mich im vierten Kapitel, wenn ich auf die Wahrnehmung Blinder insbesondere auf das Hören im Verhältnis zum Sehen und die Hörerziehung blinder Kinder eingehe. Ebenso Bestandteil dieses Abschnittes ist der Zusammenhang von Stimme und Charakter. Es ist schwer zu beschreiben, wie sich im Menschen ein Bild entwickelt, obwohl er den Betreffenden körperlich nicht sehen kann. Blinde scheinen jedoch dazu fähig zu sein. Die Stimme ist für den Blinden das Gesicht: Charakter, Stimmung, Selbst. Mit diesem so entstandenen Bild des Gegenübers begegnen Blinde den Sehenden.

Die Sehenden erwarten vom Blinden angemessene Interaktionsformen, wozu auch der Bereich der nonverbalen Kommunikation zählt. Auf die Kommunikation, hier speziell die nonverbale Kommunikation in Abgrenzung zur verbalen Kommunikation, beziehe ich mich im Kapitel fünf. Dies beinhaltet einen Teil der begrifflichen und theoretischen Grundlage dieser Arbeit.

[...]


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