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Hauptseminararbeit, 2005, 34 Seiten
Autor: Diplom-Kulturwissenschaftler Hendrik Heinze
Fach: Kulturwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) (Fakultät fur Kulturwissenschaften)
Tags: Good, Konventionen, Untertitelung, Film, Fernsehen, Filmsynchronisation
Jahr: 2005
Seiten: 34
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 44 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-60503-8
ISBN (Buch): 978-3-638-67237-5
Dateigröße: 221 KB
Enthält sehr gute Literaturliste einschliesslich vieler kaum bekannter und schwer erhältlicher Werke (z.B. Diplomarbeiten an der Universität Wien).
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Zusammenfassung / Abstract
Gutes Untertiteln ist eine hohe Kunst, wahrgenommen jedoch meist nur in ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten. „All of us have, at one time or another, left a movie theater wanting to kill the translator. Our motive: the movie’s murder by ‘incompetent’ subtitle”, schreibt der Filmkritiker Nornes (1999: 17). Dem Publikum ist oft nicht bewusst, welch große technische, sprachliche, stilistische und dramaturgische Herausforderungen mit der Übertragung einhergehen. Zusätzliche audiovisuelle Komponenten in einer polysemiotischen Umgebung, ein Wechsel vom gesprochenen zum geschriebenen Medium und eine beachtliche Textreduktion werden von Untertitlern als arbeitserschwerende Einschränkungen und von Translationswissenschaftlern als distinkte Merkmale einer “neuen” Art der Übersetzung gesehen. Zur Vereinheitlichung und Erleichterung dieser anspruchsvollen Tätigkeit existieren verschiedene Konventionen. Diese Arbeit hat zum Ziel, die geltenden Standards der Untertitelung und deren wissenschaftliche Herleitung zu beleuchten. Zahlreiche Autoren haben Handreichungen und Überblicke zum guten Untertiteln verfasst, so z.B. Buhr (2003), Dries (1995), Ivarsson (1992) und Luyken et. al. (1991). Auch die wissenschaftliche Literatur zum Thema wächst stetig. Um die Einhaltung gewisser Standards sicherzustellen, hat die Gilde der europäischen Untertitler zahlreiche Festlegungen zum zeitgemäßen Untertiteln getroffen. Hier ist besonders der ‚Code of Good Subtitling Practice’ der ‚European Association for studies in screen translation’ (ESIST) zu nennen, den die erfahrenen Untertitler Jan Ivarsson und Mary Carroll zusammengestellt haben (Ivarsson/Carroll 1998). Eine genaue Auseinandersetzung mit den dortigen technischen und sprachlichen Maßgaben ist das Herzstück dieser Arbeit. Die so entstandene Vermischung normativer Handlungsanweisungen und deskriptiver Analysen ist ein bewusster Versuch der thematischen Anordnung. Als umfängliche und kompetente Einschätzung des Untertitelns und seiner Herausforderungen richtet sich diese Arbeit an Sprach- und TranslationswissenschaftlerInnen sowie PraktikerInnen gleichermaßen. Die gelungene Verknüpfung von praxisnaher Darstellung und fundierter theoretischer Analyse, der klare und prägnante Stil sowie das umfangreiche Literaturverzeichnis machen die Arbeit insbesondere für Studenten geistes- und kulturwissenschaftlicher Fächer interessant. Der Autor ist Diplom-Kulturwissenschaftler.
Textauszug (computergeneriert)
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Seminar: “Filmsynchronisation und Übersetzungsprobleme – Was kann man übersetzen?“
„Good subtitling practice“:
Konventionen der Untertitelung in Film und Fernsehen
Hendrik Heinze
Sommersemester 2005
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
1.1 Möglichkeiten der sprachlichen Übertragung von Filmen 1
1.2 Standards und Konventionen 3
2 Definition 5
3 Eine kurze Geschichte des Untertitelns 8
4 Charakteristika der Untertitelung 10
4.1 Ist Untertitelung Übersetzung? 10
4.2 Die polysemiotische kommunikative Situation 12
4.2.1 Raum und Zeit 13
4.2.2 Rhythmus 17
4.2.3 Segmentierung 19
4.3 Reduktion: Linguistische Strategien 20
4.3.1 Totale Reduktion / Tilgung 21
4.3.2 Partielle Reduktion / Kondensation und Paraphrase 23
4.4 Adaption gesprochener Sprache 24
5 Zusammenfassung 26
6 Fremdsprachliche Zusammenfassung 26
7 Literaturverzeichnis 27
8 Anhang: Code of Good Subtitling Practice 32
1 Einleitung
1.1 Möglichkeiten der sprachlichen Übertragung von Filmen
„All of us have, at one time or another, left a movie theater wanting to kill the translator.
Our motive: the movie’s murder by ‘incompetent’ subtitle.”
(Nornes 1999: 17).
Am Kürzel OmU – Originalversion mit Untertiteln sind in den Kinoprogrammen der Tageszeitungen bis heute die „nicht ganz einfachen“ Filme zu erkennen. Kassenschlager werden für den großen deutschsprachigen Markt traditionell synchronisiert, so dass die Untertitelung als Art der sprachlichen Übertragung hierzulande auf kleinere Produktionen beschränkt bleibt. Diese Filme richten sich oft an ein eher anspruchsvolles Publikum1, und wenn sie nicht schon von vornherein diesen Ruf haben, dann haben sie ihn spätestens nach der manchen Menschen als sperrig geltenden Untertitelung. In anderen europäischen Ländern ist das anders: Während Filme für die großen europäischen Sprachgemeinschaften synchronisiert werden, sind Niederländer, Skandinavier oder Griechen von Kindesbeinen an mit Untertiteln vertraut.
Mit dem Siegeszug der DVD jedoch werden Untertitel auch hierzulande für breitere Schichten interessant.2 Auf Knopfdruck lassen sich nun Titel in verschiedenen Sprachen einblenden, sei es zum Fremdspracherwerb (vgl. Dollerup 1974: 197) oder einfach aus Neugier. Manch einer möchte einen Film in seiner Originalfassung sehen, bedarf dazu aber der Verständnishilfe. Die heutzutage immer häufiger aus dem Internet heruntergeladenen Filme sind in der Regel auf Englisch. Die Untertitelwahl English for the hearing impaired vermag dann das gesprochene, unverständliche Schottisch des Hauptdarstellers durch eine verschriftlichte Adaption zu ergänzen. Auch Fernsehbeiträge und Dokumentationen bedienen sich der Untertitelung, insbesondere dort, wo die Glaubwürdigkeit, Authentizität oder Exaktheit einer Aussage unterstrichen werden soll, zum Beispiel beim Interview von Zeitzeugen.
Zur Übertragung eines Filmes in eine andere Sprache stehen neben den „Hauptkonkurrenten“3 Untertitelung und Synchronisation zahlreiche weitere Möglichkeiten zur Verfügung. Das voice-over und der freie Kommentar lassen sich dabei zusammen mit der Synchronisation unter dem gebräuchlichen Begriff revoicing subsumieren. Vor- und Nachteile all dieser Möglichkeiten sollen in dieser Arbeit nicht en detail diskutiert, aber dennoch kurz angerissen werden.4
Mit dem Aufkommen der DVD und ihren technischen Möglichkeiten verlieren ökonomische und technische Erwägungen zusehends an Bedeutung. Zwar ist und bleibt die Synchronisation um ein vielfaches teurer als die Untertitelung5, die Gepflogenheiten einer DVD verlangen es jedoch, dass die Produzenten zumindest größerer Filme den Zuschauern beide Möglichkeiten gleichberechtigt zur Verfügung stellen. Diese können dann zwischen untertitelten und synchronisierten Fassungen verschiedener Sprachen wählen und diese nach Belieben kombinieren, z.B. um ihre Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern oder auch, wenn sie den Film gemeinsam mit anderssprachigen Menschen schauen wollen.
Gambier (2003: 173) erachtet den „ewigen“ Wettstreit zwischen Untertiteln und Synchronisieren damit für beendet: „The long debate about dubbing vs. subtitling is [...] becoming obsolete and irrelevant given such developments in technology.“ Das jedoch gilt nur für die ökonomisch-technischen Aspekte der Debatte. Die oft diskutierten Fragen von Identität, Authentizität, Adaption und Translation sind für den Zuschauer wichtiger als je zuvor, da er nun mit der Fernbedienung selbst seinen eigenen Kriterien gemäß entscheiden kann. Dries schreibt dazu:
„Those in favour of subtitling like to be able to hear the original language and the actors; for them, speech is an inseparable part of the quality of the acting and the intentions of the director. Opponents, however, are concerned that the text on screen interferes with the image, and are worried about the viewer becoming distracted as his eyes move to the bottom of the screen.They feel that the subtitles interfere with the composition of the visual image as intended by the director, and present a barrier to viewers with sight and/or reading problems.”
(Dries 1995: 26).
Für die Masse der kleinen Film- und vor allem Fernsehproduktionen bleiben ökonomische Erwägungen jedoch elementar. Welche Lösung letztendlich gewählt wird, ist nicht alleine eine Entscheidung über die künstlerische oder inhaltliche Angemessenheit, sondern vor allem auch eine Frage des Geldes: Synchronisation ist teuer, zeitintensiv und erfordert zahlreiche hochqualifizierte Mitarbeiter. Im Vergleich dazu ist die Untertitelung ein preiswertes und unaufwändiges Unterfangen und bedarf geringer technischer Voraussetzungen. Dieser Vorteil jedoch verkehrt sich dort ins Gegenteil, wo unqualifizierte oder unter Zeitdruck stehende Übersetzer6 schlecht arbeiten und den Filmen so großen Schaden zufügen.
Auf die Spitze getrieben findet sich dieses Phänomen in raubkopierten und piratierten Filmen, die von den Fälschern oft auf eigene Faust mit Untertiteln versehen werden. Diese oft mit Hilfe von Übersetzungsprogrammen erstellten Ergebnisse sind so haarsträubend unverständlich, dass sie in Internetforen bereits als eigene Kunstform betrachtet werden.
1.2 Standards und Konventionen
Viele der entstehenden Fehler führen Untertitler auf die oft zu knappen Abgabefristen zurück. Aber auch unabhängig davon gibt es zahlreiche Fehler und Unzulänglichkeiten, die aus schlechter Ausbildung, mangelnder Beschäftigung mit der Materie, mangelndem Arbeitseifer (oft als Trotzreaktion unterbezahlter und überbeschäftigter freelancer) oder fehlenden Übereinkünften resultieren. Diese Arbeit hat zum Ziel, die geltenden Standards der Untertitelung und deren wissenschaftliche Herleitung zu beleuchten. Als vorausgesetzt soll dabei betrachtet werden, dass Untertitler große Mühen auf ein korrektes Verständnis und eine ausführliche Analyse des Ursprungstextes verwenden. Das umfasst genaues Hören und Lesen, gewissenhaftes Prüfen, die Konsultation von Wörterbüchern und Muttersprachlern, den Abgleich von Dialoglisten mit tatsächlich gedrehtem Material und eine Analyse des situativen Gebrauchs bestimmter Wendungen. Derlei Selbstverständlichkeiten widmet die einschlägige Literatur eine nicht geringe Anzahl an Ratschlägen. Flüchtigkeitsfehler und ein Mangel an Qualifikation, Zeit oder Elan aber können durch die Art Standards nicht abgestellt werden, die hier behandelt wird. Hier soll daher davon ausgegangen werden, dass die beteiligten Personen allezeit ein „correct pragmatic, phonemic, and semantic decoding of the dialog“ (Gottlieb 1994a: 109) leisten.
Zahlreiche Autoren haben Handreichungen und Überblicke zum guten Untertiteln verfasst, so z.B. Buhr (2003), Dries (1995), Ivarsson (1992) und Luyken et. al. (1991). Auch die wissenschaftliche Literatur zum Thema wächst stetig.7 Um die Einhaltung gewisser Standards sicherzustellen, hat die Gilde der europäischen Untertitler zahlreiche Festlegungen zum zeitgemäßen Untertiteln getroffen. Hier ist besonders der Code of Good Subtitling Practice der European Association for studies in screen translation (ESIST) zu nennen, den die erfahrenen Untertitler Jan Ivarsson und Mary Carroll zusammengestellt haben (Ivarsson/Carroll 1998).8 Im Folgenden wird darauf lediglich mit Code Bezug genommen.
[...]
1 Vgl. Kilborn (1989: 431): „[…] connotations of the ‚difficult’ late-night art-movie [...]“.
2 Die katalonische Untertitlerin Sánchez (2004: 12) dazu: „The advent of DVD and digital and satellite television has meant an increase in subtitled film and television.“
3 Gottlieb (1994a: 102) nennt die Synchronisation „the ever-present rival“ der Untertitelung.
4 Die gängigen Argumente für und wider die einzelnen Arten der Übertragung sind hinlänglich bekannt. Auch die Mutmaßungen ähneln sich, warum das Publikum der Synchronisationsländer in seiner großen Mehrheit die Synchronisation bevorzugt, das der kleineren Untertitelungshochburgen jedoch ebenso deutlich die Untertitelung – i.d.R. läuft es darauf hinaus, eine Gewöhnung zu vermuten. Interessante Ansätze liefert Danan (1991) mit ihrer Untersuchung des Verhältnisses von Synchronisation und Nationalismus.
5 Abhängig von den verschiedenen für die Übertragung relevanten Faktoren kann eine Synchronisation bis zum Zwanzigfachen teurer sein als eine Untertitelung. Vgl. Luyken et. al. (1991: 105), die das Kostenverhältnis auf etwa 1:15 beziffern. Die Informanten von Herbst (zitiert bei Jurja 2004: 17) sprechen von 1:5 bis 1:10. Ivarsson (2002: 7) gibt die Relation mit 1:10 bis 1:20 an.
6 Zur Problematik dieses Begriffs im Zusammenhang mit der Erstellung von Untertiteln siehe Abschnitt 4.1.
7 Hervorragende bibliographische Hinweise sind auf der Homepage von Jan Ivarssons Firma zu finden:
http://www.transedit.se/Bibliography.htm.
8 Dazu Carroll (2004): “The Code has been adopted by ESIST, the European Association for Studies in Screen Translation and is now used throughout the industry.”
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