Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Alexa Wissel
Fach: Dolmetschen / Übersetzen
Details
Tags: Gérondif, Urteilsversionen, Europäischen, Gerichtshofs
Jahr: 2007
Seiten: 208
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 91 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 818 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-60069-9
Textauszug (computergeneriert)
Universität des Saarlandes
Philosophische Fakultät II – Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften
Fachrichtung 4.6
Angewandte Sprachwissenschaft sowie Übersetzen und Dolmetschen
Zur Übersetzung des französischen Gérondif in deutschen
Urteilsversionen des Europäischen Gerichtshofs
Diplomarbeit
Zur Erlangung des akademischen Grades
einer Diplom-Übersetzerin
vorgelegt von: Alexa Wissel
vorgelegt im: Januar 2007
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 1
2 Das französische Gérondif ... 4
2.1 Stand der Forschung ... 5
2.2 Gérondif vs. Participe Présent und Adjectif Verbal ... 8
2.2.1 Participe Présent vs. Adjectif Verbal ... 9
2.2.2 Participe Présent vs. Gérondif ... 12
2.2.3 Übersicht ... 16
2.3 Morphologische Charakteristika ... 18
2.3.1 Die Präposition en ... 18
2.3.1.1 Bedeutung von en ... 18
2.3.1.2 Wiederholung von en ... 19
2.3.2 Verbstamm mit der Endung -ant ... 20
2.4 Syntaktische Charakteristika ... 22
2.4.1 Die Bezugsgrößen des Gérondif ... 22
2.4.1.1 Das verbundene Gérondif ... 22
2.4.1.2 Das unverbundene Gérondif ... 24
2.4.2 Die Ergänzungen des Gérondif ... 25
2.4.3 Stellung des Gérondif ... 26
2.4.4 Weitere syntaktische Besonderheiten des Gérondif ... 28
2.5 Semantisch-funktionale Charakteristika ... 29
2.5.1 Das implizite Subjekt des Gérondif ... 29
2.5.2 Informationsstruktur ... 32
2.5.3 Die Relationen des Gérondif ... 34
2.6 Das Gérondif mit tout ... 40
2.6.1 Syntaktische Merkmale ... 41
2.6.2 Semantische Merkmale ... 42
2.7 Zur Frage der Frequenz und der Distribution ... 43
2.8 Wiedergabemöglichkeiten im Deutschen ... 44
2.8.1 Das einfache Gérondif ... 45
2.8.1.1 Das vorrangig temporale Gérondif ... 45
2.8.1.2 Das vorrangig modale bzw. instrumentale Gérondif ... 45
2.8.1.3 Das vorrangig kausale Gérondif ... 47
2.8.1.4 Das vorrangig konditionale Gérondif ... 47
2.8.2 Das Gérondif mit tout ... 48
2.8.2.1 Das vorrangig konzessiv-oppositive Gérondif ... 48
2.8.2.2 Das Gérondif zum Ausdruck der Gleichzeitigkeit ... 48
2.9 Zusammenfassung ... 49
3 Sprachvergleich und Übersetzen in der Fachsprache Recht ... 52
3.1 Kontrastive Linguistik ... 53
3.1.1 Definition und Entstehung der kontrastiven Linguistik ... 53
3.1.2 Ebenen des Sprachvergleichs und Äquivalenz ... 54
3.1.3 Kontrastive Linguistik und Übersetzungswissenschaft ... 57
3.2 Die Fachsprache Recht ... 59
3.2.1 Definition „Fachsprache“ ... 59
3.2.2 Besonderheiten der Fachsprache Recht ... 61
3.2.2.1 Besondere Merkmale im Bereich der Morphosyntax ... 63
3.2.2.2 Besondere Merkmale im Bereich der Lexik ... 64
3.2.2.3 Besondere Merkmale im Bereich des Stils ... 65
3.2.2.4 Besondere Merkmale im Bereich des Textes ... 67
3.2.3 Unterschiede zwischen der deutschen und der französischen Rechtssprache.. 71
3.2.3.1 Unterschiede im Bereich der Morphosyntax ... 72
3.2.3.2 Unterschiede im Bereich der Lexik ... 74
3.2.3.3 Unterschiede im Bereich des Stils ... 75
3.3 Fachsprachenübersetzung ... 76
3.3.1 Rechts- und Sprachvergleich beim Übersetzen juristischer Fachtexte ... 78
3.3.1.1 Besonderheiten bei der Übersetzung von EU-Texten ... 79
3.3.1.2 Besonderheiten bei der Übersetzung von Urteilen des EuGH ... 82
3.3.2 Übersetzungstheorien und Übersetzungsstrategien ... 84
3.3.3 Juristische Kompetenz und Sprachkompetenz ... 86
3.4 Zusammenfassung ... 88
4 Zur Übersetzung des Gérondif in EUGH-Urteilen ... 90
4.1 Beschreibung des Korpus ... 90
4.1.1 Der Europäische Gerichtshof als Institution ... 90
4.1.1.1 Zusammensetzung des EuGH, des EuG und des EuGöD ... 91
4.1.1.2 Zuständigkeiten des EuGH, des EuG und des EuGöD ... 92
4.1.1.3 Arbeitsweise des EuGH ... 93
4.1.2 Die Sprachenregelung des Europäischen Gerichtshofs ... 96
4.1.2.1 Die gesetzliche Regelung einer Verfahrenssprache ... 96
4.1.2.2 Die Praxis der internen Arbeitssprache ... 97
4.1.2.3 Organisation und Arbeitsweise des Sprachendienstes des EuGH ... 99
4.2 Zur Vorgehensweise in der vorliegenden Untersuchung ... 101
4.3 Übersetzung des Gérondif in EuGH-Urteilen ... 103
4.3.1 Das einfache Gérondif ... 104
4.3.1.1 Hypotaktische Konstruktion ... 104
4.3.1.2 Nominalsyntagma (+ Präposition) ... 125
4.3.1.3 Parataktische Konstruktion ... 138
4.3.1.4 Präposition ... 142
4.3.1.5 Partizip ... 146
4.3.1.6 Finites Verb + Adverbial ... 150
4.3.1.7 Verbalkomposition ... 152
4.3.1.8 Auslassung ... 154
4.3.2 Das Gérondif mit tout ... 156
4.3.2.1 Parataktische Konstruktion ... 157
4.3.2.2 Hypotaktische Konstruktion ... 166
4.3.2.3 Präposition ... 172
4.3.2.4 Nominalsyntagma + Präposition ... 174
4.3.2.5 Partizip ... 176
4.4 Statistik der im Korpus festgestellten Übersetzungsmöglichkeiten ... 179
4.5 Ergebnisse der Untersuchung ... 182
5 Fazit ... 191
6 Literaturverzeichnis ... 196
6.1 Korpusgrundlage ... 196
6.2 Rechtsquellen ... 196
6.3 Sekundärliteratur ... 196
6.4 Internetseiten ... 202
1 Einleitung
Das französische Gérondif, welches als adverbiale Ergänzung zum Verb beschrieben werden kann, stellt ein besonders komplexes Phänomen in der französischen Sprache dar und ist laut Halmøy (vgl. 2003a:3) eine der spannendsten und am häufigsten verwendeten Formen im heutigen Französisch. So sind Gérondifkonstruktionen ein wichtiger Bestandteil sowohl der gesprochenen als auch der geschriebenen Sprache. Das Gérondif stellt eine typisch französische Konstruktion dar, die in dieser Form weder im Lateinischen noch in den romanischen oder germanischen Sprachen ein direktes Äquivalent hat (vgl. ebd.). Nach Auffassung Zembs (vgl. 1978:524) hat das deutsche Gerundium mit dem französischen Gérondif noch weniger gemeinsam als der deutsche Konjunktiv mit dem französischen Subjonctif. Am nächsten käme dem Gérondif noch das deutsche Partizip Präsens mit der Endung –nd, welches ebenfalls adjektivische Funktionen in sich birgt. Dieses spielt jedoch bei der Wiedergabe des Gérondif im Deutschen eine untergeordnete Rolle und strahlt nach Ansicht Serra Bornetos (1982:439) eine Art „antiquierte Eleganz“ aus.
Wenn demnach die deutsche Sprache über kein direktes Äquivalent für diese französische Form verfügt, stellt sich insbesondere für die Übersetzung die Frage, mit welchen Strukturen – wenn nicht mit dem deutschen Gerundium oder dem Partizip Präsens – das französische Gérondif im Deutschen wiedergegeben werden kann. Eine zusätzliche Schwierigkeit ergibt sich daraus, dass das Gérondif nicht immer eindeutig ist, sondern oft mehr als nur eine Relation ausdrückt. Gerade im Bereich der im Rahmen dieser Arbeit untersuchten Rechtssprache, die sich insbesondere durch Deutlichkeit und Explizitheit auszeichnet (vgl. Roelcke 1999:83), stellt die semantisch-funktionale Vagheit des Gérondif eine große Herausforderung für den fachsprachlichen Übersetzer dar. Der Übersetzer sieht sich mit der Aufgabe konfrontiert zu ermitteln, welche verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten unter Einbeziehung des Kontextes möglich sind. Wenn er sich nun für eine Interpretation entscheidet, besteht die Gefahr, dass er in zweierlei Hinsicht einen Fehler begeht. Zum einen besteht die Möglichkeit, dass er der Form ihre Polyfunktionalität und somit ihre explizite Vielfalt nimmt. Zum anderen schließt er durch die Wahl einer expliziteren Konstruktion die anderen aus und kann der Form dadurch ihren komplexen Sinn nehmen (vgl. Serra Borneto 1982:44). Außer dem Merkmal der Polyfunktionalität kann der Form des Gérondif auch eine gewisse Kompaktheit zugeschrieben werden, d. h., durch den Gebrauch einer Gérondifkonstruktion kann ein Nebensatz mit finitem Verb vermieden werden. Es scheint, als sei das Gérondif infolge seiner wechselseitigen Beziehung mit dem Satzkern an diesen enger gebunden, auch wenn es nicht in der nächsten Umgebung des Kerns auftritt (vgl. Serra Borneto 1982:445).
Im praktischen Teil dieser Arbeit werden die extrahierten Belege daraufhin untersucht, ob sie die gleiche Polyfunktionalität und Kompaktheit wie das Gérondif aufweisen. Dabei stellt sich die Frage, ob – wie beispielsweise bei Pusch (1980:103) für die italienische Form der Fall – eine „ideale“ Übersetzung für bestimmte Gérondifkonstruktionen existiert, ob von einer „Standardübersetzung“ gesprochen werden kann und ob die in den untersuchten Grammatiken aufgeführten Wiedergabemöglichkeiten für das Gérondif in allgemeinsprachlichen Texten auch für Fachsprachen herangezogen werden bzw. ob diese zu den in Kapitel 3 als typisch klassifizierten Stilmitteln von Fachsprachen gezählt werden können. Auch soll geklärt werden, ob die Beobachtung Schmidt-Knäbels (vgl. 1969:258), dass Fachsprachen eine relativ niedrige Frequenz an Gérondifkonstruktionen aufweisen und diese dagegen häufiger in Romanen auftauchen, bestätigt oder widerlegt werden kann. Ferner soll der Frage nachgegangen werden, ob die verwendeten Translationsvarianten, die nicht in den Grammatiken aufgeführt sind, eine Alternative zu den üblicherweise zur Wiedergabe des Gérondif gebrauchten Konstruktionen darstellen oder ob sie als nicht adäquate Übersetzungen der französischen Form einzustufen sind. Darüber hinaus soll eine Antwort auf die Frage gefunden werden, ob bestimmte syntaktische, semantische oder pragmatische Eigenschaften einen bestimmten Übersetzungstyp begünstigen bzw. blockieren.
Die vorliegende Arbeit möchte einen Beitrag zur kontrastiven Linguistik leisten. Besonderes Augenmerk gilt hierbei dem Inventar an Übersetzungsmöglichkeiten des französischen Gérondif im Deutschen. Um die gesteckten Ziele zu erreichen, soll dabei wie folgt vorgegangen werden: Zunächst soll im ersten theoretischen Teil (Kapitel 2) das Gérondif allgemein beschrieben werden, d. h., es wird untersucht, welche Erkenntnisse zum Gérondif sowie zu seiner Übersetzung bereits in der Fachliteratur gewonnen worden sind (2.1). Im Anschluss daran erfolgt eine Abgrenzung der drei Formen auf –ant (Gérondif, Participe Présent, Adjectif Verbal), wobei ermittelt wird, welches die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede dieser drei Formen sind und ob nicht etwa der Frage Henrichsen (1967:97) nach einer „conception unique“ nachgekommen werden sollte (2.2). Ferner wird im Hinblick auf die Korpusanalyse auf die morphologischen (2.3), syntaktischen (2.4) und semantisch-funktionalen Charakteristika (2.5) dieses komplexen Phänomens in der Wissenschaft eingegangen, um dem sich anschließenden Korpus eine Grundlage zu bieten. Da im Korpus sowohl die Formen des einfachen Gérondif als auch die Formen mit tout untersucht werden, sollen infolgedessen auch die syntaktischen und semantischen Merkmale der zusammengesetzten Form mit tout sowie die Unterschiede zur einfachen Form herausgearbeitet werden (2.6). Daraufhin erfolgt eine kurze Abhandlung über das Vorkommen des Gérondif in den einzelnen Textsorten, wobei ermittelt wird, ob sich dabei Unterschiede ergeben bzw. worin diese begründet sein könnten (2.7). Im Anschluss daran wird auf der Basis französischer Grammatiken sowie wissenschaftlicher Abhandlungen zum Gérondif ein Inventar an deutschen Wiedergabemöglichkeiten hinsichtlich dieser komplexen Struktur erarbeitet mit dem Ziel, die im Korpus ermittelten Gérondifkonstruktionen ihren Entsprechungen im deutschen Zieltext gegenüberzustellen und auf ihre Funktionalität hin zu untersuchen (2.8). Von besonderem Interesse wird dabei anschließend sein, ob von den herausgearbeiteten Translationsvarianten auch im Bereich der Fachsprache bzw. konkret in den untersuchten Urteilsversionen Gebrauch gemacht wurde.
Um der vorliegenden Arbeit eine wissenschaftliche Grundlage für den kontrastiven Vergleich der Funktionen des französischen Gérondif mit den entsprechenden deutschen Konstruktionen zu bieten, ist es notwendig und sinnvoll, zunächst die beiden Disziplinen des Sprachvergleichs, die kontrastive Linguistik und die Übersetzungswissenschaft (3.1), sowie die Charakteristika der Fachsprache Recht (3.2) und die Besonderheiten bei der Übersetzung juristischer Fachtexte (3.3) näher zu betrachten.
Zu Beginn von Kapitel 4, welches den praktischen Teil dieser Arbeit darstellt, wird zunächst die Arbeit des Europäischen Gerichtshofs sowie die des dortigen Sprachendienstes näher erläutert, bevor in 4.4. mit der eigentlichen Analyse der Urteile begonnen wird. Im Rahmen der Untersuchung werden die wichtigsten im Korpus ermittelten Übersetzungsverfahren exemplarisch diskutiert. Dabei liegt der Fokus auf der Beantwortung der oben aufgeworfenen Fragen.
2 Das französische Gérondif
Das französische Gérondif, das, wie bereits erwähnt, eine adverbiale Ergänzung zum Verb darstellt (vgl. Confais 2000:94), wird aus der Präposition en sowie der Form des Participe Présent gebildet.1 Es stellt ein typisch französisches Phänomen dar, das in dieser Form weder in der lateinischen Sprache noch in den germanischen oder den anderen romanischen Sprachen ein direktes Äquivalent hat (vgl. z. B. Halmøy 2003b:25). Auch wenn andere Sprachen über grammatische Formen verfügen, die ähnliche Bezeichnungen tragen, wie beispielsweise das lateinische Gerundium oder das Gerundivum, das spanische und italienische Gerundio, das englische Gerund oder auch das deutsche Gerundium, so unterscheiden sich doch all diese Formen in ihren morphologischen und/oder funktionalen Eigenschaften von dem französischen Gérondif.2
[...]
1 Zur Bildung von Gérondif und Participe Présent s. Langenscheidt 1998:190f.
2 Für einen ausführlichen Vergleich der einzelnen Formen mit dem Gérondif s. Halmøy 2003:11ff.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: