Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Scholarly Essay, 2002, 23 Pages
Author: Helmut Wagner
Subject: Sociology - Political Sociology, Majorities, Minorities
Details
Year: 2002
Pages: 23
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-62232-5
ISBN (Book): 978-3-638-72178-3
File size: 264 KB
Abbildung und Bildquelle hinzugefügt.
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Eliten sind ein wichtiger und zentraler Bestandteil jeder gesellschaftlichen Ordnung und stehen an der Spitze der sozialen Hierarchie. Meist handelt es sich um eine kleine, privilegierte Minderheit, die an den Schalthebeln der Macht sitzt und von dort aus ihren Einfluss auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung nimmt. Wie kann es aber dazu kommen, dass eine gesellschaftliche Minderheit die soziale Ordnung dominieren kann? Der gesunde Menschenverstand schließt sofort auf die Kategorie der Macht - aber Macht entsteht auch nicht aus einem Vakuum heraus. Schon allein für die Frage der Entstehung von Eliten bedarf es also einer fundierten Sozialtheorie. Eine solche Sozialtheorie muss dann jedoch auch erklären können, wie diese Eliten ihren gesellschaftlichen Status sichern. Neben der Entstehung interessiert also auch die Frage der Reproduktion von Eliten, und damit von sozialer Ordnung überhaupt. Und schließlich sollte es mithilfe einer solchen Theorie auch möglich sein zu klären, wie individuelle soziale Akteure Teil dieser Elite werden bzw. werden können. Wie offen oder geschlossen sind gesellschaftliche Eliten? Handelt es sich um ein zirkuläres und exklusives Phänomen, oder sind sie nach außen geöffnet? Und wie veränderbar sind diese Eliten über die Zeit, d.h. was ist ihre Rolle bei sozialem Wandel? Die Theorie soziokultureller Ungleichheit des französischen Soziologen Pierre Bourdieu scheint besonders geeignet, um Antworten auf diese Fragen zu geben. Mit dem Habitus als dem zentralen Mechanismus entwirft Bourdieu eine Sozialtheorie, die individuelles Sein und soziale Stellung sinnvoll miteinander verknüpft. Diese Theorie mündet in ein Modell des sozialen Raumes, in dem soziale Positionen immer auch einhergehen mit einem klassenspezifisch ausgeprägten Lebensstil. Neben der grundsätzlichen Erläuterung seiner Sozialtheorie sowie seines Modells des sozialen Raumes steht die Frage nach der Entstehung und Reproduktion von Eliten im Zentrum dieser Arbeit. Dabei werden folgende Fragen behandelt: Wie genau entstehen soziale Klassen und ihre jeweiligen Lebensstile? Welche Faktoren entscheiden über die Zugehörigkeit zu den einzelnen Klassen? Was kennzeichnet insbesondere die Elite und ihren elitären Lebensstil? Handelt es sich um einen in sich geschlossenen, exklusiven Kreis oder ist auch ein sozialer Aufstieg möglich - wenn ja, wie? Und wie können mit Bourdieu Stabilität und Wandel von Eliten und gesellschaftlicher Ordnung erklärt werden?
Excerpt (computer-generated)
LUDWIG-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT MÜNCHEN, INSTITUT FÜR SOZIOLOGIE
SEMINAR: EINFÜHRUNG IN DIE POLITISCHE SOZIOLOGIE
Sommersemester 2002, 15. September 2002
Elitenbildung und Einordnung in eine Gesellschaftstheorie -
Die feinen Unterschiede: Pierre Bourdieus
Theorie soziokultureller Ungleichheit
von: Helmut Wagner
INHALTSVERZEICHNIS
A Einleitung...3
B Elitenbildung und Einordnung in eine Gesellschaftstheorie...4
I Pierre Bourdieu – Zur Person...4
Vita...4
Werk...4
II Die Sozialtheorie Bourdieus...6
Eine Theorie der Praxis...6
III Der Habitus als zentraler Mechanismus in Bourdieus Sozialtheorie...8
IV »La Distinction« - oder wie Eliten funktionieren...12
Teilung der Gesellschaft in drei Klassen...12
Die Bildung von Eliten...14
Die 1. Ebene: Die soziale Herkunft (Die Familie)...14
Die 2. Ebene: Der Bildungsweg (Die Schulen)...17
Die 3. Ebene: Das Kapital...18
C Wie plausibel ist eine Übertragung auf Deutschland?...20
LITERATURVERZEICHNIS...23
A Einleitung
Das übergeordnete Thema dieser Arbeit ist die Entstehung und Reproduktion von Eliten. Eliten sind ein wichtiger und zentraler Bestandteil jeder gesellschaftlichen Ordnung und stehen an der Spitze der sozialen Hierarchie. Meist handelt es sich um eine kleine, privilegierte Minderheit, die an den Schalthebeln der Macht sitzt und von dort aus ihren Einfluss auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung nimmt. Wie kann es aber dazu kommen, dass eine Minderheit der Gesellschaft die soziale Ordnung dominieren kann? Der gesunde Menschenverstand schließt sofort auf die Kategorie der Macht - aber Macht entsteht auch nicht aus einem Vakuum heraus. Schon allein für die Frage der Entstehung von Eliten bedarf es also einer fundierten Sozialtheorie. Eine solche Sozialtheorie muss dann jedoch auch erklären können, wie diese Eliten ihren gesellschaftlichen Status sichern. Neben der Entstehung interessiert also auch die Frage der Reproduktion von Eliten, und damit von sozialer Ordnung überhaupt. Und schließlich sollte es mithilfe einer solchen Theorie auch möglich sein zu klären, wie soziale Akteure Teil dieser Elite werden können. Wie offen oder geschlossen sind gesellschaftliche Eliten? Handelt es sich um ein zirkuläres Phänomen? Und wie veränderbar sind diese Eliten über die Zeit, d.h. was ist ihre Rolle bei sozialem Wandel? Die Theorie soziokultureller Ungleichheit des französischen Soziologen Pierre Bourdieu
scheint besonders geeignet, um Antworten auf diese Fragen zu geben. Mit dem Habitus als dem zentralen Mechanismus entwirft Bourdieu eine Sozialtheorie, die individuelles Sein und soziale Stellung sinnvoll miteinander verbindet. Seine Theorie kann dadurch einen wesentlichen Beitrag leisten zur Frage von Entstehung und Reproduktion gesellschaftlicher Eliten. Um seine theoretische Arbeit besser einordnen zu können, erfolgt zu Beginn der Arbeit ein kurzer Überblick über Leben und Werk des französischen Soziologen. Es folgt eine kurze Skizzierung seiner Sozialtheorie als Theorie der Praxis, die versucht den Gegensatz zwischen Subjektivismus und Objektivismus in den Sozialwissenschaften zu überwinden. Im Anschluss daran wird das Konzept vom Habitus als dem zentralen Mechanismus in Bourdieus
Theorie soziokultureller Ungleichheit erläutert. Erst auf der Grundlage dieser Konzeption des Habitus kann dann die Erörterung des eigentlichen Themas dieser Arbeit erfolgen, nämlich der Frage nach Bourdieus Beitrag zum Thema Eliten. Hierfür wird zunächst sein Sozialraum-Modell dargestellt, bevor dann die allgemeine Funktionsweise von Eliten erklärt werden kann. Abschließend stellt sich noch die Frage nach der Übertragbarkeit seines Sozialraum-Modells, das in erster Linie auf empirischen Untersuchungen der französischen Nachkriegsgesellschaft beruht, auf die Bundesrepublik Deutschland.
B Die feinen Unterschiede
1 Pierre Bourdieu – Zur Person
Leben1
Pierre Bourdieu wird am 1. August 1930 in Denguin/Basses Pyrénées geboren, wo er auch die meiste Zeit seiner Jugend verbringt. Später studiert er dann an der Sorbonne sowie an der Elitehochschule École normale supérieure in Paris, die vor ihm u.a. Emile Durkheim, Jean- Paul Sartre und Michel Foucault zu ihren Schülern zählte. Nach vorübergehender Arbeit als Lehrer wird ihm eine Forschungsprofessur in Algier angetragen (1958-1960), der eine Professur an der Sorbonne folgt (1960-1961). Anschließend wird er an die École des Hautes Etudes en Sciences Sociales berufen, wo er zunächst als Assistent am Centre de Sociologie Européenne tätig ist, bevor er 1964 zum Direktor ernannt wird. 1982 folgt dann die Berufung auf den Lehrstuhl für Soziologie am Collège de France, der wahrscheinlich prestigeträchtigsten französischen Bildungsinstitution. Am 23. Januar 2002 schließlich stirbt Pierre Bourdieu im Alter von 71 Jahren in Paris an den Folgen eines Krebsleidens.2
Werk3
Gegen Ende der 50er tritt Bourdieu erstmals wissenschaftlich in Erscheinung, und zwar auf dem Gebiet der Kultursoziologie, mit Studien über Algerien und seiner sich unter dem Einfluss der Kolonialisierung wandelnden Gesellschaft. Hierbei entstehen auch seine ersten ethnologischen Werke über die Kabylen, einem Berberstamm im Norden Algeriens (u.a. über deren symbolische Machtverhältnisse). Später dehnt er dann seine ethnologischen Untersuchungen auch auf die französische Gesellschaft aus, und zwar über die Erforschung von Verwandtschafts- und Heiratsstrukturen seiner Heimatregion Béarn. In den Schriften Esquisse d’une théorie de la pratique (1972, dt.: » Entwurf einer Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft «) und Le Sens pratique (1980, dt.: » Sozialer Sinn «) lässt er dann seine dabei erworbenen Erkenntnisse und Erfahrungen in seine Theorien mit eingehen.
Seine Rückkehr nach Paris markiert dann eine neue Phase wissenschaftlicher Betätigung - in Form einer kritischen Analyse des französischen Bildungssystems und seiner Rolle bei der Reproduktion gesellschaftlicher Klassenstrukturen. Auch erste Werke zur Kunst entstehen in dieser Phase. 1968 veröffentlicht er dann zusammen mit zwei anderen Kollegen das Werk Le Métier de sociologue (dt.: » Soziologie als Beruf «), das sich mit der Methodik soziologischer Erkenntnis befasst.
In den siebziger Jahren widmet sich Bourdieu dann in erster Linie kulturellen Aspekten und klassentheoretischen Fragestellungen. Erste Ergebnisse seiner Untersuchungen veröffentlichte er dann in der von ihm gegründeten und herausgegebenen Zeitschrift Actes de la recherche en sciences sociales. Vollständig fanden die Ergebnisse seiner Untersuchungen ihren Niederschlag dann erst in seinem Hauptwerk La distinction. Critique Sociale du jugement (1979, dt.: » Die feinen Unterschiede «). Dieses Werk beinhaltet eine tiefgehende Analyse der sozialen Ungleichheitsverhältnisse in Frankreich und bildet zugleich den Schwerpunkt der soziologischen Arbeiten Bourdieus auf den Gebieten Kunst, Literatur und Ästhetik. Mit seiner Berufung an das Collège de France 1982 forciert er dann sein Postulat der Selbstreflexivität der Soziologie. Dieses Postulat fand am deutlichsten Einfluss in seinem 1984 veröffentlichten Werk Homo academicus, einer Abhandlung über die Resultate seiner Nachforschungen zur akademischen Welt. Mit Noblesse d’État erschien dann 1989 sein letztes großes Hauptwerk, das sich um die Themen Macht und Reproduktion der herrschenden Klassen dreht. 1992 publizierte er mit Les règles de l’art ein umfangreiches Werk zur Soziologie der Kunst und Literatur und 1993 erschien mit La misère du monde eine Studie über das soziale Elend in Frankreich. Neben den großen monographischen Werken erschienen noch eine Reihe kleinerer Werke und Studien, gemeinsame Publikationen und Diskurse mit Kollegen und Künstlern sowie zahlreiche Aufsätze zu diversen Gebieten der Soziologie.
[...]
1 Vgl. Bohm, C./ Hahn, A., Klassiker der Soziologie, 1999, S.252
2 Ferenczi, Th., Sociologue de tous les combats, Le Monde vom 25.1.2002
3 Vgl. Schwingel, M., Einführung, 1995, S.7-11
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Die Bedeutung von Arbeit und Beruf für Menschen mit Behinderung
Author: Fabian GöbelSociology - Work, Profession, Education, Organisation, 2003 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Männer und Hausarbeit: Ein Wandel in der deutschen Familie?
Author: Anna EckertSociology - Gender Studies, 2002 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Der Ruf nach Eliten - Können, sollen und dürfen in Deutschland Elitehochschulen gebildet werden?
Author: Katrin SchulzePolitics - Political Systems - Germany, 2005 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Elitenmacht
Author: Leopold HenselSociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Das Reformbedürfnis der Vereinten Nationen in Bezug auf den Brahimi Bericht
Author: Katharina GlaserPolitics - International Politics - Topic: International Organisations, 2007 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Der „Brahimi- Report“ - eine Chance zur Verbesserung der UN-Friedenseinsätze
Author: Maja LivicPolitics - International Politics - Topic: International Organisations, 2006 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Montessori-Pädagogik in einem integrativen Kindergarten
Author: Sandra StarkeSocial Pedagogy / Social Work, 2003 Download as PDF-file for 6,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: