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Antipädagogik - Positionen und Kritik

Intermediate Diploma Thesis, 1999, 36 Pages
Author: Magdalena Wendt
Subject: Pedagogy - Science, Theory, Anthropology

Details

Category: Intermediate Diploma Thesis
Year: 1999
Pages: 36
Grade: 2,00
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V71153
ISBN (E-book): 978-3-638-62446-6
ISBN (Book): 978-3-638-67499-7
File size: 361 KB

Abstract

Kritische Meinungen über Erziehungstheorien und Erziehungspraktiken gab es schon immer. Es wird sie auch immer geben und das ist auch gut so. Durch die Kritik wird Erziehung immer wieder neu betrachtet und gewertet und ist somit gezwungen sich umzugestalten. Pädagogen streiten sich seit der Begründung der Pädagogik als Wissenschaft um Zielsetzung, Methoden und Formen/Stile von Erziehung. Die Unstimmigkeiten beziehen sich dabei sowohl auf Theorien, als auch auf die Erziehungspraxis. Ziel der Bemühungen ist es, eine ständige Verbesserung der Erziehung zu erreichen. Trotz der Streitigkeiten steht jedoch fest, dass Kinder und Jugendliche erzogen werden müssen. In den 70er Jahren entstand jedoch die Antipädagogik, eine Bewegung, die sich nicht mehr für eine Veränderung der Erziehung einsetzte, sondern die totale Aufhebung und Abschaffung von Erziehung forderte. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Strömung „Antipädagogik“. Sie geht auf verschiedene Positionen ein, befasst sich aber auch mit der Kritik an diesen. Zu Beginn meiner Ausführungen werde ich kurz auf den Erziehungsbegriff und auf verschiedene Erziehungsstile eingehen. Dies soll die Grundlage für die Auseinandersetzung mit der Antipädagogik sein. Im nächsten Punkt werde ich eine Definition von Antipädagogik geben und auf Geschichte und Ursprung eingehen. Ich möchte dann kurz die antipädagogische und die pädagogische Grundposition zur Erziehung nennen. Danach werde ich das pädagogische, sowie das antipädagogische Menschenbild erläutern. Im nächsten Abschnitt sollen die Positionen einflußreicher Vertreter der Antipädagogik etwas ausführlicher herausgearbeitet werden. Zu diesen Überzeugungen werden dann die Pädagogen ihre Meinung darlegen. Anschließend wird das Pädagogische an der Antipädagogik erörtert und es stellt sich die Frage, ob es lohnenswert ist, sich mit der Antipädagogik auseinanderzusetzen. Im letzten Teil möchte ich meine persönliche Meinung zu dem Thema äußern. Die antipädagogische Seite wird von EKKEHARD VON BRAUNMÜHL, ALICE MILLER und HUBERTUS VON SCHOENEBECK vertreten. Vertreter der Pädagogen sind ANDREAS FLITNER, JÜRGEN OELKERS und THOMAS LEHMANN.


Excerpt (computer-generated)

Diplomstudiengang Erziehungswissenschaften 97
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Fachbereich Erziehungswissenschaften

Vordiplomarbeit

Thema der Arbeit:

Antipädagogik – Positionen und Kritik

Abgabedatum: 30. August 1999

von

Magdalena Wendt

 

 

 

Inhalt

0. Einleitung 2

1. Erziehung - Was heißt das? 3

2. Antipädagogik - Ursprung und Verlauf 6
2.1. Definition des Begriffes Antipädagogik 6
2.2. Geschichte der Antipädagogik 6
2.3. Ursprung der Antipädagogik: ROUSSEAU 7

3. Positionen zur Erziehung 8
3.1. Die antipädagogische Grundposition 8
3.2. Die pädagogische Einstellung 9

4. Unterschiede in der Menschenbildauffassung 9
4.1. Das Menschenbild der Pädagogik 10
4.2. Das Menschenbild der Antipädagogik 10
4.3. Kritik am antipädagogischen Menschenbild 11

5. Die antipädagogische Einstellung 11
5.1. Position von EKKEHARD v. BRAUNMÜHL 12
5.2. Position von ALICE MILLER 16
5.3. Position von HUBERTUS v. SCHOENEBECK 17

6. Kritik der Pädagogen 19
6.1. ANDREAS FLITNER: Mut zur Erziehung 19
6.2. OELKERS/ LEHMANN: Müssen wir erziehen? 23

7. Das Pädagogische an der Antipädagogik 26

8. Lohnt sich die Auseinandersetzung mit der Antipädagogik? 27

9. Abschließende Bemerkungen 30

10. Literaturverzeichnis 33

 

 

0. Einleitung

"Der Mensch kann nur zum Menschen werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht" (KANT 1803, zit. n: WEISCHEDEL 1964, S. 699).

"Es ist sehr seltsam, daß man, seit man sich mit der Erziehung der Kinder beschäftigt hat, auf keine anderen Mittel, sie zu leiten, verfallen ist als auf Wetteifer, Eifersucht, Neid, Eitelkeit, Habgier, Feigheit, also gerade die gefährlichsten Leidenschaften, die am schnellsten emporschießen und am geeignetsten sind, die Seele zu verderben" (ROUSSEAU 1963, zit. n.: FLITNER 1985, S.47).

"Erziehung aller Art ist nichts als Verkrüppelung und Mißhandlung, Ausagieren narzißtischer Machtgelüste, Prostitution, Betrug und so fort. Erziehung verformt und verzerrt die Kindes- und Menschennatur" (FLITNER 1985, S.48).

Diese drei Zitate zeigen, wie verschieden die Auffassung von Erziehung sein kann. Auffällig ist dabei, wie sehr sich die Auffassungen im Laufe der Jahre gewandelt haben. Während der Erziehung im ersten Zitat eine ausschließlich positive Bedeutung und eine gewisse Allmacht zugeschrieben wird, wird sie im letzten Zitat völlig negativ bewertet.

Kritische Meinungen über Erziehungstheorien und Erziehungspraktiken gab es schon immer. Es wird sie auch immer geben und das ist auch gut so. Durch die Kritik wird Erziehung immer wieder neu betrachtet und gewertet und ist somit gezwungen sich umzugestalten.

Pädagogen streiten sich seit der Begründung der Pädagogik als Wissenschaft um Zielsetzung, Methoden und Formen/Stile von Erziehung. Die Unstimmigkeiten beziehen sich dabei sowohl auf Theorien, als auch auf die Erziehungspraxis. Ziel der Bemühungen war es, eine ständige Verbesserung der Erziehung zu erreichen. Trotz der Streitigkeiten stand jedoch fest, daß Kinder und Jugendliche erzogen werden müssen (vgl. OELKERS/ LEHMANN 1990, S.18).

In den 70er Jahren entstand jedoch die Antipädagogik, eine Bewegung, die sich nicht mehr für eine Veränderung der Erziehung einsetzte, sondern die totale Aufhebung und Abschaffung von Erziehung forderte.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Strömung "Antipädagogik". Sie geht auf verschiedene Positionen ein, befaßt sich aber auch mit der Kritik an diesen.

Zu Beginn meiner Ausführungen werde ich kurz auf den Erziehungsbegriff und auf verschiedene Erziehungsstile eingehen. Dies soll die Grundlage für die Auseinandersetzung mit der Antipädagogik sein.

Im nächsten Punkt werde ich eine Definition von Antipädagogik geben und auf Geschichte und Ursprung eingehen. Ich möchte dann kurz die antipädagogische und die pädagogische Grundposition zur Erziehung nennen. Danach werde ich das pädagogische, sowie das antipädagogische Menschenbild erläutern. Im nächsten Abschnitt sollen die Positionen einflußreicher Vertreter der Antipädagogik etwas ausführlicher herausgearbeitet werden. Zu diesen Überzeugungen werden dann die Pädagogen ihre Meinung darlegen. Anschließend wird das Pädagogische an der Antipädagogik erörtert und es stellt sich die Frage, ob es lohnenswert ist, sich mit der Antipädagogik auseinanderzusetzen. Im letzten Teil möchte ich meine persönliche Meinung zu dem Thema äußern.

Die antipädagogische Seite wird von EKKEHARD VON BRAUNMÜHL, ALICE MILLER und HUBERTUS VON SCHOENEBECK vertreten. Vertreter der Pädagogen sind ANDREAS FLITNER, JÜRGEN OELKERS und THOMAS LEHMANN.

1. Erziehung - Was heißt das?

Erziehung ist ein Alltagsbegriff, der so einer Vielzahl von Auslegungen unterliegt. In der Erziehungswissenschaft gibt es daher keine einheitliche Definition von Erziehung. Will man also Erziehung erklären, gibt man bestimmte Auffassungen wieder, die auf bestimmte Theorien und Modelle zurückgehen (vgl. KRON 1991, S.54 f.).

KRON gibt in seinem Grundlagenbuch eine Auffassung von Erziehung an, die im Zusammenhang mit dem Begriff Sozialisation zu sehen ist. Seine Definition lautet daher: "Als Erziehung werden absichtliche und planvolle Maßnahmen zielgerichteter Handlungen bezeichnet, durch die Erwachsene in den Prozeß des kindlichen Werdens einzugreifen versuchen, um Lernvorgänge zu unterstützen oder in Gang zu bringen, die im Kind zu Dispositionen und Verhaltensweisen führen, welche von den Erwachsenen als wünschenswert angesehen werden" (FEND 1971, S.49 f., zit. n.: KRON 1991, S.55).
BREZINKA verstärkt dies und sagt: "Als Erziehung werden Handlungen bezeichnet, durch die Menschen versuchen, die Persönlichkeit anderer Menschen in irgendeiner Hinsicht zu fördern" (BREZINKA 1974, S.95, zit. n.: KRON 1991, S.55).

KRON führt nun in seinem Buch sechs gängige "Bilder" von Erziehung an:

[....]


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