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"Du wirst schon nicht so bald sterben" - Wie man mit alten Menschen über Sterben und Tod sprechen kann

Diploma Thesis, 2006, 149 Pages
Author: Nicole Jeske
Subject: Pedagogy - General

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2006
Pages: 149
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 38  Entries
Language: German
Archive No.: V72411
ISBN (E-book): 978-3-638-62650-7

File size: 619 KB


Excerpt (computer-generated)

Hochschule Merseburg (FH)
Fachbereich Soziale Arbeit. Medien. Kultur

„Du wirst schon nicht so bald sterben“
Wie man mit alten Menschen über Sterben und Tod sprechen kann

Diplomarbeit
zur Erlangung des Grades einer
Diplomsozialpädagogin/ -sozialarbeiterin

vorgelegt von: Nicole Jeske
vorgelegt im: 19. Oktober 2006

 

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort ... 4

2 Die Interviews und die Mitarbeit im Hospiz ... 6

2.1 Die Interviews ... 6
2.1.1 Die Vorbereitung ... 6
2.1.2 Der Ablauf ... 8
2.1.3 Die Auswertungsmethode ... 9

2.2 Die Mitarbeit im Hospiz ... 10

3 Einführende Gedanken zu Sterben und Tod ... 12

3.1 Heranführung an die Themen Sterben und Tod ... 12
3.2 Sind Sterben und Tod tabuisiert? ... 15
3.3 Der Umgang mit Sterben und Tod ... 22

4 Handlungsoptionen für Gespräche über Sterben und Tod ... 26

4.1 Der Klient und seine Bedürfnisse ... 28
4.1.1 Das Bild vom Gegenüber ... 28
4.1.2 Die Bedürfnisse des Gegenübers in Bezug auf ein Gespräch ... 30

4.2 Die bedingungsfreie Akzeptanz und Wertschätzung ... 40
4.2.1 Das aktive Zuhören ... 43
4.2.2 Verbaler und nonverbaler Ausdruck von Wertschätzung ... 46

4.3 Das einfühlende Verstehen ... 49
4.3.1 Schweigen und Betrübnis ... 52
4.3.2 Das Nachfragen ... 56
4.3.3 Die Rückmeldung des Wahrgenommenen ... 58

5 Die Selbstwahrnehmung des sozialberuflich Tätigen ... 60

5.1 Die Selbstkongruenz ... 60
5.2 Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben ... 63
5.3 Die Beziehung zum Klient ... 65
5.4 Das Spannungsverhältnis von Nähe und Distanz ... 68
5.5 Die Selbstreflexion ... 70

6 Der persönliche Gewinn ... 72

7 Schlusswort ... 77

Quellenverzeichnis ... 80

Anhang A – Die Interviewleitfäden ... 84
Anhang B - Interviewtranskript von Frau A. ... 87
Anhang C - Interviewtranskript von Frau B. ... 94
Anhang D - Interviewtranskript von Herrn C. ... 100
Anhang E - Interviewtranskript von Herrn O. ... 107
Anhang F - Interviewtranskript von Herrn D. ... 115
Anhang G - Interviewtranskript von Frau E. ... 123
Anhang H - Interviewtranskript von Frau S. ... 131
Anhang I - Interviewtranskript von Frau T. ... 138
Anhang J - Interviewtranskript von Frau U. ... 144


 

1 Vorwort

„Ich fand es schwierig, wenn mir alte Menschen gesagt haben: ‘Ich will sterben. Ich kann nicht mehr.’ Ich konnte für mich nur schwer akzeptieren, dass sie das geäußert haben und war in Versuchung so etwas zu sagen, wie: ‘Ach, das ist doch noch nicht so weit.’ Irgendwann habe ich gemerkt, dass das nicht der richtige Weg ist.“ (Frau A., Z. 19-23).

Bis zu dieser Arbeit habe ich mich kaum mit den Themen Sterben und Tod auseinandergesetzt, geschweige denn mit Menschen Gespräche darüber geführt. Zwar befand ich mich in Situationen, in denen eine ältere Person das Sterben ansprach, jedoch hatte ich keine Vorstellung davon, was man dazu sagen und wie man reagieren könnte. Ich hatte Befürchtungen, demjenigen möglicherweise zu nahe zu treten. Diese Unbeholfenheit bewegte mich größtenteils dazu, mich mit Gesprächen über Sterben und Tod im Rahmen der Diplomarbeit näher zu beschäftigen. Meine Motivation lag darin, solche Gespräche mit Menschen führen zu können. Ralf Dziewas (2002, S. 21) ist davon überzeugt, dass grundsätzlich jedermann dazu in der Lage ist ältere und kranke Menschen zu begleiten oder mit ihnen über Sterben und Tod zu sprechen, da es vorrangig beinhaltet, sich einem anderen Menschen zu widmen, Zeit mit ihm zu verbringen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Ich vertrete diese Auffassung. Doch stellten solche Gespräche für mich eine Herausforderung dar, da mir Bedenken aufkamen, bei mir und dem Gegenüber starke Gefühle aufzuwühlen, mit denen beide möglicherweise nicht umzugehen wissen. Sterben und Tod sind sehr intime und persönliche Themen. Die eigene Unsicherheit bestand auch darin, dass mir durch die intensive Beschäftigung mit Sterben und Tod die eigene Endlichkeit bewusster werden könnte und dies eventuell Angst auslöst. Es ist jedoch möglich diese Herausforderung zu bewältigen, denn das Thema ist nicht nur angstbesetzt und voller Unsicherheit. Wie in jedem Gespräch, kann man auch bei solchen über Sterben und Tod profitieren, worauf im Schlussteil dieser Arbeit eingegangen wird. Die eigene Haltung gegenüber einem Menschen ist ausschlaggebend. Während dieser Diplomarbeit beziehe ich mich auf die Rolle von Sozialpädagogen und anderen sozialberuflich Tätigen gegenüber Klienten, die dem Sterben nah sind. Das sind in der Regel ältere Menschen, aber auch schwerkranke Menschen jeden Alters. Nach Reinhard Schmitz-Scherzer (1992, S. 10) setzen sich ältere und schwerkranke Menschen öfter mit dem eigenen Sterben auseinander, als Jüngere, da sie der Endlichkeit der eigenen Existenz näher stehen. Auf die Situation Angehöriger wird zudem, wenn auch nur verkürzt, eingegangen, da sie meist eine zentrale Bedeutung für den alten oder kranken Menschen haben.

Die erarbeiteten Möglichkeiten, um mit alten oder kranken Menschen über Sterben und Tod zu sprechen, stellen den Schwerpunkt dieser Arbeit dar und können dem Leser als Wegweiser dienen, sollen jedoch nicht als Ratgeber oder Verhaltenskatalog betrachtet werden. Die vorliegende Arbeit beinhaltet meine persönlichen Erfahrungen und entwickelten Einschätzungen, die ich mir in der Phase der Bearbeitung - durch Literaturrecherche, Interviews, einer einwöchigen Hospitation im Hospiz und dem intensiven Beschäftigen mit Sterben und Tod - erarbeitet habe. Die dargestellten Handlungsmöglichkeiten können bei dem Leser Interesse anregen. Es entspricht nicht meinem persönlichen Ehrgeiz, Chancen aufzuzeigen, welche von jedem angewandt und gelernt werden können, denn Menschen können auf verschiedene Art und Weise gute Gespräche führen. „Für den einen ist ein ungeduldiges Vorgehen, das keinen Unsinn duldet und die Karten gleich offen auf den Tisch haben will, am wirksamsten, weil er hierbei am offensten er selbst ist. Ein anderer wird mit einer sanften, offensichtlich wärmeren Zuwendung Erfolg haben, weil dies seinem Wesen entspricht.“ (Rogers 1993, S. 199). Alle »beraterischen Regeln« stellen lediglich Möglichkeiten dar, um auf Klienten zuzugehen, und diese Ansicht lässt die Chance einer Veränderung oder Erweiterung der eigenen Handlungskompetenz zu. Bevor ich mich dem jedoch zuwende, wird auf die Frage eingegangen, ob Sterben und Tod tabuisiert werden und welche Bedeutung Sterben für Menschen haben kann. Die Interviews und die Mitarbeit im Hospiz werden im folgenden Kapitel näher betrachtet.


2 Die Interviews und die Mitarbeit im Hospiz

Im Rahmen dieser Diplomarbeit habe ich neun qualitative Interviews und eine einwöchige Hospitation in einem Hospiz in Mitteldeutschland durchgeführt. Beides ermöglichte mir einerseits persönliche Erfahrungen von Menschen zu Gesprächen über Sterben und Tod kennen zu lernen und andererseits neue Denkanstöße zu erhalten. Da die Auswertung der Interviews in die gesamte Diplomarbeit eingeflochten wurde, ist es nun erforderlich die Interviews – von der Vorbereitung über den Ablauf bis zur Auswertungsmethode – und die einwöchige Einarbeitung in das Hospiz vorzustellen.


2.1 Die Interviews

2.1.1 Die Vorbereitung

Um die Interviews bestmöglich durchführen zu können, habe ich Interviewleitfäden für die Einzelbefragungen erstellt, welche im Anhang A (S. 86) einzusehen sind. Die Hauptforschungsaufgaben der Interviews bestanden darin, herauszufinden, wie die sozialberuflich Tätigen und Angehörige von alten Menschen Gespräche über Sterben und Tod mit den Betroffenen führen und was sie dabei für wichtig und geeignet halten bzw. was nicht. Ich wollte außerdem erfahren, ob die Interviewpartner die Gespräche über Sterben und Tod als tabuisiert oder offen einschätzen, welche konkreten Inhalte die Gespräche, welche Erwartungen und Bedürfnisse alte Menschen dem Gesprächspartner gegenüber haben können und welchen persönlichen Gewinn man aus den Gesprächen ziehen kann. Die Interviewten sind in drei verschiedene Zielgruppen unterteilt. Die sozialberuflich Tätigen (Frau A., Frau B., Herr C., Herr D. und Frau E.) werden oder wurden in ihrem beruflichen Kontext mit den Themen Sterben und Tod konfrontiert und haben meist Methoden entwickelt, wie man mit alten oder kranken Menschen darüber sprechen kann; sie sammelten zumindest eigene persönliche Erfahrungen in diesem Bereich. Sie konnten mir unterschiedliche Hinweise geben, welche ich in die folgenden Kapitel eingebunden habe, und halfen mir, mich in die Thematik differenzierter einzuarbeiten. Zusätzlich habe ich erfahren, welche Bedeutung sie der Selbst-reflexion beimessen. Die älteren Menschen (Frau S., Frau T. und Frau U.) stellen den Kern der Arbeit dar, denn sie wissen meist am Besten, wie sie sich ein Gespräch wünschen bzw. wie nicht. Mir war wichtig, ihre Bedürfnisse und Erwartungen an ein Gespräch über Sterben und Tod und an den Gesprächspartner zu erfahren. Die dritte Zielgruppe, die lediglich aus einem Gesprächspartner (Herr O.) besteht, sind die Angehörigen. Sie sind unmittelbar mit den Themen Sterben und Tod konfrontiert und können die Gespräche darüber im familiären Kontext führen. Das Gespräch mit Herrn O. hatte auch zum Ziel, die Vor- und Nachteile eines verwandten Gesprächspartners zu erarbeiten.

[...]


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