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Termpaper, 2007, 23 Pages
Author: Cliff Ellenberger
Subject: Pedagogy - Science, Theory, Anthropology
Details
Institution/College: Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg
Tags: Karl, Popper, Gesellschaft, Feinde, Analyse, Gegenwartsbezug, Lernen, Irrtum
Year: 2007
Pages: 23
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-83796-5
ISBN (Book): 978-3-638-83797-2
File size: 243 KB
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Abstract
Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit dem zweiten Band des 1945 erschienen Werkes „Die offene Gesellschaft und ihr Feinde“ von Karl Popper. Der Untertitel „Falsche Propheten“ deutet auf den inhaltlichen Schwerpunkt des Werkes hin, welches der österreichische Philosoph als seinen Beitrag zum Zweiten Weltkrieg deklariert hat. Während das erste Kapitel der Kritik an Hegel gewidmet ist, behandelt Popper in den folgenden drei Kapiteln die Theorien des Karl Marx, um abschließend deren Folgen darzulegen. „Historizismus“, so bezeichnet Popper die unangemessene Sinndeutung geschichtlichen Geschehens und die damit verbundenen irrationalen prophetischen Zukunftsvisionen. Mit anderen Worten, eine Vorhersage der Zukunft unter Berufung auf historische Ereignisse ist nicht möglich, da sich der Lauf der Geschichte als „sinnfreie Tatsachenabfolge“ darstellt, so Poppers These und die Basis seiner Argumentation gegen Hegel und Marx. Den Zusammenhang zwischen den philosophischen und politischen Gedanken beider und dem Historizismus stellt Popper wie folgt heraus: Die Abfolge historischer Tatsachen folgt keiner inneren Kausalität, vielmehr scheint der Mensch größter Einflussfaktor zu sein. Damit in Verbindung steht die Annahme, dass es keine absolut sichere Wahrheit (sei es in Gegenwart oder Zukunft) gäbe, welche als Handlungsorientierung dienen könnte. Demnach stehen historische Fakten und daraus abgeleitete Zukunftsvisionen bestenfalls zur Disposition, können aber eben keinen Absolutheitsanspruch erheben. Aus dieser Argumentation ergibt sich für Popper der Schluss, dass es keinesfalls Herrscher oder herrschende Klassen geben könne, deren Macht sich auf den Besitz absoluten Wissens stützt, da die Nichtexistenz dieser Wahrheit die Legitimation dieser Herrschaft negiert.
Excerpt (computer-generated)
Helmut-Schmidt-Universität, Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung: „Lernen aus dem Irrtum?“ – Pädagogik und kritischer Rationalismus
Frühjahrstrimester 2007, 6. Studientrimester
Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde II -
Analyse und Gegenwartsbezug
von
Cliff Ellenberger
Inhalt
I Einleitung 3
II Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) 4
II.1. Hegel und Preußen 4
II.2. Hegels Dialektik 5
III Karl Marx (1818-1883) 6
III.1. Prophezeiung und Wissenschaft 6
IV Die offene Gesellschaft 8
IV.1. Selbstbestimmung und Verantwortung 8
IV.2. Soziologische Betrachtung und Wissenschaftsverständnis 9
IV.3. Offene Gesellschaft und Demokratie 10
IV.4. Gegenüberstellung: Offene- vs. geschlossene Gesellschaft 11
IV.5. Paradoxa der offenen Gesellschaft 12
IV.5.a) Das Paradoxon der Freiheit 13
IV.5.b) Das Paradoxon der Toleranz 13
IV.5.c) Das Paradoxon der Demokratie 14
IV.5.d) Das Paradoxon des Antidogmatismus 14
IV.6. Zusammenfassung: Der Charakter der offenen Gesellschaft 14
V Gegenwartsbezug/Kritik 15
V.1. Feinde der offenen Gesellschaft in der Gegenwart 16
V.2. Grenzen der Offenheit 18
VI Resümee: Offene Grenzen – grenzenlose Offenheit? 20
Literaturverzeichnis 23
I Einleitung
Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit dem zweiten Band des 1945 erschienen Werkes „Die offene Gesellschaft und ihr Feinde“ von Karl Popper. Der Untertitel „Falsche Propheten“ deutet auf den inhaltlichen Schwerpunkt des Werkes hin, welches der österreichische Philosoph als seinen Beitrag zum Zweiten Weltkrieg deklariert hat. Während das erste Kapitel der Kritik an Hegel gewidmet ist, behandelt Popper in den folgenden drei Kapiteln die Theorien des Karl Marx, um abschließend deren Folgen darzulegen. „Historizismus“, so bezeichnet Popper die unangemessene Sinndeutung geschichtlichen Geschehens und die damit verbundenen irrationalen prophetischen Zukunftsvisionen (vgl. Döring 1987, S. 122). Mit anderen Worten, eine Vorhersage der Zukunft unter Berufung auf historische Ereignisse ist nicht möglich, da sich der Lauf der Geschichte als „sinnfreie Tatsachenabfolge“ (ebd.) darstellt, so Poppers These und die Basis seiner Argumentation gegen Hegel und Marx. Den Zusammenhang zwischen den philosophischen und politischen Gedanken beider und dem Historizismus stellt Popper wie folgt heraus: Die Abfolge historischer Tatsachen folgt keiner inneren Kausalität, vielmehr scheint der Mensch größter Einflussfaktor zu sein. Damit in Verbindung steht die Annahme, dass es keine absolut sichere Wahrheit (sei es in Gegenwart oder Zukunft) gäbe, welche als Handlungsorientierung dienen könnte. Demnach stehen historische Fakten und daraus abgeleitete Zukunftsvisionen bestenfalls zur Disposition, können aber eben keinen Absolutheitsanspruch erheben. Aus dieser Argumentation ergibt sich für Popper der Schluss, dass es keinesfalls Herrscher oder herrschende Klassen geben könne, deren Macht sich auf den Besitz absoluten Wissens stützt, da die Nichtexistenz dieser Wahrheit deren Legitimation negiert. Hierdurch stellt er den Zusammenhang zu Hegel und Marx her, welcher jedoch in den folgenden Kapiteln einzeln betrachtet werden soll. Daran anschließend werde ich die zentralen Gedanken Poppers in Hinsicht auf die „offene Gesellschaft“ aufzeigen, um deren wichtigste Merkmale zu verdeutlichen. Diese Analyse dient als Hinführung zum letzten Teil der Ausarbeitung, in welchem versucht werden soll, Poppers Thesen kritisch zu betrachten, indem sie auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen angewendet werden. Hierzu wird die Frage gestellt, wie viel „Offenheit“ im Popperschen Sinne moderne Gesellschaften gewährleisten können.
II Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831)
In der Folge der Historizisten sieht Popper Hegel als direkten Nachfolger von Heraklit, Platon und Aristoteles, als „logischen Hexenmeister“ sowie als „Quelle des gesamten zeitgenössischen Historizismus“ (Popper 1977, S. 36).
II.1. Hegel und Preußen
„Hegel und der neue Mythos von der Horde“, so überschreibt Popper (1977, S. 36) seine vernichtende Kritik an dem deutschen Philosophen, deren Kernpunkte im Folgenden gezeigt werden sollen. Den Ausgangspunkt stellt die politische Lage Preußens zur Schaffenszeit Hegels dar. Als „erster offizieller Philosoph des Preußentums (Popper 1977, S. 38) schien Hegel daran gelegen, sich mit Friedrich Wilhelm III. zu arrangieren, um die Restauration feudaler Verhältnisse zu unterstützen. Als historischer Hintergrund ist dabei zu beachten, dass die Anstrengungen um eine offene Gesellschaft nach der Renaissance erst 1789 wieder unternommen wurden (Popper 1977, S.40), wodurch die feudalen Monarchien in Gefahr gerieten. Jedoch kam 1815 die reaktionäre Partei an die Macht, bedurfte dabei allerdings einer Ideologie, um die Massenbasis im Volk zu erhalten. Diese „Ideologie der Horde“ (Popper 1977, S. 41) lieferte Hegel, der hierdurch als Bindeglied zwischen Platon und modernen Formen totalitärer Herrschaft angesehen werden kann (ebd.). Kritisch äußert sich Popper also dahingehend, dass eine führende Klasse ihren Herrschaftsanspruch legitimiert, indem sie angibt, im Besitz der absolut sicheren Wahrheit zu sein und sich somit über die „Horde“ stellt, um diese totalitär zu beherrschen. Hegel wird in diesem Zusammenhang als Träger und Verfechter dieser Ideologie angesehen, welche zweifelsohne ein totalitäres Staatsverständnis impliziert. Gleichzeitig wurden Hegel staatliche Privilegien zu Teil, um seine staatstreue Philosophie voran zu treiben und ihn in gewisser Weise zu entlohnen. Eine Philosophie im Dienste des Staates, welche Popper aufgrund ihrer Abhängigkeit von politischen Einflussfaktoren kritisiert. Hegels Bindung zum Preußentum dient laut Popper nur dem Ziel, die offene Gesellschaft zu bekämpfen und zeigt, „wie leicht ein Clown zu einem <Geschichtsbildner> werden kann“ (Popper 1977, S.42).
II.2. Hegels Dialektik
Neben der Kritik an Hegels Bindung zum Staat und der Philosophie der absolut sicheren Wahrheit greift Popper weiter die Dialektik Hegels an und versagt ihr jeden wissenschaftlichen Anspruch. Grob beschrieben besteht diese Dialektik aus 3 Schritten (vgl. Döring 1987, S.124):
Thesis Wenn T
Antithesis und nicht T,
Synthesis dann S.
Dieses sei laut Popper logisch unzulässig und falsch, da die erste Prämisse (T) durch die zweite (Nicht-T) lediglich aufgehoben wird und daraus nicht zwingend eine Synthesis (S) folgen darf (Döring 1987, S. 124). Dieser „dialektische Dreh“ (Popper 1977, S.52) mache es unmöglich, damit zusammenhängende Theorie zu kritisieren und sei aus diesem Grunde unwissenschaftlich und zur wissenschaftlichen Beweisführung völlig ungeeignet. Eine solche Argumentation diene eher als massenwirksames Instrument zum Neuformulieren bereits bekannter Thesen. In diesem Zusammenhang wirft Popper Hegel letztlich einen „hypnotisierenden Jargon“ (Popper 1977, S.38) vor, welcher dazu diene, die Rezipienten zu „verhexen“ (ebd.) und eigene Gedanken vor Kritik zu schützen. Zusammenfassend scheint also sowohl Hegels Methodik als auch seine Didaktik dazu zu führen, dass er als Feind der offenen Gesellschaft angesehen werden kann. Sein sprachlicher Stil und sein dialektischer Dreischritt sind laut Popper die Mittel zu dem, was Hegel erreichen wollte: Eine historizistische Weltsicht mit dem Hang zur absoluten staatlichen Autorität. Die Existenz einer führenden Klasse, welche sich durch den Besitz der absoluten Wahrheit legitimiert und keine äußere Kritik zulässt. In einem eigenen Kapitel sollen später die wesentlichen Charakteristika der offenen Gesellschaft gezeigt werden, wodurch deutlich wird, warum die preußische Monarchie zu ihr im Widerspruch steht. Jedoch gehe ich vorab auf den zweiten Feind der offenen Gesellschaft ein, dem Popper wesentlich mehr Umfang widmet als Hegel:
III Karl Marx (1818-1883)
[...]
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