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Brutalität, Maskerade und Dominanz - über das unterschiedliche Verhalten der Frauen in Petronius' Satyricon reliquiae

Scholary Paper (Seminar), 2007, 21 Pages
Author: Julia Braun
Subject: Latin

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 21
Grade: 2,5
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V78783
ISBN (E-book): 978-3-638-85245-6
ISBN (Book): 978-3-638-85212-8
File size: 159 KB

Abstract

[...]Aus diesem Grund möchte ich in der folgenden Arbeit drei der verschiedenen Frauenrollen, nämlich Quartilla, Fortunata und Circe in chronologischer Reihenfolge vorstellen. Dabei werde ich einen Überblick über die Szene liefern und anhand des dargestellten Verhaltens die Frauen beschreiben und ihre Charaktereigenschaften hervorheben. Ich werde auch nach möglichen Ursachen und Beweggründen für ihr jeweiliges Verhalten suchen. Im Anschluss an jedes Kapitel folgt eine kurze Zusammenfassung des beschriebenen Charakters und eine Darstellung, die in knappen Zügen das Wesentliche und Auffälligste nochmals auf den Punkt bringt. Am Ende der Arbeit werde ich auf die Frage eingehen, inwieweit sich die Frauen charakterlich ähneln und wo es Unterschiede in ihrem Verhalten gibt. Außerdem möchte ich hier auch auf die Namen der Personen eingehen und inwiefern die Bedeutung des jeweiligen Namens schon von vornherein eine Interpretation der so Bezeichneten liefert. Beginnend möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Sinneswahrnehmungen und Eindrücke keinesfalls von einem neutralen Beobachter oder Erzähler stammen. Die Person, die uns die Erlebnisse erzählt, ist Encolpius. Daher sind alle vorgestellten Frauentypen schon subjektiv bewertet.


Excerpt (computer-generated)

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Seminar für Klassische Philologie
Proseminar: Petronius, Satyricon, Wintersemester 2006/ 2007

Brutalität, Maskerade und Dominanz -
über das unterschiedliche Verhalten der Frauen in Petronius′ Satyricon reliquiae

von

Julia Braun

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung  2

Quartilla - bizarr und vulgär  3

Fortunata - Schein und Sein 7

Circe - bezaubernd und dominant 13

Schlussteil 17

Literaturverzeichnis  20


 

 

Einleitung

In folgender Arbeit befasse ich mich mit den Rollen der Frauen in Petronius’ Werk Satyricon reliquiae. Dieses zur Zeit Neros entstandene Schriftstück ist nur noch fragmentarisch erhalten. Die Unvollständigkeit und Lückenhaftigkeit des Satyricon forderten immer wieder dazu auf, die fehlenden Teile zu ergänzen. Bekannt sind vor allem die Ergänzungen von Pierre Lignage de Vaucienne (um 1610 bis ca. 1681), die unter dem Namen seines Herausgebers Nodot (Rotterdam 1692) sofort große Aufmerksamkeit erlangten, weil Nodot sie als „echte Petroniusfragmente“ verkaufte. Der „Nodot-Text“ wird jedenfalls noch heute gern verwendet, um im Deutschen eine flüssig lesbare Handlung zu reichen. Ich werde diesen bei meiner Arbeit jedoch nicht verwenden und als Grundlage nur die im Proseminar verwendete von Konrad Müller herausgegebene Ausgabe berücksichtigen, um sicher zu gehen, dass nur tatsächlich aus Petronius’ Hand stammende Textquellen berücksichtigt werden. Aus diesem Grund habe ich auch von einer Interpretation von Tryphaenas Verhalten abgesehen. Dieses ist ohne die Nodot- Fragmente schwer zu fassen oder gar zu erörtern und ich möchte der Gefahr entgehen, Tryphaena aufgrund eines „falschen“ Petronius-Textes zu interpretieren.

Petronius lässt den jungen Mann Encolpius die Reiseabenteuer, die er mit seinen zwei Gefährten Giton und Ascyltos erlebt aus der Ich-Perspektive schildern. Diese Rahmenhandlung wird durch die Erlebnisse während des Gastmahls bei Trimalchio unterbrochen. Schließlich stellt Petronius den drei jungen Männern einen weiteren Gefährten, den alten Dichter Eumolpus zur Seite, mit dem sie ihre Reise fortsetzen. Die männlichen Figuren oder Rollen stehen in diesem Werk zum großen Teil im Vordergrund. Sie übernehmen weitgehend den aktiven Part und beherrschen bis auf wenige Ausnahmen die Handlung. Aus diesem Grund möchte ich in der folgenden Arbeit drei der verschiedenen Frauenrollen, nämlich Quartilla, Fortunata und Circe in chronologischer Reihenfolge vorstellen. Dabei werde ich einen Überblick über die Szene liefern und anhand des dargestellten Verhaltens die Frauen beschreiben und ihre Charaktereigenschaften hervorheben. Ich werde auch nach möglichen Ursachen und Beweggründen für ihr jeweiliges Verhalten suchen. Im Anschluss an jedes Kapitel folgt eine kurze Zusammenfassung des beschriebenen Charakters und eine Darstellung, die in knappen Zügen das Wesentliche und Auffälligste nochmals auf den Punkt bringt. Am Ende der Arbeit werde ich auf die Frage eingehen, inwieweit sich die Frauen charakterlich ähneln und wo es Unterschiede in ihrem Verhalten gibt. Außerdem möchte ich hier auch auf die Namen der Personen eingehen und inwiefern die Bedeutung des jeweiligen Namens schon von vornherein eine Interpretation der so Bezeichneten liefert. Beginnend möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Sinneswahrnehmungen und Eindrücke keinesfalls von einem neutralen Beobachter oder Erzähler stammen. Die Person, die uns die Erlebnisse erzählt, ist Encolpius. Daher sind alle vorgestellten Frauentypen schon subjektiv bewertet.

Quartilla - bizarr und vulgär

Ich beginne meine Interpretation mit der Vorstellung von Quartilla, der Priesterin des Priapus-Kultes. Das Eintreffen ihrer Zofe in der Herberge versetzt die drei jungen Männer in Panik, da sie davon ausgehen, dass ihre Verfolger vor der Tür stehen. Quartillas Zofe betritt unter magischen und mysteriösen Umständen das Zimmer.1 Auch ihre Ankündigung von Quartilla klingt merkwürdig2, und Quartillas Erscheinen ist noch eigenartiger: sie kommt herein, setzt sich auf das Bett und weint. Diese kurze Szene ruft bei den Männern sehr unterschiedliche Gefühle hervor: die anfängliche Panik hat sich in Erstaunen verwandelt und nun warten alle gespannt, was nach dem Tränenausbruch kommen wird. Quartilla ringt die Hände und knackt mit den Fingerknöcheln. Ob sie aus Verzweiflung die Hände ringt, oder ob sie mit dieser Geste ihren Zuschauern droht, wird dem Leser nicht verdeutlicht. Quartilla ist nicht einzuschätzen und dies verleiht der Situation eine gewisse Gefährlichkeit. Ihre Gesten sind nicht eindeutig und auch ihre folgende Ansprache ist seltsam: Ascyltos und Encolpius sind angeklagt, eine verwegene Tat begangen zu haben. Worin diese Tat besteht und die Art der Strafe, die jeder zu erwarten hat, bleibt noch im Dunkeln. Quartilla fügt hinzu, dass sie Mitleid mit ihnen habe. Dass sich Quartilla milde gestimmt gibt und eine gütige Fassade zeigt, lässt die Strafe nicht minder bedrohlich erscheinen. Vielmehr drängt sich das Gefühl eines unabwendbaren Schicksals auf, das die Übeltäter auf sich nehmen müssen, auch wenn die Überbringerin der Botschaft angeblich gerne anders handeln würde.

Quartilla befürchtet, dass sie einen Malariaschub durch die Aufregung bekommen werde und teilt mit, dass ihr eine raffinierte Methode offenbart worden sei, dieses Unheil abzuwenden.3 Als Encolpius bewusst wird, dass sie das Sakrileg des Gottes Priapus verletzt haben, ergreift er hastig das Wort und versichert ihr, alles für ihre Heilung tun zu wollen. Es scheint, als sähe Encolpius in dieser Hilfeleistung die einzige Rettung und die Möglichkeit der Abwendung einer durch Quartilla vollzogenen, göttlichen Strafe. Dem aufgeklärten Leser kommen diese Zeilen sehr ironisch vor, denn er weiß, dass Encolpius in seiner Naivität die Metapher, die Quartilla benutzt hat, nicht verstanden hat.

[...]


1 Sat. 16, 2: dumque loquimur, sera sua sponte delapsa cecidit reclusaeque subito fores admiserunt intrantem.

2 Sat. 16, 4: ecce ipsa venit ad stabulum petitque ut vobiscum loqui liceat. [...] nec accusat [...] nec punit[...].

3 Sat. 17, 7: [...] iussaque sum vos perquirere atque impetum morbi monstrata subtilitate lenire.


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