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SARS im Spiegel der chinesischen Medien

Diplomarbeit, 2007, 125 Seiten
Autor: Anne Bettingen
Fach: Dolmetschen / Übersetzen

Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 125
Note: 1,1
Literaturverzeichnis: ~ 46  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V80254
ISBN (E-Book): 978-3-638-86756-6
ISBN (Buch): 978-3-638-86848-8
Dateigröße: 2604 KB

Zusammenfassung / Abstract

In der Volksrepublik China werden Nachrichten oft zensiert und über Einiges darf gar nicht berichtet werden. Vor allem negative Erscheinungen wie Naturkatastrophen, Unfälle, politische Skandale, soziale Missstände und Epidemien innerhalb der Volksrepublik (VR) China sind auch heute noch ein Tabuthema für die chinesischen Medien. Es ist schwer vorstellbar, wie die Kommunistische Partei (KP) Chinas in der heutigen globalen Informationsgesellschaft diese Praktik weiter durchsetzen will, besonders wenn es um Angelegenheiten geht, die zu einem bedeutsamen Thema für die ganze Welt werden können. In der vorliegenden Arbeit soll ein Überblick über die Berichterstattung der chinesischen Medien zu der im November 2002 in Südchina erstmals aufgetretenen Lungenkrankheit SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) gegeben werden. In Punkt 1 der inhaltlichen Ausarbeitung wird zunächst die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua kurz vorgestellt und dem Leser eine allgemeine Übersicht über die Medien in China, gesetzliche Grundlagen von Presse- und Meinungsfreiheit sowie über die Nachrichtenzensur der chinesischen Behörden in Krisenzeiten geboten. Dabei wird auf Zeitungspublikationen, sowie auf die Nachrichtenberichterstattung in Rundfunk, Fernsehen und im Internet eingegangen. Punkt 2 umfasst die Vorstellung der informationspolitischen Tendenzen der VR China in vier unterschiedlichen Zeiträumen zwischen 1949 und 2007. Im dritten Punkt wird der zeitliche Verlauf und die Ausbreitung der SARS-Epidemie von den ersten Anzeichen, über die Höhepunkte, bis hin zum Ausklang der Krankheit skizziert. Im Anschluss daran werden in Punkt 4, dem eigentlichen Hauptteil der vorliegenden Arbeit, Tendenzen und Phasen der Berichterstattung zu SARS in den chinesischen Medien vorgestellt. In diesem Kapitel wird außerdem auf die Rolle der chinesischen Regierung während der Krise eingegangen. Im fünften und letzten Kapitel wird ein kurzer Vergleich der Krisenberichterstattung chinesischer und westlicher Medien skizziert. Zum Abschluss dieser Diplomarbeit wird die Verfasserin im Resümee die Ergebnisse der Auseinandersetzung mit dem Thema des Umgangs der chinesischen Medien mit der SARS-Krise kritisch beleuchten und einige Überlegungen zur möglichen zukünftigen Entwicklung der Medien- und Informationspolitik in der VR China anstellen.


Textauszug (computergeneriert)

„SARS im Spiegel der chinesischen Medien“
Diplomarbeit

zur
Erlangung des Grades
einer Diplom-Übersetzerin
Institut für Orient- und Asienwissenschaften
der Universität Bonn

Bettingen, Anne Julia

 

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort ... 1

Teil I: Inhaltlicher Kommentar

Einleitung ... 3

1 Medien in der VR China – ein Überblick ... 4

1.1. Die Xinhua-Nachrichtenagentur ... 4

1.2 Übersicht über die verschiedenen Medienformen in China ... 4
1.2.1 Printmedien ... 4
1.2.2 Rundfunk und Fernsehen ... 5
1.2.3 Internet ... 6

1.3 Zensur der Medien ... 8
1.3.1 Rechtliche Lage ... 8
1.3.2 Nachrichtenzensur in Krisensituationen ... 9

2 Tendenzen der Informationspolitik in der VR China von 1949 bis heute ... 11

2.1 Allgemeine Bemerkung zur zeitlichen Untergliederung ... 11

2.2 Entwicklung von 1949 bis 1978 ... 11

2.3 Situation von Ende 1978 bis 1989 ... 12

2.4 Entwicklungen zwischen 1989 und 2001 ... 12

2.5 Tendenzen seit dem WTO-Beitritt ... 13

3 Zeitlicher Verlauf und Ausbreitung der SARS-Epidemie ... 15

3.1 Erste Anzeichen ... 15

3.2 Verstärkte Ausbreitung ... 15

3.3 Hochphase ... 16

3.4 Ausklang ... 17

4 Tendenzen und Phasen der Berichterstattung zu SARS in den chinesischen Medien ... 18

4.1 Generelle Bemerkung zur Phaseneinteilung ... 18

4.2 Vereinzelte Berichterstattung ... 18

4.3 Verharmlosende Berichterstattung ... 19

4.4 Auswirkungen der Intervention des Militärarztes Jiang Yanyong ... 21

4.5 Verhältnismäßig offene Berichterstattung ... 21

4.6 Fazit ... 23

5 Vergleich der Krisenberichterstattung in China und westlichen Ländern ... 25

Resümee ... 26

Teil II: Übersetzungen

ZT I: Beurteilung des Medienverhaltens während der SARS-Krise ... 29

ZT II: SARS erfolgreich unter Kontrolle gebracht: Gesundheitsminister Zhang Wenkang beantwortet auf einer Pressekonferenz des Staatsrats die Fragen chinesischer und ausländischer Journalisten ... 57

Teil III: Übersetzungswissenschaftlicher Kommentar

Einleitung ... 70

1 Überblick über die Entwicklung der Übersetzungswissenschaften ... 70

2 Kurzer Überblick über einige relevante Translationstheorien ... 71

3 Texttypologie zu Ausgangstext I ... 73

3.1 Texttyp ... 73

3.2 Textsorte ... 73

4 Textsortenprofil zu Ausgangstext I ... 74

4.1 Allgemeine Bemerkung zum Textsortenprofil für AT I ... 74

4.2 Textexterne Faktoren ... 74
4.2.1 Wer übermittelt den Text? ... 74
4.2.2 Wozu übermittelt der Verfasser den Text? ... 74
4.2.3 Wem wird der Text übermittelt? ... 74
4.2.4 Über welches Medium wird der Text übermittelt? ... 74
4.2.5 Wo wird der Text übermittelt? ... 75
4.2.6 Wann wird der Text übermittelt? ... 75
4.2.7 Aus welchem Anlass wird der Text übermittelt? ... 75

4.3 Textinterne Faktoren ... 75
4.3.1 Was ist das allgemeine Thema des Textes? ... 75
4.3.2 Was ist der konkrete Inhalt des Textes? ... 75
4.3.3 Was wird in dem Text nicht gesagt, sondern als Vorwissen vorausgesetzt? ... 76
4.3.4 Wie sind die Informationen gegliedert? ... 76
4.3.5 Welche nichtsprachlichen Mittel werden eingesetzt? ... 77
4.3.6 Welche Besonderheiten weist die Wortwahl in dem Text auf? ... 77
4.3.7 Welche suprasegmentalen Merkmale weist der Text auf? ... 78
4.3.8 Welche syntaktischen Mittel sind charakteristisch für den Text? ... 78

5 Übersetzungsprobleme bei Ausgangstext I ... 79

6 Texttypologie zu Ausgangstext II ... 81

6.1 Texttyp ... 81

6.2 Textsorte ... 81

7 Textsortenprofil zu Ausgangstext II ... 82

7.1. Allgemeine Bemerkung zum Textsortenprofil für Text II ... 82

7.2 Textexterne Faktoren ... 82
7.2.1 Wer übermittelt den Text? ... 82
7.2.2 Wozu übermittelt der Verfasser den Text? ... 82
7.2.3 Wem wird der Text übermittelt? ... 82
7.2.4 Über welches Medium wird der Text übermittelt? ... 83
7.2.5 Wo wird der Text übermittelt? ... 83
7.2.6 Wann wird der Text übermittelt? ... 83
7.2.7 Aus welchem Anlass wird der Text übermittelt? ... 83

7.3 Textinterne Faktoren ... 83
7.3.1 Was ist das allgemeine Thema des Textes? ... 83
7.3.2 Was ist der konkrete Inhalt des Textes? ... 83
7.3.3 Was wird in dem Text nicht gesagt, sondern als Vorwissen vorausgesetzt? ... 84
7.3.4 Wie sind die Informationen gegliedert? ... 84
7.3.5 Welche nichtsprachlichen Mittel werden eingesetzt? ... 84
7.3.6 Welche Besonderheiten weist die Wortwahl in dem Text auf? ... 85
7.3.7 Welche syntaktischen Mittel sind charakteristisch für den Text? ... 85
7.3.8 Welche suprasegmentalen Merkmale weist der Text auf? ... 85

8 Übersetzungsprobleme bei Ausgangstext II ... 87

Schlusswort ... 90

Gesamtbibliographie ... 92

Anhang: Ausgangstexte ... 97

 

 

Einleitung

In der Volksrepublik China werden Nachrichten oft zensiert und über Einiges darf gar nicht berichtet werden. Vor allem negative Erscheinungen wie Naturkatastrophen, Unfälle, politische Skandale, soziale Missstände und Epidemien innerhalb der Volksrepublik (VR) China sind auch heute noch ein Tabuthema für die chinesischen Medien. Es ist schwer vorstellbar, wie die Kommunistische Partei (KP) Chinas in der heutigen globalen Informationsgesellschaft diese Praktik weiter durchsetzen will, besonders wenn es um Angelegenheiten geht, die zu einem bedeutsamen Thema für die ganze Welt werden können. In der vorliegenden Arbeit soll ein Überblick über die Berichterstattung der chinesischen Medien zu der im November 2002 in Südchina erstmals aufgetretenen Lungenkrankheit SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome)1 gegeben werden. In Punkt 1 der inhaltlichen Ausarbeitung wird zunächst die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua2 kurz vorgestellt und dem Leser eine allgemeine Übersicht über die Medien in China, gesetzliche Grundlagen von Presse- und Meinungsfreiheit sowie über die Nachrichtenzensur der chinesischen Behörden in Krisenzeiten geboten. Dabei wird auf Zeitungspublikationen, sowie auf die Nachrichtenberichterstattung in Rundfunk, Fernsehen und im Internet eingegangen. Punkt 2 umfasst die Vorstellung der informationspolitischen Tendenzen der VR China in vier unterschiedlichen Zeiträumen zwischen 1949 und 2007. Im dritten Punkt wird der zeitliche Verlauf und die Ausbreitung der SARS-Epidemie von den ersten Anzeichen, über die Höhepunkte, bis hin zum Ausklang der Krankheit skizziert. Im Anschluss daran werden in Punkt 4, dem eigentlichen Hauptteil der vorliegenden Arbeit, Tendenzen und Phasen der Berichterstattung zu SARS in den chinesischen Medien vorgestellt. In diesem Kapitel wird außerdem auf die Rolle der chinesischen Regierung während der Krise eingegangen. Im fünften und letzten Kapitel wird ein kurzer Vergleich der Krisenberichterstattung chinesischer und westlicher Medien skizziert. Zum Abschluss dieser Diplomarbeit wird die Verfasserin im Resümee die Ergebnisse der Auseinandersetzung mit dem Thema des Umgangs der chinesischen Medien mit der SARS-Krise kritisch beleuchten und einige Überlegungen zur möglichen zukünftigen Entwicklung der Medien- und Informationspolitik in der VR China anstellen.

 

1 Medien in der VR China – ein Überblick

1.1. Die Xinhua-Nachrichtenagentur

Im Jahre 1930 gründete die Kommunistische Partei die Hongse Zhonghua Tongxunshe3, die 1937 zur Xinhua-Nachrichtenagentur wurde. Diese untersteht heute der Kontrolle der Öffentlichkeitsabteilung (ehemals Propagandaabteilung) der chinesischen Regierung.

„Xinhua’s goal is to maintain the CCP’s news monopoly. It is, according to the official definition, ‘the eyes, ears and voice of China’. It is the de facto largest centre of news gathering and distribution in the country. No news, especially on sensitive issues, should reach the media without the say-so of the all-powerful Xinhua.” (Battistella 2005: 2).

Xinhua versorgt die chinesischen Medien mit sämtlichen wichtigen nationalen und internationalen Pressemeldungen. In der Nachrichtenagentur wird entschieden, welche Meldungen ausschließlich für die Führungsspitze Chinas geeignet sind, und welche auch an die Öffentlichkeit weitergegeben werden dürfen. (vgl. Maurer 1990: 51ff.; Battistella 2005: 2ff.)

1.2 Übersicht über die verschiedenen Medienformen in China

1.2.1 Printmedien

Die erste Zeitung in China, die Dibao4, wurde bereits in der ersten Hälfte des 8. Jh.n.Ch. herausgegeben. Später wurde sie zur Jingbao5 und existierte noch bis zum Ende der Qing- Dynastie 1911 unter verschiedenen Namen und in unterschiedlichen Formen (vgl. Li 2005: 37.; Yan 2000: 499). In China bestand schon immer ein enger Zusammenhang zwischen Presse und Politik. „From early times, the Chinese have used the press to advocate their ideas and to mobilize the people to support their cause.“ (Yan 2000: 499). Nach der Machtübernahme der KP 1949 wurde zur Festigung der Herrschaft der Partei mit dem Aufbau eines nationalen Pressesystems begonnen. Die ein Jahr zuvor gegründete Renmin Ribao6 wurde zum wichtigsten Presseorgan und zum Sprachrohr des Zentralkomitees der KPCh. (vgl. Yan 2000: 500f.)

Im Laufe der Zeit gründete man Zeitungen speziell für Arbeiter, Jugendliche, Intellektuelle, Bauern etc. Zur Zeit der Kulturrevolution7 wurden die Zeitungen in den politischen Kampf zwischen den unterschiedlichen Gruppen in der Partei hineingezogen, weshalb viele von ihnen schließen mussten. Während der Wirtschaftsreformen in den 1980er Jahren herrschte dann eine entspanntere politische Atmosphäre und die Presse erlebte eine Blütezeit. Viele während der Kulturrevolution geschlossene Zeitungen nahmen die Arbeit wieder auf. Die erste englischsprachige Zeitung Chinas, die China Daily, gibt es seit 1981. Sie richtet sich an Ausländer in China, wird aber auch von zahlreichen der englischen Sprache mächtigen Chinesen gelesen. Auch die Inhalte der China Daily werden streng kontrolliert und dienen nicht zuletzt der Propaganda der chinesischen Führung. (vgl. Li 2005: 43) Ende 1988 gab es bereits 1.579 Zeitungen, die in der Volksrepublik offen erhältlich waren (vgl. Yan 2000: 500ff.). Nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung in Beijing 1989 mussten jedoch wieder viele Zeitungen aus politischen Gründen schließen, außerdem wurden die Inhalte der verbliebenen Druckschriften stark zensiert (vgl. Yan 2000: 502). Im Laufe der 1990er Jahre erholte sich die Branche jedoch rasch und schon 1990 waren wieder 1.444 verschiedene Zeitungen auf dem Markt erhältlich. 1993 gab es alleine 398 verschiedene Tageszeitungen im Lande (vgl. Li 2005: 45). Mit der Gründung der Guangzhou Ribao Baoyejituan 8 1996 entstand der erste Zeitungskonzern Chinas, womit die entstaatlichte Zeitungsvermarktung in der Volksrepublik einsetzte (vgl. Li 2005: 45f.). Im Jahre 2005 gab es in China mehr als 2000 Tages- und Wochenzeitungen (vgl. Heberer 2005: 44). Zu dieser Zahl kommt noch eine Unmenge an Monatszeitungen, periodischen Publikationen und vielen weiteren Formen hinzu. Allerdings sollte trotz der steigenden Zahlen bedacht werden, dass es in China noch immer eine Analphabetismusrate von rund neun Prozent gibt und viele Menschen in ländlichen Gegenden weder genug Geld für Zeitungen noch den Zugang zu solchen haben.

1.2.2 Rundfunk und Fernsehen

Auch Radio und Fernsehen wurden von der Kommunistischen Partei seit ihrer Gründung zur Beeinflussung der Volksmassen genutzt. 1941 eröffnete die KP ihren ersten Radiosender, den Yan’an Xinhua Guangbo Diantai9, der später zum Zhongyang Renmin Guangbo Diantai10 wurde. Mit diesem an der Spitze wurde ein Rundfunknetzwerk mit den Stufen zentral, regional, Provinz und Stadt geschaffen. Bereits seit 1950 gibt es Radioprogramme in Minderheitensprachen, wie Tibetisch, Mongolisch und Uigurisch. „Radio Peking“11 sendet in sieben Fremdsprachen: Englisch, Japanisch, Koreanisch, Vietnamesisch, Burmesisch, Thai und Indonesisch, sowie in chinesischen Dialekten, beispielsweise in Kantonesisch. (vgl. Yan 2000: 502)

Der Ausbau eines verkabelten Rundfunksystems auf dem Land Anfang der 1950er Jahre trug in großem Maße zur politischen und kulturellen Ausbildung der Bauern, sowie zur Verbreitung von Informationen und der Förderung des kulturellen Lebens in ländlichen Gegenden bei, wobei natürlich auch der Propagandagedanke eine gewichtige Rolle spielte. Ende 1959 waren in China 122 Radiosender aktiv, jedoch erlitt auch der Rundfunk während der Kulturrevolution Rückschläge, da das Personal der Radiostationen für die Revolution kämpfen musste. Durch den politischen und wirtschaftlichen Wandel der 1980er Jahre entwickelte sich in China dann allerdings auch die Rundfunktechnologie weiter. Anfang der 1990er Jahre gab es bereits über 1.200 Radiosender in der Volksrepublik. (vgl. Yan 2000: 503) Der erste Fernsehsender der VR China, der Beijing Dianshitai, 1978 umbenannt in Zhongyang Dianshitai (CCTV)12, ging am 1. Mai 1958 zum ersten Mal auf Sendung. Das Farbfernsehen erreichte China 1973. Das Ministry of Radio, Film and Television (MRFT), später umbenannt in Guojia Guangbo Dianying Dianshi Zongju (SARFT)13 begann 1985 damit, auf nationaler Ebene, sowie auf Provinz-, Städte- und Bezirksebene Fernsehstationen zu errichten. Im Jahre 1999 hatten bereits ca. 90 Prozent der chinesischen Haushalte mindestens ein Fernsehgerät und 1,1 Milliarde Menschen in der Volksrepublik zählten zum regelmäßigen Fernsehpublikum. (vgl. Yan 2000: 503f.)

Im Jahre 2005 existierten in der VR China schon ca. 3000 Rundfunk- und Fernsehstationen (vgl. Heberer 2005: 44).

1.2.3 Internet

Die ersten Schritte zur Vernetzung Chinas mit der Welt wurden bereits 1986 getätigt, als das Zhongguo Xueshu Wang 14 gegründet wurde, das mit der Universität Karlsruhe zusammenarbeitete. Die vollständige Anbindung Chinas an das World Wide Web, und damit auch die Gründung von Gesellschaften und Organisationen, die sich mit den Angelegenheiten des Internets in der VR China befassen, geschah im April 1994. (vgl. Li 2006:79, CNNIC 2003)

Heute gibt es in China bereits ca. 137 Millionen Internetnutzer15 und 843.000 Webseiten (vgl. CNNIC 2007: 5f.). Die Zahl der Nutzer ist im vergangenen Jahr um 26 Millionen, also 23,4 Prozent, gestiegen, die der Webseiten erhöhte sich um 148.800, also 21,4 Prozent (vgl. ebd.: 24; 30). 53,5 Prozent der chinesischen Internetuser nutzen das Netz als Nachrichtenmedium, 85 Prozent als Informations- und 47,4 Prozent sogar als Hauptinformationsquelle (vgl. ebd.: 13). Die großen chinesischen Zeitungen und Zeitschriften begannen schon früh damit, auch im Internet zu veröffentlichen und verschiedene Serviceleistungen online anzubieten. 16 Es entstehen auch stetig neue Internetforen und Chaträume, in denen vor allem junge Chinesen ihre Meinung äußern und einander informieren und aufklären können. Allerdings besteht, gerade aufgrund der häufigen Vorenthaltung von Informationen durch die traditionellen Medien, die Gefahr der Ausbreitung von Unwahrheiten und Gerüchten im Internet (vgl. Zhang 2004: 4f.).

Von chinesischen Servern aus hat man keinen Zugriff auf Internetseiten, die sich mit Menschenrechten befassen, wie beispielsweise Human Rights Watch oder Amnesty International, und auf ausländische Nachrichtenseiten, wie die von CNN oder BBC.

Über die „Great Firewall of China“17 wird der Zugang zu solchen Seiten verhindert, und der User zu einem gesicherten nationalen Intranet weitergeleitet. Durch bestimmte Tricks können versierte Internetnutzer in China die Sperren jedoch umgehen, was allerdings bei den Behörden ausgesprochen ungern gesehen und von ihnen nach Möglichkeit umgehend unterbunden wird. (vgl. Walton 2001)

 

[...]


1 非典型肺炎fēidiǎnxíngfèiyán.

2 新华 xīnhuá: New China.

3 红色中华通讯社 hóngsè zhōnghuá tōngxùnshè: Red China News Agency.

4 邸报 dǐbào: Court Gazette.

5 京报 jīngbào: Beijing Gazette.

6 人民日报 rénmín rìbào: People’s Daily.

7 文化大革命wénhuàdàgémìng (1966-1976).

8 广州日报报业集团guǎngzhōu rìbào bàoyè jítuán: Guangzhou Daily Press Group.

9 延安新华广播电台yán′ān xīnhuá guǎngbō diàntái: Yan’an Xinhua Broadcasting Station.

10 中央人民广播电台zhōngyāng rénmín guǎngbō diàntái: Central People’s Broadcasting Station (CPBS).

11 北京广播电台běijīng guǎngbō diàntái.

12 Für Beijing wurde dann ein eigener Lokalsender eingerichtet.

13 国家广播电影电视总局guójiā guǎngbō diànyǐng diànshì zǒngjú: State Administration of Radio, Film and Television (SARFT).

14 中国学术网zhōngguó xuéshù wǎng: Chinese Academic Network (CANET).

15 Zu den Internetnutzern wird jeder chinesische Bürger ab dem Alter von sechs Jahren gezählt, der eine Stunde oder länger in der Woche online ist. (vgl. CNNIC 2007: 3).

16 Die Renmin Ribao beispielsweise ist bereits seit 1997 online abrufbar. (vgl. Zhou 2006: 148).

17 中国的防火墙长城zhōngguó de fánghuǒqiáng chángchéng.


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