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Scholarly Essay, 2001, 6 Pages
Author: Dr.rer.pol., Dipl.-Soz., MPH Bernhard Mann
Subject: Sociology - Methodology and Methods
Details
Institute: Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen (BDS)
Tags: Ethik, Soziologie, Tagung, Soziologie, Berufsverband, Deutscher, Soziologen, Akademie, Boll
Year: 2001
Pages: 6
Grade: "-"
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-86215-8
File size: 56 KB
Referat auf der Tagung für angewandte Soziologie des Berufsverbandes Deutscher Soziologinnen und Soziologen (BDS) in der Ev. Akademie Bad Boll 2001
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Abstract
Die Ausgangsthese des vorliegenden Beitrages lautet, dass die Ethik in der Soziologie einerseits Abstand nimmt von der metaphysischen Überhöhung der Ethik, andererseits mit einem modernen diskursfähigen Ethikverständnis konfrontiert wird. Martinus Emge hatte 1968 zur Ethik in der Soziologie darauf hingewiesen, dass sie metaphysisch überfrachtet ist – insofern ungeeignet für die Gesellschaftswissenschaft. Soziologie ist keine Sollenswissenschaft sondern eine analytische und empirische Disziplin. Ethik wird in soziologischer Perspektive als eine Normwissenschaft definiert, jedoch mit Ein-schränkungen. Ethik steht in Verbindung mit einem sozialen und kulturellen Wandel. Ethik ist keine statische Grösse, sondern dem sozialen Wandel ausgesetzt. Die Entwicklung von Normen ist, wie Habermas gezeigt hat, auch eine Frage ihrer Begründung in Gruppenprozessen, eine Frage ihrer Begründung im Diskurs. Gleichwohl zeigt der Soziologe Siegfried Lamnek (Katholische Universität Eichstätt-Ingoldstadt), welche Probleme mit einer gruppeninduzierten Diskursethik verbunden ist. Handelt es sich um einen Diskurs, der unter Zwängen stattgefunden hat, so ist die ethische Position der Ausdruck mächtiger Kräfte im Diskurs und insofern ihre Letztbegründung problematisch.
Excerpt (computer-generated)
Ethik in der Soziologie
von
Bernhard Mann
1. Von der metaphysischen Überhöhung des Ethikbegriffs zum modernen Ethikverständnis einer integrativen Ethik 1
2. Wo stehen wir heute? 2
3. Was können wir bei Jürgen Habermas lernen? 3
4. Ansätze einer integrativen Ethik 3
5. Handlungsfelder für eine integrativen Ethik für die Soziologie 4
Literatur: 6
1. Von der metaphysischen Überhöhung des Ethikbegriffs zum modernen Ethikverständnis einer integrativen Ethik
Die Ausgangsthese des vorliegenden Beitrages lautet, dass die Ethik in der Soziologie einerseits Abstand nimmt von der metaphysischen Überhöhung der Ethik, andererseits mit einem modernen diskursfähigen Ethikverständnis konfrontiert wird. Im Lexikon der Soziologie, erschienen 1994, wird Ethik definiert:
- Ethik ist eine Normwissenschaft zur Lösung von Entscheidungsproblemen
- Seit Aristoteles ist Ethik die Bezeichnung für die Lehre vom sittlich guten Handeln
- Ethik ist die Gesamtheit als Prinzipien, die Handeln, Sitten und Gebräuche eines bestimmten Kulturkreises regeln
- Ethik unterliegt dem geltenden Wertemuster einer Kultur
1974 formulierte die National Commission For Protection Of Human Subjects of Biomedicine and Behavioral Research ethische Grundlagen für die verhaltenswissenschaftliche Forschung:
[...]
Noch Martinus Emge hatte 1968 zur Ethik in der Soziologie darauf hingewiesen, dass sie metaphysisch überfrachtet ist – insofern ungeeignet für die Gesellschaftswissenschaft. Soziologie ist keine Sollenswissenschaft sondern eine analytische und empirische Disziplin. Schon in den Sternstunden der Soziologiegeschichte wurde die Wertfrage erörtert. Im Werturteilsstreit um 1910 diskutierten Max Weber und Schmoller über die Zulässigkeit von Werturteilen in sozialwissenschaftlichen Aussagen. Weber lehnte ihre Zulässigkeit ab, während Schmoller sie anerkannte. Weber verordnete Wertfragen ins Vorfeld wissenschaftlicher Arbeit; so auch Edmund Husserl (1981), als Begründer der Phänomenologie. Auch in seinem Aufsatz „vom inneren Beruf zur Wissenschaft“ hebt der Heidelberger Soziologe Max Weber (1968) die Sachorientierung für die Soziologie hervor. Im späteren Positivismusstreit, begonnen 1961 von Theodor W. Adorno und Karl R. Popper auf der Tübinger Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie – und später fortgesetzt von Jürgen Habermas und Hans Albert -, wird die Werturteilsfrage wieder aufgegriffen.
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