Analyse und Bewertung des Einflusses von Qualitätsmanagementsystemen auf die Finanzierungskonditionen mittelständischer Unternehmen

Autor: Dipl.-Ing. Thomas Purdel
Fach: Wirtschaftsingenieurwesen

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Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 118
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 84  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 410 KB
Archivnummer: V83044
ISBN (E-Book): 978-3-638-87572-1

Zusammenfassung / Abstract

Bankenkredite sind in Deutschland eine häufig genutzte Form der Fremdfinanzierung. Deshalb sind Unternehmensbewertungen mit Hilfe von Ratingverfahren von hoher Bedeutung bei der Kreditvergabe. Das Ratingergebnis wird dabei von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Neben der Unternehmensgröße, der Eigenkapitalausstattung oder der realisierten Gewinne können auch Maßnahmen im Rahmen eines Qualitätsmanagementsystems als Einflussgröße angesehen werden. Ziel der Arbeit ist es, den Einfluss von QM-Maßnahmen auf die Finanzierungskonditionen von Mittelstandsunternehmen zu untersuchen. Dazu wird zunächst die enge Verflechtung der Unternehmen mit den Banken und die Beeinflussung durch die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) erläutert. Die Ausfallwahrscheinlichkeit als wesentliche Einflussgröße bei der Kreditvergabe, wird durch die inhaltliche Darstellung der Ratingansätze für die Banken herausgearbeitet. Wie diese Größe von deutschen Kreditinstituten ermittelt wird, soll anhand zweier Beispiele gezeigt werden. Im Ergebnis werden essentielle Bestandteile bankinterner Ratingverfahren in Form von quantitativen und qualitativen Ratingkriterien erarbeitet. Durch ein qualitatives Rating werden bei Mittelstandsunternehmen als Erfolgsfaktoren und Erfolgspotenziale das Management, die Produkte bzw. Dienstleistungen und die Unternehmensorganisation bewertet. Gezielten Einfluss kann auf diese Faktoren mittels Maßnahmen eines QM-Systems genommen werden, um somit das qualitative Rating zu verbessern. Wie durch ein Experteninterview festgestellt werden konnte, erfolgt die Bewertung dieser Verbesserung jedoch nicht zeitgleich mit der Umsetzung der jeweiligen QM-Maßnahme, sondern erst mit Wirkungsverzögerungen. Ebenso wird die QM-Maßnahme nicht im qualitativen Rating der Umsetzungsperiode sondern im quantitativen Rating der Wirkungsperiode bewertet. Ein in der Literatur gegebener Ansatz für die Ermittlung zeitlicher Wirkungsverzögerungen wird vorgestellt und kritisch hinterfragt.

Textauszug (computergeneriert)

Freie wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des Grades
eines Diplomingenieurs im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen

Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus
Fakultät Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen

Lehrstuhl Qualitätsmanagement

Analyse und Bewertung des Einflusses von
Qualitätsmanagementsystemen auf die Finanzierungskonditionen
mittelständischer Unternehmen

cand. ing. Thomas Purdel
Wirtschaftsingenieurwesen (Produktionstechnik)

 

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis ... IV

Tabellenverzeichnis ... V

Abkürzungsverzeichnis ... VI

1 Einleitung ... 1

2 Aktuelle Lage des Mittelstande ... 3

2.1 Definition des Mittelstande ... 3

2.2 Wirtschaftliche Stellung ... 4

2.3 Finanzierungssituation ... 5

3 Der Weg von Basel I zu Basel II ... 8

3.1 Der Baseler Ausschu ... 8

3.2 Der Baseler Akkord (Basel I) ... 9

3.3 Die neue Eigenkapitalverordnung (Basel II) ... 11

4 Rating-Ansätze für die Banken ... 14

4.1 Definition des Ratings und dessen Zielgruppen ... 14

4.2 Der Standardansatz ... 16

4.3 Die internen Ratings (IRB-Ansätze) ... 18

4.4 Die Mittelstandskomponente ... 24

5 Wesentliche Bestandteile bankinterner Rating-Verfahren ... 26

5.1 Ausgewählte interne Rating-Modelle ... 26
5.1.1 Das Rating-Modell der Sparkassen (DSGV-Rating) ... 26
5.1.2 Das Rating-Modell der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR-II-Rating) ... 28

5.2 Die Bestandteile bankinterner Rating ... 30

6 Identifikation der Erfolgsfaktoren von KMU ... 35

6.1 Begriffsabgrenzungen: Erfolgsfaktoren und Erfolgspotenziale ... 35

6.2 Erfolgsfaktorenforschung ... 36

6.3 Erfolgsfaktoren von KMU ... 38

7 Qualitätsmanagementsysteme ... 40

7.1 Begriffsabgrenzungen: Qualität, Qualitätsmanagement und QM-Systeme ... 40

7.2 Total Quality Management ... 42
7.2.1 Das EFQM-Modell für Excellence ... 43
7.2.2 Die DIN EN ISO 9000:2000ff ... 45

7.3 Wesentliche Elemente von QM-Systemen im Rating-Kontext ... 50
7.3.1 Hauptkriterien von QM-Systemen ... 50
7.3.2 Wesentliche QM-Maßnahmen ... 51

8 Wirkmodell zur Darstellung des Zusammenhangs zwischen QM-Maßnahmen und Finanzierungskonditionen ... 56

8.1 Konzeption des Wirkmodell ... 56

8.2 Problem bei der Bewertung des Wirkmodell ... 60

8.3 Wirkungsverzögerungen von QM-Maßnahmen ... 61
8.3.1 Empirische Untersuchung an amerikanischen Unternehmen ... 61
8.3.2 Anwendbarkeit der Untersuchungsergebnisse auf deutsche Unternehmen ... 64
8.3.3 Ansatz zur Quantifizierung der zeitlichen Wirkungsverzögerungen von QM-Maßnahmen ... 65
8.3.4 Versuch den möglichen Beitrag von QM-Maßnahmen zum Unternehmenserfolg zu ermitteln ... 67
8.3.5 Kritische Betrachtung der Untersuchungsergebnisse ... 70

9 Abschließende Zusammenfassung und Ausblick ... 72

Literaturverzeichnis ... 76

Anhang ... 89

 

 

1 Einleitung

Die Finanzierung von Klein- und Mittelstandsunternehmen (KMU) wird in Deutschland überwiegend durch Bankkredite vorgenommen.1 Durch diese starke Verflechtung der Banken mit den Unternehmen sind die neuen Eigenkapitalanforderungen des Baseler Akkordes II (Basel II) verstärkt in den Blickpunkt der Betrachtung gerückt. Nach den Anforderungen von Basel II hat eine Bank einen von ihr vergebenen Kredit entsprechend der Bonität des Kreditnehmers mit Eigenkapital zu besichern. 2 Im Kern bedeutet dies, dass gemäß des Ausfallrisikos des Kreditnehmers die Bank eine entsprechende Summe an Eigenkapital hinterlegen muss. Mit steigendem Risiko steigt damit auch das zu hinterlegende Kapital, welches der Bank für weitere Investitionen dadurch nicht mehr zur Verfügung steht. In diesem Zusammenhang haben Ratings, mit denen die Bank das Kreditrisiko zu bewerten hat, an Bedeutung gewonnen.3 Hierbei gilt: je besser das Rating ausfällt, desto günstiger werden die Konditionen, zu denen sich das jeweilige Unternehmen bei der Bank finanzieren kann.4 Ist die Durchführung von Ratings bei Großkonzernen, welche Zugang zu internationalen Kapitalmärkten erhalten wollen, ein alltägliches Geschäft, so sind Kreditinstitute seit dem 1. Januar 2007 dazu verpflichtet, auch bei KMU eine entsprechende Beurteilung des Kreditrisikos durchzuführen.5 Neben der aktuellen Kreditwürdigkeit wird beim Rating auch die unternehmerische Zukunftsfähigkeit unter Berücksichtigung von erfolgskritischen Faktoren bewertet.6 Erfolgskritische Faktoren können durch Qualitätsmanagementsysteme (QMSysteme) gelenkt und koordiniert und somit beeinflusst werden.7

Fraglich ist, inwiefern es einem Unternehmen gelingen kann, durch Maßnahmen im Rahmen eines QM-Systems gezielten Einfluss auf die Finanzierungskonditionen auszuüben. Der Versuch, diese Frage zu beantworten, stellt den zentralen Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Schrift dar. Dazu soll zu Beginn die aktuelle Lage des Mittelstandes und die starke Verflechtung der KMU mit den Kreditinstituten erläutert werden. In Kapitel drei wird auf die Baseler Eigenkapitalvorschriften genauer eingegangen, da sie die Grundlage für die Gestaltung der Finanzierungskonditionen bilden. Im Anschluss daran erfolgt in Kapitel vier eine Definition des Ratings und dessen Zielgruppen. Die Ansätze, welche der Baseler Ausschuss den Banken zur Erstellung eines Ratings einräumt, werden ebenfalls in diesem Kapitel dargestellt. In Kapitel fünf werden die wesentlichen Rating- Bestandteile anhand von zwei Rating-Modellen (DSGV-Rating, BVR-II-Rating) herausgearbeitet. Eine Definition und Charakteristik wesentlicher Erfolgsfaktoren von KMU erfolgt in Kapitel sechs. Im Anschluss daran soll der Versuch unternommen werden, Wirkungszusammenhänge zwischen QM-Maßnahmen und einem qualitativen Rating-Ergebnis herauszuarbeiten. Aufbauend auf den Ergebnissen der vorangegangenen Kapitel soll in Kapitel acht ein Wirkmodell konzipiert werden, welches die Einflussmöglichkeiten von Maßnahmen im Rahmen eines QMSystems nachbilden soll. Den Abschluss bildet eine Zusammenfassung der während der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse.

2 Aktuelle Lage des Mittelstandes

2.1 Definition des Mittelstandes

Der Begriff des Mittelstandes ist in der Literatur nicht einheitlich definiert.8 Übereinstimmend wird jedoch erwähnt, dass sich Klein- und mittelständische Unternehmen sowohl qualitativ (z.B. Selbstständigkeit des Unternehmers, Vereinigung des Unternehmers, Kapitalgebers und Leiters in einer Person) als auch quantitativ (z.B. Beschäftigtenzahl, Umsatzvolumen, Bilanzgewinn) von anderen Unternehmensgrößen unterscheiden lassen.9 Umfang und Ausprägung dieser Unterscheidungskriterien variieren je nach Definition hingegen sehr. In diesem Zusammenhang stellt KIRCHMAIR fest, dass beispielsweise Mittelstand-Definitionen seitens öffentlicher Hand existieren, sich aber selbst diese bereits auf Bund- und Länderebene unterscheiden.10 Der Autor bemerkt weiterhin, dass auch Banken und Bankengruppen den Mittelstand oft nicht einheitlich definieren.

Da erfahrungsgemäß qualitative Merkmale schwer erfassbar sind, hat sich der Rückgriff auf quantitative Unterscheidungskriterien, vor allem auf die Beschäftigtenanzahl und den Jahresumsatz, als vorteilhaft erwiesen.11 Das Institut für Mittelstandsforschung und die Europäische Kommission haben Versuche unternommen, den Mittelstand quantitativ abzugrenzen.12 Dabei zählt das Institut für Mittelstandsforschung all jene Unternehmen zu den KMU, deren Beschäftigtenzahl 500 nicht übersteigt und welche einen Jahresumsatz von maximal 50 Mio. Euro ausweisen.13 Seitens des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht gehören lediglich Unternehmen, welche einen Jahresumsatz von weniger als 50 Mio. Euro ausweisen, den KMU an.14 Die Europäische Kommission hingegen ordnet alle Unternehmen, welche weniger als 250 Beschäftigte und/oder einen Jahresumsatz von nicht mehr als 50 Mio. Euro realisieren den KMU zu.15 In der Literatur wird bemängelt, dass all diese Definitionsversuche keineswegs mit der realen Finanzierungssituation übereinstimmen und demzufolge eine korrigierende Anpassung nach oben – vor allem beim Jahresumsatz – vorgenommen werden müsse.16 Diese Forderung beruht allerdings darauf, mittelständische Unternehmen klarer von Großkonzernen unterscheiden zu können. Eine derartige Unterscheidung ist in der vorliegenden Arbeit jedoch nicht nötig, so dass sich hier der Definition des Institutes für Mittelstandsforschung angeschlossen werden soll. Des Weiteren sollen im Rahmen dieser Arbeit die Begriffe „Mittelstand“ und „KMU" synonym verwendet werden.

2.2 Wirtschaftliche Stellung

Von den etwa 3,3 Mio. deutschen Unternehmen können ca. 99,6% der Gruppe der KMU zugeordnet werden.17 In diesen Unternehmen sind über 70% der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten tätig.18 Weiterhin werden durch den Mittelstand ca. 46% der Bruttoinvestitionen und etwa 50% der Bruttowertschöpfung in Deutschland getätigt.19 80% aller Ausbildungsplätze werden durch den Mittelstand repräsentiert.20 In Deutschland entwickelte Patente werden zu 75% in klein- und mittelständischen Unternehmen konzipiert.21

Die genannten Zahlen belegen, dass der Mittelstand eine äußerst wichtige Stellung innerhalb des deutschen Wirtschaftsumfeldes bezieht.22 Er ist „heute mehr denn je Leistungs- und Hoffnungsträger für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland“.23 Gerade durch die hohe Investitionstätigkeit bedarf es einer stärkeren Beachtung des Mittelstandes im Zusammenhang mit den neuen Eigenkapitalvorschriften, da die für die Stabilität der deutschen Volkswirtschaft unbedingt benötigte Beständigkeit der KMU maßgeblich durch die Finanzierung bestimmt wird.24

[...]


1 vgl. von Boehm-Bezing 2002, S. 160

2 vgl. Kolbeck / Wimmer 2002, S. 11

3 vgl. Nagl 2003, S. 11

4 vgl. Nagl 2003, S. 11

5 vgl. Heim 2006, S. 17

6 vgl. Heim 2006, S. 17

7 vgl. Pfeifer 2001, S. 49

8 vgl. Schüler 2002, S. 40 und vgl. Hundt et. al. 2003, S. 1

9 vgl. z.B. Kley 2003, S. 8; Achleitner / Fingerle 2004, S. 6 ff.; Schüler 2002, S. 40

10 vgl. Kirchmair 2001, S. 178

11 vgl. Schüler 2002, S. 42

12 Die genauen Unterscheidungskriterien sind dem Anhang A1 der vorliegenden Arbeit beigefügt.

13 vgl. Kayser 2001, S. 2 und vgl. Achleitner / Fingerle 2004, S. 7

14 vgl. Baseler Ausschuss 2004, S. 68

15 vgl. Europäische Kommission 2000, S. 46 und vgl. Achleitner / Fingerle 2004, S. 7

16 vgl. Achleitner / Fingerle 2004, S. 7

17 vgl. Hundt et. al. 2003, S. 2

18 vgl. Schüler 2002, S. 43 und vgl. Hundt et. al. 2003, S. 2 und vgl. Ehlers 2005, S. 1

19 vgl. Hundt et. al. 2003, S. 2 und vgl. Schüler 2003, S. 44.

20 vgl. Hundt et. al. 2003, S. 2

21 vgl. Ehlers 2005, S. 1

22 vgl. EZB 2005, S. 58

23 Koch / Wegmann 2003, S. 13; ähnlich bei Heim 2006, S. 29

24 vgl. Koch / Wegmann 2003, S. 13

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