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Qualitative Sozialforschung nach Anselm L. Strauss - Genese und Fundament der Grounded Theory

Scholary Paper (Seminar), 2007, 16 Pages
Author: Marco Wille
Subject: Pedagogy - Science, Theory, Anthropology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 16
Grade: 1
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V86375
ISBN (E-book): 978-3-638-01890-6

File size: 217 KB

Abstract

Inhalt dieser Arbeit ist der Soziologe Anselm Strauss und die Genese seiner Grounded Theory, die er zusammen mit Barney Glaser, auch ein US-Soziologe aus der Tradition der verhaltenstheoretischen Forschung, entwickelte. Die Grounded Theory ist keine Theorie an sich,sondern eher ein Paradigma bzw. Forschungsstil. Studierende sowie Interessierten soll hier ein Einblick in die Entstehung der Grounded Theory gegeben werden - ein Blick aus der Sicht des Begründers, um das Wesen und den Kern der Grounded Theory zu erfassen, welche den Einstieg in die Theorie und das methodische Vorgehen der Grounded Theory erleichtern. So wirld als erstes erklärt, was die Grounded Theory ist und was sie nicht ist, aus welchen Gründen und Nöten sie geschaffen wurde und auf was ihre Existenzberechtigung baut. Im zweiten Kapitel wird die Entstehungsgeschichte der Grounded Theory erzählt und aufgezeigt, welche Gedanken und Motive die 'Väter' dazu trieben,die Grounded Theory zu entwickeln. Im dritten Kapitel werden Anselms Grundgedanken zu den einzelnen Arbeitsschritten der Grounded Theory erläutert, um das Denken, die Struktur und den Grundcharakter der Grounded Theory zu verstehen. Im Anschulss werden die Gedanken des 'Vaters' Anselm Strauss zur Qualitativen Datenanalyse allgemein gezeigt, die seine Grundhaltung dazu aufzeigt und den Grundbaustein der Grounded Theory die Existenzberechtigung verleiht. Abschluss bildet die Vertiefung der anfangs erklärten metaphysischen Erklärung der Grounded Theory.


Excerpt (computer-generated)

Universität Zürich

Erziehungswissenschaft

SS 2007

Qualitative Sozialforschung

nach Anselm L. Strauss

Genese und Fundament der Grounded Theory

Eingereicht am 29. Mai 2007

Marco Wille


Seite II

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

Einleitung 3

1

Grounded Theory mit metaphysischem Blick 4

2

Anselm Strauss und seine Grounded Theory 5

2.1 Anselm

Strauss 5

2.2 Lebenspunkte 6

2.3

Schritte zur Grounded Theory 6

2.4

Strauss` Grounded Theory 7

3

Einige Punkte über Arbeitsschritte 8

3.1 Generative

Fragen 8

3.2

Das Kodieren führt zu einer konzeptuell dichten Theorie 9

3.3 Theorie-Memos 9

3.4

Temporaler und relationaler Aspekt 9

3.5 Integration 10

4

Strauss′ Gedanken zur Qualitativen Datenanalyse 11

4.1 Komplexität 11

4.2

Kontextwissen ­ Theoretische Sensibilität 11

4.3

Induktion, Deduktion und Verifikation 12

5

Grounded Theory mit metaphysischem Blick - Fazit 13

Literaturverzeichnis 15


Seite 3

Einleitung

,,In einer Zeit, in der quantitative Methoden

in den US-amerikanischen Sozialwissenschaften

an Dominanz gewannen, [versuchten Strauss und Glaser]

entgegen diesem Trend [...] eine Theoriebildung zu etablieren,

die von Daten ausgeht und somit Theorien schafft,

die in den Daten ,,verankert" sind. [...] Sie wendet sich damit

gegen das blosse Ableiten überprüfbarer Hypothesen

von bereits bestehenden Theorien."

(Krüger/Meyer 2007)

Einleitung

Inhalt dieser Arbeit ist der Soziologe Anselm Strauss und die Genese seiner Grounded

Theory, die er zusammen mit Barney Glaser, auch ein US-Soziologe aus der Tradition der

verhaltenstheoretischen Forschung, entwickelte.

Anselm Strauss war ein jüdischer Emigrant, der an der Chicagoer Universität studierte, lehrte

und forschte. Dies ist jene Universität, die stets mit G. H. Mead, Herbert Blumer

(symbolischer Interaktionismus1) und John Dewey (amerikanischer Pragmatismus2) in

Verbindung gebracht wird und eine lange qualitative Forschungstradition hat. Strauss war ein

Schüler von Herbert Blumer. Nicht zufälligerweise basiert daher seine Grounded Theory auf

der Theorie des Symbolischen Interaktionismus und des Denkstils des amerikanischen

Pragmatismus.

Die Grounded Theory ist keine Theorie an sich, sondern eher ein Paradigma bzw.

Forschungsstil oder eine Perspektive mit Methodenpluralität oder anders gesagt eine

Methodologie und wesentliches Instrument der qualitativen Sozialforschung.

Studierenden sowie Interessierten soll hier ein Einblick in die Entstehung der Grounded

Theory gegeben werden - ein Blick aus der Sicht des Begründers, um das Wesen und den

Kern der Grounded Theory zu erfassen, welche den Einstieg in die Theorie und das

methodische Vorgehen der Grounded Theory erleichtern.

So wird als erstes erklärt, was die Grounded Theory ist und was sie nicht ist, aus welchen

Gründen und Nöten sie geschaffen wurde und auf was ihre Existenzberechtigung baut. Im

1 Symbolischer Interaktionismus, Herbert Blumer prägte diesen Begriff, geht davon aus, dass soziale Realität das

Resultat von Interaktion und Kommunikation ist. In der Interaktion werden Handlungen zu Symbolen

gemeinsamer Deutungsschemata, durch die weiteres Handeln orientiert wird. Menschen handeln ,,Dingen"

gegenüber der Bedeutung, die diese für sie besitzen.

2 Pragmatismus steht generell für einen Vorrang von Praxis vor rein theoretischen Überlegungen. Als wichtiger

amerikanischer Vertreter des amerikanischen Pragmatismus gilt John Dewey. Für ihn heisst ,,Pragmatismus" vor

allem praktische Bewährung. Somit sind philosophische Positionen gemäss ihrer Bewährung im Handeln zu

bewerten. In Bezug auf Wahrheit heisst dies, dass Wahrheit mit langfristiger praktischer Bewährung

gleichgesetzt wird (vgl. Esfeld 2001, S. 24)


Seite 4

Grounded Theory mit metaphysischem Blick

zweiten Kapitel wird die Entstehungsgeschichte der Grounded Theory erzählt und aufgezeigt,

welche Gedanken und Motive die ,Väter′ dazu trieben, die Grounded Theory zu entwickeln.

Im dritten Kapitel werden Anselms Grundgedanken zu den einzelnen Arbeitsschritten der

Grounded Theory erläutert, um das Denken, die Struktur und den Grundcharakter der

Grounded Theory zu verstehen. Im Anschluss werden die Gedanken des ,Vaters′ Anselm

Strauss zur Qualitativen Datenanalyse allgemein gezeigt, die seine Grundhaltung dazu

aufzeigt und den Grundbausteinen der Grounded Theory die Existenzberechtigung verleiht.

Abschluss bildet die Vertiefung der anfangs erklärten metaphysischen Erklärung der

Grounded Theory.

1 Grounded Theory mit metaphysischem Blick

Nach Auffassung von Strauss besteht die Hauptaufgabe der Soziologen in der Entdeckung

und Entwicklung von Hypothesen, Konzepten und Theorien und nicht die Überprüfungen von

Hypothesen bereits bestehender Theorien. Spezifisches Ziel der Grounded Theory ist die

Theoriegewinnung. Das Anliegen der Grounded Theory ist ,,... die Soziologen an ihre

Aufgabe zu erinnern, die nur Soziologen vollbringen können, nämlich soziologische Theorien

aufzustellen" (Lamnek 2005, S. 101).

Am Anfang und im Zentrum dieser Methodologie steht der Forschungsprozess, nicht eine

Hypothese. Die Grounded Theory ist eine forschungsmethodische Analyse von Daten und

dient zur Auswertung von Interviews, Beobachtungen, Protokollen usw. Sie ist ein

Regelsystem zur Auswertung von qualitativen Daten mit der Zielsetzung, diesen Prozess

methodisch zu lenken und damit nachvollziehbar und überprüfbar zu machen (vgl. König

E./Zedler P. 2002, S. 166).

Im Gegensatz zu den Theorien des logisch-deduktiven Typs werden die Grounded Theories

direkt in dem Forschungsprozess aus dem empirischen Datenmaterial heraus entwickelt und

nicht deduktiv abgeleitet. Im Laufe des Forschungsprozesses wird die soziale Wirklichkeit

nicht nur erhellt, sondern es wird eine Theorie zu dem untersuchten Gegenstand entwickelt.

Sie will nicht bloss einen Fall der sozialen Wirklichkeit erhellen, sondern will theoretische

Erkenntnis sein. Im Mittelpunkt bleibt aber stets der Forschungsprozess (vgl. Strauss/Corbin

1996, S. 9). Das Ziel der Grounded Theory ist neues theoretisches Wissen zu generieren,

indem sie sich intensiv mit der empirischen Forschung auseinandersetzt.

Aus diesem Grund entwickelte Strauss, zusammen mit Glaser, die Grounded Theory aus dem

Grundverständnis heraus, Theorien zu finden und somit die Wissenschaft voranzubringen.

Theorien, die nicht abgehoben, sondern nah an der Realität sind. Damit wollen sie die grosse



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