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"Lost and Found" – eine kritische Analyse der Unterrichtsaufgaben zu einem Film für den Geographieunterricht

Termpaper, 2007, 26 Pages
Author: Franziska Noltenius
Subject: Geography / Earth Science - Didactics of Geography

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 26
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V90867
ISBN (E-book): 978-3-638-04863-7
ISBN (Book): 978-3-638-94539-4
File size: 408 KB

Abstract

Indien – Land der Gegensätze und Paradebeispiel für Armut, Polarisierung, Ungleichheit und Kinderarbeit. So erheben auch der Film „Die verlorene Brieftasche. Lost and Found“ sowie die beigefügten Unterrichtsmaterialien den Anspruch, die Problematik der Kinderarbeit zu thematisieren und die Schülerinnen und Schüler zu einer Auseinandersetzung mit dieser Problematik anzuregen. Aber ist Kinderarbeit das Hauptthema des Films? Wird nicht vielmehr die Überheblichkeit der Erwachsenen gegenüber den Kindern in den Vordergrund gestellt? Warum also beziehen sich die Unterrichtsvorschläge hauptsächlich auf Kinderarbeit und nicht auf das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. zwischen der armen und der reichen Bevölkerungsschicht? Die vorliegende Hausarbeit analysiert die von der Fachstelle „Filme für eine Welt“ (Hrsg.) erstellten Unterrichtsvorschläge und hinterfragt ihre Anwendbarkeit für den Geographieunterricht. Zudem werden Alternativvorschläge entwickelt, die gegebenenfalls besser geeignet sind, den Schülerinnen und Schülern das Hauptanliegen sowie weitere Themen des Films zu vermitteln.


Excerpt (computer-generated)

,,Lost and Found" ­ eine kritische Analyse der Unterrichtsaufgaben

zu einem Film für den Geographieunterricht

Eingereicht von: Franziska Noltenius

Universität Bremen

Seminar: Methoden des Geographieunterrichts: von Filmen lernen

WS 2006/ 2007


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

1.

Einleitung 3

2.

Filmbeschreibung 3

3.

Armut in Indien 4

4.

Filmeinsatz im Geographieunterricht 6

5.

Unterrichtsaufgaben 7

5.1 Kurzbeschreibung der Aufgaben 7

5.1.1 Einführung 7

5.1.2 Visionieren 7

5.1.3 Erste Eindrücke sammeln 8

5.1.4 Rollenspiel 8

5.1.5 Auswertung Rollenspiel 8

5.1.6 Hintergrundwissen erarbeiten 8

5.2 Bewertung der Aufgaben 9

5.2.1 Bewertungskriterien 9

5.2.2 Bewertung auf Grundlage der entwickelten Kriterien 11

6.

Alternative Unterrichtsaufgaben 15

6.1 Einführung 15

6.2 Filmbetrachtung 15

6.3 Unterbrechung des Films 15

6.4 Brainwriting 16

6.5 Übertragung auf die eigene Kindheit - Hausaufgaben 17

6.6 Weitere Themen 17

7.

Fazit 18

Literaturverzeichnis 19

Anmerkung der Autorin 21

Anhang 22

2


1. Einleitung

Indien ­ Land der Gegensätze und Paradebeispiel für Armut, Polarisierung,

Ungleichheit und Kinderarbeit. So erheben auch der Film ,,Die verlorene Brieftasche.

Lost and Found" sowie die beigefügten Unterrichtsmaterialien den Anspruch, die

Problematik der Kinderarbeit zu thematisieren und die Schülerinnen und Schüler zu

einer Auseinandersetzung mit dieser Problematik anzuregen. Aber ist Kinderarbeit

das Hauptthema des Films? Wird nicht vielmehr die Überheblichkeit der

Erwachsenen gegenüber den Kindern in den Vordergrund gestellt? Warum also

beziehen sich die Unterrichtsvorschläge hauptsächlich auf Kinderarbeit und nicht auf

das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. zwischen der armen und

der reichen Bevölkerungsschicht? Die vorliegende Hausarbeit analysiert die von der

Fachstelle ,,Filme für eine Welt" (Hrsg.) erstellten Unterrichtsvorschläge und

hinterfragt ihre Anwendbarkeit für den Geographieunterricht. Zudem werden

Alternativvorschläge entwickelt, die gegebenenfalls besser geeignet sind, den

Schülerinnen und Schülern das Hauptanliegen sowie weitere Themen des Films zu

vermitteln.

2. Filmbeschreibung

Die Hauptperson des Films ,,Die verlorene Brieftasche ­ Lost and Found" ist Munna,

ein Junge, der durch Schuhe putzen etwas zum Familieneinkommen beiträgt.

Nachdem er einem, in einer Limousine vorgefahrenem, Kunden die Schuhe geputzt

hat, fällt ihm die von diesem reichen Mann verlorene Brieftasche vor seinem

Arbeitsplatz auf. Ein anderer Junge, der ebenso Geld durch Schuhputzen verdient,

rät ihm ab, die Brieftasche zurückzubringen, da er dann wohl als Dieb verleumdet

werden würde. Dessen ungeachtet entscheidet sich Munna dazu, die Geldbörse

seinem rechtmäßigen Besitzer zu überbringen. Auf der Suche nach dem reichen

Mann wird ihm von Seiten der Erwachsenen viel Misstrauen entgegengebracht. So

wird er stets herablassend behandelt und, wie der andere Junge schon vermutete,

auch kritisch beäugt. Auf seinem Abenteuer trifft er unter anderem auf den Pförtner

des Hauses, in dem der Brieftaschenbesitzer wohnt, dessen Haushälterin, einen

korrupten Polizisten, der augenscheinlich das Portmonee selbst behalten will, einen

Gauner, der beabsichtigt, ihm das Geld abzunehmen, sowie auf zwei Mörder, in

dessen Kofferraum sich eine Leiche befindet. Sogar im Elternhaus wird ihm Faulheit

unterstellt, da er an diesem Arbeitstag zu wenig Geld verdient hat. Lediglich seine

3


Mutter nimmt ihn vor seinem Vater, wenn auch eher halbherzig, in Schutz. Am darauf

folgenden Tag trifft Munna erneut auf den reichen Mann. Aufgrund seiner schlechten

Erfahrungen mit der Erwachsenenwelt verneint er jedoch die Frage, ob er die

Brieftasche gefunden habe. Nun verhält sich Munna in gleicher Weise wie sein,

ebenfalls Schuhe putzender, Freund, der ihm anfangs abgeraten hat, die Fundsache

zurückzubringen.

Zusammenfassend zeigt der Film, dass ein armer Junge in einem Dritte-Welt-Land

gegenüber den Erwachsenen aller Schichten mit Vorurteilen und Desinteresse zu

kämpfen hat. Die herablassenden Verhaltensweisen der Erwachsenen stehen jedoch

nicht im direkten Zusammenhang mit dem Thema Kinderarbeit, was im Laufe der

vorliegenden Arbeit noch deutlicher hervorgehoben wird. Zudem werden in den

einzelnen Filmsequenzen weitere, in Indien vorherrschende, Probleme wie

Korruption, Kriminalität und Armut thematisiert.

3. Armut in Indien

Der vorgestellte Film bzw. vor allem die beigefügten Materialien für den Unterricht

thematisieren unter anderem die Armut breiter Bevölkerungsschichten sowie die

Kinderarbeit in Indien. Im Folgenden werden einige Grundlagen zu dieser Thematik

gegeben, um die anschließend erörterten Aufgabenstellungen sowie die entwickelten

Alternativaufgaben in einen fachlichen Rahmen zu setzen. Zudem wird ein Einblick

auf die anderen in dem Film thematisierten Problembereiche gegeben, um mögliche

Potenziale zur Weiterarbeit im Unterricht zu erschließen.

Indien wird seit Ende des 20. Jahrhunderts weltweit als ernstzunehmender

Wettbewerber unter anderem auf dem IT-Markt gesehen.

Wirtschaftswachstumsraten von etwa sechs Prozent konnten in den letzten Jahren

vornehmlich aufgrund der Konzentration auf diese Branche erreicht werden. Indien

setzt auf ,,brain power" um auf dem Weltmarkt zu bestehen, was Zahlen wie über drei

Millionen Hochschulabsolventen und weitere über 250.000 ausgebildete

Computerexperten jährlich eindrucksvoll untermauern (vgl. BOHLE 2004, S. 3).

Demgegenüber steht die Schilderung WAMSERS (2005, S. 33), dass Büroangestellte

trotz, für indische Verhältnisse, guter Bezahlung beispielsweise in Mumbai in

Marginalsiedlungen ,,hausen" müssen. Entgegen der, vor allem auch in den Medien

beschriebenen, inzwischen immer positiveren Entwicklungen Indiens, hat das Land

nach wie vor mit zum Teil dramatischen Armutsproblemen zu kämpfen. Besonders

4


problematisch erscheint hierbei die prekäre Wohnungsmarktsituation, insbesondere

in den Großstädten. Aufgrund der starken Land-Stadt-Migration stoßen Megastädte

wie Mumbai unter anderem in Sachen Wohnraum an ihre Grenzen. Folge dessen

sind weit verbreitete Marginalsiedlungen mit schlechter struktureller Ausstattung:

oftmals fehlen Strom- und Wasseranschlüsse, befestigte Straßen etc.. Diese

behelfsmäßigen Unterkünfte werden zudem nicht selten durch so genannte ,,Slum

Lords" beherrscht, die von den Bewohnern Schutzgelder bzw. unrechtmäßige Mieten

einfordern (WAMSER 2005, S. 32 f.). Anders als vermutet lebt in den

Squattersiedlungen der indischen Großstädte aber nicht nur die Bevölkerung der

Unterschicht. Durch die ,,starke Nachfrage nach günstigem Wohnraum steigen die

Preise in diesem Segment weiter" (DITTRICH 2003, S. 42). Aus dem Grund weichen

inzwischen immer mehr Zugehörige der unteren Mittelschicht in die

Marginalsiedlungen aus. Die ursprünglichen Bewohner hingegen werden in die, vom

Stadtzentrum und somit auch vom Arbeitsmarkt weit entfernten, Slums verdrängt, in

denen sich die infrastrukturelle Situation noch dramatischer ausgestaltet:

Analphabetismus, Arbeitslosigkeit, Drogenmissbrauch, Hunger und (Infektions-

)Krankheiten sind alltägliche Probleme, mit denen die Slumbewohner zu kämpfen

haben (DITTRICH 2003, S. 42 f.). Ausgeprägte Einkommensdisparitäten sind in Indien

also nicht nur im Stadt-Land-Vergleich anzutreffen sondern auch in den, teilweise in

hohem Grade entwickelten und fortschrittlichen, Großstädten präsent (BRONGER

1996, S. 105 f.). Die vom Arbeitsmarkt abgedrängten und meist in den

Marginalsiedlungen lebenden Bevölkerungsschichten sichern ihre Existenz durch

Bettlerei oder Arbeiten im informellen Sektor. Neben den Hindernissen in diesem

Arbeitsmarktsegment, wie zum Beispiel hoher Konkurrenz, gestaltet sich auch das

Leben im Alter als schwierig. Programme zur Sozialen Absicherung ( Stichwort

Pensionszahlungen und ähnliches) greifen bei dieser Gruppe nicht oder nur in sehr

geringem Maße (vgl. dazu WEBER 1995, S. 170 f.). In diesem Faktum ist auch mit ein

Grund für die hohe Geburtenrate Indiens zu sehen: neben dem religiösen Motiv,

dass Kinder im Hinduismus als höchster Segen gelten, stellen sie unabkömmliche

Arbeitskräfte für das Leben und die Altersvorsorge der Eltern dar. An dem

Kinderreichtum vor allem ärmerer Bevölkerungsschichten wird sich zukünftig wohl

erst dann etwas ändern, wenn eine gesetzliche Alterversorgung für die gesamte

Bevölkerung eingeführt wird (DOMRÖS 2004, S. 35). Kinder in Indien arbeiten

hauptsächlich, ,,um den Lebensunterhalt ihrer Familien zu sichern" (LIEBEL 2005, S.

5


41). Die Angaben zu den arbeitenden Kindern differieren oft stark. So geht die

indische Regierung von etwa 20 Millionen Kinderarbeitern, die Gewerkschaft der

arbeitenden Kinder in Karnataka/ Indien hingegen von 100 Millionen aus (vgl. LIEBEL

2001, S. 314). GRANER (2002, S. 21 f.) weist zudem darauf hin, dass die lokalen

NGO´s oft dazu tendieren, die Fakten zu der Anzahl der Kinderarbeiter sowie zum

durchschnittlichen Alter der Beschäftigungsaufnahme zu überhöhen. Neben dem

humanitären Interesse für diese Dramatisierung der Zahlen sollte aber auch das

(wirtschaftliche) Eigeninteresse dieser Organisationen nicht ausgeblendet werden,

denn: ,,je größer die Missstände sind, desto größer ist der von ihnen zu

organisierende und damit auch der (von Außen) zu finanzierende Handlungszwang"

(GRANER 2002, S. 22).

4. Filmeinsatz im Geographieunterricht

Der Einsatz verschiedener Medien gestaltet den (Geographie-)Unterricht

abwechslungsreich und kann ihn für die Schülerinnen und Schüler interessanter

machen. Ein, in den letzten Jahren immer häufiger eingesetztes, Medium ist der

Film. Filme dienen dabei als Ersatz für die Realbegegnung sowie zur

Veranschaulichung dynamischer Prozesse und raumrelevanter Strukturen (LENZ

2004, S. 43). Man unterscheidet bei Filmen für den Unterricht in Lern- bzw.

Wissensfilme und (narrative) Spielfilme (BEUSCHER u. a. 2005, S. 51). Der

Unterschied zwischen beiden Filmarten liegt darin, dass ein Lernfilm oft erheblich

zusammenhanglosere Szenen beinhaltet als ein narrativer Spielfilm. Untersuchungen

haben ergeben, dass solche Wissensfilme im Vergleich zu Spielfilmen zu einer

relativ schlechteren Rekonstruktionsleistung und einer ,,inkohärenteren

Gedächtnisrepräsentation" bei den Schülerinnen und Schülern führen (ebd. S. 54).

Spielfilme haben Sachfilmen gegenüber den Vorteil, dass die handelnden

Hauptdarsteller des Films dazu beitragen, inhaltliche Schlussfolgerungen besser zu

ziehen (ebd. S. 55). Auch beim hier betrachteten Film ,,Die verlorene Brieftasche ­

Lost and Found" handelt es sich um einen narrativen Spielfilm. Die

Erinnerungsleistung der Schülerrinnen und Schüler an einzelne Filmsequenzen ist

durch den Einsatz eines solchen Filmtyps größer als beispielsweise einem Lernfilm

mit ähnlichen Inhalten.

6



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