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Der Opiumkrieg und seine Verträge im Kontext des Freihandelsimperialismus

Hauptseminararbeit, 2008, 23 Seiten
Autor: Gregory Brandl
Fach: Geschichte - Neuere Geschichte, 19. Jhdt.

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 23
Note: keine
Literaturverzeichnis: ~ 13  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V91600
ISBN (E-Book): 978-3-638-06574-0
ISBN (Buch): 978-3-638-95235-4
Dateigröße: 151 KB
Anmerkungen :
"Ihr Text ist gut gelungen. Auch das Ergebnis erscheint mir plausibel."....


Zusammenfassung / Abstract

Der Opiumkrieg stellte in seinem Ergebnis den Beginn einer neuen Epoche für die Chinesen dar. Der Freihandel, der ihnen von den Briten aufgezwungen wurde, kann als imperialistisch angesehen werden. Imperialismus bezeichnet gemeinhin das Bestreben eines Staates, seinen Einfluss auf andere Länder oder Völker auszudehnen. Dieser Machterweiterungspolitik können unter anderem bevölkerungspolitische, nationalistische und wirtschaftspolitische Motive zugrunde liegen. Im 19. Jahrhundert nahm der europäische Imperialismus im Zuge der industriellen Revolution zu, wobei Großbritannien die führende Rolle übernahm. John Gallagher und Ronald Robinson behandeln in ihrem Aufsatz „Der Imperialismus des Freihandels“ die Expansionspolitik der Briten im 19. Jahrhundert. Sie definieren den Begriff „Imperialismus“ als politische Funktion eines Prozesses der Eingliederung neuer Gebiete in eine expandierende Wirtschaft. „Nur wenn die politische Ordnung dieser neuen Gebiete keine befriedigenden Bedingungen für eine handelspolitische oder strategische Integration bietet und ihre relative Schwäche es erlaubt, wird die Macht imperialistisch zur Schaffung dieser Bedingungen angewandt.“ Beide kommen zu einer wichtigen These. Sie wandeln die übliche Zusammenfassung der Politik des Freihandels-Empire um. So wird aus dem Grundsatz: „Handel und keine Herrschaft“ bei ihnen „Handel und informelle Herrschaft wenn möglich, Handel und direkte Herrschaft wenn nötig.“ Weiterhin stellen Gallagher und Robinson fest, dass in den Gebieten, wo keine Europäer siedelten, die britische Expansionspolitik zerstörerisch auf die hiesigen Gesellschaftsstrukturen wirkte und diese zusammenbrechen ließ. So erklärt sich auch der vielfache Wandel von indirekter zu direkter Herrschaft. Das Fallbeispiel „Der Opiumkrieg“ soll untersuchen, inwieweit diese Thesen zutreffend sind. Die daraus entstandenen Verträge, welche in der chinesischen Geschichtsschreibung als die „Ungleichen Verträge“ bekannt sind, sollen genauer beleuchtet werden. Es gilt auch die Frage zu untersuchen, ob diese Bezeichnung gerechtfertigt ist.


Textauszug (computergeneriert)

TU- Berlin

Fakultät I

Neuere Geschichte

Gregory Brandl

HS: Imperien und Imperialismus (1880- 1930)

Wintersemester 2007/2008

Hausarbeit zum Thema:

Der Opiumkrieg und seine

Verträge

im Kontext des Freihandelsimperialismus


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Vorstellung des Themas 1

1.2. Die Quellen 2

2. China zu Beginn des 19. Jahrhunderts

2.1. Die Qing-Dynastie 3

2.2. Handel und Verhältnis zum westlichen Ausland 4

3. Das Ende des ersten Opiumkrieges und der Vertrag von Nanking

3.1. Tagebuch eines Zeitzeugen aus Chinkiang 5

3.2. Der Vertrag von Nanking 8

4. Der Arrow-Zwischenfall und der Vertrag von Tianjin

4.1. Der so genannte ,,zweite Opiumkrieg" 14

4.2. Karl Marx und der Vertrag von Tianjin 15

5. Fazit 18

6. Quellen- und Literaturverzeichnis 21


1. Einleitung

1.1. Vorstellung des Themas

Der Opiumkrieg stellte in seinem Ergebnis den Beginn einer neuen Epoche für die Chinesen

dar. Der Freihandel, der ihnen von den Briten aufgezwungen wurde, kann als imperialistisch

angesehen werden. Imperialismus bezeichnet gemeinhin das Bestreben eines Staates, seinen

Einfluss auf andere Länder oder Völker auszudehnen. Dieser Machterweiterungspolitik

können unter anderem bevölkerungspolitische, nationalistische und wirtschaftspolitische

Motive zugrunde liegen. Im 19. Jahrhundert nahm der europäische Imperialismus im Zuge der

industriellen Revolution zu, wobei Großbritannien die führende Rolle übernahm. John

Gallagher und Ronald Robinson behandeln in ihrem Aufsatz ,,Der Imperialismus des

Freihandels"1 die Expansionspolitik der Briten im 19. Jahrhundert. Sie definieren den Begriff

,,Imperialismus" als politische Funktion eines Prozesses der Eingliederung neuer Gebiete in

eine expandierende Wirtschaft. ,,Nur wenn die politische Ordnung dieser neuen Gebiete keine

befriedigenden Bedingungen für eine handelspolitische oder strategische Integration bietet

und ihre relative Schwäche es erlaubt, wird die Macht imperialistisch zur Schaffung dieser

Bedingungen angewandt."2 Beide kommen zu einer wichtigen These. Sie wandeln die übliche

Zusammenfassung der Politik des Freihandels-Empire um. So wird aus dem Grundsatz:

,,Handel und keine Herrschaft" bei ihnen ,,Handel und informelle Herrschaft wenn möglich,

Handel und direkte Herrschaft wenn nötig." Weiterhin stellen Gallagher und Robinson fest,

dass in den Gebieten, wo keine Europäer siedelten, die britische Expansionspolitik

zerstörerisch auf die hiesigen Gesellschaftsstrukturen wirkte und diese zusammenbrechen

ließ. So erklärt sich auch der vielfache Wandel von indirekter zu direkter Herrschaft.

Das Fallbeispiel ,,Der Opiumkrieg" soll untersuchen, inwieweit diese Thesen zutreffend sind.

Die daraus entstandenen Verträge, welche in der chinesischen Geschichtsschreibung als die

,,Ungleichen Verträge" bekannt sind, sollen genauer beleuchtet werden. Es gilt auch die Frage

zu untersuchen, ob diese Bezeichnung gerechtfertigt ist. Da die Wahrnehmung dieses Krieges

seitens der Chinesen dabei eine wichtige Rolle spielt, werden einzelne Stationen dieses

Krieges intensiver betrachtet. Elemente der Vorgeschichte sollen mit einfließen und der

Anlass zumindest benannt werden. Eine Verlaufsgeschichte wird es wiederum nicht geben, da

es nicht Sinn dieser Arbeit ist bereits verfasste Texte und Abhandlungen zu kopieren.

1 In: Hans Ulrich Wehler [Hrsg.], Imperialismus, 1979, S. 183-199.

2 Ebd., S. 188.

1


1.2. Die Quellen

An erster Stelle steht hier der Vertrag von Nanking, welcher im englischen Original und in

einer vollständigen Version vorliegt. Dies ist der erste der so genannten ,,Ungleichen

Verträge" und entstand im Anschluss an den ersten Opiumkrieg im Jahre 1842. Der zweite

Vertrag, der Vertrag von Tianjin und seine spätere Erweiterung um die Pekinger Konvention,

wird zwar in die Arbeit mit einfliessen, liegt aber wiederum nicht als Quelle vor. Da der erste

Vertrag eine wichtige Zäsur in der Geschichte Chinas setzte und auch die bedeutendsten

Ergebnisse enthält, soll es auch genügen diesem eine genauere Untersuchung zukommen zu

lassen. Die Chinesen setzen hier die moderne Geschichte ihres Landes an.

Eine zweite Quelle ist ,,Der britisch-chinesische Vertrag", ein Artikel von Karl Marx, der am

15. Oktober 1858 in der ,,New York Daily Tribune" veröffentlicht wurde und welcher beide

Verträge zum Thema hatte. Diese Quelle liegt in der deutschen Übersetzung vor3.

Eine Quellensammlung von Arthur Walley mit dem Namen ,,The Opium War Through

Chinese Eyes" versucht anhand von Tagebüchern und Gedichten, welche von Chinesen

verfasst wurden und deren Erlebnisse und Wahrnehmungen verarbeiten, auch ihre Sichtweise

darzustellen. Walley hat selbst Übersetzungsarbeit geleistet und so liegt diese

Quellensammlung in der englischen Fassung vor. Verwendet wird aus dieser Sammlung das

Tagebuch eines chinesischen Poeten namens Chu Shih-yün. Es ist deshalb eine wichtige

Quelle, weil sie die letzten Tage des ersten Opiumkrieges umfasst. Sie beinhaltet die

Verteidigung und den Fall der Stadt Chinkiang und die Aufsetzung des Vertrages von

Nanking. Dieser Ort befindet sich in der Nähe von Chinkiang. Aus ihr erfährt man sehr genau

wie die permanenten Bombardierungen von britischen Kriegsschiffen auf die Stadt

wahrgenommen wurden und wie sich die Chinesen dabei gefühlt haben. Außerdem wird auch

die Zwischenphase vom Fall der Stadt bis zur Unterzeichnung des Vertrages gut beschrieben.

In dieser Quellensammlung findet man vor allem eine Menge über den Sonderbeauftragten

des chinesischen Kaisers Lin Zexu. Diesem kam große Bedeutung zu, war er doch der

Hauptverantwortliche für den Anlass des ersten Opiumkrieges.

Da bei der Auseinandersetzung mit diesem Mann aber die Gefahr groß ist, dass man sich zu

sehr auf den Geschichtsverlauf einlässt, ist die Entscheidung für die andere Quelle ebenso

sinnvoll. Lin Zexu wird natürlich bei der Benennung des Anlasses, der Vernichtung des

Opiums der Briten. seine Erwähnung finden.

3 Karl Marx/Friedrich Engels-Werke, MEGA [Hrsg.] , Band 12, Berlin/DDR 1961, S. 584-589.

2


2. China zu Beginn des 19. Jahrhunderts

2.1. Die Qing-Dynastie

Am Ende des 18. Jahrhunderts war das Qing-Imperium die letzte Großmacht in Asien. Die

Qing-Dynastie, welche von 1644-1911 existierte, stellte gleichzeitig auch die letzte Dynastie

dar. Sie brachte das Kaiserreich China zu seiner größten Ausdehnung. Militärisch stütze sich

die Autorität der Qing-Kaiser auf die mongolische Kavallerie, welche man zu

instrumentalisieren wusste.4 Des Weiteren waren es politische Strategien und innere

Reformen, welche dieser Dynastie eine Stabilität einbrachten. Mit dem russischen Zarenreich

unterzeichnete man 1688 einen Vertrag5, so dass man diese Macht nicht mehr als Gegner zu

fürchten hatte. Aufgrund des langfristigen Bevölkerungswachstums mussten durch

Brandrodungen und ähnliche Eingriffe in die Natur neue Siedlungsgebiete erschlossen

werden. Dies führte im 19. Jahrhundert zu einer Umweltkrise. Die Qing-Regierung war nicht

in der Lage das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen. Außerdem ließ die geringe

Anzahl an Beamten und die gleichzeitige Zunahme ihrer Pflichten die Effizienz des Staates

immer weiter sinken. So büßte die Qing-Dynastie seit dem frühen 19. Jahrhundert immer

mehr an Handlungsfähigkeit und Legitimation ein.6 Fairbank stellt in seinem Buch zu Recht

fest: ,,Betrachten wir das China von 1800, so fällt uns eine paradoxe Entwicklung auf. Die

institutionelle Struktur der Gesellschaft, insbesondere der Regierung, war wenig zur

Veränderung fähig, aber die Bevölkerung und damit die Wirtschaft war in enormem

Wachstum begriffen."7

2.2. Handel und Verhältnis zum westlichen Ausland

Die erste britische Gesandtschaft, welche im Sommer 1795 in Bejing eintraf bekam die

fehlende Bereitschaft des Kaisers, diplomatische Beziehungen aufzunehmen und weitere

Hafenstädte für den Außenhandel zu öffnen, zu spüren. Für den maritimen Handel berief sich

der Kaiser auf das 1760 geschaffene Kanton-System. Dies bedeutete, dass Kanton der einzige

Handelshafen blieb. Weiterhin überwachten kaiserliche Zollbeamte den Privathandel einiger

chinesischer Kaufmannsfirmen mit Ausländern. Dafür mussten diese Firmen eine

Lizenzgebühr entrichten. Für die Briten erwiesen sich diese Verhandlungen daher als

unbefriedigend.

4 Dabringhaus, Sabine, Geschichte Chinas 1279-1949, S. 49.

5 Gemeint ist hier der Vertrag von Nercinsk, Dabringhaus, S. 51.

6 Dabringhaus, S. 55.

7 Fairbank, John K., Geschichte des modernen China 1800-1985, S. 56.

3



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