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Diplomarbeit, 2005, 166 Seiten
Autor: Dipl.-Fachübersetzerin (FH) Anja Hagenbruch
Fach: Dolmetschen / Übersetzen
Details
Tags: Grundlagen, Websitelokalisierung, Unternehmenswebsite, Lokalisierung, Softwarelokalisierung, Websites, Software, Trados, Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa, IAMO, Englisch, Übersetzung, Übersetzen, WYSIWYG, Russisch, HTML, XML, Java, WML, Qualitätssicherung
Jahr: 2005
Seiten: 166
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 65 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-06452-1
ISBN (Buch): 978-3-638-95319-1
Dateigröße: 2231 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Nach einer allgemeinen Einführung in das Gebiet der Lokalisierung sowie einem Einblick in die Entwicklung der Lokalisierungsbranche zu einem schnell wachsenden Dienstleistungszweig, in dem Übersetzer eine maßgebliche Rolle spielen, wird aufgezeigt, welche neuen Chancen sich Übersetzern im Zusammenhang mit der Lokalisierung bieten. In Kap. 3 stehen die Grundlagen und Methoden der Lokalisierung im Mittelpunkt der Betrachtung. Bei der Websitelokalisierung wird auf in der Softwarelokalisierung gewonnenes Wissen zurückgegriffen. Mithin wird zunächst auf die Grundlagen der Softwarelokalisierung eingegangen. Im Anschluss erfolgt ein Einblick in die Websitelokalisierung. Nach einer Einführung in die verschiedenen Programmier- und Skriptsprachen wie HTML, XML, Java und WML behandelt Kap. 3.2.3 den gesamten Lokalisierungsprozess. Es wird dargelegt, wie ein Lokalisierungsprojekt vorbereitet und aufgebaut wird. In diesem Zusammenhang werden auch Aspekte der Qualitätssicherung sowie kulturspezifische Besonderheiten berücksichtigt. In Kap. 4 stehen die elektronischen Hilfsmittel, die dem Übersetzer im IT-Zeitalter zur Verfügung stehen, im Zentrum. Dabei wird untersucht, inwiefern die Übersetzung von Software im Allgemeinen und Websites im Besonderen mit Hilfe von Lokalisierungstools optimiert und beschleunigt werden kann. Kap. 5 stellt das im Rahmen dieser Arbeit durchgeführte Lokalisierungsprojekt, die Lokalisierung der Website des Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO), vor. Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, zu untersuchen, welche theoretischen und praktischen Aspekte bei der Übersetzung bzw. Lokalisierung von Websites zu beachten sind und welche Anforderungen die Lokalisierung an den Übersetzer stellt. Dazu zeigt insbesondere die Darstellung des Lokalisierungsprojekts in Kap. 5, wie bei der Lokalisierung einer Website vorgegangen wird, welche Probleme dabei auftreten können und wie der Einsatz von Lokalisierungstools zum erfolgreichen Lokalisieren einer Website beitragen kann. Im vorliegenden Projekt wurde das Translation-Memory-System der Firma TRADOS verwendet. Die Arbeitsweise mit dem TRADOS-System wird in Kap. 5.6 erläutert. Das Hauptaugenmerk liegt auf den technischen Aspekten der Websitelokalisierung. Das abschließende Kap. 6 fasst die Arbeit noch einmal zusammen, wobei insbesondere auf die Relevanz elektronischer Hilfsmittel für die Lokalisierung eingegangen und ein kurzer Ausblick im Rahmen der Übersetzertätigkeit gegeben wird.
Textauszug (computergeneriert)
Grundlagen der Websitelokalisierung am Beispiel der
Lokalisierung der Unternehmenswebsite des Instituts
für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO)
Diplomarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
Diplom-Fachübersetzerin (FH)
eingereicht an der
Hochschule Anhalt (FH)
Hochschule für angewandte Wissenschaften
Fachbereich Informatik
von
Anja Hagenbruch
Ausgabetermin:
17.03.2005
Abgabetermin:
30.05.2005
Die vorliegende
Arbeit wurde von Frau Prof. Dr. Uta Seewald-Heeg und Frau Dr. Jana
Fritzsch betreut. Sie hätte ohne ihre umfangreiche fachliche Unterstützung sowohl bei der
Realisierung des Lokalisierungsprojektes als auch bei der Lösung von Problemen nicht fertig
gestellt werden können. Ihnen möchte ich an dieser Stelle meinen herzlichen Dank für ihre
Motivation, hilfreichen Vorschläge und Anregungen aussprechen.
Zu Dank verpflichtet bin ich auch meiner Mutter für ihr Zutrauen, den Beistand und ihre
grenzenlose Geduld, sowie Herrn Prof. Dr. Kai Schröder für seine freiwillig angebotenen
Korrekturlesungen.
Halle,
den
30.05.2005 Anja
Hagenbruch
2
Inhaltsverzeichnis
1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 6
2 Lokalisierung - mehr als nur Übersetzen 9
2.1 Globalisierung, Internationalisierung und Lokalisierung 9
2.2 Entwicklung der Lokalisierungsbranche 12
2.3 Neue Perspektiven für Übersetzer 15
3 Grundlagen und Methoden der Lokalisierung 17
3.1 Grundlagen und Methoden der ,,klassischen" Softwarelokalisierung 17
3.1.1 Die zu lokalisierenden Objekte eines Software-Produktes 18
3.1.1.1 Lokalisierung von Software 19
3.1.1.2 Lokalisierung von Dokumentation 21
3.1.1.3 Lokalisieren der Online-Hilfe 25
3.1.1.4 Lokalisieren von Grafiken 26
3.1.1.4.1 Bitmap-Grafiken 27
3.1.1.4.2 Objektgrafiken 29
3.2 Grundlagen und Methoden der Websitelokalisierung 30
3.2.1 Internet 31
3.2.1.1 World Wide Web 32
3.2.1.2 Websites vs. Webseiten 35
3.2.2 Aufbau von Websites 35
3.2.2.1 HTML 36
3.2.2.2 XML 38
3.2.2.3 Andere Skript- und Programmiersprachen 40
3.2.2.4 WML 41
3.2.3 Der Lokalisierungsprozess 42
3.2.3.1 Vorbereitende Schritte zur Lokalisierung 43
3.2.3.1.1 Anforderungen des Auftraggebers 43
3.2.3.1.2 Projektanalyse 44
3.2.3.1.3 Pseudolokalisierung 46
3.2.3.1.4 Pilotprozess 46
3.2.3.1.5 Weitere Analysen 47
3.2.3.1.6 Zeitplan 48
3.2.3.2 Vorbereitung der eigentlichen Lokalisierung 49
3
3.2.3.2.1 Internationalisierung 49
3.2.3.2.2 Grafische Benutzeroberfläche 50
3.2.3.2.3 Lokale Standards 50
3.2.3.2.4 Kulturelle Anpassungen 54
3.2.3.2.5 Kodierter Zeichensatz 59
3.2.3.2.6 Schriftarten 61
3.2.3.2.7 Grafiken 62
3.2.3.3 Übersetzung 63
3.2.3.4 Lokalisierung der HTML-Dateien 67
3.2.3.4.1 Der Einsatz elektronischer Hilfsmittel bei der Übersetzung 69
3.2.3.5 Kompilieren 71
3.2.3.6 Qualitätssicherung 71
3.2.3.6.1 Internationalisierungstest 72
3.2.3.6.2 Lokalisierungstest 72
3.2.3.6.3 Funktionale Tests 73
3.2.3.6.4 Web Testing Tools 75
3.2.3.6.5
Style Guidelines
75
3.2.3.6.6 Glossar 76
3.2.3.6.7 Qualitätskontrolle 77
4 Elektronische Hilfsmittel bei der Lokalisierung 79
4.1 Computer-Aided Translation 79
4.1.1 Terminologieverwaltungssysteme 80
4.1.1.1 Arten von Terminologieverwaltungsprogrammen 80
4.1.1.1.1 Typisierung der Systeme nach Benennungsorientierung vs.
Begriffsorientierung 81
4.1.1.1.2 Typisierung der Systeme nach der Datenstrukturierung 83
4.1.1.2 Einsatz von Terminologieverwaltungsprogrammen 84
4.1.1.2.1 Datenkategorien 85
4.1.2 Translation-Memory-Systeme 87
4.1.2.1 Komponenten von Translation-Memory-Systemen 88
4.1.2.2 Einsatz von Translation-Memory-Systemen 91
4.1.3 Lokalisierungstools 92
4.1.3.1 Grundfunktionen von Lokalisierungstools 94
4.1.3.1.1 WYSIWYG-Umgebung 94
4
4.1.3.1.2 Kontrollfunktion 95
4.1.3.1.3 Translation-Memory-Funktion 95
4.1.3.1.4 Glossareinbindung 95
4.2 Maschinelle Übersetzung 96
4.2.1 Einsatz maschineller Übersetzungssysteme 97
4.2.2 Einsatzkriterien und Voraussetzungen 98
5 Lokalisierungsprojekt: Lokalisierung einer Unternehmenswebsite am Beispiel der
Website des IAMO 100
5.1 Vorstellung des Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) 100
5.2 Aufbau der Website des IAMO 103
5.3 Vorüberlegungen zur Lokalisierung 105
5.4 Das Lokalisierungsprojekt im Überblick 106
5.5 Terminologierecherche 108
5.6 Einsatz elektronischer Hilfsmittel 110
5.6.1 Die Arbeit mit der
Translator`s Workbench
und dem
TagEditor
von
TRADOS
..110
5.7 Bearbeiten der JavaScript-Dateien 115
5.8 Anpassung nichtsprachlicher Elemente und des Layouts 119
5.9 Qualitätskontrolle 120
5.10 Aktualisierung der Website 120
5.11 Zusammenfassung 121
6 Fazit und Perspektiven 122
Abkürzungsverzeichnis 126
Abbildungsverzeichnis 128
Bibliographie 129
Anhang 1: Terminologiesammlung für die Übersetzung der Website des IAMO 134
5
1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Die Wettbewerbssituation für Unternehmen hat sich aufgrund der tiefgreifenden
Veränderungen auf den Gebieten der Wirtschaft und Technik in den letzten Jahren nachhaltig
gewandelt. Der technologische Fortschritt, insbesondere die Entwicklung des Internets, und
eine zunehmende Globalisierung führten zu einer internationalen Vernetzung ungeahnten
Ausmaßes. Da im World Wide Web (WWW) Informationen kostengünstig zur Verfügung
gestellt werden und demzufolge auch kleinere Unternehmen, um neue Absatzmärkte zu
erschließen, ihre Dienstleistungen und Produkte auf dieser globalen Plattform anbieten
können, trägt das World Wide Web entscheidend dazu bei, dass sich die Welt zunehmend zu
einem
global village
entwickelt. Bedingt durch diese Entwicklungen nimmt indes auch die
internationale Konkurrenz stetig zu. Die veränderten Gegebenheiten können in vielen
Branchen nicht länger einfach ignoriert werden. Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie
sich global präsentieren müssen, um der zunehmenden internationalen Konkurrenz
standzuhalten. Um jedoch Produkte und Dienstleistungen auf verschiedenen Zielmärkten
erfolgreich anbieten und verkaufen zu können, müssen sie lokalisiert, d. h. dem Zielmarkt
entsprechend angepasst werden. Die Akzeptanz eines Produkts auf einem bestimmten
Zielmarkt ist zumeist davon abhängig, ob der potentielle Kunde in seiner Muttersprache
angesprochen wird. Doch nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell und rechtlich muss sich
das Produkt in die jeweiligen Gegebenheiten des Zielmarktes nahtlos einfügen. Ein
professionell lokalisiertes Produkt kann der Kunde von einem im eigenen Land entwickelten
Produkt nicht unterscheiden.
Ein rascher Informationsaustausch und die Darbietung der nahezu unüberschaubaren
Datenmengen im Internet spielen eine immer größere Rolle. Da das Internet mittlerweile nicht
mehr nur von Fachleuten, sondern auch von einer breiten Schicht der Allgemeinheit sowohl
zur Kommunikation und Informationsbeschaffung als auch beispielsweise zum Vergleich von
Produkten, Tätigen von Einkäufen und für Auskünfte jeglicher Art genutzt wird, die
Informationen im World Wide Web jedoch oftmals noch nicht in mehreren Sprachen
verfügbar sind, kommt der Übersetzung bzw. Lokalisierung der Websites eine stets
wachsende Bedeutung zu.
6
Im Zeitalter der Informationstechnologie eröffnen sich dem Übersetzer somit ganz neue
Herausforderungen und Möglichkeiten. Die Software- und Websitelokalisierung hat als neues
Tätigkeitsfeld des Übersetzers in den letzten Jahren einen immensen Aufschwung erlebt.
Dieser Tätigkeitsbereich fordert dem Übersetzer dabei nicht nur sprachliche und kulturelle
Fähigkeiten ab, sondern auch ein hohes Maß technischen Fachwissens. Da sowohl bei der
Software- als auch bei der Websitelokalisierung alle zu lokalisierenden Komponenten in
elektronischer Form vorliegen, sind Kenntnisse über die zugrunde liegenden Quellformate
und Bearbeitungsmethoden unerlässlich. Der Einsatz elektronischer Werkzeuge, angefangen
bei einfachen Textverarbeitungsprogrammen bis hin zu speziell für die Übersetzung und
Lokalisierung entwickelten Lösungen, ist bei dem vielschichtigen Vorhaben ,,Lokalisierung"
schon aus Gründen der Effizienz unerlässlich.
Der Vorgang des Anpassens von Websites an einen anderen Sprach- und Kulturraum wird als
Globalisierung bezeichnet. Dabei wird auf Kenntnisse zurückgegriffen, die in der
Softwarelokalisierung gewonnen wurden. Dennoch wird der Übersetzer im Bereich der
Websitelokalisierung mit neuen Problemen konfrontiert. Neben HTML muss sich ein
Lokalisierer auch zunehmend mit XML, WML und anderen Programmier- und
Skriptsprachen auseinandersetzen.
Gegenstand der nachfolgenden Arbeit ist es, die Probleme der Lokalisierung aus Sicht des
Übersetzers zu betrachten und Lösungsansätze vorzustellen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt
auf der Websitelokalisierung als Sonderfall der Softwarelokalisierung.
Nach einer allgemeinen Einführung in das Gebiet der Lokalisierung und die damit
verbundenen Prozesse Globalisierung und Internationalisierung sowie einem knappen
Einblick in die Entwicklung der Lokalisierungsbranche zu einem schnell wachsenden
Dienstleistungszweig, in dem Übersetzer eine maßgebliche Rolle spielen, wird aufgezeigt,
welche neuen Chancen sich Übersetzern im Zusammenhang mit der Lokalisierung bieten
(Kapitel 2). In Kapitel 3 stehen die Grundlagen und Methoden der Lokalisierung im
Mittelpunkt der Betrachtung. Wie anfangs dargelegt, wird bei der Websitelokalisierung auf in
der Softwarelokalisierung gewonnenes Wissen zurückgegriffen. Mithin wird in diesem
Kapitel zunächst auf die Grundlagen der Softwarelokalisierung eingegangen. Im Anschluss
erfolgt ein Einblick in die Websitelokalisierung. Nach einer Einführung in die verschiedenen
Programmier- und Skriptsprachen wie HTML, XML, Java und WML behandelt Kapitel 3.2.3
7
den gesamten Lokalisierungsprozess mit seinen involvierten Aspekten. Es wird dargelegt, wie
ein Lokalisierungsprojekt vorbereitet und aufgebaut wird. In diesem Zusammenhang wird
auch die Qualitätssicherung, ein bedeutender Aspekt jeder Übersetzung, im Hinblick auf die
Lokalisierung berücksichtigt. Überdies fließen kulturspezifische Besonderheiten in die
Betrachtung ein. In Kapitel 4 stehen die elektronischen Hilfsmittel, die dem Übersetzer bzw.
Lokalisierer im IT-Zeitalter zur Verfügung stehen, im Zentrum. Dabei wird untersucht,
inwiefern die Übersetzung von Software im Allgemeinen und Websites im Besonderen mit
Hilfe von Lokalisierungstools optimiert und beschleunigt werden kann. Kapitel 5 stellt das im
Rahmen dieser Arbeit durchgeführte Lokalisierungsprojekt, die Lokalisierung der Website
des Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO), vor.
Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, zu untersuchen, welche theoretischen und praktischen
Aspekte bei der Übersetzung bzw. Lokalisierung von Websites zu beachten sind und welche
Anforderungen die Lokalisierung an den Übersetzer stellt. Dazu zeigt insbesondere die
Darstellung des Lokalisierungsprojekts in Kapitel 5, wie bei der Lokalisierung einer Website
vorgegangen wird, welche Probleme dabei auftreten können und wie der Einsatz von
Lokalisierungstools zum erfolgreichen Lokalisieren einer Website beitragen kann. Im
vorliegenden Projekt wurde das Translation-Memory-System der Firma
TRADOS
verwendet.
Die Arbeitsweise mit dem
TRADOS
-System wird in Kapitel 5.6 erläutert. Obgleich auch
sprachliche und translatorische Gesichtspunkte Berücksichtigung finden, liegt das
Hauptaugenmerk der Betrachtungen auf den technischen Aspekten der Websitelokalisierung.
Das abschließende Kapitel 6 fasst die vorliegende Arbeit noch einmal zusammen, wobei
insbesondere auf die Relevanz elektronischer Hilfsmittel für die Lokalisierung eingegangen
und ein kurzer Ausblick im Rahmen der Übersetzertätigkeit gegeben wird.
8
2 Lokalisierung - mehr als nur Übersetzen
Wer sich noch nicht eingehend mit der Thematik der Lokalisierung beschäftigt hat, stellt sich
die Frage, wo der Unterschied zum Übersetzen liegt. Die reine Übersetzung ist jedoch
lediglich ein Bestandteil des vielschichtigen Vorhabens "Lokalisierung". Lokalisierung geht
weit über die reine Übersetzung hinaus. Ein ausgangssprachiges Produkt wird so bearbeitet,
dass es sich nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell nahtlos in die jeweiligen
Gegebenheiten des zielsprachigen Landes, in dem es vermarktet werden soll, einfügt. Hierbei
wird die sprachliche Komponente von der klassischen Übersetzung abgedeckt. Der kritische
kulturelle Aspekt hingegen geht weit darüber hinaus und setzt Vertrautheit mit der
zielsprachigen Kultur sowie spezielle elektronische Hilfsmittel voraus, um kulturelle
Anpassungen vornehmen zu können.
Im Folgenden werden zunächst die zentralen Begriffe Globalisierung, Internationalisierung
und Lokalisierung genauer erörtert. Kapitel 2.2 beschäftigt sich mit der Entstehung der
Lokalisierungsbranche, Kapitel 2.3 zeigt auf, welche neuen Chancen und Möglichkeiten sich
dem Übersetzer auf dem Arbeitsmarkt bieten.
2.1 Globalisierung, Internationalisierung und
Lokalisierung
Die 1990 in der Schweiz als gemeinnütziger Verein gegründete
Localization Industry
Standards Association
(LISA) definiert den Begriff
Globalisierung
(kurz ,,G11N" als
Abkürzung für das englische Wort
globalization
) wie folgt (vgl. Esselink, 2001):
Globalization addresses the business issues associated with taking a product global. In the
globalization of high-tech products this involves integrating localization throughout a
company, after proper internationalization and product design, as well as marketing,
sales, and support in the world market.
Anders ausgedrückt umfasst die Globalisierung ,,alle Aktivitäten eines Unternehmens im
Hinblick auf die Vermarktung eines (Software-) Produktes außerhalb des nationalen, lokalen
Marktes" (Schmitz, 2000a:2). Um auf verschiedenen regionalen Märkten erfolgreich sein zu
9
können, müssen die dort geltenden wirtschaftlichen, technischen und gesetzlichen Aspekte
berücksichtigt werden.
Laut der Organisation LISA wird
Internationalisierung
folgendermaßen definiert (vgl.
Esselink, 2001):
Internationalization is the process of generalizing a product so that it can handle multiple
languages and cultural conventions without the need for re-design. Internationalization
takes place at the level of program design and document development.
Als Internationalisierung (kurz ,,I18N" als Abkürzung für das englische Wort
internationalization
) wird also die Vorbereitung des Produktes auf ausländische Märkte
bereits während seiner Entwicklung bezeichnet. Um das Produkt beim Lokalisierungsvorgang
nicht völlig neu gestalten zu müssen, werden sprach- und kulturspezifische Elemente aus dem
Programmkern entfernt. So wird eine leichte Anpassung des (Software-) Produktes an andere
Märkte und die damit verbundenen anderen technischen Konventionen, Sprachen und
kulturellen Eigenheiten ermöglicht. Die Internationalisierung ist Bestandteil der
Produktentwicklung und erfolgt somit noch vor der Lokalisierung, die bei einem professionell
internationalisierten Produkt zweifelsfrei zeit- und kostengünstiger sein wird. Je mehr ein
Unternehmen um die Internationalisierung seiner Produkte bemüht ist, umso geringer wird
der Aufwand für die Lokalisierung dieser Produkte sein.
Schmitz (2000a:3) weist auf folgende typische, den Lokalisierungsaufwand stark erhöhende
Fehler im Bereich der Internationalisierung von Softwareprodukten hin:
· Der Programmcode enthält Texte, die bei regionalen Versionen eine Anpassung
erfordern
· Texte in Schaltflächen, Menüs, Hilfesystemen und Meldungen sind in der Länge
festgelegt/beschränkt
· fest programmierte Datumsformate, Währungsangaben, Maßeinheiten usw.
· fest programmierte Formate für Adressen usw.
· Grafiken enthalten Text
· Verwendung US-spezifischer Icons
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