Akute Vergiftungen

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Details
Autor: Armin Krause
Fach: Pflegewissenschaften
Institut: Intensivweiterbildung
Jahr: 1999
Seiten: 15
Note: 2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 76 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-97215-4
Volltext (computergeneriert)
Akute Vergiftungen
Allgemeines
A. Definition
Gifte sind Substanzen, die durch physikalische oder chemische Eigenschaften im Körper schädliche
Wirkungen und Reaktionen hervorrufen.
Alle Substanzen sind giftig, wenn sie nur in genügend großer Menge eingenommen werden.
Pathophysiologie
Inhalative, orale, perkutane und kombinierte Aufnahme von chemischen, pflanzlichen, tierischen,
bakteriellen oder anderen Giften (Noxen) führt zu einer akuten, vitalen Bedrohung durch direkten
Wirkmechanismus des Toxins oder seiner Metabolite, durch vergiftung bedingte Komplikation
(Aspiration) und/oder es resultieren Organschädigung infolge der akut ebenfalls akut vitalen
Organschädigungen (Leberausfall...).
Die Wirkung ist abhängig von der Substanz (Noxe), Dosis,
ggf.
Konzentration,
Aufnahmeweg,
Resorptiongeschwindigkeit,
Einwirkungsdauer,
spezifische Sensitivitätn des Patienten und mögliche Vorerkrankungen.
Typische Krankheitszeichen
Die meisten Gifte greifen mehrere Organsysteme gleichzeitig an und verursachen neben wenigen
spezifgischen auch zahlreiche unspezifische Symptome. Die erste Aufmerksamkeit muß den
Vitalfunktionen wie Kreislauf (Puls, RR), Atmung, Temperatur und den zerebralen Funktionen
(Koma) gelten. Einige Beispiele von typischen Intoxikationssymptomen, die für verschiedene
Substanzen oder Substanzgruppen charakterisisch sind.
ZNS
Koma:
Sedativa/Hypnotika, Neuroleptika,Opiate/opioide,Antihistaminika, CO, Cyanide
Kohlenwasserstoffe, Ethanol, Methanol, Ethylenglykol
Kämpfe:
Zykl. Antidepressiva, Lithium, Neuroleptikja, Anthistaminika, Theophyllin,
Cholinesterrasehemmer, Canide, Kohlenwasserstoffe
Delierien: Neuroleptika, Atropin
Extra-
pyrami-
dale Reakt.: Neuroleptika
Atmung
Atemdepr.:
Barbiturate und andere Hypnotika, Opiate/Opioide, Ethanol, Methanol,
Ethylenglykol
Herz
Arrhythmien: Chloralhydrat, trizykl. Antidepressiva, Neuroleptika, Digoxin, Theophylin
Kohlenwasserstoffe
Autonomes Nervensystem
Anticholinerges Syndrom:
(Mydriase, Mundtrockenheit, Tachykardie, Opstipation/Ileus
Harnverhalt, Hyperthermie) Neuroleptika, Atropin, Antihistaminika
Cholinergisches Syndrom:
(Miosis, Salivation, Rhinorrhhö, gesteigerte Bronchialsekretion
Bradykardie, Diarrhö, Harninkontinenz) Cholinesterasehemmer
Andere
Hyperreflexie,
gesteigerter
Methaqualon, trizykl. Antidepressiva, Lithium
Muskeltonus:
Neuroleptika
Miosis:
Opiate/Opioide, Cholinesterasehemmer
Nierschädigung:
Paraquat, Schwermetalle, Ethylenglykol
Leberzellnekrosen:
Paraquat, Schwermetalle, Paracetamol, Knollenblätterpilz
Oropharyngale
Verätzungen:
Paraquat, Säuren und Laugen
Met. Azidose:
Salicylate, CO, Cyanide, Säuren, Methanol, Ethylenglykol
Bei
Atemdepression
künstliche Beatmung mit der am bsten beheerschten Methode (Mund zu Mund
oder Mund zu Nase) ; nie bei E 605 anwenden!!
Bei Herzstillstand Herzdruckmassage. Bei Krämpfen und Delierien Selbstschädigung vermeiden.
Abkühlung der Überhitzung des Patienten vermeiden.
Bei kontaminierter Umgebung Patient rasch aus det GEfahrenzone bringen.
Spezielle Maßnahmen
: Bei Cyanidvergiftzung muß sofort eine Inhalationtherapie mit Amylnitrit.
Allgemeine Richtlinien zur Therapie der akuten Vergiftung
Maßnahmen zur Hemmund des Giftresoprtion
Primäre Giftelemination
Die
Entleerung des Magen
durch eine Spülung oder Absaugen sit notwendig, dabie muiß eine
Aspiration oder Magenperforation vermieden werden. Bei Bewußtlosen Pat. darf eine Magenspülung
nur bei liegenden Trachealtubus durchgeführt werden.
Da Gifte und Überdosen an Arzneimitteln häufig die Magenentleerung verzögern, ist eine
Magenspülung auch noch nach Stunden angezeigt. Der Spülflüssigkeit können Antidote und
Aktivkohle schon zuu gesetzt werden. Ein Emetikum mit zentralen Angriffspunkt ist das
Apomorphin(5-10 mg sc), ist wegen der Kollapsneigung möglichst zu vermeiden, bei Kleinkindern
völlig abzulehnen.
Eine
Beschleunigung der Magenpassage
wird durch Zufuhr großer Dosen stark und schnell
wirksamen Laxantien erzielt. Für diesen Zwech eignet sich Magnesiumsulfat, Mannit, Ricinusöl.
Ricinuisöl sollte nicht bei fettlölichen Giften verwndet werden, da es die Gallensekrteion und
Fettaufnahme steigert.
Die
Absorption
oral aufgenommener Gifte werden am besten mit Carbo medicinalis (50-100 g) 9n 5
-10 % Aufschwemmung behandelt; danach allle 4 Stunden 50 g.
Die
Resorption
fettlöslichen
Giften
kann
durch
orale
Gabe von
nicht
resorbierbaren
Fettlösungsmitteln vermindenn werden. Hierfür eignet sich Paraffinöl (100-300 ml), in dem sich
Kohlenwasserstoffe lösen.
Die Zufuhr eines
chemischen Antidots
kann das Gift im Gastrointestialtrakt unschädlich machen.
Bei
parenteraler Giftzufuhr
(schlangenbiß, Insektenstich) kann evetuell durcj Anlegen eines
Kompressionsverbandes erreicht werden, daß die Gifte verzögert in de Kreislauf gelangen und den
Organismus schädigen.
Maßmahmen zur Beschleunigung der Elimination
- forcierte Diurese (Furosemid, Mannit,
- Veränderung des Urin pH-Wertes (z.B. Barbituratvergiftung Alkalisierung des
Urins
- Dialyse, Hämoperfusion
Symptomatische Maßnahmen
- RR-Kontrolle
- Kontrolle der Atmung / ggf Beatmung
- Kontrolle des Elektrolythaushaltes, Leberfunktion, Säure-Basen-HH, Nierenfunk.
Gerinnung, BB,
- Gefäßpermeabilität
- neurologischer Status
- Körpertemperatur
- Arrhythmieüberwachung
Spezielle Maßnahmen
- Feststellung des Giftes (Tablettenreste, Gläser, Flaschen...)
- Verwahrung des Mageninhaltes, Urin, Blut für mind. 10 Tage
zur toxikologischen Untersuchung
- Vergiftungszentralen in Deutschland ( Rote Liste)
- Fachbücher
- Antidot-Schrank
Alkylphosphatintoxikationen
Sie finden Verwendung als Schädlingsbekämpfugsmittel (z.B. E 605, Parathion, Dimethoatek)
Über Hautkontakt, Dämpfe oder suizidaler Absicht (hochkonzentrierte Vergiftung) wird durch
reversible und irreversible Hemmung der Acetylcholinesterase und die Acetylcholinspaltung
verzögert oder unterbunden. Es resultiert eine endogene Acetylcholinvergiftung (Übererregung des
parasympatischen Nervensystem mit folgenden Symptomen:
- Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
- Miosis (Pupillenverengung)
- Akkomodationstörungen
- Hypersalivation (blauer Schaum)
- Darmkoliken, Diarrhoe, Inkontinenz
- Zyanose
- Bradykardie (ggf Tachykardie) AV-Block
- Schockzustand
- zerebrale Krämpfe
- Atem- und Kreislaufinsuffizienz
Diagnostik
- Eigen- oder Fremdanamnese
- Inspektion der Umgebug
- knnoblauchartige Ausatemluft
- blaue Farbe von Erbrochenem, Schaum
- Koma, Krämpfe, Miosis, Lungenödem
- Aufbewahren von 10 ml EDTA-Blut, Magenspülflüssigkeit
Therapie
- Selbstschutz (Kontaktgift), Gummihandschuhe, Raum lüften, kontaminierte
Kleidung entfernen, Haut mit Wasser und Seife, ggf mit NaHCO -
3
- Seitenlagerung
- Absaugen des Mund- Rachenraumes
- SIMV-, CMV- Beatmung
- 1-2 sichere Venenzugänge, später ZVK
- Atropingabe Erw. 70 Kg = 70 mg alle 5-10 min
- Toxogoin, 1 Amp. = 250 mg langsam i.v.
- Absprache mit der Giftinformationzentrale
- Intubation und Magenspülung
mit mind. 70 g Aktivkohle
- bei Krämpfen Diazepam, Rivotril, Phenhydan
- laufendes Monitorig, Pulsoximetrie
Cave:
- niemals Atemspende (Mund-zu-Mund- / Mund-zu-Nase-Beatmung)
- Effizienz der Atropintherapie anhannd der Bronchialsekretion, Miosis
- Toxogonin nie als Monotherapie immer in Kombination mit Atropin
Digitalis
Toxische Herzglykosidwirkung (geringe therapeutische Breite) können auftreten durch relative
Überdosierung
(Niereninsuffizienz,
Hypothyreose),
erhöhte
Digitalisempfindlichkeit
durch
Hyperkalzämie.
Symptome
- AV-Block besonders Typ Wenckebach, bei AV-Block 3 Grades (pass.
Schrittmacher), VES, Bigeminus, AV-Knotenarrhythmien, Überleitungsstörungen
Kammerflattern
- Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Halluzinationen, Farbsehen (Rot-Grün-Sehen)
Flimmern vor den Augen
- Parästhesien
- Appetitlosigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen, plötzliches zentrales Erbrechen,
Diarrhoe
Diagnose
- Anamnese
- Verschlechterung der Herzinsuffizienz unter Digitalis, Darmotilität, Leberfunktions-
störungen, Einschränkung der renalen Elemination, Elyt′störungen (Hypokalzämie
Hypokaliämie, Hypomagnesiämie )
- Hypoxie (Cor pulmonale -> akute Rechtsherzdekompensation bei Erhöhung
des Pulmonalarteriendruckes)
- Azidose
- EKG ->AV-Block, verkürzte QT-Zeit, tiefe muldenförmige ST-Senkung
präterminale T-Negativität, VES, paroxysmale Vorhoftachykardie mit AV-Block
Therapie
- venöser Zugang
- Infusionen (Ringer-Laktat, NaCl 0,9%
- symptomatische Therapie der Rhhythmusstörungen:
Atropin bei Bradykardie (ggf Alupent)
- pass. Schrittmacher
Phenytoin (Zentropil, Phenhydan) bei paroxysm. supraventrikulären Tachkardien
Lidocain (Xylocain) bei VES
- Magenspülung (suizidale Absicht)
- Monitoring, Arrhythmieüberwachung
- Bereitschaft zur Intubation, Defibrilation, Reanimation, externer Schrittmacher
- dringende Kalium-Kontrolle ( K+ langsame Gabe von Kalium)
- Digitalisspiegel
- Antidot Digitalis-Antidot
Cave
- Volumenüberlastung bei Herzinsuffizienz
Drogenintoxikation
Umfaßt alle Stoffe die auf das ZNS wirken ( LSD, Crack...), Amphetamine, Kokain, Heroin, Opiate,
Benzodiazepine (Rohypnol) in Verbindung mit Opiaten.
Die Notfallsituation kann eine Abstinez, akute Intoxikation oder Entzugssymptome sein.Es kommt
zu akuten psychogenen Reaktionen z.B. Angstpsychosen, Autoaggression, selbst beigebrachte
Verletzgen im Rauschzustand. Akute Intoxikationen können durch
relative
Überdosierung ( nach
Entzugsbehandlung) oder durch eine
absolute
Überdosierung ( unterschhiedliche "Stoffqualität"),
zufällig oder durch Wechselwirkungen mit gleichzeitig konsumierten Rauschmitteln oder zentral
wirksamen Medikamenten (Polytoxikomanie).
Symptome
- Vergiftungsbilder in Abhängigkeit von Dosis, und zeitlich Differenz des Auffinnden
- charakteristische Symptomatik durch Mischintoxikationen verfälscht
Symptomatische Einteilung in 4 Hauptgruppen:
Psychodelika
- Intensivierung und Verzerrung der Wirklichkeit, Euphorie, Angst,
Psychosen, depressive Verstimmung, Suizidimpulse, Mydriasis, Lichtempfindlich-
keit, Tränenfluß, Übelkeit, Tachykardie, Rhythhmusstörungen, Hypertonie,
Hyperglykämie, Tremor, Muskelzuckungen, Reflexsteigerung, Krämpfe,
zentrale Atemlähmung bei extrem hohen Dosen.
Amphetamine
- Euphorie, Enthemmung, Erregung, illusionäre Verkennung, optische und
akustische Halluzinationen, Psychosen, Suizidimpulse, Mydriasis, Nystagmus,
Tachykardie, Hypertonie bis zur hypertensiven Krise, Hyperventilation,
mottorische Unruhe, Bewußtseintrübung bis Koma, zentrale Krämpfe.
Kokain
- dosisabhängig, Übelkeit, Kopfschmerzen, starkes Schwitzen, Mydriasis,
Psychomotorische Unruhe, Atmung, von Erregungszentren außerhalb
der Reizleitung Tachkardien bis zur Kammerflattern und Myokardischämie,
in hohen Dosen Bewußtseintrübung bis Koma, Reflexsteigerung, zentrale
Krämpfe, exzessive Tachykardie und Hypertonie möglich; zuletzt RR,
Herzinsuffizienz bis zum kardiogenen Schock, zentraler Atem- und Kreis-
laufstillstand.
Opiate
- Blässe nach initialen Flush, trockene Haut, Hypothermie, Miosis (kann
bei Scopolamin, Opiat-Derivate und / oder Mischintoxikationen fehlen)
Bradykardie, Hypotonie, Atemdepression (Cheyne-Stok′sche Atmung)
bis zur Atemlähmung, Gefahr des Kungenödems,
Hypo- Areflexie, Bewußtseinsstörungen bis zum Koma, Gefahr eines Hirn-
ödems.
Diagnostik
- Anamnese
- Fremdanamnese
- Notfallsituation in der Szene
- Einstichstellen (häufig verborgen z.B. in den Fuß, Leiste)
- schlechter Zahnstatus, klinische Symptomatik
- Aufbewahhrung von Blut, Urin, Erbrochenen für mind. 10 Tage
Therapie
- Versuch der verbalen Sedierung bei regressiven Patienten
- Atem- und Kreislaufmonitoring
- sichere venöser Zugang (erst Viggo dann ZVK)
Elektrolyt-Substitution --> Ringerlaktat, Stero B G 5%
- Benzodiazepine (Dormicum, Diazepam) fraktioniert bei psychotischen
Angstzuständen
- bei Erregung (Amphetamiüberdosierung) Neuroleptika (z.B. Haldol)
- bei hypertensiver Krisen -> Catapresan, Nitropräparate, Kalzium-
antagonisten (Adalat)
- bei akuter Kreislaufinsuffizienz --> Katecholamine
- bei ventrikulärer Tachykardie bis Kammerflimmern -> Kardioversion,
Defibrillation, Xylocain
- O -Gabe 4-6 l
2
- ggf Intubation und Beatmung bis zu einem FiO von 1,0
2
- bei sicherer Opiatintoxikation spezielle Antidotgabe:
Narcanti (Naloxon) 1 Amp. fraktioniert, alle 5 - 10 min 1 Amp.
nach Bewußtsein, Pupillen, Atemfrequenz
Cave
- erwchende Patienten werden unter Umstännden aggressiv und verweigern
die weitere Therapie
- infolge kurzer Eliminationszeit t von Naloxon Gefahr erneuter Atem-
½
lähmung
- bei einem Drogennunfall strenge Beachtung der hygienischen Schutzvor-
schriften (HIV)
Kohlendioxidvergiftung
Das farb-, geruchs- und geschmacklose Kohlendioxid (CO ) entsteht bei Verbrennungs- und
2
Gärugsprozesse mit ausreichend O , sammelt sich am Boden (schwerer als Luft), v.a. Silus,
2
Gärkeller, Brunnen und Jauchgruben. Bei einem umbemerkten eintauchen in den CO -See resultiert
2
eine Hypoxie und eine Hyperkapnie,die rasch zu Bewußtlosigkeit unnd Apnoe führt (CO -Narkose),
2
mit Gefahr eines Hirnödems und zusätzlich zu einer respiratorschen / metabolischer Azidose.
Symptome
- Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindelgefühl, Sehstörungen, Ohrensausen
- motorische Unruhe, Bewußtseinstörungen bis zur Bewußtlosigkeit,
zerebrale Krämpfe
- weite Pupillen
- Atemnot Cheyne-Stok′sche-Atmung, Zyanose
- Herzklopfen, Tachykardie, initialer RR dann , Arrhythmien bei kardiovaskuläre
Vorerkrankungen
Diagnostik
- Anamnese
- Umstände bei Auffinden (Silo, Gärkeller)
- Ausschluß von Zusatzverletzunngen (z.B. Sturz)
Therapie
- Lagerung mit erhöhten Oberkörper
- Inhalation von O 4 - 8 l/min
2
- SIMV-Beatmung mit großen Atemhubvolumen und einen FiO 1,0
2
- sicherer Venöser Zugang, Infusion kristalliner Lösungen ( Ri-Lac)
- kontinuierliches Monitoring, Pulsoximetrie
- bei zerebralen Krämpfen Diazepam i.v.
Kohlenmonoxidvergiftung CO
CO hat eine 300-fache höhere Affinität zu Hb als O .
2
Das farb-, geruchs- und geschmacklose, explosive Kohlenmonoxid entsteht bei unvollständiger
Verbrennung. Intoxikationen können zufällig beim Einatmenn von Rauchgasen (Schwelbränden)
oder suizidal durch Inhalation von Motorabgasen (häufig Kombiniert mit Alkohol und Schlafmittel)
auf.
Durch die hohe Affinität zum Hämoglobin resultiert eine Inaktivierung des Hämoglobin für den O2
Transport und eine Linksverschiebung der O -Dissoziationskurve. Daraus entsteht eine durch
2
Kompensationsmechanismen nicht ausgleichbare Hypoxie sowie eine durch CO ausgelöste
metabolische Azidose mit direkter Myokardschädigung. Verminderung der HZV sowie ggf.
zusätzliche pulmonale Funktionsbeeinträchtigung (Cor pulmonale) und ZNS-Schädigung (Krämpfe).
Symptome
in Abhängigkeit von der Menge des inhalierten CO:
- niedrige Konzentration (CO-Hb 10-20%): Sensorische Eintrübung,
retrograde Amnesie, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Übelkeit
Rauschgefühle
- mittlere Konzentration (CO-Hb 30-50%): Eintrübung bis Bewußtlosigkeit,
gesteigerte Reflexe, Erbrechen, Hyperventilation, Hypertonie
- hohe Konzentration (CO-Hb > 50%): Bewußtlosigkeit, tonisch-klonische
Krampfanfälle, Streckkrämpfe, Hypoventilation, Zyanose, Schock mit
Tachykardie und Hypotonie
Diagnose
- Anamnese (kardiovaskuläre Vorerkrankungen, u.U. Linksherzinsuffizienz
- führendes Symptom ist möglicherweise die charakteristische hellkirschrote
Hautfarbe
- Ausschluß von zusätzlichen Verletzungen (Sturz) unnd weiteren Intoxikationen
Cave
- Pulsoximetrie bei CO-Vergiftung nicht verläßlich
- symptomlose Vergiftung bei zerebro-kardiovaskulären Vorerkrankungen
Therapie
- Frischluft
- keine körperliche Belastung des Patienten
- Inhalation von Sauerstoff 8-10 l/min (Steigerung der CO-Elimiation
um das 6fache gegenüber Raumluft)
- Überdruckkammer mit 3 atm. Hyperbare O -Therapie reduziert die
2
Halbwertszeit auf 20-30 min
- SIMV-, CMV-Beatmung: FiO 1,0
2
- bei Lungenödem PEEP zw. 5 - 10 mbar
- sicherer venöser Zugang
- Venenblut zur klinischen Carboxyhämoglobinbestimmung
- ggf. Volumenersatz (HAES 6% 500-1000)
- ggf. Sedierung und Krampfprophylaxe (Diazepam 5-10 mg)
- Schutz vor Wärmeverlust
- kontinuierliches Monitoring inkl. Blutentnahmen ...
- Rhythmusüberwachung
Methanolvergiftung
Meist perorale, versehentliche Intoxikatio mit Methanol (Lösungsmitteln, Defrostermittel). Durch
Alkoholdehydrogenase Spaltung zu Formaldehyd, weiter zu Ameisensäure, renale Elimination.
Schleimhhautreizungen im Magen-Darm-Kanal, zerebrale Wirkug wie Ethanol ohne ausgeprägten
Rauschzustand. Die Metabolite sind eigentlich die toxischen Abbauprodukte, sie verursachen eine
mtabolische Azidose und haben toxische Wirkung auf die Augen.
Symptome
- Auftreten der Nebenwirkungen ach einer Latenzzeit von 6-24 h
- Schhwindel, Kopfschmerzen
- Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
- Lichtscheu, Sehstörungen bis zur Blindheit, weite reaktionslose Pupillen
(in schweren Fällen)
- Verwirrtheitzustände, Bewußtseinsstörungen bis zur Bewußtlosigkeit,
zerebrale Krämpfe
- Atemnot, Tachypnoe bis zum Atemstillstand
- Tachykardie, später Bradykardie
Diagnostik
- Anamnese
- Auffinden entsprechender Behältnisse
- Kombination von Azidoseatmung und Augensymptomen
Differentialdiagnose
- komatöser Zustand anderer Genese
- Intoxikation mit Acetylsalicylsäure
Therapie
- Gewinnung von Magenspülflüssigkeit zur chemischen Untersuchung
- Sauerstoff 4-6 l/min
- Atemstillstand -> Intubation unnd CMV-Beatmung
- sicherer venöser Zugang und Infusion (Ri-Lac), später ZVK
- bei Hypovolämie Volumenersatz
- Erbrechen auslösen wenn Patientt och ansprechbar ist (Apomorphin)
- Magenspülung nur bis 4h nach Gifteinnnahme
- perorale oder i.v. Verabreichung von hochprozentigem Alkohol
(kompetitive Verdrängung des Methanols von der Alkoholdehydrogenase)
- ständiges Atem- und Kreislaufmonitoring
- Blutwerte
- Hämodialyse zur Giftentfernung
Pilzvergiftung
Vergiftungen erfolgen meist durch Verzehr aufgrund Unkenntnis oder Verwechselung mit
Speisepilzen, weiterhin durch fehlerhafte Zubereitung (Reizker) und individuelle Empfindlichkeit
gegenüber an sich eßbaren Pilzen. Krankheitsbilder sind ferner möglich nach Genuß verdorbener
Speisepilze (tox. Eiweißzersetzungsprodukte).
Symptome, Diagnose und Therapie orientieren sich an klinischer Einteilung in 4 Syndrome mit
unterschiedlichen Latenzzeit zwischen Genuß und Vergiftungserscheinung.
Pantherina-Syndrom: Latenzzeit 1-2h durch Genuß von Panther- und Fliegenpilzen.
Muskarinsyndrom : Latenz in der Regel 1-2h, durch Genuß von Trichterlingen, Spei-
täublingen, Röhrlingen
Gastroenteritisches
Syndrom
: Latenz 30 min -2h, durch Genuß von Riesenrötling, Birkenreizer,
Satanspilz
Phalloides-Syndrom : Hepato-renales-Syndrom; Latenz 5-48h! durch Genuß von Knollen-
blätterpilzen
Symptome
Pantherina-Synd.
- atropinartige Symptomatik, Myadriasis, Schwindel, Benommenheit
Halluzinationen, Rauschzustände, Muskelzuckungen, gelegentl. Koma
Muskarin-Synd.
- Miosis, Sehstörung, Speichel- und Tränenfluß, Schweißausbruch bei
gleichzeitigem Frieren, Übelkeit, Erbrechen, beständiger Harn- und Stuhl-
drang, Diarrhoe, zuletzt asthmoide Atemnot, Bronchospasmus,
Bradykardie, Schock, Lungenödem
Gastroenter.-
Syndrom
- Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Koliken, ständiger Harn- und Stuhldrang
in schweren Fällen Schock, keine zentralen Symptome
Phalloides-
Syndrom
- zunächst choleraartige gastrointestinale Symptome mit unstillbaren
Erbrechen, wässrige Darmentleerung, Koliken, Tenesmen, Wadenkrämpfe;
Abklingen und scheinbare Besserung nach 18-24h; ab dem 3.-4. Tag
akute Leberdystrophie mit Ikterus, hämorrhagischer Diathese, Koma
zentralen Krämpfen, Atemlähmung, unbehandelt Exitus nach 5-7 Tagen
Coma hepaticum
Diagnostik
- Hauptaufgabe ist die Abklärung der Latenzzeit ( > 5h ist mit einer akute
Gafährdung zu rechnen, Ermittlung und aufbewhren der Pilze.
Therapie
Pantherina-Syndrom
- induziertes Erbrechen, ggf. Magenspülung
- rein symptomatische Thherapie
- Sedierung bei Erregung
- ggf. Intubation und Beatmung bei Koma
- Monitoring
Muskarin-Syndrom
- induziertes Erbrechen, Magenspülung
- sicherer venöser Zugang
- Volumensubstitution (HAES6% 500 ml)
- Atropin 0,5 - 2 mg i.v.
- forcierte Diurese mit Furosemid (20-40 mg)
- Monitoring
Gastroenteritisches Syndrom
- symptomatische Therapie
- venöser Zugang und Volumensubstitution
- Antiemetika (Paspertin i.v.)
- Carbo medicinalis
- in schweren Fällen stationäre Überwachung
Phalloides-Syndrom
- möglichst noch in der Latenzzeit induziertes Erbrechen,
Magenspülung, Aktivkohle
- venöser Zugang, Elyt′Ausgleich mittels Vollelektrolytlsg.
- forcierte Diurese mi 40 mg Furosemid
- hochdosierte Kortikoide ( 100 mg Fortecortin) --> Hirnödem
- Monitoring
- Hämoperfusion innerhalb 24 h
- Silibinin als Leberschutz
Cave
Mitbehandlung auch beschwerdefreier Angehörige, wenn sie vom
gleichen Pilzgericht gegessen haben.
Psychopharmaka-Intoxikation
Infolge der weiten Verbreitung der Psychopharmaka (Neuroleptika, Antidepressiva, Benzodiazepine)
treten zunehmend Itoxikationen auf, in der Regel durch offensichtliche und verdeckte Suizide, selten
durch ungewollte Überdosierung. Häufig handelt es sich um eine Mischintoxikatio mit
unvorhersehbaren Arzneimittelinterferenzen. Die wirkweise und Symptomatik hängt von der
Substanzklasse ab.
Symptome
Neuroleptika:
- extrapyramidale Dystoien, in hohen Dosen ggf. anticholinerges Bild:
"bizarre neurologische Syndrome" mit muskulären Dyskinsien im Gesicht
Augen (Blickkrämpfe), Mund (Schlundkrämpfe, an den Extremitäten im Wechsel
mit schlaffen Lähmungen; Dyskinesien nicht dosisabhängig
- zusätzlich: Mundtrockenheit, Tachykardie, in hohen Dosen Atemlähmung
Pupillen weit (anticholinerge Wirkung), Halluzinationen, Harnverhalt,
Herzrhythmusstörungen, Herzstillstand
Trizyklische Antidepressiva
- Mydriasis, agitiertes Koma, generalisierte Krämpfe, myoklonische
Zuckungen, nervöse Übererregbarkeit, Halluzinationen, Herzrhythmus-
störungen(v.a. ventrikuläre und Vorhoftachykardien, AV-Block, Schenkel-
block --> QRS-Breite korreliert mit dem Intoxikationsausmaß)
- in hohen Dosen antiadrenerge Wirkung mit Hypotonie
- finale Atemlähmung, Kreislaufstillstand
Benzodiazepine
- verwaschene Sprache, Unruhe, Halluzinationen
- "ruhiges Koma" mit zentraler Atemlähmung und Aspirationsgefahr
( s.a. Schlafmittelvergiftung), Hypotonie, Muskelerschlaffung, Ataxie
- in Kombination mit Alkohol letaler Ausgang möglich
Diagnostik
- Eigen- und Fremdanamnese
- Suche nach vollen oder leeren Medikamentenpackungen
- Versuch der Gewinnung und Aufbewahrung von Urin, Blut, Mageninhalt
zur definitiven und quantitativen Wirkstoffeststellung
- Reaktionen auf Schmerzreize, Pupillenreaktion
Grad 1 : Benommenheit, Reaktion auf mündliche Befehle
Grad 2 : Reaktion nur noch auf milde Schmerzreize
Grad 3 : Minimale Reaktion auf maximale Schmerzreize,
Pat. nicht mehr ansprechbar
Grad 4 : Keine Reaktion auf maximale Schmerzreize
Pat.sollte ab Grad 3 intubiert werden!
- Blutdruck, EKG- u. Pulsmonitoring
- Bewußtseinszustand mind. stdl. überprüfen auf Verschlechterung
- Atemkontrolle, Aspiration
- Blutzuckerkontrolle /Ausschluß einer Hypoglykämie
Differentialdiagnose
- Koma anderer Genese
- Stoffwechselstörungen
- Erregungszustände anderer Genes
- Psychosen
Therapie
- Seitenlage bei Bewußtlosigkeit, primäre Giftelemination mittels
provozieretem Erbrechen ggf. Magenspülung
- Freihalten der Atemwege (Guedel-Tubus), ggf. Absaugen
- Sauerstoff 4-6 l/min
- ggf. Intubation und CMV- oder SIMV-Beatmung
- venöser Zugang, später ZVK
- kurzwirksame Barbiturate bei zerebralen Krampfanfällen
( z.B. Trapanal 200 - 300 mg)
- ggf. Benzodiazepine (außer bei Benzodiazepinintoxikation)
- laufendes Atem- und Kreislaufmonitoring
Spezifische Therapie:
- Neuroleptika: bei extrapyramidalen Symptomen (Akinton 1-2 Amp. i.v.)
Physiostigmin (Anticholium 2 mg i.v.) unter EKG-Kontrolle
- trizyklische Antidepressiva: ggf. Physiostigmin (Anticholium 2 mg i.v.
titriert bis Hypersalivation (Antidot: Atropin) unter EKG-Überwachung,
bei Kammerflimmern Defibrilation und zurückhaltende antarrhythmische
Medikation
- Benzodiazepine: ggf. Flumacenil (Anexate 0,1-0,2 mg / min bis zum Erwachen)
Cave: Oft kürzere Halbwertszeit, häufiges Nachspritzen ist notwendig
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