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ATL Morgenrunde

Skript, 2000, 11 Seiten
Autor: Michael Waibel
Fach: Pflegewissenschaften

Details

Institution/Hochschule: IFW Nürnberg
Tags: Morgenrunde
Kategorie: Skript
Jahr: 2000
Seiten: 11
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V99260
ISBN (E-Book): 978-3-638-97709-8

Dateigröße: 113 KB


Volltext (computergeneriert)

ATL Morgenrunde

 

 

Einweisungsdiagnose:

Alkoholkrankheit
Pneumonie

Einweisung:

......

1.Einführung:

Anlas für den Bericht ist das lebenspraktische Training (LPT) Morgenrunde.
Pat. F. ist seit 8 Tagen stationär in Behandlung, und wird seit dem Aufnahmetag von mir in der Bezugspflege betreut.
Herr F. war bei Aufnahme nicht intoxikiert, aber deutlich prae-delirant. Er war orientiert zur Person, aber nicht zum Ort und zur Zeit. Anlas seiner Aufnahme war, dass seine Mutter den Hausarzt kommen ließ, weil Pat. Fieber hatte. Dem Hausarzt berichtete Pat. von akustischen Halluzinationen ( Kreissägen im Haus), und von optischen Halluzinationen(Männer im Schlafzimmer). Der Pat. war unruhig, getrieben und schweißig. Seine RR und Puls waren deutlich erhöht, er hatte bei Aufnahme 39 Grad Fieber.
Der Pat. war freundlich und eher läppisch gestimmt, verstand den Grund seiner Aufnahme nicht.

Der Pat. wurde in den ersten 2 Tagen des stationären Aufenthaltes am Monitor überwacht, er bekam anfangs 2-stündlich Distraneurin und i.v.-Antibiose, weil radiologisch eine Pneumonie nachgewiesen wurde. Unter der Medikation erholte sich der Pat. rasch, so dass das Distraneurin ausgeschlichen wurde.

Der Pat. verhält sich auf Station sehr gewissenhaft, nimmt pünktlich an den Therapien teil, hat jedoch Schwierigkeiten mit anderen Pat. in Kontakt zu kommen. Der Pat. verhält sich im Kontakt zu anderen Menschen sehr unsicher.
Der Pat. benennt seine Unsicherheit mit anderen Menschen als sein Hauptproblem, dadurch würde er sozial isoliert leben ( der Pat. lebt bei seiner Mutter). Er möchte jedoch an dieser Unsicherheit arbeiten, und war einverstanden, mit meiner Unterstützung die Morgenrunde zu moderieren. Als seine Bezugsperson habe ich zu dem Pat. einen guten Kontakt bekommen.
Es war interessant für mich zu sehen, wie der Pat. mit der Situation der Moderation der Morgenrunde umgehen wird, welche Ressourcen er hat und welche Defizite.
Mit der schriftlichen Reflexion des LPT möchte ich die Wirksamkeit meines Trainings überprüfen, Ressourcen des Pat. stärken und Defizite ausgleichen.

2.Pflegeerhebung anhand der psychiatrischen ATL´s

Atmung:

P1: Noch nicht ausgeheilte Pneumonie
R1: Pat. kann mobilisiert werden, ist den ganzen Tag auf Station unterwegs

Regulation der Körpertemperatur:

P1: Pat. hatte hohes Fieber
R1: Pat. mittlerweile fieberfrei
R2: Pat. meldet sich bei Temperaturanstieg
P2: Pat. schwitzt sehr stark
R2: Pat. trinkt ausreichend

Ernährung:

R1: Pat. gibt an, einfache Gerichte selbst zubereiten zu können
R2: Pat. isst unter der Woche in der Kantine
P1: Mutter des Pat. übernimmt die Essenszubereitung komplett

Ausscheidung:

R1: keine Probleme
P1: Pat. hatte letztes Jahr OP wegen einer Phimose

Ruhen und Schlafen:

R1: guter Schlaf

Sicherheit:

P1: Pat. unsicher und nervös
P2: Pat. sieht keinen Zusammenhang zwischen Nervosität und seinem Alkoholkonsum
R1: Pat. möchte sich sicherer fühlen

Körperpflege:

R1: Pat. pflegt sich adäquat
R2: adäquat gekleidet


Mobilität:

R1: Pat. benutzt öffentliche Verkehrsmittel, kennt sich damit aus
P1: Pat. sieht sehr schlecht, kann trotz Brille keinen Führerschein machen

Informieren und Orientierung:

R1: Pat. hat sich schnell auf Station zurechtgefunden
P1: Pat. war bei Aufnahme nicht orientiert

Kommunikation:

R1: Pat freundlich im Kontakt
R2: Pat. hat guten Kontakt zur Mutter und Schwester
R3: Pat. hat 1 guten Freund
P1: Pat. lebt zurückgezogen, hat Schwierigkeiten mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen, ist sehr unsicher

Stimmungen wahrnehmen und leben:

P1:Pat. hatte akustische und optische Halluzinationen
R1: Pat. hat selbst bemerkt, dass diese nicht real sind

Verantwortungsfähigkeit:

R1: Pat. will wieder mehr Verantwortung übernehmen
P1: Pat. verharmlost seinen Alkoholkonsum
R2: Pat. fühlt sich für seine Mutter verantwortlich

Sinn finden:

R1: Pat. freut sich auf seine Pensionierung

Sinnvolle Zeitgestaltung:

R1: Hobbys: Basteln, Wandern, Karten spielen, Fahrrad fahren
P2: Pat. verbindet alle seine Hobbys mit Konsum von Alkohol

Arbeit:

R1: Pat. arbeite als Industriekaufmann im Export
P1: Pat. ist am Arbeitsplatz wegen seines Alkoholkonsums bereits aufgefallen

Persönlichen Besitz verwalten und finanzielle Sicherheit:

R1: Keine finanziellen Probleme


Wohnen:

R1: Pat. lebt mit seiner Mutter in eigener Wohnung

Sich als Mann/Frau/Kind/Jugendlicher fühlen und verhalten:

R1: Pat. ist ledig
P1: Pat. deutet an, Probleme zu haben, auf Frauen zuzugehen

Rechte wahrnehmen und Pflichten erfüllen:

R1: Pat. zuverlässig auf Station

Sterben:

R1: Pat. nicht suizidal

3. Pflegediagnose

Pat. berichtet hauptsächlich, Probleme im Umgang mit anderen Menschen zu haben. Er sei sehr unsicher, traue sich nicht in Gruppen zu reden.
Als Ressource benennt Pat., dass er dies ändern und hier im stationären Aufenthalt trainieren möchte.

Vorbereitung und Planung einer soziotherapeutischen Einzel-oder Gruppenaktivität: ,,Morgenrunde"

1. Ziel
1.1. Begründung für die Maßnahme lt. Stationsziel/Handbuch
1.2. Was soll den PatientInnen vermittelt werden

Pat. hat Probleme im Umgang mit anderen Menschen, er ist unsicher, bekommt schlecht Kontakt. Das Reden in Gruppen fällt ihm schwer.
Pat. soll durch meine Unterstützung die Angst verlieren, vor Gruppen zu reden. Er soll sein Selbstbewusstsein durch positive Erlebnisse stärken. Pat. soll auch vermittelt werden, mit negativen Äußerungen umgehen zu können, und diese zu reflektieren.

1.3 . Die PatientInnen sollen:
1.3.1. kognitiv

soll kognitiv in der Lage sein, die vorgegebenen Informationen den anderen Pat. zu vermitteln

1.3.2. affektiv

mit der Belastung vor einer Gruppe reden zu können, umzugehen lernen
1.3.3. sozial-kommunikativ

die Informationen verständlich vermitteln, und Überforderung zu äußern. Er soll die Schwierigkeiten vor einer Gruppe reden zu müssen, auch artikulieren können.

1.3.4. psychomotorisch

die Belastung nach Möglichkeit durchhalten

2.Zielgruppe
2.1. Wer soll angesprochen werden

Alle Patienten auf Station, sowie die diensthabenden Pflegekräfte

2.2. Teilnahmekriterien

Die Teilnahme an der Morgenrunde ist für alle mobilen Patienten Pflicht.

2.3. Teilnahmeausschluss

Die Morgenrunde ist eine tägliche Veranstaltung auf Station. Lediglich Pat. die noch im Entzug sind, müssen nicht teilnehmen

2.4. Gruppengröße

8 Patienten, 2 Pflegekräfte

3. Planung

3.1. Zeitpunkt

Sonntag,.....

3.2. Dauer

ca. 10 Minuten

3.3. Ort

Speisesaal der Station 43

3.4. Personalbedarf

mind. 1 Pflegekraft, in der Regel alle Pflegekräfte, die im Dienst sind

3.5. Material

Pat. bekommt das ,,Morgenrunden-Buch" mit allen relevanten Informationen

3.6. Finanzierung

-

3.7. Vorgehen/Methode

Es handelt sich um eine aktivierend-fördernde Gruppenaktivität, die Teilnahme ist Pflicht. Der Moderator für den folgenden Tag (manchmal auch für eine ganze Woche), wird am Vortag bestimmt. Die Moderation ist freiwillig.

4.Programmablauf / Maßnahmen

fiktiver Ablauf

_ Der Moderator wurde am Tag vorher bestimmt, da der Wochenmoderator im Wochenend -Urlaub ist
_ 10 Minuten vor Moderation: Besprechung mit Patienten über das Vorgehen:
_ Begrüßung
_ Kurze Befindlichkeitsrunde, jeder Pat. und Mitarbeiter soll etwas sagen
_ Begrüßung neuer Patienten mit kurzer Erklärung über Inhalt, Sinn, Zweck und Dauer der Morgenrunde
_ Vorstellung der diensthabenden Pflegemitarbeiter
_ Tagesspezifische Informationen: Was können wir heute Vormittag machen (z.B Schwimmen, Spazieren gehen, Tischtennis-Spielen). Was können wir heute Mittag machen(z.B. Spazieren gehen, Kaffee-Trinken).
_ Wer geht heute in Tagesurlaub?
_ Anliegen der Patienten
_ Anliegen bzw. Informationen der Pflegemitarbeiter
_ Schließen der Runde

5. Mögliche Probleme & Alternativen

5.1 mögliche Probleme

Patient ist zu nervös oder unruhig, um die Gruppe zu leiten.
Pat. vergisst Punkte im Morgenrundenbuch.
Störungen von anderen Pat.
Pat. versteht Äußerungen von Mitpatienten falsch, oder bezieht sie auf sich.

5.2. Alternativen

Pat. beruhigen, Verständnis zeigen, wie schwierig es ist, vor einer Gruppe zu reden. Eigene Erfahrungen ausdrücken.
Pat. beim Ablauf der Moderation helfen, aber nicht bevormunden.
Mitpatienten bei Störungen um Verständnis bitten.
Reflektion der Äußerungen von Mitpatienten .

6. Auswertung
6.1. in der Gruppe
· Blitzlicht
· Feed-back
Die Unsicherheit des Pat. F. fiel den anderen Mitpatienten auf. Sie bestärkten ihn jedoch gleich zu Beginn, dass sie es ,,mutig" von ihm finden, dass er heute die Morgenrunde moderiert.
Da niemand von den Mitpatienten einen Vorschlag zur Gestaltung des Vormittags machen wollte, schlug Pat. F. vor, ins Schwimmbad zu gehen. Dieser Vorschlag wurde von zwei anderen Patienten aufgenommen, und Pat. F. freute sich sichtlich darüber.
Dem Pat. wurde zum Ende der Runde von mir vermittelt, dass er die Moderation sehr gut gemacht habe. Dem stimmten die anderen Pat. zu.

6.2. Reflexion mit Kolleginnen (Co-)
6.3. Bericht im Team

Pat. hat heute zum ersten Mal die Morgenrunde moderiert. Da es Sonntag ist, hielt ich den heutigen Tag für günstig, da wenige Pat. auf Station sind, und der Umfang der Moderation wesentlich geringer ist, als am Wochentag.
Pat. hat seine Moderation gut gemacht. Er war zu Beginn sehr nervös und unsicher. Durch positive Reaktion der anderen Pat. und der Pflegemitarbeiter, konnte er etwas ruhiger werden, war aber während der ganzen Moderation sehr angespannt, und schwitzte sehr.
Er nahm die Sache aber ernst, und bearbeitete jeden Punkt im Buch.
In der Nachbesprechung äußerte der Patient, dass ihm aber die Moderation am Wochentag wohl noch zuviel sei, er wolle zuerst noch andere Patienten beobachten, wie sie die Moderation machen. Dem Pat. wurde vermittelt, dass er es sehr gut gemacht habe, und dass für ihn keine Verpflichtung besteht, am Montag die Moderation zu wiederholen. Er fand aber den Vorschlag gut, am nächsten Wochenende Samstag und Sonntag zu moderieren. Darauf will er sich vorbereiten.
Der Pat. äußerte in der Nachbesprechung, dass er sich jetzt richtig wohl fühlt, und sich aufs Schwimmen freut.

6.4. Dokumentation (analog1.3.)

kognitiv: Der Pat. konnte die vorgegebenen Informationen den anderen Pat. vermitteln, und eigene Vorschläge machen.
affektiv: Es war für den Patienten eine große Belastung vor der Gruppe zu sprechen, er fühlte sich während der Gruppe nicht wohl.
sozial-kommunikativ: Pat. konnte sich verständlich ausdrücken.
psychomotorisch: Es war für den Pat. schwer auszuhalten, er war sehr nervös, rutschte auf seinem Stuhl hin und her, und war von den Bewegungen her etwas fahrig.

7. Evaluation

Es war eine große Leistung des Pat., sich für die Moderation bereit zu erklären. Da ich ihn seit Aufnahme auf Station kenne und in der Bezugspflege mit ihm arbeite, hat Pat. Vertrauen zu mir entwickelt. Er äußerte auch, dass es für ihn eine Beruhigung war, dass ich neben ihm saß. Er war sich sicher, dass ich ihn nicht im Stich lasse.
Der Zeitpunkt für die Moderation an einem Sonntag war sicherlich günstig, aber für den Pat. noch zu früh. Wichtig ist dennoch, den Pat. durch positive Reflektion zur weiteren Moderation, vorerst am Wochenende, zu motivieren. Von einer Teilnahme am Selbstsicherheitstraining auf Station kann Pat. sicherlich profitieren.
Dem Pat. muss reflektiert werden, dass er ruhig stolz auf sich sein kann, diese schwierige Situation gemeistert zu haben.

8.Zusammenfassung/Resümee

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es für den Patienten sicherlich wichtig ist, eine Bezugsperson auf Station zu haben, zu der er Vertauen hat, und mit der er offen reden kann. In der Bezugspflege kann Pat. motiviert werden, weitere Schritte zum Erlernen von mehr Selbstbewusstsein zu wagen. Es ist zu bezweifeln, dass dies in der Kürze des Aufenthaltes zu bewältigen ist. Es ist ein Anstoß für den Pat. im Umgang mit anderen Menschen sich mehr zuzutrauen, sich auch im Privatleben anderen Gruppen anzuschließen, z. B Vereine, Clubs.


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