Diese Hausarbeit gibt einen Einblick in die Arbeit mit jungen Fußballfans und diskutiert den helfenden und kontrollierenden Charakter anhand der präventiven Arbeit.
Die sozialpädagogische Tätigkeit ist gesellschaftlich positiv konnotiert. Übt eine Person einen sozialen Beruf aus, so werden ihr vor allem positive altruistische Charaktermerkmale zugeschrieben. Es handelt sich um eine Person, welche sich für benachteiligte Menschen einsetzt, viele Stunden arbeitet und keine hohe Bezahlung erwarten kann. Es fällt zunächst schwer negatives an dieser Profession und der Arbeit an sich zu finden.
Es lohnt sich jedoch diese Profession kritisch in den Blick zu nehmen und zu analysieren in welchem Verhältnis die soziale Arbeit zum Staat, zu sozialer Ungerechtigkeit und Systemerhaltung steht. Soziale Arbeit findet nicht in einem luftleeren, wertfreien Raum statt. Allein durch die staatliche Finanzierung der Projekte besteht ein Zusammenhang zwischen Systemerhalt und sozialer Arbeit, zwischen Hilfe und sozialer Kontrolle.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Handlungsfeld
2.1 Adressat*Innen: Zielgruppe, Zugang und Besonderheiten
2.2 Infrastrukturelle Rahmenbedingungen
2.3 Finanzierung
2.4 Personalsituation
2.5 Ausgangslage des Fanprojekts
2.6 Inhaltliche sozialpädagogische Arbeit mit Fußballfans
2.7 Zielsetzung
2.8 Sozialpädagogische Ziele
2.9 Methoden der Arbeit
3 Eigene Tätigkeit
4 Theoretische Grundlage: Prävention im Spannungsverhältnis von Hilfe und Kontrolle
4.1 Hilfe und Kontrolle aus verschiedenen Perspektiven
4.2 Sozialpolitisch
4.3 Sozialpädagogisch
4.4 Exkurs: Gouvernmentalitätsansatz
4.5 Präventive Jugendarbeit
5 Praktischer Bezug:
5.1 Ausgangslage: Gründung der Fanprojekte
5.2 Arbeitsweise: Aufsuchende Jugendarbeit
5.3 Gewaltprävention
5.4 Beratung und Einzelfallhilfe
5.5 Berichtwesen
6 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen helfender Unterstützung und staatlicher Kontrollausübung in der sozialpädagogischen Arbeit mit Fußballfans, um die Rolle der Sozialarbeit im Kontext gesellschaftlicher Machtstrukturen zu hinterfragen.
- Das doppelte Mandat der sozialen Arbeit (Hilfe vs. Kontrolle)
- Strukturen und Rahmenbedingungen der Fanprojektarbeit
- Gouvernementalitätsansatz als theoretischer Analyserahmen
- Präventive Jugendarbeit im Kontext des "Sicherheitsdispositivs"
- Methoden der aufsuchenden Jugendarbeit und Gewaltprävention
Auszug aus dem Buch
4.4 Exkurs: Gouvernmentalitätsansatz
Ein sehr populärer und aktueller Ansatz ist der Gouvernmentalitätsansatz. Dieser diskutiert nicht mehr das Spannungsverhältnis von Hilfe und Kontrolle, das dieses als Konstrukt schon veraltet sei. Der Ansatz hier ist eine Analyse der Macht welche in der sozialen Arbeit, bzw. durch sie entsteht. Es impliziert eine andere Vorstellung von Macht, welche nicht mehr einfach mit einem System bzw. einer Herrschaft gleichgesetzt wird und nicht hierarchisch, sondern relational verstanden wird. Gouvernmentalitätsstudien analysieren die Macht, welche in verschiedenen gesellschaftlichen Räumen existiert und wirksam ist. Dieser Ansatz geht auf den französischen Soziologen Michel Foucault zurück. Er beschreibt moderne Gesellschaften so:
„Schließlich glaube ich, dass man unter Gouvernementalität […] das Ergebnis des Vorgangs verstehen sollte, durch den der Gerechtigkeitsstaat des Mittelalters, der im 15. und 16. Jahrhundert zum Verwaltungsstaat geworden ist, sich Schritt für Schritt 'gouvernementalisiert' hat. […] Diese Gouvernementalisierung des Staates ist das Phänomen gewesen, dass es dem Staat ermöglicht hat, zu überleben. […] Wir leben im Zeitalter der Gouvernementalität […]“ (Michel Faucault:171.).
Die soziale Arbeit wird hiernach als Regierung verstanden. Betrachtet und analysiert wird hier die Art und Weise, wie soziale Arbeit ihre Macht ausübt und wie sich dies verändert. Die Kritik dieses Ansatzes liegt auf der Totalität, welche durch soziale Arbeit hervorgebracht wird, da durch sie eigentlich kein Raum mehr abseits einer staatlichen Institution beziehungsweise von Regulierungsmaßnahmen existiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die positive Konnotation der sozialen Arbeit und stellt das kritische Spannungsfeld zwischen staatlichem Auftrag, Systemerhalt und Hilfe am Beispiel der Fanprojektarbeit dar.
2 Handlungsfeld: Dieses Kapitel definiert die Rahmenbedingungen, die Zielgruppe (Ultras) sowie die inhaltlichen Ziele und methodischen Ansätze der sozialpädagogischen Arbeit mit Fußballfans.
3 Eigene Tätigkeit: Der Autor schildert seine praktischen Erfahrungen im Fanprojekt, den Fokus auf Beziehungsarbeit zur Fanszene und die Herausforderungen bei der Etablierung professioneller Strukturen.
4 Theoretische Grundlage: Prävention im Spannungsverhältnis von Hilfe und Kontrolle: Hier werden machttheoretische Konzepte wie das "doppelte Mandat" und der Gouvernementalitätsansatz genutzt, um die Rolle der Sozialarbeit als Kontrollinstanz in der Risikogesellschaft zu analysieren.
5 Praktischer Bezug:: Das Kapitel verknüpft die Theorie mit der Praxis: Es thematisiert die Gründung von Fanprojekten, aufsuchende Arbeit, Gewaltprävention und das bürokratische Berichtwesen als Instrumente staatlicher Steuerung.
6 Fazit: Das Fazit resümiert, dass das Spannungsverhältnis der sozialen Arbeit nicht auflösbar ist und fordert eine kontinuierliche Reflexion über die eigene Machtausübung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Fanprojektarbeit, Hilfe und Kontrolle, Prävention, Gouvernementalität, doppeltes Mandat, Fußballfans, Ultras, aufsuchende Jugendarbeit, Gewaltprävention, Machtverhältnisse, Risikogesellschaft, Einzelfallhilfe, Beziehungsarbeit, Normalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das grundlegende Dilemma der sozialen Arbeit, das sich aus dem Spannungsfeld zwischen individueller Unterstützung (Hilfe) und der gleichzeitigen Ausübung gesellschaftlicher Normierung (Kontrolle) ergibt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die professionelle Arbeit in Fanprojekten, der theoretische Diskurs über Macht und Prävention sowie die strukturellen Zwänge der Jugendsozialarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die tägliche Praxis der Fanprojektarbeit theoretisch zu reflektieren und aufzuzeigen, wie sozialpädagogische Maßnahmen als Instrumente der Kontrolle in einem gesellschaftlichen Sicherheitsdispositiv wirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus einer theoretischen Fundierung durch machttheoretische Literatur (z.B. Foucault, Hünersdorf) und der Reflexion praktischer Erfahrungen im Rahmen eines Praktikums.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Handlungsfeldes, die theoretische Auseinandersetzung mit Prävention und Macht sowie die Übertragung dieser Erkenntnisse auf die konkrete Arbeitsweise der Fanprojekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Soziale Arbeit, Fanprojekt, Hilfe und Kontrolle, Prävention, Gouvernementalität und das doppelte Mandat charakterisieren.
Welche besondere Rolle spielen Stadionverbote in der Arbeit des Fanprojekts?
Stadionverbote dienen als konkretes Beispiel, bei dem die soziale Arbeit einerseits als Fürsprecher der Jugendlichen agiert, andererseits durch Stellungnahmen und Beurteilungen des Verhaltens selbst Teil eines Kontrollsystems wird.
Warum ist das "Nationale Konzept Sport und Sicherheit" (NKSS) für die Arbeit relevant?
Das NKSS bildet die gesetzliche und inhaltliche Richtlinie für die Fanprojektarbeit und stellt gleichzeitig sicher, dass Projekte ihre Finanzierung erhalten, indem sie als Institutionen zur Gewaltprävention und Risikominimierung fungieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Sozialpädagogische Arbeit mit Fußballfans. Prävention im Spannungsverhältnis von Hilfe und Kontrolle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000121