Diese Arbeit setzt sich mit den beiden Romanen "Robinson Crusoe", geschrieben 1719 von Daniel Defoe, und "Foe", geschrieben von John Maxwell Coetzee, im Jahre 1986 auseinander. Nach einer Einführung in die Thematik wird das Inselsetting der Romane betrachtet. Anschließend werden die beiden Werke verglichen. Hierfür werden die Figuren, die Darstellung des Lebens auf der Insel sowie die Themen Religion und die Rettung beziehungsweise das Leben nach der Insel analysiert.
Die beiden Romane stimmen in ihren Motiven miteinander überein. Es handelt sich um das Leben eines Schiffbrüchigen auf einer einsamen Insel. Wobei unterschieden werden muss, dass es sich bei Defoe um das Leben des Robinson Crusoe handelt: seine Kindheit bis hin zu seiner Seefahrerei und dann sein Leben als Sklave, seine Flucht und dann die Strandung auf der Insel sowie seine Rettung von dieser und sein Leben danach. Den größten Strang nimmt aber eindeutig sein Leben auf der Insel ein.
Dahingegen geht es bei Coetzee um das Leben der Mrs. Bartons, die auf der Suche nach ihrer Tochter auf der Insel des Cruso landet und mit ihm und seinem Sklaven Freitag zusammen lebt, bis sie gerettet werden. Mrs. Barton gibt die Geschichte des Crusos weiter, bei Robinson Crusoe berichtet er selber über seine Lebensgeschichte. Dies wird durch den Ich-Erzähler und die Tagebucheinträge bekräftigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Inselsetting
3. „Foe“ und „Robinson Crusoe“ ein Vergleich
3.1. Figuren
3.2. Darstellung und Leben auf der Insel
3.3. Die Religion
3.4. Die Rettung und das Leben nach der Insel
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht vergleichend die Romane „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe und „Foe“ von J. M. Coetzee, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der literarischen Gestaltung des Motivs „Insel“ sowie der zentralen Figurenkonstellationen herauszuarbeiten und die kritische Auseinandersetzung Coetzees mit dem Originalstoff zu analysieren.
- Analyse des Inselsettings als literarisches Motiv.
- Vergleichende Untersuchung der Protagonisten (Crusoe/Cruso, Susan Barton, Freitag).
- Gegenüberstellung der Lebensbedingungen und der Rolle der Religion auf der Insel.
- Untersuchung der Rettungsszenarien und des Lebens nach der Insel.
- Kritische Reflexion der Metafiktion und Autorenschaft in Coetzees „Foe“.
Auszug aus dem Buch
3.1. Figuren
Wenn man den Titel „Foe“ zum ersten Mal hört, könnte man meinen es handelt sich um einen Roman über Feinde. Doch geht es bei dem Roman viel mehr um die Figur der Mrs. Susan Barton, die durch die Suche nach ihrer Tochter auf einer Insel strandet an der ebenfalls Cruso und sein Sklave Freitag leben. Dabei ist besonders zu beachten das die Figur der Susan, nicht nur eine Person darstellt, die gestrandet ist, viel mehr ist sie ein Beispiel für eine Frau die unter der Hand eines Mannes gelitten hat und auch ebenfalls mit sich selbst aber auch mit der Männer dominierten Gesellschaft kämpft. Das Buch besteht aus vier Teilen, in dem es jedes Mal einen Wechsel der Erzählermodi gibt. Von der mündlichen Überlieferung bis hin zur Briefform über einen personierten Ich- Erzähler der am Ende im letzten Kapitel von einem unbekannten Autor abgelöst wird. So erzählt der erste Teil des Buches, über die gemeinsame Zeit der dreien auf der Insel, bis sie dann von einem Schiff was nach England segelt gerettet werden. Auf der Fahrt stirbt Cruso allerdings und lässt Susan mit dem stummen Freitag zurück.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die beiden Romane vor, skizziert die methodische Vorgehensweise des Vergleichs und formuliert die zentralen Aspekte der Untersuchung.
2. Das Inselsetting: Dieses Kapitel beleuchtet die kulturgeschichtliche und literarische Faszination sowie die symbolische Bedeutung der Insel als abgeschlossener Raum.
3. „Foe“ und „Robinson Crusoe“ ein Vergleich: Der Hauptteil vergleicht systematisch die beiden Werke hinsichtlich der Figuren, der Lebensumstände auf der Insel, der religiösen Aspekte sowie der Rettung der Protagonisten.
3.1. Figuren: Hier werden die Rollen von Susan Barton, Cruso, Freitag und ihre jeweilige Entwicklung sowie Interaktion detailliert gegenübergestellt.
3.2. Darstellung und Leben auf der Insel: Dieses Kapitel analysiert die unterschiedliche Beschaffenheit der Inseln und die verschiedenen Überlebensstrategien der Bewohner.
3.3. Die Religion: Die Untersuchung konzentriert sich auf die unterschiedliche Bedeutung von Glauben und Religion für die Protagonisten als Mittel der Bewältigung.
3.4. Die Rettung und das Leben nach der Insel: Die Analyse der unterschiedlichen Rettungsszenarien und der nachfolgenden Integration bzw. des Scheiterns in der Zivilisation.
4. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse des Vergleichs zusammen und betont die kritische Distanz von Coetzee zu Defoes Werk.
Schlüsselwörter
Robinsonade, Inselsetting, J. M. Coetzee, Daniel Defoe, Vergleich, Literaturwissenschaft, Identität, Kolonialismus, Metafiktion, Religion, Überleben, Robinson Crusoe, Foe, Erzählstruktur, Sklavenhaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine vergleichende Analyse der Romane „Robinson Crusoe“ (1719) von Daniel Defoe und „Foe“ (1986) von J. M. Coetzee im Kontext des Inselmotivs.
Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Zentrale Schwerpunkte sind die Charakterisierung der Figuren, die Darstellung des Lebens auf der einsamen Insel, die Rolle der Religion sowie die kritische Reflexion des Originalstoffs durch Coetzee.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Werken aufzuzeigen und die verschiedenen literarischen Ansätze zur Behandlung der Robinsonade-Thematik herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Methode des komparatistischen Literaturvergleichs, um durch gezielte Kriterien wie Figurenkonstellation, Inseldarstellung und religiöse Motive die Texte analytisch zu gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier Abschnitte, welche die Figuren, das Leben auf der Insel, die Religion und das Szenario der Rettung nach dem Aufenthalt auf der Insel behandeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Inselsetting, Robinsonade, Metafiktion, Identitätssuche und die kritische Auseinandersetzung mit kanonischer Literatur.
Warum spielt die Figur der Susan Barton in Coetzees Roman eine so zentrale Rolle?
Susan Barton fungiert als erzählendes Bindeglied und als Beispiel für die Unterdrückung der Frau; sie ist der Motor, der die Geschichte erst in Gang setzt und durch ihre Korrespondenz mit dem Autor Foe die Fiktionalität des Stoffes hinterfragt.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Freitags in beiden Werken?
Während Defoes Freitag eine aktive Sprache erlernt und als Diener integriert wird, ist Coetzees Freitag verstummt (Zungenverlust), was seine soziale Entmündigung und die Unmöglichkeit echter Kommunikation unterstreicht.
Inwiefern kritisiert Coetzee in „Foe“ die Darstellung von Daniel Defoe?
Coetzee dekonstruiert Defoes „Robinson Crusoe“ als unrealistische Inszenierung und stellt ihm eine „realistischere“ oder zumindest kritisch-hinterfragende Perspektive entgegen, in der Heldenhaftigkeit und religiöser Eifer hinterfragt werden.
Welche Rolle spielt die Religion im Vergleich der beiden Romane?
Bei Defoe ist die Religion ein zentraler Stabilitätsfaktor und Sinnstifter für Robinson, während der Protagonist in „Foe“ keinerlei religiösen Halt findet, was zu einem trostloseren Dasein führt.
- Arbeit zitieren
- Anna Maria Heinisch (Autor:in), 2015, Inselwelten in J. M. Coetzee's "Foe" und Daniel Defoe's "Robinson Crusoe". Darstellung und Leben auf der Insel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000203