Diese Arbeit soll der Frage nachgehen, ob das Werk "Der Begriff des Politischen" (1932), als ein realistischer oder ein bellizistischer Text angesehen werden kann. Um dieser Frage nachzugehen, werden zunächst die beiden Begriffe Realismus und Bellizismus genauer definiert, beziehungsweise werden die wichtigsten Merkmale der Konzepte ausgemacht, was die Voraussetzung ist, um das Werk einordnen zu können. Als nächster Schritt soll der Inhalt des Werkes beschrieben werden, um die zentralen Punkte hervorzuheben. Dies ist notwendig, um anschließend die verschiedenen Grundannahmen, welche Schmitt in seinem Werk trifft, in bellizistische, beziehungsweise realistische zuzuteilen, um daraufhin ein Fazit zu ziehen, in welche der beiden Richtungen Carl Schmitts Werk einzuordnen ist.
Der Realismus zählt neben dem Idealismus/Liberalismus und Sozialkonstruktivismus zu den drei Metatheorien der internationalen Beziehungen. Ein markantes Merkmal des Realismus ist es, dass er den Frieden nur als einen vorübergehenden, zerbrechlichen Zustand im internationalen System bezeichnet. So stehen die Sicherheit und das Streben nach Macht im Vordergrund, was einen permanenten Frieden zwischen den einzelnen Staaten verhindert. Es ist außerdem erkennbar, dass in realistischen Werken, wie zum Beispiel in Machiavellis "Der Fürst" oder in "The tragedy of great power politics" von John Mearsheimer, das Militär eine zentrale Rolle einnimmt. Diese Überschneidung zwischen Realismus und Bellizismus ist besonders beim politischen Philosophen Carl Schmitt ein Streitpunkt in der politischen Wissenschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 Realismus
2.2 Bellizismus
3. Carl Schmitts „der Begriff des Politischen“
3.1 Zusammenfassung des Inhaltes
3.2 Bellizistische Elemente
3.3 Realistische Elemente
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk „der Begriff des Politischen“ von Carl Schmitt aus dem Jahr 1932 vor dem Hintergrund der beiden Strömungen Realismus und Bellizismus. Ziel der Forschungsarbeit ist es, zu klären, ob Schmitts Ausführungen eher als bellizistisch oder als klassisch realistisch zu bewerten sind, um das Werk in den politischen Diskurs einzuordnen.
- Grundlagen und Definitionen von Realismus und Bellizismus
- Zusammenfassende Darstellung der Thesen Carl Schmitts
- Analyse bellizistischer Elemente in Schmitts Werk
- Herausarbeitung realistischer Parallelen zum klassischen Realismus
- Auflösung des vermeintlichen Widerspruchs zwischen beiden Strömungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Zusammenfassung des Inhaltes
Carl Schmitt veröffentlichte seine Schrift „der Begriff des Politischen“ in drei Versionen in den Jahren 1927, 1932 und 1933. Für diese Arbeit wird die Ausgabe von 1932 gewählt, welche auch Schmitt für seine Wiederauflage von 1963 wählte. Diese gliederte Schmitt in acht Kapitel, welche im Anschluss zusammengefasst werden.
Das erste Kapitel trägt die Überschrift „Staatlich und Politisch“ und Schmitt beginnt sein Werk mit der These: „Der Begriff des Staates setzt den Begriff des Politischen voraus“ (Schmitt 2015: 19). Die Voraussetzung für einen Staat ist also das Politische, was wiederum bedeutet, dass das Politische auch in Abwesenheit eines Staates existieren kann. Beide Begriffe sind somit voneinander losgelöst (vgl. Schönberger 2003: 22). Diese Trennung rechtfertigt Schmitt durch den Monopolverlust des Staates auf das Politische, welcher als Folge der Demokratisierung entstand. Denn durch den Einzug demokratischer Elemente in den Staat entwickelte sich die Gesellschaft zu einem aktiven Akteur, wodurch der Staat seine uneingeschränkte Macht über das Volk verlor. Dieser Verlust der alleinigen Macht beendete auch den Zusammenhang zwischen dem Politischen und dem Staat (vgl. Schmitt 2015: 22 f.).
Im zweiten Kapitel formuliert Schmitt sein zentrales Konzept der Freund-Feind-Unterscheidung. Hier beschreibt Schmitt das Politische nicht mithilfe einer umfangreichen Definition, sondern bedient sich diesem Gegensatzpaares, aus dem sich das Politische ableiten lässt (vgl. Herrera 2010: 45 f.). Er betont die Autonomie des Politischen von anderen sozialen Bereichen wie dem Moralischen, dem Ästhetischen oder dem Ökonomischen. In jenen Sphären kommt es immer auf eine letzte, autonome Unterscheidung an, weswegen dies auch für das Politische gelten muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob Carl Schmitts Werk als bellizistisch oder realistisch einzustufen ist, und erläutert die Relevanz der Begriffsbestimmungen.
2. Definitionen: In diesem Kapitel werden der Realismus nach Morgenthau sowie der Begriff des Bellizismus definiert, um theoretische Kriterien für die spätere Untersuchung zu schaffen.
3. Carl Schmitts „der Begriff des Politischen“: Dieses Kapitel fasst Schmitts zentrales Werk zusammen und prüft es auf die zuvor erarbeiteten bellizistischen und realistischen Merkmale.
4. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass trotz bellizistischer Deutungsmuster eine Einordnung in den klassischen Realismus aufgrund zahlreicher Überschneidungen mit den Thesen Hans Morgenthaus überzeugender ist.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, der Begriff des Politischen, Realismus, Bellizismus, Freund-Feind-Unterscheidung, Hans Morgenthau, internationale Beziehungen, Souveränität, Krieg, Staatstheorie, Liberalismuskritik, Macht, Politische Einheit, Ernstfall, Menschenbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Carl Schmitts einflussreiches Werk „der Begriff des Politischen“ (1932) eher dem Bellizismus oder dem klassischen Realismus zuzuordnen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die theoretische Abgrenzung von Realismus und Bellizismus, die Analyse der Freund-Feind-Unterscheidung sowie das Verständnis von Staat und Macht bei Schmitt und Morgenthau.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den vermeintlichen Widerspruch in Schmitts Werk aufzulösen, indem man untersucht, welche Elemente stärker ausgeprägt sind: die kriegsbejahenden (bellizistischen) oder die machtpolitisch-realistischen Aspekte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der zentrale Begriffe definiert und das Primärwerk „der Begriff des Politischen“ anhand dieser Definitionen einer vergleichenden Inhaltsanalyse unterzogen wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil enthält eine ausführliche Zusammenfassung der Kapitel von Schmitts Werk, gefolgt von einer detaillierten Prüfung auf bellizistische sowie realistische Elemente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Politische Einheit, Freund-Feind-Unterscheidung, klassischer Realismus, Bellizismus und die Macht des Staates charakterisiert.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Liberalismus in Schmitts Denken?
Der Autor zeigt auf, dass Schmitt den Liberalismus konsequent als Gegenpol zum Politischen ablehnt, da dieser den Staat durch Entpolitisierung und den Fokus auf individuelle Freiheit schwäche.
Welche Bedeutung kommt der „Freund-Feind-Unterscheidung“ in der Argumentation zu?
Sie gilt als das zentrale Kriterium für das Politische; ohne diese Fähigkeit zur Unterscheidung – insbesondere im Ernstfall – existiert nach Schmitt keine souveräne politische Einheit.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Carl Schmitts "Der Begriff des Politischen". Bellizistische Schrift oder klassischer Realismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000222