Die Paradoxie der spätmodernen Gesellschaft

Umweltbewusstsein zwischen Freiheit und Bedeutungslosigkeit


Bachelorarbeit, 2020

51 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG
1.1 Problemaufriss
1.2 Soziologische Relevanz
1.3 Vorgehen

2 THEORIETEIL
2.1 Literaturdiskussion
2.2 James S. Coleman: Die Asymmetrische Gesellschaft
2.2.1 KorporativeAkteure
2.2.2 Die neuen Risiken
2.2.3 Die Paradoxie derModerne
2.3 LeitendeAnnahmen

3 HAUPTTEIL
3.1 Das Asymmetrieproblem der spätmodernen Gesellschaft
3.1.1 Der Markt als objektive Wirklichkeit
3.1.2 DerStaat als reaktiver Gestalter
3.2 Die Folgenfürdas Individuum
3.2.1 Selbstverantwortung
3.2.2 Unsteuerbarkeit
3.3 Die Paradoxie der Spätmoderne
3.3.1 Freiheit
3.3.2 Bedeutungslosigkeit

4 FAZIT
4.1 Einordnung und Ausblick
4.2 Corona und mögliche Zukunft

5 LITERATUR

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemaufriss

Die ökologische Frage ist nicht neu, sondern wurde im vergangenen Jahrhundert mehrmals gestellt. Bereits in den 1980er Jahren setzten sich Sozialwissenschaftler*innen mit der Neuordnung des gesellschaftlichen Verhältnisses zur Natur auseinander (vgl. u.a. Beck 1986; Luh- mann 1986; Coleman 1986). Unter anderem Ulrich Beck beschrieb, wie diese im Zuge der Industrialisierung in das System hineingeholt, vergesellschaftet und unterworfen wird (vgl. Beck 1986: 9). Die Risiken, die mit der Vergesellschaftung der Natur - und der der Naturzerstörungen - einhergehen, zeichneten sich gerade erst ab, waren aber dennoch bereits fester Bestandteil der Sozialstruktur (vgl. ebd. 10). Heute spürt die Weltbevölkerung sie in aller Deutlichkeit: Der Rekordverlust des grönländischen Eisschilds, die verheerenden Waldbrände in Australien und im Westen der USA und der historisch starke Zyklon Amphan sind nur einige Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit, die verdeutlichen, mit welcher Intensität sich die ökologischen Probleme zugespitzt haben (vgl. SZ 2020a, 2020b; Zeit Online 2020a, 2020b). Der Earth Overshoot Day markiert den Tag, bis zu dem die Ressourcen, die die Erde in einem Jahr wiederherstellen kann, aufgebraucht sind. Fiel dieser Tag im Jahr nach der Veröffentlichung von Becks Risikogesellschaft auf den 19. Dezember, war 2019 das globale RessourcenBudget bereits am 29. Juli aufgebraucht (vgl. UBA 2020a; Earth Overshoot Day 2020).

Die sich anbahnende Klimakatastrophe kommt demgemäß nicht unangekündigt. Es ist längst bekannt, dass die Lebensweise des globalen Nordens (sowie einigen Teilen des globalen Südens) weder sozial noch ökonomisch verallgemeinerbar und ein Verbleib in der jetzigen Ordnung dauerhaft nicht tragbar ist. Und dennoch scheint sie derart tief verankert, dass ihr Bestehen trotz weit verbreiteten Wissens um die einsetzende klimatische Transformation alternativlos bleibt (vgl. Brand, Wissen 2017: 13ff.; Blühdorn 2020: 11, 41).

Die breite Mehrheit der Bevölkerung ist sich der Krisenproblematik durchaus bewusst und fordert von politischen Akteur*innen mehr Konsistenz und Konsequenz im Agieren gegen den Klimawandel (vgl. UBA 2018: 27). Wie eine vom deutschen Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Studie zeigt, sind insbesondere die Angehörigen des kritisch-kreativen Milieus mit dem derzeitigen Engagement unzufrieden: Lediglich 4 % der Kritisch-kreativen ist der Ansicht, die Bundesregierung tue genug oder eher genug, nur 1 % sagt selbiges über die Industrie (vgl. ebd. 24). Es ist der Teil der Gesellschaft mit einer hohen Verantwortungsbereitschaft, für den Attribute wie Weltoffenheit, Toleranz und Unabhängigkeitsstreben charakteristisch sind (vgl. ebd. 79). Sie empfinden die bisherigen Antworten auf die ökonomischen Herausforderungen als nicht weitreichend genug und versuchen entsprechend unabhängig von politischen Ak- teur*innen selbst einen Beitrag zur sozial-ökologischen Transformation zu leisten, vermehrt Fair-Trade- und ökologisch verträgliche Produkte zu kaufen und sich in Gemeinschaftsgärten, Repair-Cafés oder anderen innovativen sozialen Initiativen zu engagieren (vgl. ebd.; Deflorian 2020: 224). Dass in Deutschland der Marktanteil grüner Produkte in den letzten Jahren deutlich anstieg, ist nicht zuletzt ihnen zu verdanken (vgl. UBA 2016: 85; UBA 2017: 52). Interessanterweise scheinen jedoch auch bzw. gerade die kritisch-kreativen Milieuangehörigen außerhalb ihres nachhaltigkeitspolitischen Engagements nicht konsequent nach ökologischen Werten zu handeln. Das Ergebnis einer Untersuchung zu den Pro-Kopf-Verbräuchen in Deutschland zeigte, dass sie nicht nur den höchsten Wert in positive Umwelteinstellungen, sondern gleichzeitig auch den zweithöchsten Energiegesamtverbrauch aufweisen (vgl. UBA 2016: 86). Demnach seien weniger Umweltwissen oder Umweltbewusstsein als vielmehr die Formalbildung und das Einkommen die erklärenden Variablen - beide sind überdurchschnittlich hoch in den kritisch-kreativen Milieus ausgeprägt (vgl. ebd. 82; UBA 2018: 71).

Das ist insofern äußerst erwähnenswert, als dass es sämtliche Strategievorschläge, die auf die Macht der Konsumentinnen und grüne Innovationen durch den Markt setzen, infrage stellt (vgl. u.a. UN 2011; UNEP 2017; BMU 2020). Trotz der gesamtgesellschaftlichen Ausbreitung ökologischer Denk- und Handlungsmuster, die in den Wachstumsdynamiken ökologischer Produkte zum Ausdruck kommt, bleiben die C02-Emissionen des privaten Konsums auf nahezu unverändert hohem Niveau (vgl. UBA 2017: 25). Die deutschen Pro-Kopf-Verbräuche liegen damit weit über dem globalen arithmetischen Mittel und jenseits von Umfängen, die als nachhaltig definiert werden könnten (vgl. UBA 2016: 87). Wenn sich das Umweltbewusstsein in weiten Teilen der Gesellschaft intensiviert, die Energiegesamtverbräuche aber dennoch nicht signifikant gesenkt werden, dann liegt die Vermutung nahe, dass externe Dynamiken eine Rolle spielen, die die Einzelnen nicht kontrollieren können, die einem umfassenden Wandel hin zur Nachhaltigkeit aber bedeutend im Wege stehen. Warum aber werden Ambivalenzen derart zugelassen und warum ist es nicht möglich, diese Dynamiken dauerhaft umzulenken? Wie ist es zu erklären, dass gerade die Angehörigen der gut gebildeten Mittelschicht, für die ökologische Werte eine außerordentliche Rolle spielen, derart hohe Ressourcenverbräuche zu verbuchen haben und diesen tiefgreifenden Widerspruch ganz offensichtlich akzeptieren?

Die vorliegende Ausarbeitung soll sich einer Antwort auf diese Fragen annähern. Sie soll eine Idee davon vermitteln, wie die bestehenden Herrschafts- und Machtstrukturen effektive Nachhaltigkeit verhindern. Wie später noch ausführlicher begründet wird, wird dabei angenommen, dass die Machtverhältnisse grundlegend asymmetrisch strukturiert sind - dass im triangulierten Verhältnis der Markt gegenüber dem Staat und den Individuen also eine fundamentale Übermacht zukommt (vgl. Coleman: 1986: 21f.). Diese Machtasymmetrie wirkt sich nicht nur auf die Logiken des Staates, sondern auch auf die Denk- und Handlungsmuster der Einzelnen aus und behindert so die Möglichkeit eines zielgerichteten Wandels hin zur Nachhaltigkeit (vgl. u.a. ebd.; Brand, Wissen 2017). In diesem Sinne soll im Folgenden ansatzweise erklärt werden, warum aus dem weitverbreiteten Wissen um die Zerstörungskraft der neoliberalen Ordnung und der einsetzenden Klimakatastrophe, dennoch nicht konsequent gehandelt wird. Es soll die Leitfrage behandelt werden:

Inwiefern kann das Asymmetrieproblem der spätmodernen Gesellschaft die Kluft zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten erklären?

1.2 Soziologische Relevanz

Eine naturwissenschaftliche Erforschung, die Wertekonflikte zu vermeiden versucht und statt- dessen auf die Objektivierung von umweltpolitischen Fakten abzielt, ist für die Legitimierung politisch initiierter Klimaschutzmaßnahmen unerlässlich (vgl. Blühdorn 2020: 92). Das gilt in Zeiten rechtspopulistischer Faktenfeindlichkeit, parteipolitischer Krisen und Vertrauensverlusten gegenüber demokratischen Institutionen umso mehr (vgl. ebd. 70, 307; Butzlaff 2020: 194). Dennoch wurde längst deutlich, dass eine solche Nachhaltigkeitsforschung allein nicht wirksam genug ist, um eine effektive Umweltpolitik durchzusetzen (vgl. UBA 2016: 87). Wird sich bei Strategien gegen den Klimawandel auf objektivierte, entpolitisierte Fakten reduziert, dann bleiben subjektiv-kulturelle Dimensionen weitgehend unberücksichtigt, die aber für die Frage nach einem gesellschaftlichen Wandel hin zur Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle spielen. Denn sowohl bei den Erwartungen an eine wünschenswerte Umwelt, als auch bei den wahrgenommenen Einschränkungen, die ein effektiver Umweltschutz mit sich brächte, handelt es sich um subjektive Erfahrungen. Diese werden ganz entscheidend von den vorherrschenden Normen- und Weltverständnissen geprägt und sind nicht objektiv messbar (vgl. Blühdorn 2020: 91ff.). Insofern können subjektive und politische Kontexte nicht einfach ausgeblendet werden. Es bedarf hier neben der naturwissenschaftlichen Erforschung einer soziologischen Reflexion, die den Blick auf die Meta-Ebene und die wechselseitige Abhängigkeit der Individuen mit der Gesellschaft lenkt (vgl. Baumann 2003:41). Aufgabe der Soziologie muss es sein, die strukturellen Rahmenbedingungen genauer auszuleuchten und zu hinterfragen und dabei die Auswirkungen, die die bestehende Sozialstruktur auf die Individuen hat, mit einzubeziehen, um dadurch Ambivalenzen zu erklären.

Insbesondere jüngere Beiträge machen daraufaufmerksam, dass sich die Motive und Verhaltensintentionen umweltbewusster Individuen mit der Weiterentwicklung der Moderne verändern (vgl. Brand, Wissen 2017; Blühdorn 2020; Deflorian 2020). Wurde zuvor angenommen, dass sich nachhaltigkeitspolitisch Engagierte entfremdet fühlen und sich durch Aktivismus versuchen, selbst aus herrschenden Abhängigkeiten zu befreien, gelten diese Interpretation heute nicht mehr. Viel mehr ist von einem gesamtgesellschaftlichen Paradigmenwechsel die Rede, der ursprünglich leitende Annahmen „unbrauchbar" werden lässt (Blühdorn 2020: 49; vgl. Deflorian 2020: 237). Wenn dem so ist, dann gilt es umso mehr, den Fokus auf das Normen- und Werteverständnis spätmoderner Individuen zu lenken, die Wirkungsmechanismen der Gesellschaftsstruktur zu hinterfragen und neue Annahmen zu treffen.

1.3 Vorgehen

Im Rahmen dieser Ausarbeitung soll die zentrale These behandelt werden, dass die gesamte Ordnung der spätmodernen Gesellschaft von den Logiken der kapitalistischen Herrschaft durchdrungen wird. Nicht nur das politische System ist grundlegend abhängig von dieser, sondern auch die Individuen haben die vom Markt geprägten Werte- und Normen internalisiert. Bevor zu dieser Diagnose gelangt werden kann, bedarf es einiger Vorüberlegungen. Dazu wird im anschließenden zweiten Kapitel die für die zentrale Fragestellung relevante Literatur repliziert und verschiedene Theorieansätze vorgestellt, die sich mit den sozialen und strukturellen Dimensionen der ökologischen Frage auseinandersetzen. Im Zuge der Literaturdiskussion sollen bereits erste Begrifflichkeiten erläutert werden, die aber in Anbetracht der Komplexität des Themas enger eingegrenzt werden müssen. Dazu wird die Theorie der Asymmetrischen Gesellschaft des Soziologen James Samuel Coleman herangezogen, dessen Begriffe von da an übernommen und in Kontext der Fragestellung gesetzt werden (vgl. Coleman 1986). Es gilt im zweiten Kapitel aufzuzeigen, wo sich die vorgestellten Theorien der spätmodernen Gesellschaft widersprechen, um anschließend zu fragen, ob diese Widersprüche mit Colemans Ideen aufgelöst werden können. Auf dieser Basis können drei Annahmen formuliert werden, denen sich im dritten Kapitel genauer gewidmet wird: Im ersten Teil wird die strukturelle Ordnung der spätmodernen Gesellschaft in den Blick genommen und erklärt, inwieweit diese von asymmetrischen Machtverhältnissen bestimmt wird. Im zweiten und dritten Teil geht es dann um die Folgen auf der Individualebene. Zunächst wird die Individualisierung der Verantwortung als eine Folge der Machtasymmetrie thematisiert und hinterfragt. Es wird sich zeigen, dass Individuen die konkreten Folgewirkungen ihrer Konsumentscheidungen nicht immer kontrollieren können und entsprechend aus einer umweltbewussten Intention nicht immer der gewünschte Effekt resultiert. Das erklärt aber noch nicht, warum Umweltbewusste diese Ambivalenzen akzeptieren und sich trotz Ungewissheit in den Konsumpraxen selbstverwirklichen. Dieser Paradoxie wird sich im dritten Teil gewidmet. Nach einem zusammenfassenden Fazit bedarf es einer grundlegenden Reflexion der Erkenntnisse, die abschließend den Bezug zum aktuellen Corona-Notstand sowie einen zukünftigen Ausblick ermöglicht.

2 Theorieteil

2.1 Literaturdiskussion

Wenn in dieser Ausarbeitung von der spätmodernen Gesellschaft gesprochen wird, dann wird davon ausgegangen, dass die bestehende Sozialstruktur aus der Moderne hervorgegangen ist und einen strukturellen wie sozialen Wandel beinhaltet: Nicht nurdie elementaren Einheiten der Gesellschaftsstruktur werden umgebaut. Auch die traditionellen Verständnisse von Subjektivität und Identität lösen sich mit der Weiterentwicklung der modernen Sozialstruktur zunehmend auf und werden durch neue Werteverständnisse ersetzt (vgl. Beck 1986: 12, 206; Deflorian 2020: 230). Schon Ulrich Beck in der Bundesrepublik Deutschland und James Samuel Coleman in den USA beschrieben in den 1980er Jahren die Auswirkungen der Weiterentwicklung westlicher Industriestaaten. Beide beschreiben die „Modernisierung der Industriegesellschaft " als reflexiv (Beck 1986: 17; vgl. Coleman 1986: 12): Zwar stehen der Gesellschaft im Zuge der ökonomischen Liberalisierung nie dagewesene Freiheiten zu, sie wird aber gleichzeitig mit neuen nie dagewesenen Abhängigkeiten und Risiken konfrontiert. Diese werden von externen Entwicklungsdynamiken hervorgerufen, die das Individuum nicht kontrollieren kann (vgl. Beck 1986: 211). Beck spricht von einem „Gefährdungs-Schicksal in der entwickelten Zivilisation, in das man hineingeboren wird, dem man durch alle Leistung nicht entkommen kann (...)" (Beck 1986: 54). Er ging entsprechend davon aus, dass das Individuum „kaum eine Entscheidung offen" (ebd. 53) habe und entsprechend weder für Ursprung noch für die Bearbeitung der neuen Problemlagen verantwortlich gemacht werden kann (vgl. ebd. 211). Dennoch war er der Ansicht, die sich abzeichnende Risikogesellschaft (Beck 1986) werde „früher oder später" (ebd. 27) selbst derart von den eigenproduzierten Kosten betroffen sein, dass ein umfassender Gesellschaftswandel unabdingbar sein wird.

34 Jahre später stellt Ingolfur Blühdorn zwar tatsächlich fest, dass sich ein „alle Bereiche umfassende^] Struktur-, Kultur- und Gesellschaftswandel" (Blühdorn 2020: 32) vollzieht. Dieser betrifft ihm nach aber in erster Linie das intersubjektive Normen- und Werteverständnis und weniger eine strukturelle Transformation weg von der Risikogesellschaft. Blühdorn stellt die These auf, westliche Konsum- und Wohlstandsgesellschaften verabschieden sich im Rahmen eines nachhaltigkeitspolitischen Paradigmenwechsels von der „ökologischen Vernunft, Mündigkeit und Verantwortlichkeit" (ebd. 52) und somit von der Idee eines umfassenden ökologischen Gesellschaftswandels. Insbesondere die Externalisierung der eigenproduzierten sozialen und ökologischen Kosten ermöglicht der globalen, privilegierten Mittelklasse ihre Frei- heits- und Selbstbestimmungsansprüche noch weiter zu radikalisieren (vgl. ebd. 33, 60). Spätmoderne Individuen sind weniger reflexiv, sondern viel mehr//ex/be/ (vgl. ebd. 119; Deflorian 2020: 238): Sie entfalten sich offen und anpassungsfähig in den neuen Freiheiten und wollen bzw. können auf die vielseitigen Selbstverwirklichungsmöglichkeiten, die diese bieten, nicht mehr verzichten - ohne die Kosten dafür spüren zu müssen (vgl. Blühdorn 2020: 119.; Deflorian 2020: 231). Der Wandel zur Nachhaltigkeit hat entsprechend immer noch nicht begonnen und wird insbesondere im Zuge des Aufstiegs des Rechtspopulismus sogar teilweise offen in Frage gestellt, obwohl gleichzeitig die Erkenntnis der Problemlage deutlicher denn je scheint (vgl. Blühdorn 2020: 33). Blühdorn und andere Autorinnen setzen sich daher in dem Band „Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit" (2020) mit der Frage auseinander, warum eine sozial-ökologische Transformation, also ein umfassender Gesellschaftswandel, wie Beck ihn noch prophezeit hatte, trotz allgemeinem Krisenbewusstsein immer noch nicht stattfindet (vgl. Blühdorn 2020:41).

Dabei verfolgen Ingolfur Blühdorn und Michael Deflorian (im selben Band) einen subjekttheoretischen Ansatz: Beide gehen ebenso wie Beck davon aus, dass der fortschreitende Wandel moderner Wertevorstellungen zu einer Auflösung ehemals verbindlicher Sozialnormen führe. Die an ihre Stelle tretenden neuen Freiheitsverständnisse begründen, warum Individuen nur begrenzt an einer sozial-ökologischen Transformation hin zur Nachhaltigkeit interessiert sind (vgl. auch Hausknost 2020: 163).

Blühdorn bezieht sich in seinen Überlegungen auf die Philosophie der Aufklärung, wenn er den aktuellen Kultur- und Gesellschaftswandel als Emanzipation zweiter Ordnung bezeichnet. Aus ihr stammt die Idee des autonomen Subjekts, dessen Würde unantastbar ist und das deshalb einen Anspruch auf Freiheit und Selbstverwirklichung erhebt (vgl. Blühdorn 2020: 319). Sich darauf berufend zielte die Emanzipation erster Ordnung auf die Befreiung von Autoritäten und Zwängen alterstarrter Traditionen ab. Die Freiheit aber war in mehrfacher Hinsicht begrenzt gedacht und ging seit Kants Ausführungen zur Kritik der reinen Vernunft (Kant 1983) mit der Verpflichtung auf Vernunft einher (vgl. Blühdorn 2020: 319). Sich dieser zu entziehen, ist laut Blühdorn Anliegen der aktuellen Emanzipation zweiter Ordnung. Mündigkeit und Verantwortung, wie sie in kantischer Tradition ehemals das große Ziel waren, sind nicht länger zumutbar und werden sogar als „nicht hinnehmbare Belastung" (ebd. 120) wahrgenommen. Diese unverhandelbaren Freiheitsansprüche sind es, auf deren Basis die ökologische Frage bewertet und Nachhaltigkeitspolitik betrieben wird (vgl. ebd. 121f.). Diesbezügliche Konflikte basieren auf subjektiven Normen und Erwartungen von Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung, die sozial-ökologisch weder nachhaltig noch verallgemeinerbar sind. Blühdorn ist der Auffassung, die ökologische Frage sollte entsprechend als soziale Frage betrachtet und behandelt werden (vgl. ebd. 134f.). Insbesondere deshalb, weil die Emanzipation zweiter Ordnung nicht nur von der gesellschaftlichen Elite vorangetragen wird, sondern zum gesamtgesellschaftlichen Projekt geworden ist (vgl. ebd. 122). Auch wenn Vorstellungen von einem guten Leben individuell unterschiedlich sind, geht es ihm nach um kollektiv bewusst akzeptierte Wertepräferenzen, die einer sozial-ökologischen Transformation im Wege stünden (vgl. ebd. 134).

Dass die Individuen der spätmodernen Gesellschaft sich mit der bestehenden Ordnung und den mit ihr verbunden Ansprüchen auf Freiheit, Individualität und Selbstbestimmung identifizieren, diagnostizierte Zygmund Baumann bereits Anfang der 2000er in seinen Aufführungen zur Flüchtigen Moderne (Baumann 2003; vgl. Blühdorn 2020: 125). Auch Baumann war ein Vertreter der jüngeren spät- bzw. postmodernen Gesellschaftstheorie und der Ansicht, die Gesellschaft des frühen 21. Jahrhunderts erlebe bloß eine andere Art der Moderne und keine grundlegend reformierte Gesellschaftsform. Er setzt sich in seinem Werk mit den Auswirkungen der neuen Machtstrukturen seit Becks Überlegungen zur Risikogesellschaft auseinander und stellt fest, dass diese neue Moderne zunehmend den Glauben an eine ideale Vollendung der Modernisierung verliert und entsprechend immer offener Ambivalenzen akzeptiert (vgl. Baumann 2003: 38f.). Er beobachtet, wie sich die Logik des ökonomischen Systems auf weite Teile der individualisierten Lebenswelt ausbreitet, diese durchdringt und eine „Totalverflüssigung des Alltags" (ebd. 15) bewirkt. Sie erzwingt eine konsumbasierte Form der Identitätskonstruktion, die nicht nur zur Liquidierung ehemalig verbindlicher Sozialnormen wie Vernunft und Mündigkeit führt, sondern auch zu fragmentierten Persönlichkeiten (vgl. ebd. 39f., 88, 96). In der Flüchtigen Moderne (Baumann 2003) werden Schnelllebigkeit und Grenzenlosigkeit zu den konstitutiven Leitprinzipien erhoben. Nicht nur die strukturellen Machtverhältnisse und Freiheitsverständnisse sind im stetigen Wandel, auch die Entfaltung des individuellen Selbst wird als unvollendet und streichfähig verstanden (vgl. ebd. 39, 77).

Michael Deflorian knüpft 2020 an die Idee des flüchtig-flüssigen Subjektes an (vgl. Deflorian 2020: 231). Er behandelt die These, dass die Pluralisierung von Wertevorstellungen in der Spätmoderne ambivalente Selbstbilder ermöglicht und setzt sich dabei vor allem mit umweltpolitisch motiviertem Nischenaktivismus als Protestform auseinander (vgl. ebd. 233). Dabei nimmt er an, dass die Mehrheit der Aktivistinnen sich nur vereinzelt engagiert und ansonsten einen „ökologisch eher durchwachsenen" Lebensstil pflegt (ebd. 226). Auch er diagnostiziert eine „Verschiebung von Denk- und Handlungsmustern" (ebd. 227), die von den Ideen eman- zipatorischer Bewegungen abrücken. Das Bedürfnis nach einer marktunabhängigen, konsistenten Persönlichkeit schwächt immer weiter ab, sodass liquide, widersprüchliche Lebensweisen zum Normalzustand werden (vgl. ebd. 238). Dass umweltbewusste Individuen durch Nischenaktivismus „die Zügel selbst in die Hand nehmen" wollen (ebd. 225), gleichzeitig aber in ihrer erweiterten Alltagspraxis nur sehr begrenzt nachhaltig handeln, ist Deflorian nach nur verständlich: Auch sie haben Offenheit und Flexibilität als Konzept verinnerlicht und versuchen durch ihr umweltpolitisches Engagement punktuell aus diesen Logiken auszubrechen (vgl. ebd. 237). Dieses Immer-wieder-bilden einer zwar widersprüchlichen, aber zeitweise selbstwirksamen, marktunabhängigen Identität nennt Deflorian Refiguration (ebd. 237).

Während Blühdorn und Deflorian sich vor allem auf den Wandel bestimmter Werte und Normen von Subjektivität fokussieren, nähren sich Ulrich Brand und Markus Wissen der Antwort auf die Frage, warum trotz zunehmenden Wissens eine sozial-ökologische Transformation ausbleibt, aus einer herrschaftstheoretischen Perspektive. Demnach ist das Problem in erster Linie in den institutionell festgeschriebenen Verhältnissen kapitalistischer Herrschaft zu finden, die die imperiale Lebensweise (Brand, Wissen 2017) des globalen Nordens normalisiert und so globale Zerstörungen und Krisenphänomene wie den Klimawandel auslöst (vgl. ebd. 13f.). Imperial betont dabei vor allem Dimensionen der sozialen und ökologischen Ausbeutung sowie die zeitliche und räumliche Kostenexternalisierung, die das Alltagsleben kapitalistischer Zentren ermöglicht. Der Begriff der Lebensweise verweist darauf, dass die strukturellen Asymmetrien „tief in die politischen, ökonomischen und kulturellen Alltagsstrukturen und -praxen der Bevölkerung" eingelassen sind (ebd. 44). Sie werden durch soziale Normen internalisiert, entäußern sich im alltäglichen Handeln und in Vorstellungen vom guten Leben und werden durch vorherrschende Institutionen und Infrastrukturen stabilisiert (vgl. ebd. 44f.). Insofern kann der Staat auch nicht als Initiator der Transformation verstanden werden. Viel mehr ist er eine institutioneile Absicherung der imperialen Lebensweise. Dass auf Umweltbewusstsein ein entsprechend nachhaltiges Verhalten folgt, ist dieser Theorie zufolge nur durch eine Umformung der der kapitalistischen Herrschaft innbegriffenen Machtasymmetrie erreichbar (vgl. ebd.; Hausknost 2020:163).

Daniel Hausknost verbindet in seinen Überlegungen den Subjekt- mit dem herrschaftstheoretischen Ansatz. Allerdings ist er der Ansicht, beide greifen für sich genommen nicht weit genug, um das Phänomen des ausbleibenden Wandels zu erklären. Er schlägt entsprechend eine Annäherung aus staatstheoretischer Sicht vor, die sowohl die subjektiven als auch die strukturellen Dimensionen des Wandels berücksichtigt. Er ist der Auffassung, das Problem ist in den Grundstrukturen des modernen Staates eingeschrieben, dessen Legitimierungsimperativ eine strukturelle Grenze verfestigt, welche konsequente Umweltpolitik verhindert. Diese gläserne Decke (Hausknost 2020: 164) des modernen Umweltstaats steht metaphorisch für das Scheitern am eigenen normativen Anspruch: Hausknost unterscheidet zwischen systemischer und lebensweltlicher Nachhaltigkeit. Auch wenn die Begriffe Habermas'schen Ursprungs sind, ist Hausknosts Interpretation nur lose an diesen geknüpft. Systemische Nachhaltigkeit bezieht sich auf die „tendenziell globalen biophysischen Parameter, die für die langfristige Aufrechterhaltung menschlicher Gesellschaften essentiell ist" (ebd. 172). Sie stehen eher in einem systemischen Zusammenhang miteinander, „sind maßgeblich vom materiell-energetischen Stoffwechsel abhängig" und können wissenschaftlich standardisiert werden (ebd.). Lebensweltliche Nachhaltigkeit versteht sich eher als subjektive Norm und Erwartungshaltung und beinhaltet sowohl den Anspruch auf eine gesunde, ästhetische Umwelt, als auch den auf materiellen Wohlstand und Entwicklungschancen (vgl. ebd. 171f.). Beide stehen tendenziell negativ korrelierend in Konflikt miteinander: Lebensweltliche Vorstellungen von Nachhaltigkeit beruhen in Industriestaaten auf systemischer Nicht-Nachhaltigkeit. Es besteht zwar ein gesellschaftliches Interesse an Umweltschutz, nie jedoch an dessen konsequenter-sprich systemischer- Umsetzung (vgl. ebd. 164f.). Sobald die lebensweltliche Konfiguration infrage gestellt wird, um effektive Nachhaltigkeitspolitik betreiben zu können, welche materiell-energetische Einschränkungen bedeute, wird die Legitimationsbasis des Staates brüchig (vgl. ebd. 165). Das führt zur Entstehung umweltstaatlicher Institutionen als Antwort auf den lebensweltlichen, ökologischen Legitimationsdruck. Diese können aber kaum transformative Kräfte auslösen. Sie bauen auf bestehenden Staatsimperativen auf und können somit als Teil der gläsernen Decke verstanden werden (vgl. ebd. 169f.). Der Staat nimmt sich aus der Verantwortung und beschränkt sein reaktives Gestalten lediglich auf lebensweltlich verträgliche Maßnahmen, die die bestehende Ordnung mit ihren subjektiven Normenverständnissen nicht bedrohen (vgl. ebd. 181). Hausknost ist also der Ansicht, die - wie er es nennt - „ko-evolutive Konstellation zwischen Staat und Kapitalismus" (ebd. 185) und der damit verbundene Legitimierungszwang sind entscheidend für das Verhindern des sozial-ökologischen Gesellschaftswandels.

Die Frage danach, warum aus Wissen kein Handeln erfolgt, wurde aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Ob Subjekt-, herrschafts- oder staatstheoretischer Ansatz - alle Thesen haben gemein, dass sich Normen, Wertepräferenzen und bestimmte Freiheitsansprüche in die Grundstrukturen des spätmodernen Sozialsystems eingeschrieben haben, die (mit anderen Faktoren zusammen) entscheidend zum Ausbleiben einer sozial-ökologischen Transformation beitragen. Diese Freiheitsansprüche wurden Blühdorn nach vor allem mit den sozialen Bewegungen der Emanzipation erster Ordnung definiert und werden heute in einem anderen Licht reinterpretiert und bewusst verteidigt (vgl. Blühdorn 2020). Es besteht eine allgemeine Erwartung von lebensweltlicher Nachhaltigkeit, die aber in ihrer westlich-kapitalistischen Auslebung imperial und somit systemisch weder nachhaltig noch global verallgemeinerbar ist (vgl. Haus- knost 2020; Brand, Wissen 2017).

Dabei basieren die lebensweltlichen Erwartungen auf subjektiven Normen und Werten, die durch asymmetrische Machtstrukturen fundamental geprägt werden. Der Begriff der Machtasymmetrie fiel bereits bei Markus Brand und Ulrich Wissen (Brand, Wissen 2017), zieht sich aber durch alle genannten Theorien und ist - so die Überlegung - konstitutiv für das Verständnis spätmoderner Strukturen und Wertevorstellungen. Da er entsprechend auch für die nachfolgenden Ausführungen substantiell sein wird, muss er genauer eingegrenzt und definiert werden. Dies wird unter Rückgriff auf die Theorie der Asymmetrischen Gesellschaft von James Samuel Coleman geschehen. Mit seinem Begriffsverständnis können die Überlegungen aus der Literaturdiskussion konkreter gefasst und zielgerichtet auf die zentrale Fragestellung bezogen werden.

2.2 James S. Coleman: Die Asymmetrische Gesellschaft

„Das soziale System wird von Personen geschaffen und bewohnt. Gleich-wohl ist es mehr und anders als die zusammengeschlossene Psyche derjeni-gen, die darin leben."(Coleman 1986:11)

Dass Lebensverhältnisse und Entwicklungsmöglichkeiten nicht allein vom Individuum abhängen, sondern viel mehr von dem sozialen System, in dem es lebt, macht James Samuel Coleman direkt in dem ersten Satz seines Buches deutlich. Auch er setzt sich ebenso wie Ulrich Beck mit der Frage nach den langfristigen Folgen der Befreiung aus traditionellen Herrschaftsverhältnissen auseinander und fokussiert sich auf die im Zeichen der Modernisierung beschleunigte Zunahme von Institutionen. In seinem erstmals 1982 in den Vereinigten Staaten von Amerika erschienenen Werk The Asymmetic Society widmet er sich der geschichtlichen und juristischen Analyse der neuen Gesellschaftsstruktur westlicher Industriestaaten. Coleman versteht diese in Handlungsbegriffen, wenn er die neuartigen Institutionen als handlungsfähige Akteure definiert, deren expansive Entwicklung sich fundamental auf die Rechte und Freiheit der Individuen auswirkt (vgl. Coleman 1986: u.a. 52,107).

2.2.1 KorporativeAkteure

Mit der Industrialisierung und Differenzierung entwickelt sich eine neue Sozialform, deren funktionales Element nicht länger natürliche Personen sind (vgl. Coleman 1986: 26). An ihre Stelle treten Institutionen (Flitner 1986: 7), die Coleman zur Betonung ihres Personen-Charak- ters korporative Akteure nennt. Was Coleman in dem vorangegangenen Zitat meint, ist: Dem sozialen System, dass objektiv nur aus physisch greifbaren Personen besteht, wird mit diesen neuen fiktiven Körperschaften eine dritte Interaktionsebene eingefügt (vgl. Coleman 1986: 167). Denn nominell besitzen korporative Akteure dieselben Rechte und Pflichten wie natürliche Personen, sie können einheitlich handeln, interagieren und sie können Ressourcen besitzen (vgl. ebd. 34f.).

Coleman unterscheidet in diesem sozialen System vier Arten sozialen Handelns. Während in einer Gemeinschaft vor allem Interaktionen des Typs 1 zwischen zwei natürlichen Personen auftreten, kommen in der modernen Sozialstruktur neuartige Formen hinzu: Der Typ 3 beschreibt die Beziehung zwischen zwei korporativen Akteuren, die Typen 2a und 2b beschreiben jeweils die zwischen einer Person und einem korporativen Akteur - wobei bei 2a die Person und bei 2b der korporative Akteur die Rolle des Subjekts darstellt. Beide nennt Coleman asymmetrisch (vgl. ebd. 32f.). Es sind eben diese asymmetrischen Beziehungen, die seit dem 18. Jahrhundert zugenommen haben, um dann „das wichtigste und vielleicht prägendste Merkmal der modernen Gesellschaftsstruktur" zu werden (ebd. 32, 27).

Dabei zielt der Asymmetriebegriff nicht nur auf die generelle Verschiedenartigkeit der beiden Parteien ab, sondern vor allem auf die unterschiedlichen Ressourcen, die jeweils zur Verfügung stehen (vgl. ebd. 32ff.). Korporative Akteure können weitaus größer und einflussreicher als ein einzelnes Individuum sein. Vor allem diese großen Körperschaften sind in Colemans Analysen von Relevanz (vgl. ebd. 140). Während in einer Beziehung des Typs 2b für die natürliche Person wenig bis gar keine alternativen Interaktionspartner infrage kommen, die den korporativen Akteur ersetzen könnten, sind es beispielsweise im Falle einer Gewerkschaft oder der Regierung „Hunderte, Tausende, ja sogar Millionen" (ebd. 34). Dieses Ungleichgewicht bedeutet erhebliche Machtgewinne, die korporative Akteure dazu befähigen, die Kontrolle über die Rahmenbedingungen und vor allem über relevante Informationen zu übernehmen (vgl. ebd.). Da in asymmetrischen Beziehungen, in denen der korporative Akteur von übermächtiger Größe ist, keine direkte Kommunikation zwischen den Interaktionspartnern mög- lieh ist, bedarf es an gegenseitigen Informationen. Diese werden aber - wie im Falle der Werbung oder der Markt- und Publikumsforschung - vom korporativen Akteur kontrolliert, wodurch mit der zunehmenden Komplexität der Märkte auch eine steigende Informationsasymmetrie zugunsten dieser entsteht (vgl. ebd. 142ff.). Coleman fasst zusammen: „Im Endergebnis haben wir es also mit zwei Parteien zu tun, die zwar nominell mit gleichen Rechten in eine Beziehung treten, die aber über ganz unterschiedliche Ressourcen verfügen, so daß [sic!] ihre tatsächlichen Rechte schließlich höchst unterschiedlich ausfallen." (ebd. 34f.).

2.2.2 Die neuen Risiken

Auf Seiten der Individuen, die zunehmend aus verschiedensten Bereichen verdrängt werden, wird über den Staat als direkteste Zugangsstelle versucht, dem Mächteungleichgewicht entgegenzuwirken. Doch der Wandel der Interaktionsstruktur vom Persönlichen zum Unpersönlichen wirkt sich nicht nur auf den unterschiedlichen Informationszugang, sondern auch auf die Verantwortungsstrukturaus (vgl. Coleman 1986:150).

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Details

Titel
Die Paradoxie der spätmodernen Gesellschaft
Untertitel
Umweltbewusstsein zwischen Freiheit und Bedeutungslosigkeit
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Sozialwissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
51
Katalognummer
V1000247
ISBN (eBook)
9783346383778
ISBN (Buch)
9783346383785
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klimawandel, Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein, Umweltwissen, Umweltverhalten, Macht, Herrschaft, Asymmetrie, Coleman, Kapitalismus, Neoliberalismus, Konsum, Individuum, Normen, Freiheit, Moderne, Spätmoderne, Konsumkapitalismus, Bedeutungslosigkeit, Ökologie, Transformation, Nicht-Nachhaltigkeit, kritsch-kreativ, Krise
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Rebecca Sievers (Autor:in), 2020, Die Paradoxie der spätmodernen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000247

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