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Die Paradoxie der spätmodernen Gesellschaft

Umweltbewusstsein zwischen Freiheit und Bedeutungslosigkeit

Title: Die Paradoxie der spätmodernen Gesellschaft

Bachelor Thesis , 2020 , 51 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Rebecca Sievers (Author)

Sociology - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

Im Rahmen dieser Ausarbeitung soll die zentrale These behandelt werden, dass die gesamte Ordnung der spätmodernen Gesellschaft von den Logiken der kapitalistischen Herrschaft durchdrungen wird. Nicht nur das politische System ist grundlegend abhängig von dieser, sondern auch die Individuen haben die vom Markt geprägten Werte und Normen internalisiert. Bevor zu dieser Diagnose gelangt werden kann, bedarf es einiger Vorüberlegungen. Dazu wird relevante Literatur repliziert und verschiedene Theorieansätze vorgestellt, die sich mit den sozialen und strukturellen Dimensionen der ökologischen Frage auseinandersetzen.

Im Zuge der Literaturdiskussion sollen bereits erste Begrifflichkeiten erläutert werden, die aber in Anbetracht der Komplexität des Themas enger eingegrenzt werden müssen. Dazu wird die Theorie der Asymmetrischen Gesellschaft des Soziologen James Samuel Coleman herangezogen, dessen Begriffe von da an übernommen und in Kontext der Fragestellung gesetzt werden. Es wird aufgezeigt, wo sich die vorgestellten Theorien der spätmodernen Gesellschaft widersprechen, um anschließend zu fragen, ob diese Widersprüche mit Colemans Ideen aufgelöst werden können. Auf dieser Basis können drei Annahmen formuliert werden, denen sich genauer gewidmet wird: Im ersten Teil wird die strukturelle Ordnung der spätmodernen Gesellschaft in den Blick genommen und erklärt, inwieweit diese von asymmetrischen Machtverhältnissen bestimmt wird. Im zweiten und dritten Teil geht es dann um die Folgen auf der Individualebene.

Zunächst wird die Individualisierung der Verantwortung als eine Folge der Machtasymmetrie thematisiert und hinterfragt. Es wird sich zeigen, dass Individuen die konkreten Folgewirkungen ihrer Konsumentscheidungen nicht immer kontrollieren können und entsprechend aus einer umweltbewussten Intention nicht immer der gewünschte Effekt resultiert. Das erklärt aber noch nicht, warum Umweltbewusste diese Ambivalenzen akzeptieren und sich trotz Ungewissheit in den Konsumpraxen selbstverwirklichen. Dieser Paradoxie wird sich im dritten Teil gewidmet. Nach einem zusammenfassenden Fazit bedarf es einer grundlegenden Reflexion der Erkenntnisse, die abschließend den Bezug zum aktuellen Corona-Notstand sowie einen zukünftigen Ausblick ermöglicht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

1.1 PROBLEM AUFRISS

1.2 SOZIOLOGISCHE RELEVANZ

1.3 VORGEHEN

2 THEORIETEIL

2.1 LITERATURDISKUSSION

2.2 JAMES S. COLEMAN: DIE ASYMMETRISCHE GESELLSCHAFT

2.2.1 Korporative Akteure

2.2.2 Die neuen Risiken

2.2.3 Die Paradoxie der Moderne

2.3 LEITENDE ANNAHMEN

3 HAUPTTEIL

3.1 DAS ASYMMETRIEPROBLEM DER SPÄTMODERNEN GESELLSCHAFT

3.1.1 Der Markt als objektive Wirklichkeit

3.1.2 Der Staat als reaktiver Gestalter

3.2 DIE FOLGEN FÜR DAS INDIVIDUUM

3.2.1 Selbstverantwortung

3.2.2 Unsteuerbarkeit

3.3 DIE PARADOXIE DER SPÄTMODERNE

3.3.1 Freiheit

3.3.2 Bedeutungslosigkeit

4 FAZIT

4.1 EINORDNUNG UND AUSBLICK

4.2 CORONA UND MÖGLICHE ZUKUNFT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Asymmetrie-Problem der spätmodernen Gesellschaft, um zu erklären, warum trotz eines breiten gesellschaftlichen Krisenbewusstseins keine effektive sozial-ökologische Transformation stattfindet, und analysiert dabei die Kluft zwischen Umweltbewusstsein und tatsächlichem Umweltverhalten.

  • Die Machtasymmetrie in spätmodernen Gesellschaftsstrukturen.
  • Die Rolle von korporativen Akteuren und staatlichen Institutionen.
  • Die Auswirkungen von Marktlogiken auf das individuelle Konsumverhalten.
  • Die psychologischen Folgen für Individuen (Selbstverantwortung vs. Unsteuerbarkeit).
  • Die Paradoxie zwischen individueller Freiheit und Bedeutungslosigkeit in der Moderne.

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Korporative Akteure

Mit der Industrialisierung und Differenzierung entwickelt sich eine neue Sozialform, deren funktionales Element nicht länger natürliche Personen sind (vgl. Coleman 1986: 26). An ihre Stelle treten Institutionen (Flitner 1986: 7), die Coleman zur Betonung ihres Personen-Charakters korporative Akteure nennt. Was Coleman im vorangegangenen Zitat meint, ist: Dem sozialen System, dass objektiv nur aus physisch greifbaren Personen besteht, wird mit diesen neuen fiktiven Körperschaften eine dritte Interaktionsebene eingefügt (vgl. Coleman 1986: 167). Denn nominell besitzen korporative Akteure dieselben Rechte und Pflichten wie natürliche Personen, sie können einheitlich handeln, interagieren und sie können Ressourcen besitzen (vgl. ebd. 34f.).

Coleman unterscheidet in diesem sozialen System vier Arten sozialen Handelns. Während in einer Gemeinschaft vor allem Interaktionen des Typs 1 zwischen zwei natürlichen Personen auftreten, kommen in der modernen Sozialstruktur neuartige Formen hinzu: Der Typ 3 beschreibt die Beziehung zwischen zwei korporativen Akteuren, die Typen 2a und 2b beschreiben jeweils die zwischen einer Person und einem korporativen Akteur – wobei bei 2a die Person und bei 2b der korporative Akteur die Rolle des Subjekts darstellt. Beide nennt Coleman asymmetrisch (vgl. ebd. 32f.). Es sind eben diese asymmetrischen Beziehungen, die seit dem 18. Jahrhundert zugenommen haben, um dann „das wichtigste und vielleicht prägendste Merkmal der modernen Gesellschaftsstruktur“ zu werden (ebd. 32, 27).

Dabei zielt der Asymmetriebegriff nicht nur auf die generelle Verschiedenartigkeit der beiden Parteien ab, sondern vor allem auf die unterschiedlichen Ressourcen, die jeweils zur Verfügung stehen (vgl. ebd. 32ff.). Korporative Akteure können weitaus größer und einflussreicher als ein einzelnes Individuum sein. Vor allem diese großen Körperschaften sind in Colemans Analysen von Relevanz (vgl. ebd. 140). Während in einer Beziehung des Typs 2b für die natürliche Person wenig bis gar keine alternativen Interaktionspartner infrage kommen, die den korporativen Akteur ersetzen könnten, sind es beispielsweise im Falle einer Gewerkschaft oder der Regierung „Hunderte, Tausende, ja sogar Millionen“ (ebd. 34). Dieses Ungleichgewicht bedeutet erhebliche Machtgewinne, die korporative Akteure dazu befähigen, die Kontrolle über die Rahmenbedingungen und vor allem über relevante Informationen zu übernehmen (vgl. ebd.). Da in asymmetrischen Beziehungen, in denen der korporative Akteur von übermächtiger Größe ist, keine direkte Kommunikation zwischen den Interaktionspartnern möglich ist, bedarf es an gegenseitigen Informationen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Das Kapitel führt in die Problematik der fehlenden sozial-ökologischen Transformation ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Asymmetrie-Problem.

2 THEORIETEIL: Hier wird der theoretische Rahmen durch die Literaturdiskussion und die Theorie der Asymmetrischen Gesellschaft von James S. Coleman etabliert.

3 HAUPTTEIL: Der Hauptteil untersucht das Asymmetrie-Problem, die Auswirkungen auf das Individuum sowie die Paradoxien der Spätmoderne im Kontext von Umweltverhalten.

4 FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, ordnet diese ein und gibt einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen unter Berücksichtigung der Corona-Krise.

Schlüsselwörter

Spätmoderne Gesellschaft, Sozial-ökologische Transformation, Asymmetrische Gesellschaft, James S. Coleman, Marktlogik, Umweltbewusstsein, Umweltverhalten, Korporative Akteure, Selbstverantwortung, Paradoxie der Moderne, Politische Unsteuerbarkeit, Konsumkritik, Machtasymmetrie, Identitätskonstruktion, Nachhaltigkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, warum trotz eines hohen Krisenbewusstseins keine tiefgreifende sozial-ökologische Transformation stattfindet und welche strukturellen Hürden in der spätmodernen Gesellschaft dafür verantwortlich sind.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die soziologische Machtanalyse, die Dynamik von Markt und Staat, das Spannungsfeld zwischen individuellem Konsumverhalten und Systemzwängen sowie die Paradoxien moderner Identitätskonstruktionen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, zu klären, inwiefern das Asymmetrie-Problem der spätmodernen Gesellschaft die Kluft zwischen dem expliziten Umweltbewusstsein und dem tatsächlichen Handeln von Individuen erklären kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einer Reinterpretation soziologischer Ansätze, insbesondere der Theorie der Asymmetrischen Gesellschaft von James S. Coleman, übertragen auf aktuelle spätmoderne Verhältnisse.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Asymmetrie-Verhältnis zwischen Individuen, Staat und Markt sowie die daraus resultierenden Konsequenzen wie Selbstverantwortung, das Gefühl der Unsteuerbarkeit und die Paradoxien von Freiheit und Bedeutungslosigkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Spätmoderne Gesellschaft, Asymmetrische Gesellschaft, Machtasymmetrie, Umweltbewusstsein, sozial-ökologische Transformation und individuelle Selbstverantwortung.

Inwiefern spielt der Staat eine Rolle als reaktiver Gestalter?

Die Arbeit zeigt auf, dass der Staat Verantwortung an den Markt auslagert, was ihm kurzfristig Stabilität verleiht, aber gleichzeitig seine steuernde Handlungsfähigkeit bei komplexen ökologischen Problemen schwächt.

Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie im Fazit?

Die Corona-Krise wird als ein Moment identifiziert, der die bisherige Unverhandelbarkeit neoliberaler Logiken kurzzeitig aufbrach und damit neue Chancen für gesellschaftliche Reflektionen und eine Neuordnung der bestehenden Machtstrukturen aufzeigen könnte.

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Details

Title
Die Paradoxie der spätmodernen Gesellschaft
Subtitle
Umweltbewusstsein zwischen Freiheit und Bedeutungslosigkeit
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Sozialwissenschaften)
Grade
1,3
Author
Rebecca Sievers (Author)
Publication Year
2020
Pages
51
Catalog Number
V1000247
ISBN (eBook)
9783346383778
ISBN (Book)
9783346383785
Language
German
Tags
Klimawandel Nachhaltigkeit Umweltbewusstsein Umweltwissen Umweltverhalten Macht Herrschaft Asymmetrie Coleman Kapitalismus Neoliberalismus Konsum Individuum Normen Freiheit Moderne Spätmoderne Konsumkapitalismus Bedeutungslosigkeit Ökologie Transformation Nicht-Nachhaltigkeit kritsch-kreativ Krise
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rebecca Sievers (Author), 2020, Die Paradoxie der spätmodernen Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000247
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