Initial Public Offering. Chancen und Risiken eines Börsengangs


Hausarbeit, 2020

28 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen zu Börsengängen
2.1 Bedeutung eines Börsengangs
2.2 Portfoliotheorie nach Markowitz im Rahmen der Neoklassik
2.3 Schwierigkeiten von Datenverfügbarkeit beim Börsengang

3 Initial Public Offering
3.1 Entwicklung deutscher Neuemissionen
3.2 Voraussetzungen für einen Börsengang
3.2 Chancen & Risiken eines Börsengangs aus Sicht der Unternehmen

4 Börsengang des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport AG

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verläufe der Börsengänge in Deutschland von 1990 bis 2019

Abbildung 2: Börsenverlauf 2001 Fraport AG vs. MDAX

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Folgekosten einer Börsennotiz

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Nach einem eher schwachen ersten Halbjahr boomt nun der globale IPO-Markt. Im drit­ten Quartal 2020 wurde ein Rekord bei Börsengängen weltweit verzeichnet. Die Börsen verzeichneten rund 447 Börsengänge und ein Emissionsvolumen von insgesamt 95 Mil­liarden US- Dollar. Das ist der höchste Stand seit 20 Jahren. Die Zahl der IPOs stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 78% und das Emissionsvolumen hat sich dabei mehr als verdoppelt (+138%)?

Doch noch im März 2020 erlitt der weltweite Aktienmarkt aufgrund der zuspitzenden Corona-Krise den schnellsten Tagesverlust seiner Geschichte. Die Furcht vor wirtschaft­lichen Auswirkungen haben die Aktienkurse drastisch absacken lassen. Der DAX schloss am sog. „schwarzen Montag“, den 09.03.2020 an der Frankfurter Börse mit einem Minus von 916,8 Punkten bei 10.625 Punkten. Diesen Verlust, verzeichnete man als den stärks­ten binnen eines Tages seit den Terroranschlägen in New York am 11.September.1 2

Der Gang an die Börse stellt für viele Wachstumsunternehmen aus betriebswirtschaftli­cher Sicht eine sehr interessante Option dar, die jedoch auch mit hohen Risiken verbunden ist. Und das nicht nur für die jeweiligen Unternehmen, sondern auch für potenzielle In­vestoren, die mittels Kapitalbeteiligung bestmögliche Rendite versprechen.

Ziel dieser Arbeit soll es daher in erster Linie sein, eine zusammenfassende Gesamtbe­trachtung rund um das Thema „Initial Public Offering“ zu verdeutlichen. Dabei soll ins­besondere auf die damit verbundenen Chancen und Risiken eingegangen werden.

Nach Möglichkeit soll besonderes Augenmerk auf den Börsengang des Fraport-Konzerns gelegt werden. Dabei soll der Leser auf eine leicht verständliche, strukturierte Weise in die Materie eingeführt werden. Trotz der allgemeinen Problemstellung und der dadurch beschränkten Kapazitätsmaßgabe für tiefere Detailgebiete soll eine übersichtliche Ausar­beitung mit den wichtigsten Inhaltspunkten erarbeitet werden.

Beiträge aus einschlägiger Literatur sollen analysiert, beschrieben und verglichen wer­den, um in weiterer Folge in komprimierter Fassung dargestellt zu werden.

1.2 Gang der Arbeit

Einleitend werden im Anschluss an die Einleitung in Kapitel 1, zunächst theoretische Grundlagen zu Grunde gelegt. Das Kapital 2 beinhaltet zum einen die Definition und Bedeutung eines Börsengangs, die Portfoliotheorie nach Markowitz sowie die damit ver­bundenen Schwierigkeiten von Datenverfügbarkeiten beim Börsengang.

Im anschließenden Kapitel 3 werden relevante Themen rund um das Thema des Börsen­gangs vorgestellt. Dazu gehört die Entwicklung der Börsengänge, Voraussetzungen und relevante Chancen und Risiken aus Sicht der Unternehmung.

Das Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem Börsengang der Fraport AG, in dem die theore­tisch beschriebenen Inhalte praxisorientiert transferiert werden.

Das Kapitel 5 bildet mit dem Fazit und Ausblick den Abschluss dieser Seminararbeit.

2 Theoretische Grundlagen zu Börsengängen

2.1 Bedeutung eines Börsengangs

Unter dem Begriff des Börsengangs wird in der Regel der erste Auftritt eines Unterneh­mens auf dem Kapitalmarkt verstanden. Ein Börsengang umfasst zum einen das erstma­lige öffentliche Angebot von Aktien der Gesellschaft, zum anderen die daran anschlie­ßende Börsennotierung der jeweiligen Anteilsscheine.

Während die Börsennotierung die Zulassung zum Handel von Wertpapieren am Kapital­markt darstellt, wird bei dem Angebot von Aktien neues Kapital zugeführt wird.3 Durch dabei entstehende Emissionserlöse fließen der Gesellschaft zur Finanzierung von Inves­titionen in Form von Eigenkapital zu.4

Die Betonung liegt auf der Erstmaligkeit des Aktienangebots, denn ein Börsengang grenzt sich von anderen Kapitalmarkttranskationen, wie z. B. dem Secondary Offering, also eine Folgeplatzierung aus dem Aktienbesitz von Altgesellschaftern oder einer Kapitalerhö­hung einer bereits börsennotierten AG ab.5

Früher sprach man von Publikumsöffnung, wenn ein Unternehmen von einer begrenzten Anzahl an Personen beherrscht wurde und erstmals Aktien im breiten Anlegerpublikum platzierte. Mit der Zeit hielt der US- amerikanische Abkürzung „IPO“ oder auch die Be­zeichnung des „Going Public“ Einzug.6 In der Literatur werden häufig internationale Fachausdrücke, wie z. B. Initial Public Offering (IPO), Going Public, Erst- bzw. Neu­emissionen oder auch Publikumsöffnung verwendet.7

All diese Termini werden als gleichwertig verstanden und bezeichnen einen einmaligen, komplexen und mit hoher Außenwirkung verbundenen Prozess, der sich in folgenden Ei­genschaften teilen lässt:8

- Erstmalige Emission von Anteilen
- Angebot an einem öffentlichen Publikum
- Eigenkapitalbeteiligung
- Börsennotierung

2.2 Portfoliotheorie nach Markowitz im Rahmen der Neoklassik

Die finanzwirtschaftliche Theorie der Neoklassik liefert in der Wissenschaft einen der bedeutendsten Erklärungsbeiträge zur Funktionsweise des Kapitalmarktes. Den Ursprung der neoklassischen Kapitalmarkttheorie lieferte 1952 Harry M. Markowitz, in dem er Ri­siko und Ertrag von Investitionsentscheidungen in Zusammenhang gebracht hat.9

Markowitz beschäftigte sich unter anderem mit seiner Annahme zur Portfoliotheorie. Seine Portfoliotheorie wirft dabei die Frage auf, in welcher Weise ein rationales Wirt­schaftssubjekt sein Vermögen auf verschiedene Anlagealternativen verteilt.10 Er stützt sich dabei auf die Erkenntnis, dass Investoren durch eine Mischung aus risikobehafteten Wertpapieren das Risiko gegenüber einzelnen Wertpapieren vermindern können, um so­mit Extremverluste herabmildern zu können.11

Die zentrale Annahme der Portfoliotheorie beschreibt, dass Anleger ihre Investitionsent­scheidungen ausschließlich auf zwei Größen gründen sollen, nämlich der Rendite und dem damit verbundenen Risiko. Im Rahmen der Theorie möchten Investoren einerseits bei vorgegebenem Risiko höchstmögliche Rendite erzielen. Andererseits möchten Inves­toren bei vorgegebener Rendite ein möglichst geringes Risiko eingehen.12

Die Portfoliotheorie gibt dabei vor, wie sich rationale und vor allem risikoscheue Inves­toren bei Unsicherheiten verhalten sollen. Dabei sollen Investoren ihr Investitionsrisiko durch eine effiziente Diversifikation, also Streuung des zu investierenden Kapitals auf verschiedene Anlagemöglichkeiten, um somit das Risiko reduzieren können.13

Das Portfoliorisiko wird nicht wie die erwartete Portfoliorendite berechnet. Neben der Gewichtung und dem Einzelrisiko beider Anlagen, hängt das Risiko von der Kovarianz bzw. Korrelation ab, welche die Beziehung zwischen zwei Wertpapieren misst. Die posi­tive Korrelation beschreibt, dass sich über ein gewisses Zeitintervall die Renditen von zwei Anlagen einen einheitlichen Kursverlauf wie ihre erwarteten Renditen bewegen. Eine negative Korrelation bedeutet, dass sich zwei Renditen hinsichtlich ihrer erwarteten Renditen in gegensätzliche Richtungen bewegen.14

2.3 Schwierigkeiten von Datenverfügbarkeit beim Börsengang

Eine wichtige Grundlage der neoklassischen Finanzierungstheorie ist der vollkommene Kapitalmarkt.15 Um das Pareto- Optimum der Marktgleichgewichte sicherzustellen, nutzt die neoklassische Finanzierungstheorie zwei grundsätzliche Annahmen:

1) Zwischen Vertragsparteien besteht jederzeit der gleiche Informationsstand über alle entscheidungsrelevanten Faktoren. Die Informationen sind unentgeltlich verfügbar.
2) Verträge sind unentgeltlich zu schließen. Vollkommene Verträge zeichnen sich dadurch aus, dass durch die beteiligten Wirtschaftssubjekte, alle möglichen zukünf­tige Entwicklungen vorhersehen. Das betrifft sowohl die Antizipation der Vertrags­inhalte und Lösungsmöglichkeiten.16

Diese strengen Modelannahmen sind in der Realität so nicht anzutreffen. In der Realität man spricht man nämlich von einem unvollkommenen Kapitalmarkt, sobald auch nur eine Bedingung nicht erfüllt ist.17 Ein klassisches Beispiel betrifft die Berechnung der zu er­warteten Rendite eines Unternehmens vor einem Börsengang.

Für das Erreichen eines optimalen Portfolios nach Markowitz, sind historische Kapital­marktdaten wie etwa der erwarteten Rendite, der Standardabweichung von einzelnen An­lagen und der Korrelation zu berücksichtigen. Dabei kann die Einschätzung über die zu­künftige Höhe einer Rendite sowohl auf vergangenen Werten als auch auf prospektiven Szenarioanalysen basieren.18

3 Initial Public Offering

3.1 Entwicklung deutscher Neuemissionen

Mit einer steigenden Tendenz der Entwicklung deutscher Kapitalmärkte, ist auch die An­zahl der Börsengänge seit der 80er Jahre deutlich gestiegen. Während in den 70er Jahren in etwa nur zwei bis drei IPOs pro Jahr stattgefunden haben, hat sich die Anzahl der Bör­sengänge in den 80er Jahren auf ca. 10 % pro Jahr erhöht. Insbesondere ab der Mitte der 90er Jahre ist die Anzahl der IPOs deutlich gestiegen und erreichte ihr vorläufiges Hoch im Jahr 1999, was maßgeblich auf das Börsensegment „Neuer Markt“ zurückzuführen war. Allein in diesem Zeitraum, haben rund 175 Unternehmen ihren Börsengang durch- geführt.19

Wie aus Abbildung 1 hervorgeht, ist ein drastischer Einbruch der Neuemissionen zu ver­zeichnen, der auch noch bis heute anhält.

Im Vergleich zu den Vorjahren, war das Jahr 2019 das schwächste Jahr für Börsengänge in Deutschland seit der globalen Finanzkrise. Durch die Verunsicherung von Brexit, Han­delskonflikten und Ängsten einer Rezession, ist der Emissionserlös um fast 70% auf 3,6 Milliarden Euro gefallen.

Eine Studie der Kirchhoff Consulting AG, ein Hamburger Beratungsunternehmen hatte dagegen 2018 ein Emissionsvolumen von 11,6 Milliarden gezählt.20 Damit lässt auch der jüngste Einbruch anhand einer schwachen Marktsituation erklären. Unternehmen haben sich in dieser Zeit von einer Eigenkapitalerhöhung abgesehen, da kein angemessener Emissionserlös erzielbar gewesen wäre. Doch die Tendenz der Börsennotierungen ist steigend, da auch nach dem Börsencrash 1987 zu beobachten war, dass die Emissionstä­tigkeiten bei einer Erholung der Börse konstant zunehmen.21

3.2 Voraussetzungen für einen Börsengang

Ein gut laufendes Geschäft allein reicht nicht aus, um einen Börsengang zu vollziehen. Der Ablauf eines IPO ist äußerst zeitintensiv und mit einem komplexen Ablauf verbun­den.22 Um als Wachstumsunternehmen ein Börsengang durchführen zu können, bedarf es der Einhaltung grundsätzlich erforderlicher Voraussetzungen.23

Grundvoraussetzung ist eine Rechtsumwandlung zur entsprechenden Unternehmens­rechtsform, wie z. B. eine Umwandlung einer GmbH in eine AG. Die Durchführung einer solchen Umwandlung bedarf einer Willenserklärung aller Gesellschafter sowie einer no­tariellen Beurkundung des Beschlusses, um im weiteren Verlauf eine Änderung im Han­delsregister durchführen zu können.24

Bevor ein IPO- Prozess erfolgreich absolviert werden kann, gilt es im Vorfeld auf seine Börsenreife zu prüfen.25 Die Börsenreife eines Unternehmens ist die Fähigkeit, sämtliche gesetzlichen, wirtschaftlichen und organisatorischen Anforderungen, die mit einem Bör­sengang verbunden sind zu erfüllen.

Diese Anforderungen lassen sich grundsätzlich in eine rechtliche, eine wirtschaftliche und eine organisatorische Börsenreife unterteilen.26 Faktoren, die zu einer sorgfältigen Prüfung der Börsenreife beitragen, sind z. B. das Wachstumspotenzial, die Unterneh­mensstruktur, ein professionelles und ausführliches Berichtwesen, die Validierung von genutzter Technologie und eine klar definierte Strategie.27

Des Weiteren lassen sich Voraussetzungen für einen IPO, nach internen und externen Unternehmensfaktoren unterteilen. Insbesondere interne Aspekte, die Funktion der Füh­rungsebene, das Controlling, die Unternehmensplanung sowie der Bereich des Rech­nungswesens sind als kritisch zu betrachten.28

Dennoch sind externe Voraussetzungen nicht zu vernachlässigen. Die Notierung an der Börse ist an bestimmte rechtliche Voraussetzungen gebunden. Die uneingeschränkte Er­füllung der gesetzlichen und satzungsrechtlichen Zulassungsvoraussetzungen ist zwin­gend zu erfüllen.29 Rechtliche Einflussfaktoren, welche sich mit Themen zur Gründung, Umwandung oder dem generellen Börsenklima oder politische Situationen beschäftigen, können den Börsengang maßgeblich beeinflussen.30

3.2 Chancen & Risiken eines Börsengangs aus Sicht der Unternehmen

Eigenkapitalverbreiterung und verbesserte Kreditwürdigkeit Die Entscheidung ein Börsengang durchzuführen lässt sich an einer Vielzahl von Motiven beschreiben. Als wohl einer der gewichtigsten Motive für einen Börsengang und einer Börsennotierung ist die Verbreiterung der Kapitalbasis eines Unternehmens. Das betrifft vor allem die Erweiterung des Eigenkapitals. Da eine solche Börseneinführung mit einer Kapitalerhöhung verbunden ist, fließen dem Unternehmen neue liquide Mittel hinzu.31

Die Eigenkapitalquote durch den Gang an die Börse zu stärken, ist die beste Möglichkeit, um eine Basis für Wachstum zu generieren. Mit der Ausgabe von neuen Aktien stärken Unternehmen ihre Eigenkapitalbasis und erzielen damit eine höhere Flexibilität sowie Unabhängigkeit in der Finanzierung.32

Neben dem Zuwachs des Eigenkapitals und die damit einhergehende Verbreiterung der Eigenkapitalquote, ermöglicht der Börsengang aber auch Möglichkeiten der Fremdfinan­zierung. Durch eine höhere Bonität verschaffen sich Unternehmen ebenfalls verbesserte Konditionen bei Banken und Lieferanten. Gründe dafür sind zum einen die Erhöhung des Eigenkapitalanteils, zum anderen die öffentliche Verfügbarkeit von Unternehmensinfor­mationen und Unternehmensanalysen. Durch die Bekanntgabe dieser Informationen, wer­den Vorgänge, wie z. B. die Kreditprüfung der Banken erleichtert und sogar Kreditwür­digkeiten verbessert.33

Die Publizität führt bei den Kreditgebenden Banken zu einer effizienteren Kontrolle des Unternehmens und zeitgleich auch zu einer höheren Einstufung der Bonität. Auch die Beziehung zu den Kreditgesellschaften des Konsortiums wird aufgebaut und gestärkt.34

Das Deutsche Aktieninstitut veröffentlicht im Jahr 2003 eine Studie über Gründe eines IPO. In dieser wird deutlich, dass internes und externes Unternehmenswachstum einer der wichtigsten Motive bildet, um an die Börse zu gehen. Ein Vorteil der Kapitalverbrei­terung, bildet die geringere Abhängigkeit zu Banken. Durch die Erhöhung der Flexibilität, können Unternehmen wertvolle Zeit sparen, um direkte Entscheidungen treffen zu kön­nen. Zeitaufwendige Prozessabläufe, wie z. B. die Kreditvergabe sind dagegen häufig ein Hemmschuh.35

Erhöhung der Bekanntheit und Arbeitgeberattraktivität Das von Unternehmen am zweithäufigsten genannten Motiv für den Gang an die Börse ist die Erhöhung der Bekanntheit. Unternehmen die an die Börse gehen, bezwecken die Steigerung der allgemeinen Bekanntheit und seiner Produkte bei Kunden, Geschäftspart­nern, Kreditinstituten, Mitarbeitern und weiteren Interessensgruppen. Alle Vermark­tungsaktivitäten für die Aktie, welche im Rahmen des Börsengangs stattfinden sind gleichzeitig auch Werbemaßnahmen für das Unternehmen. Zudem wird auch ein positi­ves Image angestrebt, denn für ein Unternehmen bietet sich mit dem Börsengang eine einmalige Gelegenheit exponiert wahrgenommen zu werden.36

Solange durch Analysten- und Presseberichte positive Informationen verkündet werden, stellen sie im Gegensatz zur herkömmlichen Werbung eine kostengünstige Werbemaß­nahme dar. Experten behaupten außerdem, dass auch negative Publicity immer noch bes­ser ist als gar eine Publicity.37 Berichte der Medien über das Entwicklungswachstum eines Unternehmens wirken somit als Multiplikatoren und Kommunikationsplattformen. Re­sultat sind positive Effekte auf Neukundenakquise, Umsätze und Auslandsquote.

Hinzukommend ist die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität für qualifizierte Fach- und Führungskräfte zu erwähnen.38 Neben einer Erleichterung der Rekrutierung neuer Mitar­beiter durch eine höhere Identifikation mit einem bekannten Unternehmen, können auch zusätzliche Anreize optionsbasierter Beteiligungsprogramme in der Personalpolitik er­möglicht werden. Mitarbeiter werden so zu Mitinhabern. Eine deutlich verbesserte Leis­tungsbereitschaft und Bindung an das Unternehmen, sind das Resultat einer solchen Un­ternehmensbeteiligung.39

Hohe Transparenz durch Publizitätsvorschriften Den genannten Chancen stehen ebenso eine Reihe von Risiken gegenüber, die eine Ent­scheidung über einen Börsenganges stark beeinflussen. Die mit dem Börsengang einher­gehende Transparenz durch umfangreiche Publizitätspflichten, stellt für Unternehmen ei­nen Grund da, den Börsengang kritisch zu betrachten. Grundsätzlich unterscheidet man Publizitätspflichten in Offenlegungspflichten und marktsegmentspezifischen Veröffent­lichungspflichten.

Während die Offenlegungspflichten Börsenzulassungs- bzw. Verkaufsprospekte beinhal­ten, sind Zwischen- bzw. Quartalsberichte auf Veröffentlichungspflichten zurückzufüh- ren.40 Dadurch, dass zahlreiche Informationen öffentlich verfügbar sind, profitieren nicht nur die primäre Zielgruppe potenzieller Aktionäre, sondern auch Sekundärnutzer wie konkurrierende Unternehmen.

Diese erhalten einen tiefen Einblick in interne Informationen der Unternehmensorganisa­tion, das Management, anstehende Produktionsprogramme oder zukünftige Entwicklun­gen der Wettbewerber. Somit könnte das konkurrierende Unternehmen ihr eigenes Ver­halten zum Schaden des Börsenkandidaten anpassen können. Oftmals entscheiden sich viele Unternehmen gerade aus diesem Grund gegen einen Börsengang. Dadurch soll ver­mieden werden, dass ihr operatives Geschäft durch die zum Teil erzwungene Bekannt­machung erfolgsbeeinflussender Informationen gefährdet wird.41

[...]


1 Vgl. https://www.ey.com/de_de/news/2020/10/ey-ipo-report-q3-2020 , Zugriff am 12.11.2020.

2 Vgl. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/corona-wirtschaft-wallstreet-103.html , Zugriff am 12.11.2020.

3 Vgl. Schlitt, M., Finanzierungsstrategien, 2014, S. 1.

4 Vgl. Reichling, P. u. a., Unternehmensfinanzierung, 2005, S. 73.

5 Vgl. Wirtz, B. W., Salzer, E., Strukturmanagement, 2004, S. 102.

6 Vgl. Zbinden, D., Börsenrecht, 2003, S. 4.

7 Vgl. https://www.kapitalerhoehungen.de/lexikon/initial-public-offering-ipo , Zugriff am 14.11.2020.

8 Vgl. Staroßom, H., Finanzphasen, 2013, S. 360.

9 Vgl. Groh, A., Private-Equity, 2004, S. 4.

10 Vgl. Felderer, B., Homburg, S., Wirtschaftstheorien, 1994, S. 210.

11 Vgl. http://www.deifin.de/thema007.htm#:~:text=Markowitz%20zur%C3%BCckgehende%20Portfolio- theorie%20von%20M%C3%A4rz,**%20%E2%80%93%20ein%20damit%20zu%20tragendes , Zugriff am 10.11.2020.

12 Vgl. Kremer, J., Risikomanagement, 2011, S. 73.

13 Vgl. Simon, J., Venture-Capital , 2010, S. 54.

14 Vgl. Mondello, E., Kapitalmarktmodelle, 2013, S. 107.

15 Vgl. Schmidt-Tank, S., Finanzierungseffekte, 2005, S. 12.

16 Vgl. Mager, F. B., Börseneinführung, 2001, S. 9.

17 Vgl. https://www.gevestor.de/details/unvollkommener-kapitalmarkt-zwischen-theorie-und-realitat- 650799.html , Zugriff am 10.11.20.

18 Vgl. Mondello, E., Kapitalmarktmodelle, 2013, S. 104.

19 Vgl. Alfons Titzrath, Emissionsgeschäft, 1995, S. 133-134.

20 Vgl. https://www.wiwo.de/finanzen/boerse/boersengaenge-naeh-dem-rekordjahr-2018-folgt-die-ernu- echterung-/25313902.html , Zugriff am 15.10.2020.

21 Vgl. Wirtz, B. W., Salzer, E., Strukturmanagement, 2004, S. 102.

22 Vgl. Schuster, T., Uskova, M., Finanzinstrumente, 2015, S. 60.

23 Vgl. Kroll, J., Bartsch-Kroll, B., Kapitalbeschaffung, 2002, S. 45.

24 Vgl. Weitnauer, W. u. a., Venture-Capital, 2016, S. 510.

25 Vgl. Weitnauer, W. u. a., Venture-Capital, 2016, S. 545.

26 Vgl. https://www.handelsblatt.Com/downloads/10606908/4/IPO-Leitfaden , Zugriff am 18.10.2020.

27 Vgl. Schuster, T., Uskova, M., Finanzierungsinstrumente, 2015, S. 61.

28 Vgl. Weitnauer, W. u. a., Beteiligungsfinanzierung, 2016, S. 545.

29 Vgl. https://www.handelsblatt.eom/do-wnloads/10606908/4/IPO-Leitfaden , Zugriff am 18.10.2020.

30 Vgl. Kroll, J., Bartsch-Kroll, B., Kapitalbeschaffung, 2002, S. 47.

31 Vgl. Brettel, M. u. a., Wachstumsfinanzierung, 2005, S. 229.

32 Vgl. Ernst & Young, Strategieoptionen , 2017, S. 8.

33 Vgl. Haubrok, A., Börseneffekte, 2006, S. 24.

34 Vgl. Brettel, M. u. a., Wachstumsfinanzierung, 2005, S. 229.

35 Vgl. Haubrok, A., Börseneffekte, 2006, S. 24.

36 Vgl. Nevries, P., IPO- Controlling, 2006, S. 20 f.

37 Vgl. Brettel, M. u. a., Wachstumsfinanzierung, 2005, S. 230 f.

38 Vgl. Ernst & Young, Strategieoptionen, 2017, S. 5.

39 Vgl. Rummer, M., Underpricing, 2006, S. 49.

40 Vgl. Jakob, E. u. a, Erfolgsfaktoren, 2001, S. 70.

41 Vgl. Nevries, P., IPO- Controlling, 2006, S. 29.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Initial Public Offering. Chancen und Risiken eines Börsengangs
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
28
Katalognummer
V1000666
ISBN (eBook)
9783346373946
ISBN (Buch)
9783346373953
Sprache
Deutsch
Schlagworte
initial, public, offering, chancen, risiken, börsengangs
Arbeit zitieren
Andreas Stasch (Autor), 2020, Initial Public Offering. Chancen und Risiken eines Börsengangs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000666

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