Diese Arbeit soll einen Überblick schaffen über das Zusammenwirken von öffentlichen und privaten Trägern. In einem ersten Schritt wird der Auftrag der Sozialen Arbeit in Deutschland skizziert. Im darauf folgenden Kapitel werden anhand des Arbeitsfeldes Gemeindepsychiatrie Trägerstruktur und Subsidiarität beschrieben. In Kapitel 4 werden abrundend Bezüge zur Sozialinformatik angeschnitten.
Die Wurzeln der Profession Soziale Arbeit – als Konstrukt der vormals differenzierten Zweige Sozialarbeit sowie Sozialpädagogik – liegen nach herrschender Auffassung in der Entwicklung von Armenfürsorge sowie außerschulisch institutionalisierter Erziehung und Bildung. Um den aktuellen Auftrag der Sozialen Arbeit zu umreißen, wird hier Bezug genommen zum Einen auf die Definition des DBSH (Deutscher Be-rufsverband für Soziale Arbeit e.V.) als Vertreter der Profession, zum Anderen natürlich auf den disziplinären Diskurs.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Auftrag der Sozialen Arbeit in Deutschland
3. Trägerstruktur in der gemeindepsychiatrischen Versorgung
4. Sozialinformatische Bezüge
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Zusammenwirken von öffentlichen und privaten Trägern in der deutschen Gemeindepsychiatrie unter besonderer Berücksichtigung des Subsidiaritätsprinzips sowie dessen Implikationen für die Sozialinformatik.
- Auftrag und theoretische Fundierung der Sozialen Arbeit in Deutschland
- Struktur der gemeindepsychiatrischen Versorgung und Deinstitutionalisierung
- Anwendung des Subsidiaritätsprinzips im Bereich der Leistungserbringung
- Digitalisierungspotenziale und IT-Anwendungen in der Eingliederungshilfe
- Rolle des Sozialpsychiatrischen Dienstes im subsidiären Gefüge
Auszug aus dem Buch
3. Trägerstruktur in der gemeindepsychiatrischen Versorgung
Als inzwischen klassisches Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit kann die gemeindepsychiatrische Versorgung gelten. Ihre bundesdeutsche Entwicklung hat insbesondere mit der Psychiatrie-Enquetekommission Mitte der siebziger Jahre Fahrt aufgenommen, denn die im Anschluss „begonnenen Auflösungen der psychiatrischen Anstalten waren der erste Schritt zur Veränderung der Lebensbedingungen und professioneller Unterstützungsformen von Menschen mit (chronischen) psychischen Problemen. Dieser Prozess einer professionell organisierten Deinstitutionalisierung von psychiatrischer Hilfe war in der Geschichte der Psychiatrie Deutschlands bisher einmalig“ (Hanses 2018, S. 460). Neben dieser Deinstitutionalisierung waren und sind gemeindepsychiatrische Prinzipien die Sicherstellung wohnortnaher ambulanter Hilfen und die Zielperspektive Teilhabe/Partizipation sowie „autonome Praxen eigener Lebensgestaltung” (Hanses 2018, S. 461).
Inzwischen hat sich ein breites Spektrum entsprechender Leistungsangebote herausgebildet. Auch in der hier zugehörigen Trägerstruktur findet das Subsidiaritätsprinzip, also ein Nachrang staatlicher gegenüber privaten Funktionseinheiten, Anwendung. Während in den frühen 60ern der Bundesrepublik noch „Subsidiaritätsformulierungen in BSHG und JWG als ‚Funktionssperre‘ für die kommunalen Gebietskörperschaften interpretiert“ (Otto et al. 2018, S. 405) wurden, hat sie sich inzwischen als Triebkraft für ein breit aufgestelltes Nebeneinander von öffentlichen, verbandlichen und freien Trägern bewährt. Eine besonders gewichtige Rolle aus Sicht der Sozialen Arbeit als mittlerweile „größte Professionsgruppe in der Gemeindepsychiatrie“ (Hanses 2018, S. 464) spielen in diesem Zusammenhang Leistungstypen des Betreuten Wohnens sowie die Sozialpsychiatrischen Dienste.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Mit- und Nebeneinander von öffentlichen und privaten Trägern im deutschen Sozialstaat ein und umreißt den inhaltlichen Aufbau der Arbeit.
2. Auftrag der Sozialen Arbeit in Deutschland: Das Kapitel diskutiert den professionellen Auftrag der Sozialen Arbeit, basierend auf Definitionen von Fachverbänden sowie systemtheoretischen und menschenrechtsprofessionellen Ansätzen.
3. Trägerstruktur in der gemeindepsychiatrischen Versorgung: Hier wird der historische Prozess der Deinstitutionalisierung analysiert und aufgezeigt, wie das Subsidiaritätsprinzip das aktuelle Versorgungssystem und die Aufgabenverteilung zwischen öffentlichen und freien Trägern prägt.
4. Sozialinformatische Bezüge: Dieses Kapitel beleuchtet den IT-Einsatz in der Eingliederungshilfe und diskutiert, inwiefern die Digitalisierung bei Dokumentationspflichten und Hilfeplanverfahren die subsidiäre Zusammenarbeit unterstützen kann.
5. Fazit: Die abschließende Betrachtung bewertet das Subsidiaritätsprinzip als förderlich für eine lebensweltnahe und weltanschaulich differenzierte Versorgungslandschaft in der Gemeindepsychiatrie.
Schlüsselwörter
Gemeindepsychiatrie, Subsidiaritätsprinzip, Soziale Arbeit, Trägerstruktur, Sozialinformatik, Eingliederungshilfe, Deinstitutionalisierung, Sozialpsychiatrischer Dienst, Betreutes Wohnen, Sozialstaat, Leistungsvereinbarungen, Hilfeplanung, Teilhabe, Inklusion, Öffentliche Förderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der organisatorischen und rechtlichen Ausgestaltung der Gemeindepsychiatrie im deutschen Sozialstaat, insbesondere mit der Kooperation verschiedener Träger.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Subsidiaritätsprinzip, die Entwicklung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland sowie die Schnittstelle zwischen sozialer Arbeit und Informationstechnik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Verständnis für das Zusammenwirken öffentlicher und privater Akteure in der gemeindepsychiatrischen Versorgung zu schaffen und Bezüge zur Sozialinformatik herzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und stützt sich auf sozialarbeitswissenschaftliche Diskurse, verfassungsrechtliche Grundlagen und IT-Report-Auswertungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des professionellen Auftrags, die Analyse der Trägerstruktur im Versorgungskontext und die Untersuchung von IT-Anwendungsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Gemeindepsychiatrie, Subsidiarität, Eingliederungshilfe, Sozialinformatik und der öffentlich-rechtliche Auftrag.
Wie beeinflusst das Subsidiaritätsprinzip die heutige Versorgungslandschaft?
Es führt zu einer weltanschaulich differenzierten und breit aufgestellten Versorgungslandschaft, da öffentliche Träger private und kirchliche Anbieter in die Leistungserbringung einbinden.
Warum spielt die Informatik in der Gemeindepsychiatrie eine Rolle?
Aufgrund des hohen Dokumentationsaufwands und formalisierter Bedarfsermittlungs- und Hilfeplanverfahren bietet die Digitalisierung Potenziale zur Effizienzsteigerung, die jedoch bisher nur schleppend umgesetzt werden.
- Arbeit zitieren
- Andreas Engels (Autor:in), 2021, Trägerstruktur und Subsidiaritätsprinzip in der Gemeindepsychiatrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1001250