Auseinandersetzung mit aktuellen Themen im Rahmen von Nachrichten (Ethik, Förderschule Klasse 8/9)


Unterrichtsentwurf, 2016

12 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1 Didaktische Analyse
1.1 Sachanalyse
1.2 Didaktische Reduktion
1.3 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
1.4 Exemplarische Bedeutung
1.5 Zugänglichkeit
1.6 Lehrplanbezug
1.7 Unterrichtliche Kontinuität
1.8 Lehr- und Lernziele

2 Stundenbezogene Bedingungsanalyse
2.1 Rahmenbedingungen
2.2 Tabellarische Darstellung der individuellen Lernvoraussetzungen

3 Methodische Analyse
3.1 Sozial- und Arbeitsformen
3.2 Lehrerrolle
3.3 Medien und Materialien
3.4 Differenzierung

4 Geplanter Unterrichtsverlauf

5 Literatur

1 Didaktische Analyse

1.1 Sachanalyse

Nachrichten sind Bestandteil der verfassungsrechtlich gesicherten "Grundversorgung" (vgl. BVerfGE). Etwa 70% der Deutschen verfolgen regelmäßig Fernsehnachrichten – mit dem Ziel, sich über aktuelle politische, wirtschaftliche, soziale, kulturelle, sportliche und sonstige Ereignisse in komprimierter Form zu informieren. Demnach tragen sie wesentlich zur Meinungsbildung der Bevölkerung bei, wobei sich das Nachrichtenangebot nach deren Informationsbedürfnis richtet.

Die Komplexität und Vielzahl der täglichen Ereignisse ist für den Einzelnen jedoch kaum vollständig erfassbar werden, sodass eine gezielte Selektion erforderlich wird, welche mittels der Nachrichtensendungen geschaffen wird. Diese müssen dabei dem "Pressekodex" entsprechen, d.h. mit den journalistischen Grundsätzen der Wahrheit, Aktualität, Objektivität, Ausgewogenheit, Diskriminierungsverbot und Verständlichkeit vereinbar sein (vgl. BverfGE). Weiterhin folgen sie dem Prinzip der "umgekehrten Pyramide", d.h. sie beginnen mit den wichtigsten und enden mit den unwichtigsten Informationen.

Der deutsche Sender ZDF orientierte sich an den Kindernachrichten Newsround (Großbritannien) und Jeugdjournaal (Niederlande), um seine eigene Nachrichtensendung für Kinder zu gestalten: seit 1988 wird die Sendung Logo! ausgestrahlt, für welche das ZDF jährlich ca. fünf Millionen Euro aufwendet.

In etwa zehn Minuten berichtet die Sendung über aktuelle politische, gesellschaftliche und sportliche Themen und erklärt komplexe Zusammenhänge und Hintergründe kindgerecht. Ergänzend bringt Lo go! Beiträge über ausgewählte Kinder und über Aktionen für und von Kindern, um den Interessen und der Lebenswelt der jungen Zuschauern möglichst gerecht zu werden.

1.2 Didaktische Reduktion

Da eine durchschnittlich lange Logo! -Sendung mit zehn Minuten Dauer bereits ein knappes Viertel einer Schulstunde ausmacht, wird bereits bei der Auswahl der einzelnen Beiträge einer Sendung reduziert. Hierbei werden die zwei bis drei ersten Berichte gewählt, da diese die wichtigsten Informationen der Sendung enthalten (s.o.).

Je nach Informationsgehalt und Komplexität des jeweiligen Berichts wird das Filmmaterial (Online-Mediathek des ZDF) bei Bedarf zwischendurch pausiert, um den SchülerInnen (SuS) die Möglichkeit zu bieten, die wahrgenommenen Informationen schriftlich festzuhalten. Diese Notizen sollen als Basis sowohl für die anschließende Gruppenarbeit als auch für die gemeinsame Ergebnisbesprechung im Plenum dienen. Innerhalb der Gruppenarbeit haben die SuS Gelegenheit, sich mit Gleichaltrigen über aktuelle Themen auszutauschen und ihre eigenen Aufschriebe ggf. zu verbessern und/oder zu ergänzen. In diesem Sinne dient die Gruppenarbeit als eine Art "Absicherung" für schwächere SuS: indem sie sich aktiv an der abschließenden Ergebnisbesprechung beteiligen können, was ihnen ohne die Rückversicherung durch die Gruppenarbeit evtl. erschwert wäre, wird ihnen die Erfahrung der Selbstwirksamkeit erleichtert.

1.3 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung

Da Nachrichteninhalte alle Menschen der Bevölkerung betreffen, führt erst die Auseinandersetzung mit entsprechenden Themen zur Mündigkeit des einzelnen Bürgers, sprich zu seiner politisch-gesellschaftlichen Autonomie ("Ökonomische Bildung"). Im Sinne der Handlungsorientierung ist es daher wichtig, die Selbstständigkeit der SuS zu fördern, indem sie Interesse an aktuellen Themen gewinnen und politisch-gesellschaftliches Verständnis entwickeln. Dieses Lernziel können die SuS schrittweise erreichen, indem sie durch das regelmäßige Schauen der Logo!-Kindernachrichten sinnentnehmendes Hörverstehen üben, ihr eigenes Mediennutzungsverhalten reflektieren und präsentierte Medieninhalte kritisch beurteilen lernen. Überdies erweitern sie durch gezielte eigenständige Informationsbeschaffung (Rechercheaufträge im Rahmen der Hausaufgaben) ihre Medienkompetenz.

1.4 Exemplarische Bedeutung

Das Prinzip "Wissen ist Macht" ist allgegenwärtig in unserer Gesellschaft. Über Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, usw. informiert zu sein, bringt Vorteile mit sich: Nur durch Information ist der einzelne Bürger fähig, sich an politischen und/oder gesellschaftlichen Bereichen aktiv zu beteiligen (z.B. Wählen) und eigenverantwortlich zu entscheiden. Dem geht die Meinungsbildung voraus, welche ihrerseits aus der Auseinandersetzung mit den entsprechenden aktuellen Themen resultiert. Der Zugang zu diesen Themen ist im Grundgesetz verankert – nicht zuletzt im ganz grundlegenden Recht auf Bildung. Die Bedeutsamkeit dieses Rechts soll den SuS verdeutlicht werden, sodass sie davon auch in Zukunft und eigenständig Gebrauch machen (z.B. später "Erwachsenen-Nachrichten").

1.5 Zugänglichkeit

Audiovisuelle Medienangebote sind heutzutage ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Freizeitgestaltung Jugendlicher. Erfahrungsgemäß verbringen insbesondere Kinder aus sozial schwächeren Schichten (so auch die SuS der Klasse 8/9 L/SE) täglich eine lange Zeit vor dem Fernseher. Dabei beeinflussen der soziale Status und die Bildung der Eltern die Fernsehgewohnheiten ebenso wie die Gruppe der Gleichaltrigen (vgl. Muckenhaupt 2000). Die altersgemäße Programmwahl wird dabei allerdings oft, sowohl von den Jugendlichen selbst als auch von den Erziehungsberechtigten, außer Acht gelassen. Meist beschränkt sich der Fernsehkonsum auf Talkshows und Daily Soaps, die sich mit Schicksalen von Menschen befassen, mit denen sie sich identifizieren können. Aus diesen Informationen glauben sie, auch für ihr eigenes Leben etwas lernen zu können (vgl. Eggert 2001).

Da sie zuhause kaum Zugang zu politischen Themen haben und sich noch nicht als Teil des politischen Systems sehen ("Politik ist etwas für Erwachsene"), werden derlei Themen nur dann wahrgenommen, wenn sie in einem unmittelbaren Zusammenhang zur Lebenswelt der Jugendlichen stehen. Diesen Zugang versucht die Kindernachrichtensendung Logo! zu schaffen: schwierige Zusammenhänge werden in einer leicht verständlichen einfachen Sprache erklärt und die komplexen Inhalte mithilfe vereinfachter Symbole und Zeichen altersgerecht aufbereitet. Ergänzend bringt Logo! Themen aus Interessensgebieten der Kinder/Jugendlichen, um direkten Bezug zu deren Lebenswelt zu nehmen.

1.6 Lehrplanbezug

Laut Lehrplan (vgl. Bildungsserver RLP) wird "Ökonomische Bildung" in allen Schularten der Sekundarstufe I insbesondere in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern (GL) und im Fach Arbeitslehre (AL) vermittelt. Dabei soll auf Handlungsorientierung geachtet und Bezug zur Alltagsrealität der SuS genommen werden.

Allen Lehrplänen der Sek I sind Erfahrungsfelder zum fachübergreifenden und fächerverbindenden Unterricht beigefügt, womit sich die Verbindung der vorgestellten Unterrichtseinheit zum Fach Ethik herstellen lässt. Insbesondere die Erfahrungsfelder "Konsum und Verzicht" und "Leben in der einen Welt" lassen sich im Kontext Nachrichten in den Ethik-Unterricht einordnen: die SuS sollen lernen, kritisch mit medialen Inhalten umzugehen und ihren eigenen Konsum zu analysieren sowie auch ihre persönliche Weltanschauung hinsichtlich politisch-gesellschaftlicher Zusammenhänge weiterentwickeln.

1.7 Unterrichtliche Kontinuität

Eingebettet in das mittelfristige Thema ("Nachrichteninhalte verstehen und analysieren") wird im Hinblick auf den FSP-SE auch das Stundenthema "Nachrichtenanalyse im Team" in die Unterrichtseinheit aufgenommen. Die folgende Tabelle soll eine kurze Übersicht über die einzelnen Unterrichtssequenzen der gesamten Einheit "Medien – Auseinandersetzung mit aktuellen Themen im Rahmen der Nachrichten" geben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.8 Lehr- und Lernziele

Zentrales Anliegen / Intention:

Die SuS sollen sich im Rahmen der täglichen Fernsehnachrichten mit aktuellen Themen auseinandersetzen. Innerhalb einer Gruppenarbeit sollen sie die Inhalte der im Unterricht thematisierten Nachrichtensendung (ZDF Logo) zunächst zusammentragen und anschließend gemeinsam eine Auswahl der wichtigsten Aspekte treffen. Im Folgenden soll im Plenum eine Ergebnissicherung sowie auch eine Reflexion der Gruppenarbeit stattfinden. Hierauf basierend sollen die SuS gemeinsam "Regeln für die Gruppenarbeit" erarbeiten, auf welche dann in den Folgestunden zurückgegriffen werden kann.

Handlungskompetenzen:

(1) Sachkompetenz: Die SuS sollen sich mit aktuellen Themen im Rahmen von Fernsehnachrichten auseinandersetzen, um Verständnis für politisch-gesellschaftliche Zusammenhänge zu entwickeln, um eine individuelle Handlungsbasis ("Ökonomische Bildung" s.o.) zu erlangen.

Darauf bezogene "zielorientierte Handlungsschritte": Die SuS erreichen das Ziel der Stunde, indem sie...

- aufmerksam die in der Stunde gezeigten Logo! -Nachrichten verfolgen und sich dabei schriftliche Notizen zum Inhalt machen.
- sich in der Gruppe aktiv über die erinnerten und notierten Inhalte austauschen.
- sich mit eigenen Beiträgen und konzentriertem Zuhören an der gemeinsamen Ergebnissicherung im Plenum beteiligen.

(2) Methodenkompetenz: Die SuS sollen die neuen Sachinhalte mit ihrem Vorwissen verknüpfen, um einen direkten Lebensbezug zu schaffen, um sie zu festigen. Die SuS erreichen das Ziel der Stunde, indem sie…

- ihr sinnentnehmendes Hörverstehen durch aufmerksames Zuhören bei den Logo! -Nachrichten erproben und verbessern.
- die Methode der Gruppenarbeit erlernen und erproben.

(3) Sozialkompetenz: Die SuS sollen miteinander kooperieren, um soziale Kompetenzen weiterzuentwickeln. Die SuS erreichen das Ziel der Stunde, indem sie…

- gemeinsam im Plenum Gruppenarbeitsregeln erarbeiten.
- die Gruppenarbeitsregeln direkt anwenden und deren Umsetzung hinterher reflektieren.

2 Stundenbezogene Bedingungsanalyse

2.1 Rahmenbedingungen

Die Klasse 8/9 L/SE setzt sich aus insgesamt 3 Schülerinnen und 8 Schülern zusammen. Vier Jungen haben Förderbedarf im Bereich sozial-emotionaler Entwicklung (Berufsreife), alle übrigen SuS im Bereich Lernen. Die gesamte Klasse wird nach dem Bildungsplan der Förderschule in der Lernstufe 8-9 (Lehrplan Bildungsgang Berufsreife und Lernen) unterrichtet. Die Klassenleitung teilen sich die Lehrkräfte XXXXXXXXXX und XXXXXXXXXX.

Die Klasse 8/9 L/SE verfügt über ein eigenes Klassenzimmer, in welchem die Unterrichtsvorhaben überwiegend im Klassenverband unter Verwendung verschiedener Methoden teilweise individualisiert stattfinden. Im Fach Englisch werden allerdings nur die Berufsreife-Schüler unterrichtet, weshalb die Klasse in diesen Sequenzen sowie auch in Deutsch und Mathematik geteilt und in der Regel auch räumlich getrennt unterrichtet wird. Die SuS mit Förderbedarf Lernen haben in dieser Zeit die Fächer Mathematik, Deutsch und Ethik.

Das soziale Miteinander der SuS scheint weitestgehend störungsarm zu verlaufen: die SuS gehen meistens respektvoll miteinander um, was dem Leitbild RAD (Respekt Aufmerksamkeit Disziplin) der Schule entspricht und von allen Lehrkräften einheitlich vorgelebt und konsequent eingefordert wird. Allerdings ist phasenweise zu beobachten, dass es kleinere verbale Auseinandersetzungen gibt, welche dann aber durch das Hinzukommen/Einschreiten einer Lehrkraft mittels der "Konfrontationsmethode" schnell beseitigt werden können (Problemlösung durch Verlangen einer verbindlichen Aussage).

Falls größere Konflikte entstehen sollten, kennt die Klasse die Möglichkeit, diese Probleme öffentlich in der Klasse anzusprechen und gemeinsam mit der Lehrkraft eine Lösung zu finden. Überdies ist allen SuS der Schule das Sanktionssystem "Felderplan" bekannt: je nach Klasse gibt es 3-5 Felder, die ein/e Schüler/in bei Fehlverhalten vorrücken "kann" bevor er einen Verweis in den PTR (pädagogischer Trainingsraum) erhält. Im PTR wird der/die entsprechende Schüler/in einem wertschätzend konfrontativen Gespräch unterzogen, welches sowohl die grundlegende Konfliktklärung als auch die konkrete Wiedergutmachung zum Ziel hat.

[...]


Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Auseinandersetzung mit aktuellen Themen im Rahmen von Nachrichten (Ethik, Förderschule Klasse 8/9)
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,0
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V1001310
ISBN (eBook)
9783346376879
ISBN (Buch)
9783346376886
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auseinandersetzung, themen, rahmen, nachrichten, ethik, förderschule, klasse
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Auseinandersetzung mit aktuellen Themen im Rahmen von Nachrichten (Ethik, Förderschule Klasse 8/9), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1001310

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