Grüne Logistik. Der E-LKW und sein CO2-Fußabdruck als umweltfreundliche und effiziente Zukunft in der Logistikbranche?


Bachelorarbeit, 2019

54 Seiten


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

I.Inhaltsverzeichnis

II.Abbildungsverzeichnis

III.Tabellenverzeichnis

IV.Abkürzungsverzeichnis

1.Einleitung und Problemstellung
1.1Abgrenzung und Ziele der Arbeit
1.2Vorgehensweise

2.Grundlagen der grünen Logistik
2.1Definition und Ursprung der Logistik
2.2Abgrenzung zur grünen Logistik
2.3Definition und Ursprung der Nachhaltigkeit
2.3.1 3-Säulen-Modelll der Nachhaltigkeit
2.3.2 Nachhaltigkeit im Unternehmen

3.0 Elektromobilität in der Logistik
3.1 Historischer Rückblick und aktueller Entwicklungsstand in Deutschland
3.2 Rahmenbedingungen für eine umweltfreundliche und effiziente Nutzung in der Logistik
3.2.1 Energiequellen und Ressourcen
3.2.2 Stromerzeugung in Deutschland
3.2.3 Batterietechnologie
3.2.4 Ladeinfrastruktur
3.3 Der E-LKW in der Logistik
3.3.1 Vorteile
3.3.2 Nachteile

4.0 Der CO2-Fußabdruck in der Logistik
4.1 Einführung und Definition
4.2 Arten des CO2-Fußabdrucks
4.2.1 CO2-Fußabdruck eines Unternehmens (CCF)
4.2.2 CO2-Fußabdruck eines Produkts (PF)
4.2.3 C02 Fußabdruck einer Transportleistung (TCF)
4.3 Der CO2-Fußabdruck unterschiedlicher Transportmittel
4.4 Maßnahmen zur Reduzierung des CO2 Fußabdruck
4.5 Standardisierung des CO2-Fußabdrucks
4.6 Fallbespiel zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks
4.6.1 CO2-Fußabdruck E-LKW
4.6.2 CO2-Fußabdruck Diesel LKW

5.0 Ergebnisanalyse
5.1 Stärken/Schwächen CO2-Fußabdruck
5.2 Wirtschaftliche Betrachtung aus Sicht der Unternehmen

6.0 Zusammenfassung

7.0 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anlage

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Welche Bedeutung hat das Thema „grüne Logistik“ für Unternehmen

Abbildung 2: 3-Säulen Modell der Nachhaltigkeit

Abbildung 3: Entwicklung Stromerzeugung in Deutschland

Abbildung 4: Bruttostromerzeugung in Deutschland 2017 in TWh

Abbildung 5: Öffentlich zugängliche Ladepunkte für Elektroautos in Deutschland

Abbildung 6: Elektro LKWS werden per Oberleitung auf der Autobahn geladen

Abbildung 7: Entwicklung der energiebedingten Treibhausgas-Emissionen

Abbildung 8: Emissionsquellen Verkehr

Abbildung 9: CO2-Emissionen pro Fahrzeugkilometer über den gesamten. Lebenszyklus

Abbildung 10: Route zwischen den beiden Baustoffmärkten

III. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: CO2-Emissionen unterschiedlicher Energieträger

Tabelle 2: Vergleich der Emissionen einzelner Verkehrsteilnehmer im Güterverkehr

Tabelle 3: Übersicht der Kilometer der gewählten Strecke Hin/zurück

IV. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung und Problemstellung

„Der Klimawandel ist die aktuell größte globale Herausforderung für die Menschheit. Der CO2-Ausstoß stieg 2018 auf ein Rekordhoch und auch der Meeresspiegel steigt stärker denn je. Extremwetterereignisse wie Stürme, Dürre und Waldbrände häufen sich.“1

Der Mensch gilt dabei als Hauptverursacher für die CO2-Emissionen und dem damit einhergehenden Treibhauseffekt. Eine besondere Rolle spielt auch die Automobilindustrie. Insbesondere der Transport-und Logistikbereich, da es bei der Kooperation mit Zulieferern etc. zu einem erhöhten Ausstoß von umweltschädlichen Schadstoffen kommt.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hatte sich „die Europäische Union im Rahmen der Klimarahmenkonvention 2002 im Kyoto-Protokoll dazu verpflichtet, die Emissionen der sechs wichtigsten Treibhausgase im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2012 gegenüber dem Basisjahr 1990 um 8 % zu reduzieren. Erfasst wurden die Gase Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Distickstoffoxid (N2O), Halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW), Fluorkohlenwasserstoff (FKW) und Schwefelhexafluorid (SF6).

Im Rahmen der zweiten Verpflichtungsperiode (2013 bis 2020) des Kyoto-Protokolls haben sich die EU und ihre nunmehr 28 Mitgliedstaaten zu einer Reduktion von sieben wichtigen Treibhausgasen um 20 % bekannt. Dazu gekommen ist das Gas Stickstofftrifluorid (NF3). “2

Im September 2019 hat die Bundesregierung Deutschlands in ihrem Klimaschutzprogramm weitere Rahmenbedingungen für die Umstellung auf umweltfreundlichere Fahrzeuge geschaffen. Unter anderem sollen durch den Ausbau erneuerbarer Energiequellen (bis 2030 auf 65%) und der E-Ladeinfrastruktur (bis 2030 über 1 Mio. Ladestellen), sowie einer CO2-Bepreisung pro Tonne weitere Anreize geschaffen werden.3

Durch die kommende Abschaltung der Atomkraftwerke, dem Kohleausstieg und dem Ausbau erneuerbarer Energiequellen, wie z.B. Windanlagen und Solarparks, könnte Deutschland als Vorreiter in der Energiepolitik vorangehen und somit eine Vorbildfunktion für andere Länder einnehmen.

Nicht nur Personenkraftwagen mit Elektromotor, sondern auch Lastkraftwagen in der Transport-und Logistikbranche, die mit elektrischem Strom betrieben werden, sollen zur Erreichung der Klimaziele beitragen. Der Marktanteil von elektrisch betriebenen Autos in Europa ist im Vergleich zu Asien und den USA nur leicht steigend. Allerdings sei „ein größerer Sprung hierzulande, wie auch weltweit erst ab 2020 zu erwarten, weil dann viele Hersteller neue Elektroautos auf den Markt bringen. Außerdem zwingen die EU-Klimavorgaben die Autobauer dann, ihre CO2-Werte mit Elektroautos zu senken.“4

Der CO2-Fußabdruck stellt die umweltschädlichen Emissionen eines Produktes bzw. eines Fahrzeuges dar. So kann eine Bilanzierung der einzelnen Treibhausgase erfolgen und einen Beitrag zum Klimawandel leisten. Doch kann in der Logistik eine nachhaltige und umweltfreundlich orientierte Strategie zur Steigerung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit beitragen? Ist der CO2-Fußabdruck ein geeigneter Indikator dafür? Kann die Umstellung auf Elektromobilität dabei helfen klimafreundlicher und wirtschaftlicher zu sein?

1.1 Abgrenzung und Ziele der Arbeit

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, mit Hilfe des CO2-Fußabdrucks herauszufinden, ob in der Transport- und Logistikbranche der Elektro Lastkraftwagen konkurrenzfähig zu einem mit Kraftstoff betriebenen Diesel LKW ist. Dabei soll nicht nur der Ausstoß an Kohlenstoffdioxid während des Fahrbetriebes berechnet werden, sondern auch die Emissionen, die bei der Herstellung der Akkumulatoren für Elektrofahrzeuge entstehen. Ebenso sollen mögliche Vorteile aus wirtschaftlicher Sicht für Unternehmen aufgezeigt werden. Das Entwicklungspotential der Elektromobilität soll sich so als lukrative Alternative für Unternehmen herauskristallisieren und die Effizienz und Wirtschaftlichkeit steigern. Folglich könnten die Unternehmen von ihrem neu erlangten „grünen Image“ profitieren.

1.2 Vorgehensweise

In dieser wissenschaftlichen Arbeit sollen zunächst wichtige Begriffe näher definiert werden. Ebenso wird mit Hilfe einiger Abbildungen und Statistiken die Wichtigkeit dieser Thematik herausgearbeitet. Nachdem in Kapitel 1 die Einführung in die Logistik bzw. grüne Logistik abgeschlossen ist, wird der zentrale Begriff Nachhaltigkeit näher beschrieben. Anschließend wird im dritten Kapitel ein kurzer historischer Rückblick in die Elektromobilität gewährt, ehe dann die aktuelle Situation und die benötigten Rahmenbedingungen für den Umstieg auf Elektromobilität verdeutlicht werden. Die Vor-und Nachteile der elektrisch angetriebenen Lastkraftwagen, im Vergleich zu den mit einem Verbrennungsmotor betriebenen LKWs, werden ebenfalls wiedergegeben. Das vierte Kapitel befasst sich ausführlich mit dem CO2-Fußabdruck. Neben einer kurzen Einführung und Definition, werden die Arten des CO2-Fußabdrucks und Berechnungsmethoden beschrieben. Anschließend soll eine praxisnahe Berechnung anhand eines gewählten Beispiels durchgeführt werden. Die wirtschaftliche Betrachtung aus Sicht der Unternehmen, sowie die Stärken und Schwächen des CO2-Fußabdrucks werden ebenfalls im fünften Kapitel dargestellt. Die Ergebnisse und Erkenntnisse werden dann ausgewertet und im Fazit (Kapitel 6) dieser Arbeit zusammengetragen, ehe es dann einen kurzen Ausblick (Kapitel 7) in die Zukunft geben wird.

2. Grundlagen der grünen Logistik

2.1 Definition und Ursprung der Logistik

Terminologisch leitet sich der Begriff „Logistik“ von dem französischen Wort „loger“ ab, das im militärischen Kontext mit logieren, unterbringen oder Quartier machen, übersetzt werden kann. Im 19. Jahrhundert wird der Général des Logis ebenfalls mit dem Wort Logistik in Verbindung gebracht, da es dessen Aufgabe war, die Quartiere, Lager und Märsche der Truppe zu organisieren.5 In der Fachliteratur lassen sich weitere unterschiedliche Definitionen finden, die sich inhaltlich aber kaum unterscheiden. So wird der Begriff der Logistik 1993 wie folgt beschrieben: „Logistik ist die Organisation, Planung, Kontrolle und Durchführung eines Güterflusses von der Entwicklung und vom Kauf durch die Produktion und die Distribution bis zum endgültigen Kunden mit dem Ziel der Befriedigung der Anforderungen des Marktes bei minimalen Kosten und bei minimalem Kapitalaufwand“.6

Nach dem Wirtschaftswissenschaftler Plowman hat die Logistik folgendes Ziel: „Die Verfügbarkeit des richtigen Gutes, in der richtigen Menge, im richtigen Zustand, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, für den richtigen Kunden, zu den richtigen Kosten zu sichern.“ (Seven-rights-Definition)

Das sogenannte „Supply Chain Management“ (SCM), übersetzt Wertschöpfungskette, umfasst: „die integrierte Planung, Gestaltung, Abwicklung und Kontrolle von Lagerungs- und Transportvorgängen sowie die der dazugehörigen Informationsflüsse innerhalb und zwischen Unternehmen, vom Unternehmen zum Kunden sowie der Entsorgungswege.“7

2.2 Abgrenzung zur grünen Logistik

Aktuell existiert in der Wissenschaft keine einheitliche Definition über den Begriff „Green Logistics“. Man könnte es wie folgt beschreiben: „Green Logistics ist ein nachhaltiger und systematischer Prozess zur Erfassung und Reduzierung der Ressourcenverbräuche und Emissionen, die aus Transport- und Logistikprozessen in und zwischen Unternehmen resultieren.“8 Ein zentraler Baustein der grünen Logistik ist das Streben zur Nachhaltigkeit. So ist es wichtig, die aktuelle Logistik umweltschonender zu gestalten und somit Ressourcen einzusparen bzw. weniger umweltschädliche Ressourcen zu verwenden. Grüne Logistik ist als Teil des Umweltmanagements zu sehen.9

Es wird dabei zwischen grünen Logistikaktivitäten und grünen Logistikprodukten unterschieden. Die Zusammenführung von Sendungen, die Optimierung von Ladeeinheiten, die Nutzung alternativer Verkehrsträger, Telematiksystemen, sowie Touren- und Auslastungsoptimierungen zählen zu den Logistikaktivitäten. Diese bieten neben einem positiven ökologischen Effekt, auch ökonomische Vorteile für die Unternehmen. Bei den grünen Logistikprodukten bzw. bei der Erstellung von Logistikdienstleistungen wird gezielt auf eine geringere Umweltbelastung gegenüber herkömmlichen Logistikprodukten geachtet. Sie bieten somit einen ökologischen Mehrwert für die Kunden. Ressourceneffizienz, geringere Umweltbelastungen, reduzierte Treibhausgas-Emissionen, Transparenz etc. zählen zu den Merkmalen. Durch eine fehlende internationale Normung, ist die Verbreitung von grünen Logistikprodukten noch nicht weit vorangeschritten. Der CO2 Fußabdruck kann hierbei die entscheidende Rolle spielen.10

Obwohl das Hauptziel der Unternehmen bzw. der Logistik die Gewinnerzielung ist, rücken soziale und ökologische Ziele immer stärker in den Vordergrund. Die Bedeutung der grünen Logistik wird in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Im Jahre 2014 hielten ca. 61,1% der Logistikunternehmen diese Thematik für bedeutsam bzw. sehr bedeutsam. Für das Jahr 2018 wurde ein Wert von ca. 82% prophezeit.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Welche Bedeutung hat das Thema „grüne Logistik“ für Unternehmen12

2.3 Definition und Ursprung der Nachhaltigkeit

„Nachhaltigkeit in der Logistik folgt nicht nur Effizienz-, sondern auch Effektivitätskriterien. Es gibt viele Beispiele wie durch intelligente Logistik, sowohl die CO2-Emmissionen, als auch Kosten gesenkt werden können (Effizienzidee). Logistik kann aber weit mehr, sie kann durch intelligente Prozess- und Managementinnovationen dabei helfen, ganze Geschäftsmodelle nachhaltiger zu gestalten (Effektivitätsidee).“13 Carl von Carlowitz verwendete erstmals den Begriff der Nachhaltigkeit im 18. Jahrhundert. Forstwirtschaftlich gesehen, sollte eine Ausgeglichenheit zwischen Ertrag und Nutzung hergestellt werden. D.h. nur so viel Holz schlagen, wie es auch wieder nachwächst.14 Auch für Unternehmen gewinnt dieser Ausdruck immer mehr an Bedeutung. Bei einer repräsentativen Unternehmensbefragung von 2018 stellte sich heraus, dass etwa die Hälfte aller Befragten Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert gaben. Eine der zentralen Fragen an die 16.000 Unternehmen: „Wie wichtig sind ökologische Nachhaltigkeit und Umweltschutz in ihrer Geschäftstätigkeit im Vergleich zu anderen Unternehmen in Ihrer Branche?“15 Die Klimaerwärmung und das globale Bevölkerungswachstum mit dem steigenden Energieverbrauch und den damit höheren CO2 Emissionen, verstärken den Treibhauseffekt und stellen somit die Wichtigkeit dieses Begriffes dar.16

2.3.1 3-Säulen-Modelll der Nachhaltigkeit

Das Konzept der Nachhaltigkeit kann in drei Säulen unterteilt werden. Ähnlich wie das Nachhaltigkeitsdreieck verfügt es über eine ökologische, ökonomische und soziale Dimension, die jeweils eine Säule des Modells darstellen.17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: 3-Säulen Modell der Nachhaltigkeit18

Eine nachhaltige Entwicklung ist somit nur möglich, wenn die ökonomischen, ökologischen und sozialen Ziele gleichberechtigt und gleichwertig umgesetzt werden. Dies garantiert, dass die ökologische, ökonomische und soziale Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft sichergestellt und verbessert werden kann. Die drei Dimensionen sind als notwendige Einheit anzusehen und bedingen sich gegenseitig.19

1. Die ökonomische Säule der Nachhaltigkeit: Diese Säule beschreibt die mögliche Wirtschaftsentwicklung unter Berücksichtigung der ökologischen Grenzen der Natur. Globale Gerechtigkeit auch zwischen den Generationen sollte gewährleistet sein. Die Erhaltung und Steigerung des finanziellen Kapitals soll die langfristige Sicherung des Wohlstands der Menschen garantieren. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine effiziente und verantwortungsbewusste Nutzung der Ressourcen notwendig. Bei der Produktion von Gütern sollen nur noch Ressourcen verwendet werden, die sich auf natürliche Weise regenerieren und keine Rückstände bilden. Dadurch lassen sich diese in den ökologischen Kreislauf integrieren.20 21
2. Die ökologische Säule der Nachhaltigkeit: Die natürlichen Ressourcen der Erde stehen nur in einem begrenzten Umfang zur Verfügung. Daher ist die Erhaltung des Naturkapitals und der komplexen Ökosysteme von großer Bedeutung. Durch einen schonenden Umgang mit den Rohstoff-und Energieressourcen der Erde, die Betrachtung der Aufnahmekapazitäten von Abfällen und Emissionen, sowie der Grenzen für irreversible Eingriffe in das Ökosystem der Erde führen dazu, das die Lebensgrundlage auch für zukünftige Menschen erhalten bleibt.22 Die Ökologische Säule der Nachhaltigkeit besitzt den höchsten Stellenwert aller Säulen. Ist eine ökologische Nachhaltigkeit nicht gegeben, wird die Grundlage der anderen Säulen nicht mehr gewährleistet. Es herrscht eine große Abhängigkeit zum allumfassenden System der Umwelt.23 24
3. Die soziale Säule der Nachhaltigkeit: Entwicklungsgerechtigkeit und insbesondere die Verteilungsgerechtigkeit im nationalen und internationalen Kontext stehen bei dieser Säule im Mittelpunkt. Eine gerechte Verteilung von Chancen und Ressourcen, sowie eine Geschlechtergerechtigkeit sollten vorherrschen. Ein intaktes gesellschaftliches System ist dafür notwendig, um die soziale Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft zu gewährleisten bzw. zu verbessern.25

2.3.2 Nachhaltigkeit im Unternehmen

Der Begriff der Nachhaltigkeit sorgt national und auch international für Diskussionen. Die Unternehmen müssen sich neben den Herausforderungen des demografischen Wandels, vor allem mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen und nach Lösungen suchen. Die Gewährleistung eines nachhaltigen und umweltfreundlichen Wertschöpfungsprozesses stellt die wesentliche Anforderung eines Unternehmens im 21. Jahrhundert dar. In der Unternehmensführung ist eine Umsetzung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Werten unabdingbar. In einer stark profitorientierten Wirtschaftswelt werden ökologische und soziale Konsequenzen leider kaum berücksichtigt.26 Für Unternehmen eröffnen sich hierbei Chancen, denn nachhaltige Unternehmen sind langfristig wirtschaftlich erfolgreicher als traditionelle Unternehmen. Umweltmanagementsysteme können zur Reduzierungen der Umweltauswirkungen führen. Allerdings müssen die Unternehmen ihr ökonomisches Streben nach Gewinnmaximierung mit ökologischen Zielen und Werten vereinbaren und ihre Organisationskultur grundlegend verändern.27

3.0 Elektromobilität in der Logistik

3.1 Historischer Rückblick und aktueller Entwicklungsstand in Deutschland

Das erste mit einem Blei-Blei-Akkumulator betriebene Fahrzeug wurde von Camille A. Faure und Volkmar 1881 in Paris vorgestellt. In den folgenden Jahren wurden die Fahrzeuge, vor allem die Akkumulatoren weiterentwickelt und so konnte bereits am 2. Juli 1899 eine Strecke von 135km ohne Aufladung zurückgelegt werden. Die mit einem Verbrennungsmotor betriebenen Fahrzeuge von Henry Ford, sowie die Erfindung des „Selbst Starters“ von Charles Kettering, setzten sich Anfang des 20. Jahrhunderts gegenüber dem Elektromobil durch. Auch der Ausbau der Autobahnen sorgte für erhöhte Absätze des Benzinwagens. Während des 2. Weltkriegs (1939 bis 1945) und der Ölkrise (1973) war das Elektroauto wieder eine interessante Alternative, weil in dieser Zeit die Ölpreise deutlich anstiegen. Durch die zunehmende Luftverschmutzung wurde 1982 in Brüssel eine Absichtserklärung über die gemeinsame Forschung an Elektro-Straßenfahrzeugen verabschiedet.28 29

„Um gravierende Folgen des Klimawandels zu vermeiden, muss die Erderwärmung dauerhaft auf maximal 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden. Dafür müssen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 weltweit auf die Hälfte der Emissionen des Jahres 1990 sinken. Das bedeutet für die Industriestaaten, also auch für Deutschland, dass sie bis Mitte dieses Jahrhunderts ihre Treibhausgasemissionen um 80 Prozent bis 95 Prozent gegenüber 1990 mindern müssen“30

Mit Beginn des 21. Jahrhunderts und vor allem aktuell steht die Elektromobilität in der Welt und auch in Deutschland im Mittelpunkt. Ein Umdenken für eine klimafreundlichere Welt mit dem Ziel den CO2 Ausstoß zu senken, sorgt für neue Vorschriften bzw. Gesetze, die den Rückgang des Verbrennungsmotors beschleunigen und die Rahmenbedingungen für Elektroautomobile schaffen. Weltweit werden Anreize durch Umweltprämien, Preisnachlässen und Steuervorteilen geschaffen, sowie durch Fahrverbote in Städten CO2-schädliche Fahrzeuge ausgeschlossen.31 In der Logistikbranche befindet sich die Elektromobilität erst am Anfang Ihrer Entwicklung. Aber auch hier setzen bereits erste Unternehmen auf Elektromobilität. Der Paketzusteller Hermes hat sich zum Ziel gesetzt bis zum Jahr 2025 die Pakete in den Innenstädten durch den Einsatz elektrischer Nutzfahrzeuge emissionsfrei zuzustellen.32

Auf der Autobahn 5, in der Nähe von Wiesbaden, wurde eine Teststrecke für Elektro LKWs installiert. Während der Fahrt, auf der 5 km lange Strecke, können die Lastkraftwagen durch eine Oberleitung mit elektrischem Strom versorgt und wieder aufgeladen werden. Das Bundesumweltministerium hat 14,6 Millionen Euro in das Projekt investiert. Dieser „E-Highway“, der aus insgesamt 229 Masten besteht, wird von fünf unterschiedlichen Speditionen getestet. Bis zum Ende des Jahres 2022 sollen die Daten gesammelt und ausgewertet werden. Die Auswertung soll dann aufzeigen, ob und wie viel Schadstoffe durch den Schwerlastverkehr eingespart werden können.33

Abschließend bleibt noch zu erwähnen das alternative und umweltfreundliche Antriebstechnologien wie z.B. mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge einen deutlich geringeren Wirkungsgrad als batterieelektrische Fahrzeuge haben. Allerdings ist es schwer speicherbar und benötigt eine noch aufwendigere Infrastruktur.34

3.2 Rahmenbedingungen für eine umweltfreundliche und effiziente Nutzung in der Logistik

Um die Umweltfreundlichkeit des Elektrofahrzeuges, sowie die Effizienz bzw. Wirtschaftlichkeit weiter zu steigern, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die diese Entwicklung weiter fördern. Es müssen weitere Anreize geschaffen werden, um vor allem Unternehmen zu überzeugen, sich für ein elektrisch betriebenen LKW zu entscheiden.

Der Staat kann dies durch neue Gesetze beschleunigen. Durch Einführung von Höchstwerten des CO2 Ausstoßes bei Nutzfahrzeugen in Städten, würde dies zu einem deutlichen Rückgang der Emissionen führen und den Marktanteil von Elektrofahrzeugen steigern.

Ebenso spielt die Infrastruktur eine wichtige Rolle. So ist es nicht nur im PKW Sektor wichtig „Ladestellen“ in Deutschland und Europa zu integrieren, sondern ebenso den Ausbau der Ladestellen für E-LKWs voranzutreiben.

Höhere Preisnachlässe durch „Umweltprämien“ wäre eine weitere Motivation für die Kaufentscheidung der Unternehmer. Dies kann vor allem durch Steuereinsparungen erfolgen, sodass der E-LKW aus wirtschaftlicher Sicht seinem Konkurrenten überlegen wird. Eine mögliche europaweite Mautbefreiung würden die Argumente für den Kauf eines E-LKW weiter verstärken können.

3.2.1 Energiequellen und Ressourcen

Die Nachfrage nach Erdöl und anderen fossilen Kraftstoffen ist stetig steigend. Folglich werden diese Ressourcen immer knapper und somit für den Endverbraucher immer teurer. Mittelfristig wird dies dazu führen, dass sich der Großteil der Bevölkerung Öl bzw. Benzin und Diesel nicht mehr finanziell leisten kann. Die Mobilität ist dadurch gefährdet und so ist es besonders wichtig auf andere Antriebstechniken und Entwicklungen zu setzen und zu fördern. Um eine energiepolitische Unabhängigkeit zu garantieren, sind bezahlbare und regenerative Energiequellen für die Elektromobilität von großer Bedeutung. Es ist zu erwarten, dass die Anschaffungskosten für Elektrofahrzeuge durch die zunehmende Entwicklung und Erforschung immer günstiger werden. Gleichzeitig werden die Fahrzeuge mit konventionellen Antrieben aufgrund ihrer Unterhaltungs- bzw. Kraftstoffkosten immer teurer.35

3.2.2 Stromerzeugung in Deutschland

In Deutschland wurden 1990 550 TWh Strom erzeugt. Erneuerbare Energien hatten lediglich einen Anteil von 20 TWh (3,67%).36 Im Jahre 2017 wurde bereits jede Dritte kWh aus erneuerbaren Energien hergestellt. Die Windkraft, Photovoltaik und Biomassen sind die Hauptverantwortlichen für diese positive Entwicklung. Dennoch stammt der Großteil des in Deutschlands produzierten Stroms aus Braun- und Steinkohle, sowie Atomenergie und Erdgas.37

Der Anteil regenerativer Energiequellen wird und muss in den kommenden Jahren bzw. Jahrzehnten weiter ansteigen, weil in Deutschland spätestens bis zum Jahr 2022 alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden sollen. Um die Energiewende weiter voranzutreiben, ist ein Ausstieg der Kohleverstromung bis zum Jahre 2038 unabdingbar. Nur so würde man bis 2050 80-95% weniger CO2 als 1990 ausstoßen und die geforderten Zielvorgaben einhalten.38

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Entwicklung Stromerzeugung in Deutschland39

Der CO2 Ausstoß für eine Kilowattstunde Strom ist von 764 g pro Kilowattstunde (1990) auf 489g pro Kilowattstunde (2017) gesunken. Das ist ein Rückgang um rund 36%. Durch den weiteren Ausbau erneuerbare Energiequellen wird sich der Faktor weiter verringern können.

Bei der Stromerzeugung in Deutschland ist deutlich zu erkennen, dass sich die erneuerbaren Energiequellen seit 1990 bis heute mehr als verzehnfacht haben. Waren es im Jahr 1990 noch 3,7% so sind es im Jahr 2017 33,0 %. Die Stromerzeugung ist um 10% angestiegen.40

[...]


1 Vgl. https://www.sueddeutsche.de/thema/Klimawandel

2 Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/europaeische-energie-klimaziele

3 https://www.bundesregierung.de/resource/blob/997532/1673502/768b67ba939c098c994b71c0b7d6e636/2019-09-20-klimaschutzprogramm-data.pdf?download=1

4 Vgl. https://www.zeit.de/mobilitaet/2019-01/elektromobilitaet-elektroautos-absatz-nachfrage-china-norwegen-wachstum

5 Vgl. Muchna, C. (2018) S.15

6 Vgl. Koch S. (20129) S. 7f.

7 Vgl. Fortmann (2007) S.20

8 Internationales Verkehrswesen Wittenbrink S.16

9 Green Logistics. Wittenbrink 2015 S.1-2

10 https://www.dslv.org/dslv/web.nsf/gfx/5CBFA78F150D8FCC41257BB7007090E9/$file/INVL_Studie__Gruene_Logistik.pdf

11 Green Logistics Konzept, aktuelle Entwicklungen und Handlungsfelder zur Emissionsreduktion im Transportbereich Wittenbrink 2014 S. 1 f.

12 Green Logistics Konzept, aktuelle Entwicklungen und Handlungsfelder zur Emissionsreduktion imTransportbereich; Wittenbrink 2014 S. 2

13 Deckert C. 2016 S. V

14 CSR und Logistik-Spannungsfelder, Deckert 2016 S. 6

15 https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2019/06/kapitel-1-4-das-thema-nachhaltigkeit.html

16 Vgl. Intergovernmental Panel on Climate Change, Vierter Sachstandsbericht, Genf 2007

17 Vgl. Osranek R. 2017 S.43

18 Vgl. https://utopia.de/drei-saeulen-der-nachhaltigkeit-modell-121310/

19 Vgl. Herkommer, E. 2004 S. 2

20 Vgl. Glaeserne Konversion o.J.

21 Vgl. Vgl. Osranek R. 2017 S.44 f.

22 Vgl. Glaeserne Konversion o.J.

23 Vgl. Hepperle, F. 2016 S. 12

24 Vgl. Vgl. Osranek R. 2017 S.44 f.

25 Vgl. Glaeserne Konversion o.J.

26 Vgl. Wolf, Hubertus Wirtschaftsmagazin – Perspektive Blau o.J.

27 Vgl. Knoche – 2014 Nachhaltigkeit in Unternehmen und Organisationen

28 Vgl. Kloss, Albert 1999 S. 119 f.

29 Vgl. Kampker A. 2013,2018 S.4f

30 Vgl. Klaus, Thomas 2009, S. 3

31 Vgl. https://emobicon.de/news-e-auto-steuer-und-fahrverbote-ab-2019/

32 Vgl. https://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/hermes-will-pakete-in-staedten-kuenftig-mit-e-autos-zustellen-a-1140850.html

33 Vgl. https://www.hessenschau.de/wirtschaft/teststrecke-auf-der-a5-lastwagen-rollen-auf-erster-elektro-autobahn-,e-highway-betrieb-100.html

34 Vgl. Brüggemann, S. 2018 S.126

35 Vgl. Klein, R. 2013 S.232

36 Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/3_datentabelle-zur-abb_bruttostromerzeugung-et_2019-02-26.pdf

37 Vgl. https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/erneuerbare-energien.html

38 Vgl. https://www.dw.com/de/deutschland-steigt-bis-ende-2038-aus-der-kohle-aus/a-47244542

39 Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/3_datentabelle-zur-abb_bruttostromerzeugung-et_2019-02-26.pdf

40 Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/3_datentabelle-zur-abb_bruttostromerzeugung-et_2019-02-26.pdf

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Details

Titel
Grüne Logistik. Der E-LKW und sein CO2-Fußabdruck als umweltfreundliche und effiziente Zukunft in der Logistikbranche?
Hochschule
Hochschule Fulda
Autor
Jahr
2019
Seiten
54
Katalognummer
V1001836
ISBN (eBook)
9783346378392
ISBN (Buch)
9783346378408
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der E-LKW als Zukunft in der Logistik? Ausführliche Ausarbeitung
Schlagworte
grüne, logistik, e-lkw, co2-fußabdruck, zukunft, logistikbranche
Arbeit zitieren
Sebastian Klee (Autor), 2019, Grüne Logistik. Der E-LKW und sein CO2-Fußabdruck als umweltfreundliche und effiziente Zukunft in der Logistikbranche?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1001836

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