Die Philosophie Indiens und die philosophische Schule des Vaisheshika


Seminararbeit, 2020

13 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Indische Philosophie und die Religionsphilosophie in Indien
2.1 Der Hinduismus
2.2 Brahamismus und der Weg zur Erlösung
2.3 Die Ursprungstexte der philosophischen Denktradition
2.4 Die sechs Schulen der indischen Philosophie

3. Vaiśeṣika
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Kategorien
3.3 Lehre
3.4 Zusammenhang Nyāya

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die indische Philosophie besteht aus einer Vielzahl von Traditionen und Lehren. Um dem Hinduismus und seinen philosophischen Schulen ein kleines bisschen näher zu rücken, wird in dieser Arbeit ein Überblick in das Konstrukt der indischen Religionsphilosophie und eine ihrer Schulen gegeben.

Die Arbeit gliedert sich in vier Teile, wobei Einleitung und Schluss den Rahmen bilden. Hauptkapitel 2 beschäftigt sich mit der indischen Philosophie, um später auf die philosophischen Schulen des Vaiśeṣika eingehen zu können. Dabei wird zunächst der Hinduismus als Religion, die in engem Zusammenhang mit der Philosophie in Indien steht, vorgestellt (Kap. 2.1). Daran schließt sich der Brahamismus als Ziel der Philosophie und des Hinduismus an (Kap. 2.2). Um auf die sechs Schulen der indischen Philosophie einzugehen (Kap. 2.4), werden im nächsten Unterkapitel zunächst die Ursprungstexte der philosophischen Denktradition abgebildet (Kap. 2.3).

Nachdem die Grundgedanken der indischen Philosophie, welche für die Schule des Vaiśeṣika bedeutend sind, gekennzeichnet wurden, schließt sich in Hauptkapitel 3 eine Darstellung ebendieser Schule an. Dabei beschäftige ich mich zunächst mit einer allgemeinen Begriffsbestimmung, um eine kurze Einordnung, unter anderem in den historischen Kontext, durchzuführen (Kap. 3.1). Darauf folgt eine Skizzierung der Kategorien, mit denen sich das Vaiśeṣika beschäftigt (Kap. 3.2) und schließlich eine Einordnung dieser Kategorien in die Lehre der philosophischen Schule und damit eine thematische Erläuterung der Gedanken des Vaiśeṣika (Kap. 3.3). Abschließend werde ich in einem kurzen Abschnitt den Zusammenhang der philosophischen Schulen des Vaiśeṣika und des Nyāya darstellen (Kap. 3.4), weil beide Schulen häufig als Paar zusammengefasst werden.

Es sei außerdem noch genannt, dass es sich in dieser Arbeit bei der indischen Philosophie immer nur um die Philosophie des Hinduismus handelt. Die Inhalte der Philosophie von beispielsweise Buddhismus und Jainismus sollen hier nicht dargestellt werden.

2. Die Indische Philosophie und die Religionsphilosophie in Indien

An dieser Stelle möchte ich einen kurzen Überblick über die Philosophie Indiens schaffen. Die Philosophie und die Religion sind im Hinduismus untrennbar, darshana und dharma als zusammengehörige Begriffe sind ein grundlegender Aspekt der hinduistischen Religionsphilosophie.1

Die Inhalte der Philosophie finden ihren Ursprung im abendländischen philosophischen Denken, sie „fragen [ebenfalls] nach dem Sein (sat), dem Bewußtsein (cit), Welt, Kausalität, Ursprung usw.Es geht bei der Philosophie in Indiens allerdings2 vielmehr um eine eigene Orientierungsweise, die auf das spirituelle Ziel des Brahamismus ausgelegt ist und zur endgültigen Erlösung führen soll. Die Religion dient somit der Philosophie vor allem für die Begründung ihrer Inhalte, dabei dient die Wissenschaft lediglich als ein Nebenaspekt und ist kaum von Bedeutung.3

Der Hinduismus nutzt also in seiner Philosophie den Zusammenhang zur Religion und schafft so eine Religionsphilosophie das Dharmadarshana.Die Indische Denktradition des Hinduismus beinhaltet also die Religionsphilosophie und lässt sich mit ihrer Hilfe betrachten.4

2.1 Der Hinduismus

Das Dharmadarshana kann ohne die Religion des Hinduismus nicht existieren, dementsprechend ist es notwendig die Grundzüge dieser Religion zu betrachten.

Der Hinduismus ist heute eine Weltreligion, die ihren Ursprung in Indien hat. Es handelt sich hier um einen Begriff, welcher erst durch verschiedene Kulturkontakte geprägt wurde. Der ursprüngliche Begriff des hindu, der häufig als Regionszugehörigkeit mit dem Wort Inder übersetzt wurde und oftmals auch heute noch wird, bekommt erst im Laufe des frühen 19. Jahrhunderts eine endgültige religionsspezifische Konnotation, die sich bis in die europäischen Kreise bewegt.5

Nun lässt sich keine eindeutige Definition des Hinduismus erstellen, da es sich vielmehr um einen Oberbegriff handelt. Dieser Oberbegriff umfasst nicht nur eine einfache Weltreligion, sondern weitreichender eine „Vielfalt religiöser Praktiken, literarischer und philosophischer Traditionen und regionaler Kulte und Gegenstand ganz unterschiedlicher Deutungen“.6 Der Hinduismus und ebenso der ursprüngliche Begriff des hindu beinhalten folglich eine immens hohe Anzahl an Aspekten, sodass die Forschung bis in die Gegenwart wiederkehrend vor neue Diskussionen, Fragestellungen und Probleme gestellt wird. Eine einheitliche Definition bleibt hierbei offen.

2.2 Brahamismus und der Weg zur Erlösung

Im folgenden Abschnitt werde ich ein Konzept beziehungsweise das Ziel des Hinduismus kurz erläutern. Dabei werde ich lediglich die Aspekte betrachten, die für die philosophische Schule des Vaiśeṣika vorrangig sind. Der Hinduismus beinhaltet darüber hinaus weitere Lehren, Traditionen und Konzepte, die sich nicht gänzlich erfassen lassen und ebenso den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden.

Ein weiterer Begriff, der heute oftmals mit dem Hinduismus gleichgesetzt wird, ist der Brahamismus. Hierbei handelt es sich um keine eigenständige Religion, vielmehr geht es um das Ziel, welches der Hinduismus verfolgt.Brahman bedeutet so viel wie „allumfassendes Sein“.7 Im Hinduismus lebt das Individuum darauf hin irgendwann die Erlösung zu erreichen, die sich in Form der „Befreiung [...] von weiteren Wiedergeburten und [...] [der] Befreiung bzw. Freisetzung in das wahre Sein“ zeigt.8

Um diese Erlösung zu erreichen muss das sterbliche Selbst eine Vielzahl von Verkörperungen durchlaufen. Erst sobald das unsterbliche Selbst, das ātman seine wahre Identität gefunden hat, verlässt es den Kreislauf von Geburt und Tod (saṃsāra), geht in das brahman über und nimmt keinen sterblichen Körper mehr an 9 Vor allem die Begriffe des Körpers und des ātman werden später für die Schule des Vaiśeṣika noch einmal von großer Bedeutung sein.

2.3 Die Ursprungstexte der philosophischen Denktradition

Wie bei jeder philosophischen Denktradition gibt es auch bei der indischen Religionsphilosophie einen Ursprungsgedanken. Bei der Religionsphilosophie des Brahamismus sind die vedischen Texte, auch das Veda oder die Veden genannt, als wichtigste Quelle zu nennen. Diese sind aus der Kultur und Religion vedischer Stämme erwachsen und später zu einer Textsammlung zusammengefasst und kanonisiert worden.10

Die vedischen Tradition mit ihrem Polytheismus stellte ein durch die Menschen projiziertes Abbild der Welt dar. Hier wurden Naturgewalten personifiziert und durch Gottheiten begründet. Diese Gottheiten wurden schließlich als Übermenschen mit Opfergaben beschenkt, damit sie gütig gestimmt waren. Im Gegensatz zum späteren Griechenland, in dem diese Gedankengänge verdrängt wurden, eignete sich der Hinduismus den naturwissenschaftlichen Fortschritt nicht an und behält bis heute eine Vielzahl von Gottheiten und Opfergaben bei.11

Das Veda besteht aus verschiedenen Texten, welche auf verschiedene Zeitalter ihrer Entstehung hinweisen. So beinhaltet der Rigveda als älteste heilige Schrift beispielsweise „eine Sammlung von Hymnen an die Götter“12 und spätere Lehren, die Inhalte der Veden behandeln, tauchen unter anderem als die Upanishaden und als die Bhagavad Gītā auf.13

2.4 Die sechs Schulen der indischen Philosophie

Das Denken der indischen Philosophie lässt sich in zwei Kategorien einteilen: spirituell und analytisch, reflexiv-kritisch sowie exegetisch-hermeneutisch. Während die erste Disziplin die zuvor genannte spirituelle Orientierung beinhaltet, fokussiert sich die zweite Disziplin auf eine genauere Analyse.14 Die Philosophie des Hinduismus wird zumeist durch sechs orthodoxe Schulen, die unter dem Begriff ṣaḍdarśana zusammengefasst werden, dargestellt Mīmāṃsā, Vedānta, Nyāya, Vaiśeṣika, Sāṃkhya und Yoga.15 Diese sechs Schulen sind orthodox, da „sie die Autorität der Veden anerkennen“.16

Da diese Arbeit nur einen Blick auf die Inhalte und den Kontext des Vaiśeṣika bieten soll, gibt die folgende Abbildung einen kurzen Überblick über die Ganzheit der sechs Schulen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die sechs philosophischen Schulen des Hinduismus17

[...]


1 Vgl. Gerhard, Michael: „Religionsphilosophie in Indien.“ In: Grätzel, Stephan(Hrsg.)/Kreiner, Armin (Hrsg.): Religionsphilosophie. 1. Auflage. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 1999. S. 255.

2 Ebd., S. 239.

3 Vgl. ebd., S. 255.

4 Vgl. ebd., S. 257.

5 Vgl. Malinar, Angelika: Hinduismus. 1. Auflage. Göttingen: UTB - Vandenhoeck Ruprecht 2009. S.15-17.

6 Ebd., S.18.

7 Malinar, Angelika: Hinduismus. 1. Auflage. Göttingen: UTB - Vandenhoeck Ruprecht 2009. S.241.

8 Ebd., S.241.

9 Vgl. ebd., S.233.

10 Vgl. ebd., S.33.

11 Vgl. Zimmer, Heinrich: Philosophie und Religion Indiens. 9. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1998. S.300 f.

12 Knott, Kim: Der Hinduismus. Eine kurze Einführung. 1.Auflage. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 2000. S.29.

13 Vgl. ebd., S.23/29.

14 Vgl. Gerhard, Michael: „Religionsphilosophie in Indien.“ In: Grätzel, Stephan(Hrsg.)/Kreiner, Armin (Hrsg.): Religionsphilosophie. 1. Auflage. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 1999. S. 239.

15 Vgl. Malinar, Angelika: Hinduismus. 1. Auflage. Göttingen: UTB - Vandenhoeck Ruprecht 2009. S.246.

16 Zimmer, Heinrich: Philosophie und Religion Indiens. 9. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1998. S.543.

17 Angelehnt an Gerhard, Michael: „Religionsphilosophie in Indien.“ In: Grätzel, Stephan(Hrsg.)/Kreiner, Armin (Hrsg.): Religionsphilosophie. 1. Auflage. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 1999. S. 247-247. Weitere Inhalte beruhen auf Malinar, Angelika: Hinduismus. 1. Auflage. Göttingen: UTB - Vandenhoeck Ruprecht 2009. S.247-256 und Zimmer, Heinrich: Philosophie und Religion Indiens. 9. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1998. S. 257/S.537-543.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Philosophie Indiens und die philosophische Schule des Vaisheshika
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V1002060
ISBN (eBook)
9783346379986
ISBN (Buch)
9783346379993
Sprache
Deutsch
Schlagworte
philosophie, indiens, schule, vaiśeṣika
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Die Philosophie Indiens und die philosophische Schule des Vaisheshika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1002060

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