Russland unter Stalin


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

22 Seiten


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Russland unter Stalin

Jossif Wissarinowitsch Dschugaschwili - Stalin

Sein Ursprung

Stalin, dessen ursprünglicher Name Jossif Wissarinowitsch Dschugaschwili war und der sich erst um 1910 herum Stalin, was soviel wie ,,der Stählerne"bedeutet, nannte, wurde im Dezember 1879 in Gori, einer kleinen kaukasischen Stadt in der Nähe von Tiflis, geboren. Ob dies nun am 20. oder am 21. Des Monats geschah, darüber war sich die von mir zu Rate gezogene Literatur, so wie auch an anderen Stellen, uneinig.

Sein Vater war Schuhmacher und Alkoholikerund starb 1890, als das der kleine Jossif gerade einmal 11 Jahre alt ist. Von da an wird Jossif von Mutter, die als Waschfrau arbeitet und Analphabetin ist und dies auch ihr ganzes Leben lang bleibt, aufgezogen.

Seine Jugendjahre

Er besucht die örtliche Schule und ist dort ein so guter Schüler, dass er ein Stipendium für das Theologische Seminar in Tiflis bekommt. So kommt es, dass er sich in Tiflis zum orthodoxen Priester erziehen läßt und gerade dort 1897, im Alter von achtzehn Jahren, zum ersten mal mit einer sozialdemokratischen Untergrundorganisation in Kontakt kommt.Asl bekannt wird, dass er in dieser aktiv ist, wird er 1899 deshalb aus dem Theologischen Seminar ausgeschlossen.

Dies und eine polizeiliche Untersuchung seines Zimmers in diesem Zusammenhang sind für Jossif ausschlaggebender Punkt, um nun endgültig in den Untergrund zu gehen und wie so viele in dieser Zeit eine Karriere als Berufsrevolutionär zu beginnen.

Der junge Berufsrevolutionär

Zunächst einmal wird er zum Propagandisten der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands, der SDAPR und 1901 erscheinen erste seiner Artikel in der illegalen Presse.

Direkt im Anschluss wird der ergeizige Jossif Mitglied der lokalen Parteiführung der SDAPR, nimmt in der Partei den Decknamen ,,Koba" an und organisiert u.a. Streiks und Demonstrationen.

Wie bei fast alle seiner Sorte folgen nun immer wieder Verhaftungen und 1902 wird er zum ersten mal nach Sibirien verbannt.

Erstaunlicherweise gab eine Quelle an, dass der nunmehr vierundzwanzigjährige sich während seines Sibirienaufenthaltes 1903 mit Jekaterina Swanidse, einer jungen Frau aus einem kaukasischen Nachbardorf, verheiratet, die vier Jahre später stirbt und mit der er einen Sohn (Jascha) hat, der später in den Kriegswirren in Gefangenschaft gerät und ebenfalls stirbt.

Während seiner Abwesenheitkommt es zur Spaltung der SDAPR auf dem Londoner Parteitag und Jossif schließt sich aus der Ferne den radikaleren Bolschewiki unter Lenin an. 1904 gelingt ihm die Flucht und er geht direkt wieder in den Kaukasus und nimmt seine Arbeit als Berufsrevolutionär wieder auf. Acuh Lenin wird nun auf ihn aufmerksam und nennt ihn einen tüchtigen Georgier. Ein Jahr später, wenn der zukünftige Stalin 1905 auf dem finnischem Parteitag Lenin persönlich kennen lernt, hat dieser ihn jedoch schon wieder vergessen.

Sein Aufstieg

Nach der ersten russischen Revolution wird Jossif zu einem der führenden Parteifunktionäre. Aber er ist kein großer Redner sondern eher praktisch veranlagt. Besonders hebt er sich beim Schmuggeln und Verteilen von Parteiliteratur und bei der ,,Expropriation" der Banken, was nichts anderes meint, als dass er bewaffnete Raubüberfälle auf Banken organisiert und sogar selbst begeht, um Parteigelder zu enteignen, hervor.

1910 nun endlich nimmt Jossif, der von Lenin wegen seiner organisatorischen Talente geschätzt wird, den Namen Stalin an und er wird 1912 in das Zentralkomitee der Bolschewiki aufgenommen.

Ab 1913 befindet sich Stalin in der Redaktion der Parteizeitschrift Prawda , was übersetzt Wahrheit heißt. 1913 erscheint ,,Nationalit ä tenfrage und Sozialdemokratie", Stalins derzeit wichtigstes Werk, in dem er die Nationalitätenfrage in Russland abhandelt und eine Lösung auf Grundlage der revolutionären Politik der Bolschewiki anführt In einer anderen Quelle ist jedoch vermerkt, dass es sich vielmehr um sein einziges Werk aus der Zeit vor 1917 handelt und dass es sich ,,Der Marxismus und die nationale Frage" nennt und man es sich als nicht viel mehr denn ,,eine bessere Seminararbeit" vorstellen musst(1).

Stalin auf Ab- oder Umwegen?

Stalin gilt als selbstdiszipliniertes, ,,dynamisches, furchtloses, unermüdliches Arbeitstier der Partei" (2) bis zu seiner erneuten und längsten

Internierung in Sibirien 1913. Während andere Gefangene Bolschewiki in Sibirien Studien betreiben, lesen, schreiben und ähliches tun, geht Stalin Jagen und Fischen und unternimmt keine weiteren Fluchtversuche mehr.

1917 wird vom Parteiflügel der Menschewiki aufgedeckt, dass Stalin wegen der bewaffneten Raubüberfälle und seiner terroristischen Vergangenheit von der Parteiführung ausgeschlossen worden war, was er jedoch wohl zu verheimlichen gewusst hatte.

Gerüchte besagen, dass seine Lethargie in der Gefangenschaft auf Spitzeldienste für das Zarenregime, dass nachweislich auf ihn zugetreten war, zurückzuführen seien, jedoch es ließen sich keine stichhaltigen Beweise dafür finden.

Ganz der ,,Alte"

Als 1917 in der Februarrevolution das Zarenregime gestürzt wird, verläßt Stalin Sibirien und geht nach Petrograd, das heute Sankt Petersburg heißt, um mit Lenin gemeinsam gegen die Regierung Kerenskijs, wie es genannt wird, zu kämpfen.

Zumindest entspricht das Stalins späterer Geschichtsvariante, vielmehr spielte er jedoch zumeist nur noch organisatorische und kleine Rollen in den Revolutionen und ihren Nachbereitungen, seine Politik spielte sich in kleinen Hinterzimmern und nicht auf den großen Schaubühnen des öffentlichen politischen Kampfes ab.

Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb schafft er es, im Oktober ins Büro für die politische Leitung des Aufstandes zu kommen.

In Oktoberrevolution spielt er wieder kaum eine Rolle, ist dabei jedoch nicht allein, da außer Trotzkij kaum einer der großen Revolutionäre in dieser Revolution auftauchen.

Als 38 Jahre alter Berufsrevolutionär fühlt er sich nunmehr gezwungen einen weisen Mann und Vater des Staatsvolkes zu mimen. Er versucht erfolgreich, seine terroristische Vergangenheit sowie seine Herkunft, die nicht zu einem großen Führer passen, zu vertuschen Stalin sieht sich selbst als Russe und will auch als solcher gesehen werden. Seine noch einige jahre lang lebende Mutter besucht er nur noch einmal. Vielleicht fühlte er sich durch diese analphabetische Waschfrau peinlich an seine so gar nicht führerartigen Wurzeln erinnert, vielleicht aber war ihm die familiäre Anbindung auch einfach egal. Dass er auf diese keinen gesteigerten Wert legte, beweißt sich auch nocheinmal daran, dass er höchstwahrscheinlich während seines längeren Exilufenthaltes in Sibirien noch ein weiteres Kind gezeugt hatte, um dass er sich jedoch nicht im geringsten kümmerte.

Ein Portrait

Da sich nun die Geschichte des bisher relativ unbedeutenden Berufsrevolutionäres Stalin,. Der einer unter vielen war, auch wenn er sich nicht so sah, und die Geschichte des großen und bedeutsamen, wenn auch rückständigen Russlandes nun langsam, aber immer mehr aneinander angleichen, um wenige Jahre später geradezu konkruent zu werden, will ich an dieser Stelle ein kleines Portrait des zu diesem Zeitpunkt 38jährigen aufzeigen.

Es handelt sich um einen Mann, der, klein von der Statur, mit einem kräftigen Körperbau ausgestattet ist. Aus einem pockennarbigen Gesicht schauen zwei dunkelbraune Augen und sein berühmter Schnurrbart, den er seit 1910 zu tragen scheint. Oft ist Stalin mit einer schräg im Mund steckenden Pfeife anzutreffen.

Bewundernswert sind seine schnelle Auffassungsgabe und sein bemerkenswert gutes Gedächtnis. Jedoch ist er nur wenig gebildet.

Auch ist er recht einseitig, ist er doch nur an sozialdemokratischer Politik und nichts anderem interessiert. Weitere Eigenschaften wie Starrköpfigkeit, Engstirnigkeit und grobes Benehmen machten ihn wenig beliebt. Dies und weiter nicht aufgeführte Charaktermerkmale waren wohl auch der Grund, warum dieser Mensch keine Freunde hatte.

Jedoch war er sehr zuverlässig, zielstrebig und geradezu arbeitswütig, wodurch er sich in der Partei auch großen Einfluss verschaffte, wenn er auch eben unbeliebt war.

Der aus dem Kaukasus stammende kleine große Mann beherrschte zwar die russische Sprache vollkommen, legte jedoch nie seinen starken Akzent, mit dem er sprach, ab.

Seine Ämtersammlung

Von 1917 bis 1923 dann hatte Stalin das Amt des Volkskommissars für Nationalitätenfragen inne und von 1919 bis 1922 war er gleichzeitig Volkskommissar für die Arbeiter- und Bauerninspektion. Damit hatte er die Kontrolle über Industrie und Landwirtschaft.

Während des Bürgerkrieges war er auch politischer Kommissar der Roten Armee und als Kommissar für Nationalitätenfragen sorgte er, mitunter auch sehr brutal und mit Hilfe der Roten Armee, für die Wiedereingliederung abgefallener Nationalitäten in den Gesamtstaat. Besonders bemüht war er hier bei den kaukasischen Gebieten, aus denen er ja stammte.

1919 wurde er dann Mitglied des Organisationsbüros und des Politbüros, das das höchstes Exekutivorgan der Partei darstellte.

Damit war er einziger Vertreter in beiden Parteiorganen, was ihm einen erheblichen Einfluss, sowohl inhaltlich, als auch organisatorisch und personell, verschaffte.

Bis 1922 hatte es das Amt des Generalsekretärs der Partei wohl gegeben, jedoch war es keines von besonders großer Machtfülle und es war auch nicht als solches betitelt, sondern randständig und inoffiziell vorhanden, bis eben 1922 Stalin es zu einem hohen und offiziellen Amt machte, es selbst besetzte und es damit zu einem neuerlichen Machtausbau nutzte.

Der Kampf um die Vorherschaft oder Zeit der Bündnisse

Im Januar 1924 stirbt Lenin. In seinem politischen Testament warnt er vor Stalins übergroßer Macht und scheint sich dessen Absichten und der Art des späteren machtmissbracuehs zumindest ansatzweise im Klaren. Jedoch bleibt er mit seinen Worten bei Untertreibungen und auch seine nachträglich noch angefügte Zusatzdoktrine, in der er rät, Stalin als Generalsekretär abzusetzen, bleict wirkungslos und wird nicht ernst genommen. Stalin ist mächtig genug, um sich in seiner Position zu behaupten.

Trotzkij, der von Stalin als Nachfolger favorisiert worden war, disqualifizierte sich selbst und schaltete sich als ernst zu nehmender Gegener Stalins ganz von allein aus.

Trotzdem bracht ein Machtkampf um Partei- und Staatsführung aus.

An der Parteiführungsspitze befanden sich sechs Persönlichkeiten mit den Namen Trotzkij, Stalin, Sinowjew, Kamenew, Bucharin und Rykow.

Stalin bildet mit Sinowjew und Kamenew eine Troika gegen Trotzkij. Trotzij wurde mit deren Hilfe parteipolitisch isoliert. Dabei half er selbst kräftig mit, indem er sich nur zu leicht provozieren ließ und sich selbst aus dem Zentralkomitee in einer lächerlichen Aktion, die der eines bockigen Kindes gleicht, mit den Worten ,,Ich bitte, mich aus der Schauspielerliste dieser erniedrigenden Komödie zu streichen", um anschließend mit dem Versuch, eine übergroße schwere eiserne Tür des Zarenpalastes, in dem das ZK getagt hatte, zuzuschlagen, jedoch dabei nur in seiner Absicht deutlich zu werden, mit der Ausführung jedoch zappelnd und strampelnd an der Tür hängend zu scheitern.

Trotzdem wechselten die beiden Koalitionspartner Stalins die Fronten und gingen zur Opposition um Trotzkij herum über.

Deshalb und wegen wirtschaftlicher Differenzen löste Stalin das Bündniss auf. Zumindest gab er das offiziell als Gründe an und sie galten auch später in den Schauprozessen, in denen beide wenig angenehme Glanzrollen erhielten, als wichtig. Der eigentliche Grund war jedoch, dass beide ihm nicht mehr nützlich waren. Er brauchte sie nicht mehr.

1925 hatte Stalin sich nach rechts gewand und ein Bündniss mit Bucharin, Rykow, Tomski und Molotow geschlossen.

1926 wurde Trotzkij aus dem Politbüro und schließlich 1927 dann aus dem Zentralkomitee der Partei ausgeschlossen. 1929 wurde er sogar der Sowjetunion verwiesen.

Im selben Jahr entledigte sich Stalin auch vollständig seiner ehemaligen Verbündeten Kamenew und Sinowjew, die er schon 1926 aller Ämter entheben lassen hatte und 1927 aus der Partei hatte ausschließen lassen.

Während Kamenew und Sinowjew der Tschistka, der großen Säuberung und ihren Schauprozessen zum Opfer fallen, lebte Trotzkij in Mexico weiter, bis er schließlich 1940 von einem sowjetischen Agenten ermordet wird.

Das Bündniss mit Bucharin, Rykow hält bis 1928. Dann braucht Stalin auch Bucharin, der von Lenin einst der Liebling der Partei genannt worden war und auch der wohl am wenigsten ehrgeizige Revolutionär in der Parteiführung und auch Rykow nicht mehr. Auch sie werden während der tschistka ausgeschaltet und in Schauprozessen zu absurden Geständnissen gezwungen, verurteilt und hingerichtet. Tomski erschießt sich selbst, als die ersten Anschuldigungen gegen ihn fielen, Bucharin glaubte noch lange an Missverständnisse, verleugnete vor sich und der Welt die Tatsache, dass auch Sinowjews und Kamenews Geständnisse erzwungene Falschaussagen gewesen waren und versuchte bis zu seiner Hinrichtung noch Stalin brieflich und telefonisch zu kontaktieren, um die Missverständnisse auszuräumen. Außerdem schrieb er einen Brief, den er seine junge Frau auswendig lernen ließt, in dem er um Richtigstellung der Verhältnisse um seinen Tod und die Aussagen, die er machen musste, bat. Zudem wollte er wieder in die Partei aufgenommen werden, wenn er auch tod war. Der Brief wurde jedoch erst in den 80er Jahen veröffentlicht und erst dann wurde er auch wieder in die Partei aufgenommen und zum Märthyrer stilisiert.

Die letzten Jahre vor seinem Tod veröffentlichte er Selbstzweifel und gab Stalin in allem Recht. Er verleugnete sich und seine Politik, waru er das tat, ist bis heute ungeklärt. Schon Lenin bezeichnete ihn als einen sehr weichen Mann, der jedoch nichts über die Parti stellte, schon gar nicht sich selbst und wahrscheinlich war es reine Loyalität, die ihn dazu veranlasste, gegen besseres Wissen Stalin öffentlich zu preisen und sich selbst vollkommen zu leugnen.

Im Machtrausch

Dass Stalin sehr wohl gefährlich war in seinem Machthunger und seiner diktatorisch anmutenden, engstirnigen Art, in der er, wie auch Lenin selbst schon, keinen Widerwillen und schon gar keine Widerworte duldete, dass hatte Lenin vor seinem Tod schon erkannt gehabt, aber dass ,,der Stählerne" fünf der sechs Parteiführer einfach exekutieren würde und sich schließlich zum Alleinherrscher machen würde, das hatte wohl selbst der weise Mann Russlands nicht kommen gesehen. Und doch waren 1929 alle Gegner und oppositionellen Strömungen unschädlich gemacht und ein diktatorisches, autokratisches Regime aufgestellt.

Später werden Propaganda und Terror, mit denen er seine Herrschaft aufrecht erhielt als ,,Personenkult" bezeichnet. Ganz besonders in diesem Punkt scheint mir eine gewisse Nähe zu Hitler unübersehbar. Beide Diktatoren waren bemüht, eine Art Staatsreligion zu errichten, sich selbstin den Mittelpunkt dieser Religion setzend.

Stalins Innenpolitik

Der Fünfjahresplan

1929 war das Jahr in dem Stalin seinen ersten Fünfjahresplan aufstellte. Dabei handelte es sich aus Stalins Sicht um eine ,,Revolution von oben", um die industrielle und die landwirtschaftliche Produktion anzukurbeln.

Es war ein sehr ergeiziges und für das unterentwickelte Russland schon nahezu größenwahnsinniges Projekt, in dem Zwangskollektivierungen und Massenumsiedelungen der Landbevölkerung auf der Tagesordnung standen.

Es war ein Industrialisierungsprogramm von gigantischem Ausmaß, das vor allem Bergbau und Schwerindustrie betraf und ließ die ewig rückständige UdSSR zu einer Industriemacht werden, die sich sogar mit der USA messen konnte.

Die Tschistka

Gleichzeitig liefen jedoch auch die ,,Großen Säuberungen" nach Ermordung des Parteisekretärs von Leningrad, der Stalins Vertrauter war, an. Sie prägten die dreißiger Jahre. Durch diese soganannte Tschistka wurden alle, die Stalins Gegner in Industrie, Armee, Verwaltung oder Partei waren oder auch nur hätten sein können, ausgeschaltet. Schauprozesse für die Prominenten wurden durchgeführt, in denen die Angeklagten zu falschen, teilweise abenteuerlichen Geständnissen gezwungen wurden. Wer nicht gestehen wollte, wurde hinter den Kulissen gleich erschossen. Ursprünglich handelte es sich um Hinrichtungen der offensichtlichen Feinde Stalins, die er zur Sicherung seiner Macht aus dem Weg räumen musste, mit der Zeit verselbstständigte sich der Prozess jedoch und schließlich schien es mehr eine Art russisches Roulette, in dem jeder jeden verdächtigte und anzeigt, um selbst nicht in Verdacht zu kommen. Auch hier gibt es meiner Ansicht nach Paralellen zum Hitlerdeutschland und dessen Säuberungspolitik. Der große Unterschied ist jedoch, dass Hitler sich keine Mühe mehr gab, seinem Tun einen rechtlichen Hintergrund zu geben, sondern offen zu den Hinrichtungen stand, während Stalin stets bemüht war, allem wenigstens einen rechtmäßigen Anschein zu geben.

Die Industrialisierung

Zunächst jedoch noch einiges zu Stalins Wirtschaftspolitik, die mit dem Fünfjahresplan die bisher verfolgte NEP, was für Neue Ökonomische Politik steht, die eine Lösung der Bankrottsituation, die der Kriegskommunismus mit sich gebracht hatte, darstellte, ablösen sollte und dies auch erfolgreich tat.

Da die Industrialisierung laut Marx aufs Engste mit der ideologischen Revolution verbunden ist, war es auch kein Problem, die Härte des Fünfjahresplanes zu begründen. Auch war der russische Arbeiter gern bereit Opfer für den kommenden Sozialismus zubringen.

Stalin selbst war wohl gar nicht so sehr an der plangemäßen Verfolgung der marxistischen Lehren gelegen, als vielmehr daran, die Sowjetunion zu möglichst viel Macht kommen zu lassen, um auf dieser Ebene den Weg zur Weltrevolution zu bereiten. Was wäre dazu besser geeignet gewesen, als eine wirtschaftliche Erstarkung des terretorialen Riesen UdSSR?!

Jedoch war er in der Durchführung seiner Pläne auch sehr vorsichtig, da er ein planender Mensch war, der alles genau kalkulieren musste, bevor er es in die Tat umsetzen konnte. Da er jedoch nicht in der Lage war, diese komplexe neue Wirtschaft in diesem riesigen Land komplett zu überschauen und weit vorauszuplanen, also kein weitreichendes Konzept hatte, vollzog sich die Industrialisierung ruck- und krampfartig und wurde von ihm auch immer wieder mal unterbrochen.

Die Voraussetzungen für die erfolgreiche industrielle Erstarkung des Landes waren denkbar günstig. Das Land war reich an Rohstoffen und an Menschen. Es stand ein schier unermessliches Terretorium zur Verfügung und gleich von Anfang an standen zwei große Bezugsgebiete für hochwertige, leicht verkokbare Steinkohle zur Verfügung. Dabei handelte es sich um das Kuzneck-Becken im westlichen Sibirien und das Revier von Karadanga in Zentralasien. Dies war auch strategisch sehr günstig, da diese Gebiete eine Ostverlagerung der Industrie ermöglichte und damit den Zugriff der Westeuropäischen Länder wirksam entzog. Eine teilweise erhebliche Steigerung der Produktion in dieser Zeit wurde mit schönen Worten auf die ,,unaufhörliche Aufmerksamkeit der kommunistischen Partei" und die ,,Mobilisierung der Arbeitskräfte" zurückgeführt.

Gemeit ist damit, dass das Strafgesetz geändert wurde und nach § 58 des Strafgesetzbuches, der gegenrevolutionäre Tätigkeit zum Gegenstand hat, jeder, der ,,produktionsschädigendes Verhalten" an den Tag legte damit einen ,,Angriff auf den Staat" verübte und wenn dies vorsätzlich getan wurde, das ,,oberste Strafmaß der sozialen Verteidigung" und damit die Hinrichtung durch Erschießung befürchten musste.

Zur Folge hatte diese Handhabung teilweise enorme Produktionssteigerungen. Beispielsweise verzweihundertdreißigfachte sich die Produktivität beider Herstellung von Traktorenpflügen. Dabei handelt es sich jedoch auch um eines der wenigen Extremsteigerungen. Realistischer erscheinen Produktionswachstumsraten, wie die der Stahlerzeugung, die sich nur um etwa 40% erhöhte.

Jedoch brachte es auch eine Menge Probleme mit sich, da während dieser weiteren Säuberungsaktionen vor allem Leiter von Betrieben ihr Leben lassen mussten, da zumeist sie, nie aber die Planer aus Führung und Staat an Missständen schuld waren und dafür auch vor einem Erschießungskommando gerade zu stehen hatten. Leider wirkte dies dem problematischen Mangel an qualifizierten Fachleuten, der um so deutlicher zum Problem wurde, je mehr die industrielle Entwicklung fortschritt, nicht entgegen.

Es wurde nur immer mehr zentralisiert und die Fabrikleitungen durch die direkte Leitung der noch so kleinen Betriebe durch die Zentrale in Moskau ersetzt, was zu einem Vernichten der Kleinbetriebe führte und damit auchd as Kleinbürgertum langsam aber sicher verschwinden ließ. Dies war der Ideologie gemäß,aber nicht dem wirtschaftlichen Vorankommen, da viele kleine Dienste, die die Großbetriebe füre inen reibungslosen Arbeitsablauf benötigten nich mehr bereitgestelt werden konnten und dies führt zu einigen enormen wirtschaftlichen Schäden.

Um die Fehler auszugleichen und die Wirtschaft lebendig zu erhalten, waren überdimensionale Investitionen von Seiten des Staates notwendig, da aber Russland kein reiches Land gewesen war, mussten die Gelder über Steuereinnahmen eingetrieben werden. Dies hatte ein künstliches absenken der Lebensqualität noch unter das russische Existenzminimum zur Folge. Besonders darunter zu leiden hatte die Landbevölkerung.

Die Kollektivierung

Zunächst war man 1927 aufgrund eines akuten Versorgungsengpasses gezwungen wieder auf Beschlagnahmungsmethoden wie schon zu Zeiten des Kriegskommunismusses zurückzugreifen, doch war dies keine dauerhafte Möglichkeit der Versorgung des Landes und schon gar kein Mittel, die Produktion in der Landwirtschaft auf Überschüsse zu konditionieren, um diese zum Export und damit zur Erlangung finanzieller Mittel zu nutzen. Vielmehr gingen durch diese Maßnahmen die erwirtschafteten Erträge zurück.

Damit war klar, dass um die Landwirtschaft wirtschaftlicher zu gestalten, diese komplett umstrukturiert werden musste. Es mussten Großbetriebe entstehen. Dies gestaltete sich jedoch schwieriger, als ursprünglich vermutet, da auf dem Dorf nicht wie in der Stadt und in den Betrieben eine Klassenkampfsituation herrschte, sondern vielmehr eine festgefestigte Gemeinschaft vorzufinden war, die gar nicht bereit war, ihre Strukturen, die sie und ihr Überleben sicherte, gegen ein Leben in Lohnarbeit in einem Großbetrieb zu opfern.

Das ,,Kulakenproblem", wie Stalin es nannte, wurde durch die absurdesten Zwangsumsiedelungen gelöst. So wurden viele dieser mittelständischen Bauern im tiefsten Winter und ohne jegliche Vorbereitungsmaßnahmen einfach verscheppt und in unwirtschaftlichen Gebieten ausgesetzt, die von da an ihr neuer ,,Wirtschaftsraum" waren, von dort aus mussten sie genau wie die Kulaken, die in Sümpfen, ohne Häuser oder Anbaugebiete umgesiedelt wurden, Abgaben einer gewissen Höhe und außerdem noch öffentliche Dienste wie beim Straßenbau zu leisten.

Die, die Widerstand leisteten, wurden verhaftet und fielen der Tschistka zum Opfer. Die anderen bekamen bis zu ihrer Deportation monatlich 4kg Getreide und 8kg Kartoffeln pro Person.

Das Elend dieser Menschen ist unvorstellbar. Selbstmorde waren an der Tagesordnung.

Nun erwartet man, dass wenigstens ein Erfolg aus diesem menschenunwürdigen Handeln erwachsen sei und die nun kollektivierte Landwirtschaft wenigstens Erträge abwerfe, die die restliche Bevölkerung vor weiteren Hungerkatastrophen schützt. Doch das ist leider weit gefehlt. Vor allem die sowjetische Viehwirtschaft litt enorm. Vielfach wurde Vieh vor dem erzwungenen Eintritt in die Kolchose vom Besitzer geschlachtet. Aber noch häufiger kam das Vieh in den übergroßen Kolchozherden,d ie niemand fachkundig betreuen konnte, da kein empirisches Wissen über Herden dieser Ausmaße vorhanden war.

Pferde und Rinder waren bis 1933 um die Hälfte zurückgegangen und Ziegen und Schweine sogar um zwei Drittel.

Das Zugvieh konnte glücklicherweise schnell durch Traktoren ersetzt werden, doch leider geben Maschinen weder Milch, noch kann man sie schlachten und als Nahrungsgrundlage für den Menschen nutzen. So kam es in der folgenden Zeit wieder zu Hungerkrisen,d ie jedoch die Landbevölkerung auch wieder dazu veranlassten, noch härter zu arbeiten und damit über die Zeit des Hungers hinwegzuhelfen.

Dass die Berichte und die Prozentezahlen über Erfolge, die in den Akten archiviert wurden, hochgradig ,,frisiert" waren, war kein Geheimnis. So ist der Geschichtswissenschaft schon lange bekannt, dass die verbrieften Fakten mit Vorsicht zu genießen und umzurechen sind, wie auch viele Aussagn einer ,,Übersetzung" vom kommunistisch optimistischen ins Realistische bedürfen. Trotzdem erscheint Stalins Resumee zu dieser tragischen inhumanen Zwangkollektivierung unglaublich. So war 1938 im ,,Kurzen Kurs ,, der Parteigeschichte nachlesbar, ,,dass die Kollektivierung ein zutiefst revolutionärer Umschwung gewesen sei, in seinen Folgen gleichbedeutend mit dem revolutionären Umschwung der Oktobers 1917. Die Eigenart dieser Revolution bestand darin,dass sie von obendurchgeführt wurde, auf Initiative staaliche rMacht, uner direkter Unterstützung der Millionenmassen von Bauern, die gegen die gegen die Verknechtung durch die Kulaken kämpften, für ein freies Kolchozleben".

Der Brief eines Bauern,der aus der armen Unterschicht der bäuerlichen Landbevölkerung kam und sicher kein Kulak gewesen war, spiegelt wohl realistisch wieder, wie die Bauern es mi der Unterstützung hielten:

,,Jeden Tag schickt man uns Propagandisten, die uns auffordern, in dieser oder jener Kolchoze für unsere ewige Sklaverei zu unterschreiben, aber wir wollen nicht unser gutes Zuhause verlassen. Mag es auch nur eine arme kleine Hütte sein, es ist meine Hütte, mag es auch nur ein armes kleines Pferd sein, es ist mein Pferd..."

Schließlich muss man auch bedenken, dass diese Bauern bis zur Revolution 1917 unfrei gewesen waren. Sie und ihre Eltern und auch Großeltern im zaristischen Russland Gutsbesitzern dienen und immense Abgaben leisten mussten, wenn sie ihnen nicht gar per Leibeigenschaft gehört hatten. Nun, nur etwa 15 Jahre später sollen sie sich nun freiwillig wieder in Abhängigkeit und Unfreiheit begeben?! Nun sollten sie ihre hart erkämpften Eigentümer, auf die sie so lange gehofft hatten, den boden, auf den sie so lange gehofft hatten, den sie nun endlich ihr eigen nennen konnten, aufgeben, freiwillig wegschenken?! Stalin zerstörte mit den Zwangskollektivierungen von vorn herein die Möglichkeit, dass die Landbevölkerung sich von allein in einen kommunistischen Staat eingliederte und auch die Beziehung der Bauern zum Boden, der nun schließlich nicht mehr ihnen gehörte.

Die Außenpolitik

In den dreißiger Jahren verfolgte Stalin eine defensive Außenpolitik.

Er regierte nach der Theorie des ,,Aufbau des Sozialismus in einem Land".Dieses Land war die Sowjetunion.

In einer anderen Quelle jedoch heißt es, dass Stalin sehr wohl eine Expansion plante und Deutschland dabei als Mittel zum Zweck missbraucht, und ,,als ingeniöser Staatsmann, der seinen Mit- und Gegenspielern weit überlegen war - einem Hitler ebenso wie den Schicksalslenkern der Westmächte"(1) sehr wohl auf Deutschlands Krieg gegen alle spekulierte. Denn damit würden sich die Imperialmächte gegenseitig schwächen und ihm und dem Kommunismus Angriffsfläche gewähren.

Russisch Deutsche Zweckfreundschaft

Eine besondere Beziehung baute Russland jedoch schon seit den Zwanzigern zu Deutschland auf, mit dem es in den Berliner Verträgen paktierte, die 1931 sogar nocheinmal verlängert wurden. Zudem war es Deutschland erlaubt worden, in Moskau einen militärischen Standpunkt einzurichten, durch den sich die Deutschen der Kontrolle durch die Westmächte aus dem Versailler Vertrag entzog und ungestört eine Schule zur Ausbildung von Fliegern, eine für Panzertruppen und eine für Gaskampftruppen auf russischem Gebiet zu postieren.

Dies ermöglichte im Gegenzug auch der Roten Armee, Einblicke in moderne Kriegsführung zu erhalten und auch einige seiner Mitglieder in den Genuss einer deutsch Offiziersausbildung gelangen zu lassen.

Auch wirtschaftlich profitierten die beiden Länder voneinander. Besonders in der Weltwirtschaftskrise war die Zweckfreundschaft sowohl für die UdSSR,als auch für das deutsche Reich von allergrößtem Nutzen.

So half die Sowjetunion Deutschland aus seinen übergroßen Absatzschwierigkeiten in dieser Zeit zumindest ein wenig heraus und befriedigte dabei gleichzeitig ihr übergroßes Bedürfniss nach industrieller Ausrüstung. Auch das Problem des Fachkräftemangels wurde vermindert, indem deutsche Ingenieure und Techniker angeworben wurden.

Bei den westlichen Ländern mit slawischer Bevölkerung, denen Stalin Nichtangriffs- und Freundschaftsverträge geradezu aufzunötigen versuchte, lief es jedoch weniger erfolgsversprechend ab. Sie litten unter einer Art natürlicher ,,Russophobie" und bis auf Litauen, dass 1926 einen Nichtangriffspakt unterzeichnete, weigertensie sichalle inständig, irgendeine Beziehung zum großen Nachbarn einzugehen.

Nach einem Wechsel des Außenkommisar wurde dann einfachd ie Strategie gewechselt und bei Vertragsabzeichnungen mit dem westlichen Ausland wie dem Kellogg-Paket, an dem sich die kleinen Osteuropäischen Länder ebenfalls beteiligten, wurden einfach Zusatzprotokolle angehängt. So kam es 1929 zum soganannten Litvonov-protokoll, in dem Rumänien, Polen, Lettland, Estland und die Sowjetunion in Moskau dieses Kriegsächtungsabkommen unterzeichneten. Einige Monate später trat das Kellogg-Paket außer Kraft und damit wurde auch dieses protokoll inhaltnlich nichtig, aber es war ein ungeheurer Erfolg für die Prestige der Sowjetunion, die sich nun als defensiv und friedlich gezeigt hatte und nun in der Lage war, weiter nichtangriffspakte mit Finnland Lettland, Estland und Polen zu schließen. Sogar Frankreich schloß 1932 einen solchen Pakt mit der Sowjetunion ab.

Litvinovs Erfolg ist allerdings wahrscheinlich auch nicht zuletzt auf die nunmehr ersichtlich werdende politische Entwicklung Deutschlands und der dadurch in Europa entstehenden Stimmung zurückzuführen.

Der zweite Weltkrieg

Als 1939 Verhandlungen mit Deutschland um einen Nichtangriffspakt begannen und dieser am 26.Januar 1934 abgezeichnet wurde, war klar, dass Hitle nicht vorhatte, sich an den Rapallovertrag zu halten und eilig wurden die durch Litvinov ergestellten Verbindungen zum westlichen Ausland wieder aufgegriffen. Am 18.9.1934 ließ sich die Sowjetunion in den Völkerbund aufnehmen und militärische Beistandspakte mit Tschechien und Frankreich folgten.

Innenpolitische wurde die Sicherheit der UdSSR zum wichtigsten Punkt.

Obwohl 1939 Tschechien, dass Bündnisspartner der Sowjetunion ist, von Deutschland annektiert wird, reagiert die UdSSR kaum. Aber da auch das westliche Ausland diese Strategie verfolgte und eine militärische Unterstützung höchstens auf dem Luftweg möglich gewesen wäre, war dies kein unvorhersehbarer Vertragsbruch gewesen.

Als 1939 Deutschland Anspruch an Polen erhebt, gerät Stalin in eine Zwickmühle. Wenn er sich an die Nichtangriffspakte und Unterstützungsverträge hält, die er mit dem westlichen Ausland abgeschlossen hatte, so hätte er aufgrund des unausweichlichen Krieges zwischen diesen und Deutschland um Polen sofort militärisch aktiv werden müssen. Dem entgegen stand Hitlers Angebot , welches in einem Zusatzprotokoll des 1939 unterzeichneten als Hitler- Stalin-Pakt bezeichneten Nichtangriffspaktes unterbreitet wurde und Stalin Gebiete wie Finnland und die baltischen Staaten zusprach und ihn lediglich zur Unterlassung militärischer Aktionen gegen Deutschland verpflichtete. Damit wurde Stalin zu Hitlers Verbündetem.

Sogenannte Beistandspakte mit Lettland, Estland und Litauen ermöglichten der UdSSR die Errichtung militärischer Stützpunkte auf deren Gebieten. Finnland weigerte sich und wurde 1940 schlicht erobert und die UdSSR als Agressor aus dem Völkerbund ausgeschlossen.

Die baltischen Staaten wurden jedoch erfolgreich sowjetisiert und ,,volksdemokratische" Regierungen wurden eingesetzt, ,,Wahlen" wurden durchgeführt, durch die die baltischen Länder die Aufnahme ins sowjetische Reich beantragten.

Bei Bessarabien wurde Stalin dann sogar schon recht mutig unnd genehmigte sich sogar mehr, als ursprünglich im Zusatzprotokoll vereinbart. Die überrumpelte deutsche Regierung musste zustimmen. Ihr blieb gar nichts anderes übrig.

Die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland verschlechtern sich zunehmend, zumal sich die sowjetische Seite ihrer Überlegenheit bewußt ist und diese auch offen in Berlin demonstriert.

Stolperstein Größenwahnsinn

1939 wird eine erste kurze offizielle Biograhie herausgegeben, in der sich Stalin als den ,,großen Strategen der sozialistischen Revolution und ein allwissendes Genie" nennt. Das sind jedoch noch bescheidene Töne im Gegensatz zu späteren Betitelungen, wenn er sich beipielsweise anlässlich seines 50. Geburtstages große Lobeshymnen auf sich singen die jedoch noch um ein vielfaches an seinem 60. Und dann später an seinem 70. Geburtstag übertroffen werden. Da läßt er sich dann schließlich nach und nach zum Gott über Russland stilisieren.

Zunächst ist er jedoch erst mal nur einfach Übervater und allwissend,wie auch unfehlbar. 1941 wird Stalin erst Vorsitzender des Rates der Volkskommissare und dann übernimmt er das Volkskommissariat für Verteidigung.

Nach dem überraschendem Angriff durch Deutschland am 22. Juni nimmt Stalin die ,,Führung im Großen Vaterländischen Krieg" selbst in die Hand. Diesen Angriff hatte er zwar zu verhindern gesucht, es wohl aber auch gleichzeitig nie für wirklich möglich gehalten, dass Hitler tatsächlich zu diesem Mittel greifen würde, um seine Interessen zu wahren. Die Rote Armee ist geschwächt, da die mehr als die Hälfte aller Offiziere den Säuberungen zum Opfer gefallen waren.

Nur mit Hilfe des westlichen Auslands, vor allem der USA und Großbritanniens schafft Stalin e,s die Deutschen zu schlagen

1943 wird Stalin Marschall der Sowjetunion, 1945 Generalissimus. Er gefällt sich in der Position des großen Kriegshern und läßt sich auch gern als solcher feiern.

Nach dem Krieg

In den Verhandlungen mit dem Ausland auf den Konferenzen in Teheran, Jalta und Potsdam kann Stalin die osteuropäischen Länder als russische Interessengebiete sichern. Er erzwingt es nach und nach in ihnen kommunistische Regierungen einzusetzen und sie weiterhin unter sowjetischen Einfluss zu belassen.

Dadurch wird die Theorie vom ,,Sozialismus in einem Land" nichtig und Stalin beginnt den Kapitalismus wieder als Feind zu betrachten

Er trägt mit seiner Haltung maßgeblich zur Entstehung des ,,kalten Krieges" bei.

Allgemeines

Die Ideologie Stalins stand natürlich in direkter Linie zum Marxismus, der ja Grundlage für den Kommunismus war. Jedoch musste dieser sich schon unter Lenin bestimmten, vor allem wirtschaftlichen Veränderungen, die leichter durchsetzbar und vor allem schneller realisierbar waren, beugen.

So hatte das Prinzip des ganz automatischen und unabänderlichen Geschichtsablaufes des marx'schen Geschichtsverständnisses mit der sozialen Revolution, die eine Zeit des Sozialismus, der unwillkürlich den Kommunismus nach sich zog, nun das Gesicht eines sehrwohl willkürlich und im Zeitraffer ablaufenden revolutinären handelns, dass mittels Zwang und autokratisch/diktatorischer Maßnahmen den Kommunismus einführt, erhalten. Diesen Kurs hatte bereits Lenin eingeschlagen, doch Stalin verschärfte ihn noch um ein Vielfaches und verlor, wenn er auch immer Lenin als den großen Vorreiter angab und, wie in dieser Zeit in Russland üblich, alles Handeln mit Leninzitaten begründete, auch wenn das bei der unübersichtlichen Menge an Schriftwerk, das Lenin hinterlassen hatte kaum schwer fiel, ihn wohl zeitweilig auch ein wenig aus dem Blickfeld, denn wie sonst hätte sich der große Kommunist mit dem großen Nationalsozialisten und Kapitalisten verbünden können. Der Hitler-Stalin-Pakt hatte auch tatsächlich trotz der Angst vor den Vergeltungen, die ja während Stalins gesamter Herrschaftszeit nicht gerade unbegründet waren, einige missmutige Stimmen aufklingen lassen und Misstrauen gegen Stalins Handeln in den eingenen Reihen gesät. Doch war dies, sicher nicht zuletzt wegen des Erfolges von Stalins Außenpolitik nur von kurzer Dauer.

Stalin selbst betitelte seine Art, den Marxismus zu nutzen gern als ,,schöpferische Weise", ihm ,,anzuhängen"(1)

Alles in allem war Stalin ein Fundamentalist. Das zeigt sich deutlich in seiner Art, mit der Kunst, der Geschichtsforschung und ähnlichem umzugehen.

Literatur und Kunst wurden nur in einem sehr engen Rahmen gutgeheißen, ja zeitweilig sogar nur in diesem zugelassen. Im Juni 1925 wird vom Zentralkomitee festgelegt, dass die sowjetische Literatur Klassencharakter haben muss. Den nichtkommunistischen Schriftstellern wird lediglich ,,eine Tür zum Übergang offengehalten".(2)

Einige wenige durften die Sowjetunion verlassen, die anderen mussten sich durch Umerziehungsversuche ihrer selbst beugen.

Natürlich galt dies nicht nur für die Literatur. Auch die darstellende Kunst unterstand dem Diktat des Staates und hatte sich des sozialistischen Realismus` als Stilrichtung zu bedienen.

Besondere Aufmerksamkeit bekam schon seit jeher die Geschichtsschreibung von Stalins Seite. Hatte er die Geschichte, ihn selbst betreffend schon erfolgreich umgeschrieben, so hielt er es nunauch nicht mehr für nötig, die nicht umgeschriebene Geschichte, vor der Partei und ihrem Einfluss überhaupt noch der breiten Masse zugänglich zu machen. Nach und nach wurden Quellen vernichtet, Geschichtsunterricht wurde unter der Leitung von Prokovskij vom Lehrplan der Schulen genommen und ab 1932 gab es keine historischen Vorlesungen mehr an den Universitäten.

Erst im Zuge des sogenannten Sowjetpatriotismus, der die Fehler Prokovskijs, der die Jugend und damit das gesamte russische Volk davon ferngehalten hatte, Verbundenheit und Liebe zum russischen Vaterland und vor allem auch Hass gegen das feindliche Ausland entwickeln zu können, wieder rückgängig machen sollte, wurde wieder vermehrt Geschichtswissenschaft betrieben. Dies war schon insofern notwendig, als die Gefahr durch das nun langsam aber sicher bedrohend werdende Deutschland immer mehr zunahm.

Jedoch darf man nun nicht denken, dass wieder unbeeinflusste freie Geschichtsschreibung hätte Fuss fassen dürfen. Es handelte sich wie bereits erwähnt um den Sowjetpatriotismus, dem nun jedes Schulbuch, jeder Roman und auch sonst jede Kunst und Literaturform unterstand und zudienen hatte.

So ist es nicht verwunderlich, dass jeder nur erdenkliche Anlass genutzt wurde, um die Erfolge der Sowjetunion, die natürlich nur ihrem System zu verdanken waren, gefeiert wurden und die UdSSR sich selbst damit selbstbestätigend zur Führungsmacht hochstilisierte und verglorifizierte.

Ein weiterer Beweis für das diktatorische Asuleben seiner Macht durch Stalin und sein kalkulierendes Umgehen mit allem Machtinstrumenten, ist die Religionspolitik, die er betrieb. Während er den Schein von Neutralität zu wahren bemüht war, wurden die orthodoxen Kirchen, die verfassungsmäßig vom Staat getrennt waren, durch Stalin bekämpft, wo es nur möglich und möglichst unauffällig war.

Er war der Meinung, dass es sich bei jeder Religionsform um Relikte früherer Geschichtsepochen handele und diese verschwinden müssen, um in dem sozialistischen Staat nicht zu stören.

Dabei hatte er einen ernsthaften Gegner auf der religiösen Seite. Dieser war der Patriarch Tichon, dessen er sich durch Verhaftung zu entledigen versuchte, den er aber aufgrund des Druckes aus dem Ausland aus dieser wieder entlassen musste.

Sein Kampf gegen die Religiösität hatte erst dann ein Ende, als der zweite Weltkrieg bedrohlich nahte und die Unterstützung der Kirche zum moralischen Beistand und der Bündelung der patriotischen Kräfte notwenig wurde. Mit einer Segnung der russischen Waffen durch die orthodoxe Kirche brach eineZeit des Waffenstillstandes zwischen Stalin und den Glaubenshäusern an. Dieser dauerte so lang, wie auch der Krieg dauerte, danach war die Kirche 1944 gezwungen in eine Art Bündnis mit dem Staat zu teten und in dessen Interesse zu handeln und zu wirken.

Das Ende

Stalin begann nach dem Krieg einen Gürtel von Staaten durch, wie er es nannte, ,,konförderative" Methoden der UdSSR unterzuordnen. So wurden verschiedene Pakte mit Ländern wie Bulgarien und Ungarn geschlossen.

Aus der deutsch Kriegsbesatzungszone von Deutschland wurde per Staatstreich die Deutsche Demokratische Republik. Die Tschechoslowakei war nochaus Kreigszeiten Der Sowjetunion unterstellt.

Jugoslawien unter Tito gelang es, wie auch Griechenland und der Türkei mit Hilfe der Westmächte sich der Einflussnahme der Sowjets zu entziehen. Ein Beistandspakt mit der neu entstandenen Volksrepublik China entstand 1950.

Auch auf Nordkorea wurde Einfluss genommen und viele weitere Gebiete wurden unter sowjetischen Schutz gestellt.

Oft ging das einher mit der Einsetzung sozialistischer Regierungen und direkter Kontrolle über die ,,Brüderstaaten", denen gegen die feindichen Westmächte im Zuge des nunmehr entbrenneden kalten Krieges geholfen wurde.

Stalin selbst schien nun gar nicht mehr in seine revolutionäre Rolle zurückzufinden, sondern betonte vielmehr die Wichtigkeit der Einhaltung bestimmter ökonomischer Notwenidigkeiten, die er aus Lenins Munde früher noch kritisiert hatte. Auch wurde er wieder von einer neuerlichen Welle von Paranoia erfasst und bereitete offensichtlich eine erneute Tschistka vor, als er in der Nacht vom I. auf den 2.März an Arteriosklerose erkrankte und am 5.März einen Schlaganfall erlitt, dem er erlag.

Und nun

Die Trauer der Bevölkerung war wahrscheinlich maßgeblich Angst, hatte Stalin sie doch im Glauben gelassen nur er sei in der Lage dieses große Land zu regieren und vor dem Feind, dem Kapitalismus zu schützen und ohne ihn wäre die Sowjetunion verloren

Warum

Die Frage, warum es einem Mann wie Stalin gelingen konnte, eine solche Macht zu erlangen und so lange zu halten ist schwer zu beantworten. Er war weder charismatisch und in der Lage die Massen zu begeistern wie es Hitler und Mussolini gewesen waren, noch war er ein Intellektueller. In diesem Punkt war er seinen Genern wie Trotzkij und Bucharin sogar weit unterlegen gewesen. Auch eine große menschlich-moralische Stärke hatte Stalin, der schon immer aber mit zunehmendem Alter immer mehr einen Hang zu Verbrechen und Wahnsinn hatte, nicht sein eigen nennen.

Für ihn spricht, dass er völlig unterschäzt wurde, bevor er die Macht an sich reißen konnte, dass er kein Ideologe und Intellektueller war, der sich in Träumen und Visionen verfing und dabei den Sinn für die Realität verlor, sondern ein Taktiker und Intrigant der Spitzenklasse war, dass er auch über Leichen ging und nicht durch eine überkanditelte Moral unentschlossen und unsicher gemacht wurde sondern zielstrebig und skrupellos war. Im Gegensatz zu Hitler jedoch war er in der Lage, dies für sich zu behalten und mittels Heuchelei und Scheinheiligkeit seine Brutalität und die Absichten, die er verfolgte zu verschleiern.

Danach

Wieder einmal wurde versucht das Prinzip der kollektiven Führung zu verwirklichen, indem das Amt des Ersten ZK-Präsidenten von dem des Ministerpräsidenten getrennt wurde. Ursprünglich hatte der von Stalin als nachfolger vorgesehene Malenkov beide Ämter innegehabt, wie auch sein Vorgänger, der nun tod war, auch.

Ob nun Malenkov dazu gezwungen wurde oder ob er sich in der Position des Ministerpräsidenten sicherer wägte, ist nicht bekannt. Jedenfalls gab er das Amt des ZK- Präsidenten auf und dieses wurde von Nikita Sergeevic Chruschtschow übernommen, der in dieses Amt gewählt wurde und von Stalin garnicht als möglicher Erbe in Betracht gezogen worden war.

Dieser Chruschtschow war auch derjenige, der mittels einer geheimen Rede über Personenkult die Entstalinisierung einleitete. Im Zuge dieser wuden die Portraits des ehemaligen Diktators von öffentlichen Plätzen entfernt, Straßen wurden umbenannt Geschichtsbücher wueden umgeschrieben und doch hallte Stalins Nachruf noch lange nicht nur über die Sowjetunion, sondern auch über die anderen Ostblockstaaten. Vielerorts kam es zu Kontroversen zum Thema Stalin, zeitweilig wurde er völlig aus dem öffentlichen Leben verbannt und in Polen und Ungarn kam es zu Aufständen.

Noch lange wurde versucht, das Phänomen Stalin aufzukären und lange blieben die wichtigsten Fakten und Verbrechen dieses Mannes in den geheimen Aktenschränken der Moskauer Zentralen verborgen. Viel Fakten sind im Laufe der zeit jedoch auch verschollen gegangen oder von Stalin selbst und natürlich von seinen Vertrauten und Anhängern frisiert oder vernichtet. Die ganze Wahrheit wird wohl nie ans Licht gelangen und vieles bleibt der Spekulation und der Phantasie überlassen.

Bleibt zu sagen, dass es sich bei dem Phänomen Stalin um ein ähniches wie bei dem Hitlers handelt und noch heute öffentliche Diskussionen zu verfolgen sind, in denen gestritten wird, welcher von beiden mehr Menschen auf dem Gewissen hat, grausamer oder einfach nur Schlimmer für die Menschheit gewesen ist. Zu einem eindeutigen Ergebnis ist man bis heute nicht gekommen und wird es wohlauch in Zukunft nicht.

Quellenangaben

Jossif Wissarinowitsch Dschugaschwili:

Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie. © 1993-1998 Microsoft Corperation

,,Die Russische Revolution 1917"

,,Stalin"

,,Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken - Die Ära Stalin"

,,Kamenew, Lew Borissowitsch"

Sinowjew, Grigorij Jewsejewitsch"

,,Bolschewismus"

,,Stalin - Abrechnung im Zeichen von Glasnost"

Titel der Originalausgabe ,,Stalin. The Glasnost Revelations"

© 1990 by Walther Laqueur

Originalverlag: Charles Scribner's Son

© Copyright 1990 der deutschsprachigen Ausgabe by Kindler Verlag GmbH, München

(S. 17 bis 33)

(S.33 bis 45)

(1) S.18 unten

(2) S.18 Mitte unten

Baschanow, Boris

,,Ich war Stalins Sekretär"

© 1977 by Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt/M - Berlin - Wien

(S.57 bis 73)

Stalins Innenpolitik

Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie. © 1993-1998 Microsoft Corperation ,,Stalin"

,,Stalin - Abrechnung im Zeichen von Glasnost"

Titel der Originalausgabe ,,Stalin. The Glasnost Revelations"

© 1990 by Walther Laqueur

Originalverlag: Charles Scribner's Son

© Copyright 1990 der deutschsprachigen Ausgabe by Kindler Verlag GmbH, München

(S.17 bis 33)

Stökl, Günther

,,Russische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart / Günther Stökl. - 4.Aufl. - Stuttgart : Kröner 1983

(Kröners Taschenbuchausgabe; Bd. 244)

(S. 704 bis 760)

Die Außenpolitik:

,,Stalins Kireg: d. sowjet. Langzeitstrategie gegen d. Westen als rationale Machtpolitik" / Ernst Topitsch. - München: Olzog, 1985.

(1) Seite 17 unten

(S. 9 bis 19)

(S. 49 bis 60)

Stökl, Günther

,,Russische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart / Günther Stökl. - 4.Aufl. - Stuttgart : Kröner 1983

(Kröners Taschenbuchausgabe; Bd. 244)

(S. 704 bis 760)

Allgemeines

Stökl, Günther

,,Russische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart / Günther Stökl. - 4.Aufl. - Stuttgart : Kröner 1983

(Kröners Taschenbuchausgabe; Bd. 244)

(S. 704 bis 760)

(1) S.722 Mitte

(2) S.727 oben

Bildmaterial:

Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie. © 1993-1998 Microsoft Corperation

http://www.stel.ru/stalin/joseph-1935-1953.htm

22 von 22 Seiten

Details

Titel
Russland unter Stalin
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V100247
ISBN (eBook)
9783638986762
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stalin
Arbeit zitieren
Carola Dietrich (Autor:in), 2001, Russland unter Stalin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100247

Kommentare

  • Gast am 4.10.2013

    Seine Mutter war keine Analphabetin. Auch andere kleine Fehler sind zu finden

  • Gast am 7.4.2003

    gut.

    blöd stukturiert, aber informationslastig. rechtschreibfehler aber gut geschrieben.

    gute sache. alles in einem, toll :)

Im eBook lesen
Titel: Russland unter Stalin



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