Die Einführung des Sozialkreditsystems in China. Eine kritische Analyse der Auswirkungen auf das Verhalten der chinesischen Gesellschaft


Hausarbeit

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Daten als Grundlage für das Sozialkredit-System
2.1 Daten
2.2 Big Data
2.3 Big Data Unternehmen

3 Das Sozialkreditsystem - Ziele des Verhaltens

4 Konkrete Ausgestaltung des Sozialkredit-Systems

5 Folgen
5.1 Punktevergabe und Punkteabzug
5.2 Folgen eines negativen Rankings
5.3 Folgen eines positiven Rankings

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!" (Redewendung)

Bei rot die Straße überqueren. Einen Kommentar in Social Media verfassen, der die Unzufriedenheit gegenüber der aktuellen politischen Situation ausdrückt. Aufgrund von zu viel Arbeit, seine Eltern nicht regelmäßig besuchen.

Alles Dinge, die in der Gesellschaft geschehen und ohne großartige Konsequenzen hingenommen werden. Doch was wäre wenn ein Arbeiter plötzlich von seinem Arbeitgeber gefeuert wird, nur weil er bei rot über die Ampel gegangen ist? Wenn er plötzlich auf einem großen Bildschirm am Hauptbahnhof sein Gesicht wiedererkennt, weil er versäumt hat die Miete pünktlich zu bezahlen?

Was sich im ersten Moment dystopisch und unvorstellbar anhört, ist in China bereits in manchen Städten Realität. Im Jahr 2014 veröffentlichte die Regierung der Volksrepublik China den Plan zur Einrichtung des Gesellschaftlichen Bonitätssystems, welches den Namen „Social Credit System" (deutsch: „Sozialkredit-System"" trägt (vgl. Dorloff, Axel: Chinas Sozialkredit-System. Auf dem Weg in die IT-Diktatur; in: Deutschlandfunk Kultur 05.09.2017). Ziel dieses Projekts ist es, „das Verhalten von Individuen, Organisationen und Unternehmen durch Mechanismen der staatlichen Belohnung und Bestrafung zu beeinflussen und diese Akteure im Sinne des Leitbildes von Chinas Staatspräsident Xi Jinping, der harmonischen Gesellschaft' zu erziehen" ( Dorloff, Axel: Chinas Sozialkredit-System. Auf dem Weg in die IT-Diktatur; in: Deutschlandfunk Kultur (Hrsg.): Weltzeit 05.09.2017). Laut Chinas Staatspräsident, soll dadurch eine ehrliche und vertrauenswürdige Gesellschaft entstehen können.

Als Grundlage dafür dienen Daten, welche einerseits aus traditionellen Quellen, wie zum Beispiel Kreditbewertungen, Strafregister und Meldedaten, aber auch aus digitalen Quellen, wie zum Beispiel Suchbegriffe, die die Person im Internet eingegeben hat oder Kommentare, die sie in Sozialen Medien hinterlassen hat, entnommen werden (vgl. Bastian Benrath und Bernhart Bartsch: Frankfurter allgemeine Zeitung: Punktabzug für zu seltene Besuche bei den Eltern 30.11.2018)

2 Daten als Grundlage für das Sozialkredit-System

Um das Sozialkredit-System besser erklären und darstellen zu können, werden zunächst dessen Grundelemente differenziert voneinander erklärt. Da Daten das Fundament des Sozialkredit-Systems bilden, wird im Folgenden geklärt was Daten überhaupt sind, wie Sie erfasst und folglich von der Regierung verwendet werden können.

2.1 Daten

Zuerst wird auf den wohl grundlegendsten Begriff des Sozialkredit-Systems eingegangen; die Daten oder das Datum. Etymologisch betrachtet, findet das Wort seinen Ursprung im Lateinischen und kommt von dem Wort „dare"=„geben" und trägt in seiner substantivierten Form die Bedeutung „das Gegebene". Übertragen auf Digitale Inhalte, liegen diese „gegebenen" Daten in Form von Bits und Bytes vor (vgl.Reigeluth, Tyler 2015: S.21-34). Christian Fauré definiert diese „gegebenen" Daten wie folgt und unterteilt sie in vier Aspekte:

„1. Aus kognitivistischer Sicht sind Daten jenes Rohmaterial, mit welchem der menschliche Verstand umgeht und es bearbeitet.
2. Seit dem Aufkommen des Computers und dem Beginn der Softwareentwicklung fasst der Begriff zunehmend all jene speicherbaren Informationen, die für Maschinen aufgezeichnet werden.
3. In jüngster Zeit ist mit dem Begriff hingegen vor allem jener Prozess angesprochen, wie Informationen übermittelt oder von einer Komponente an eine andere weitergereicht werden.
4. Die Vorstellung von Metadaten - Daten über Daten - adressiert schließlich, so Fauré, die Kategorisierung und die Indizierung von Daten." (Reigeluth, Tyler (2015): S.21-34)

2.2 Big Data

Da es sich bei dem Thema Big Data um ein enorm Facettenreiches Thema handelt und eine ausführliche Darbietung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, wird im Folgenden nur eine grobe Zusammenfassung aufgeführt, um ein einfaches Verständnis des Begriffes zu vermitteln.

Um den Begriff Big Data zu verstehen, eignet es sich besonders, vorerst eine Abgrenzung des Begriffs von dem Begriff Daten durchzuführen.

Täglich werden 2,5 Trillionen Bytes oder 2,5 Exabytes an Daten auf der gesamten Welt generiert. Das wären umgerechnet ca. 115 Bücher mit jeweils 500 Seiten pro Mensch (vgl. Fasel, Daniel u. Andreas Meier 2016: S.6) Diese Daten sind selbstverständlich nicht aus einer bestimmten Quelle. Sie verteilen sich beispielsweise auf sozialen Netzwerken, Suchmaschinen, unzählige kleine Foren und auch privaten Websites. Ermöglicht wird das Erfassen und Auswerten solcher immensen Datenmengen durch ein stetiges Wachsen der Speicher- und Rechenkapazität bei gleichzeitigem Sinken der Preise für diese. Das bis heute fast unverändert geltende Prinzip wurde bereits 1965 durch Gordon Earl Moore bekannt. Das nach ihm benannte Gesetz besagt, dass sich die Rechenleistung alle 24 Monate verdoppelt (vgl. Fasel, Daniel u. Andreas Meier 2016: S.17). In der Größe und Menge der Daten liegt auch schon der erste Unterschied zu einfachen Daten. Ein weitaus bedeutenderer Unterschied liegt vor allem in der Form der Daten; Daten in einfachen relationalen Datenbanken stehen meistens sortiert zur Auswertung durch eine so genannte Structured Query Language bereit und sind zudem meist nur von einem Typ. Big Data Sets hingegen, bestehen zum großen Teil hauptsächlich aus unsortierten Rohdaten, welche verteilt in diversen Datenbanken liegen können und die zur Auswertung erst von verschiedenen Algorithmen ausgewertet und sortiert werden müssen. Zudem kommen in Big Data Sets diverse vorsortierte Datensätze, wie zum Beispiel Transaktionsdaten, GPS- Daten und einfache Bild oder Textdateien zusammen (vgl.Fischer, Peter und Hofer, Peter 2011:S.187)

Ganz allgemein lässt sich zusammenfassen, dass es sich bei Big Data viel mehr um ein Konzept handelt, als um eine konkrete Sache. Es ist ein neue Art der Speicherung und Auswertung der von Menschen generierten Daten, eine Quantifizierung neuer Lebensbereiche und die daraus erwachsende Hoffnung auf neue Einsichten in das Leben der Menschen. Wie die chinesische Regierung von den Daten Gebrauch macht und woher sie die Daten der Einwohner überhaupt bezieht, wird im folgenden Kapitel geklärt (vgl. Fischer, Peter und Hofer, Peter 2011:S.189).

2.3 Big Data Unternehmen

Wie bereits in den Kapiteln zuvor erwähnt, bilden Daten das Fundament des SozialkreditSystem. Denn nur so kann die Regierung ein bestimmtes Verhalten identifizieren und folglich belohnen oder bestrafen. Deshalb stehen viele der großen digitalen Unternehmen in enger Verbindung zum Staat und sind bereit ihre Daten zu teilen. Zu den drei für den Staat wichtigsten Big Data Unternehmen zählen Baidu, Tencent und Alibaba. Vergleichbar sind diese drei Unternehmen mit Facebook, Google und Amazon. Hierbei wäre Baidu das Äquivalent zu Google, Tencent zu Facebook und Alibaba für Amazon. Alle drei Unternehmen haben in den vergangenen Jahren verstärkt auf neue Technologien gesetzt und waren somit in der Lage, einen bedeutenden Markt zu erschließen. Jedes Unternehmen bedient eine eigene Nische und spezialisiert sich somit auf gewisse Daten, von denen der Staat dann weiteren Nutzen ziehen kann. Baidu beispielsweise, verdient sein Geld hauptsächlich sein Geld durch sein Wissen über die Nutzer; es werden auf die Nutzer zugeschnittene Werbeanzeigen verkauft. Des Weiteren beteiligt sich Baidu an einem Big Data Labor zu Forschungszwecken und beteiligt sich an diversen Kooperationsprojekten mit der chinesischen Regierung (vgl. Kühnreich, Katika 2017: Gamified Control? China's Social Credit System).

Ähnlich arbeitet das Unternehmen Tencent. Tencent ermittelt über den Sofortnachrichtendienst WeChat (Marktführer in China) die Trendsetter innerhalb einer Gruppe von Freunden und spricht diese dann ganz gezielt an (vgl. Swanson, Ana 2015: The Power of Big Data in China). Das dritte Unternehmen Alibaba und der Vorreiter aller Unternehmen gilt als größte e-commerce Plattform Chinas und bietet bereits seit 2004 ein Online-Bezahlsystem namens Alipay an, welches mit dem amerikanischen Paypal vergleichbar ist. Seit einigen Jahren bietet die Tochterfirma „Ant Financial Services Group" die Dienstleistung Sesame Credit an. Dieses, als Vorreiter des Socialkredit-Systems gesehene System, verwertet alle eigenen Nutzerdaten sowie Daten der Regierung um einen allgemeinen Score zu errechnen. Auf Grundlage dieses Scores werden Kredite vergeben oder Zahlungsziele vereinbart (vgl. Backer, Larry Cata 2017 : S.3).

3 Das Sozialkreditsystem - Ziele des Verhaltens

Während die Demokratie und der Rechtsstaat in Europa sich gegen eine zügellose Verwendung der Daten stellen, möchte sich das chinesische Regime die Möglichkeiten der Datenpakete zunutze machen. Dafür kreiert die Regierung einen Plan, welcher zu einer ganzheitlichen Überwachung der Bevölkerung führen soll. Dabei ist das Ziel der chinesischen Regierung, vertrauenswürdiges Verhalten zu belohnen und sogenannte „Vertrauensbrecher" zu bestrafen. Wie die Belohnungen und Bestrafungen umgesetzt werden, wird später in Kapitel fünf erläutert (vgl.Rogier Cremers, China Copyright and Media: 14.06.2014). Zur Erklärung des Sozialkredit-Systems wird ein offizielles von der chinesischen Regierung veröffentlichtes Dokument zur Planung und Umsetzung des Sozialkreditsystems „Planning Outline for the Construction of a Social Credit System (2014/2020)" zur Hilfe genommen. Zu Beginn werden zunächst einmal die Ziele und Gründe für die Entwicklung eines Sozialkredit-Systems beschrieben.

"Accelerating the construction of a social credit system is an important basis for comprehensively implementing the scientific development view and building a harmonious Socialist society, it is an important method to perfect the Socialist market economy system, accelerating and innovating social governance, and it has an important significance for strengthening the sincerity consciousness of the members of society, forging a desirable credit environment, raising the overall competitiveness of the country and stimulating the development of society and the progress of civilization." (Rogier Cremers, China Copyright and Media: 14.06.2014)

Die Regierung verspricht sich von der Umsetzung des Sozialkreditsystems positive Auswirkungen in sozialen, ethisch-moralischen aber auch vor allem in wirtschaftlichen Bereichen. Als Hauptgründe für die Errichtung des Systems werden Probleme der Vertrauenswürdigkeit in Industrie und Wissenschaft beschrieben; Verkauf gefälschter Produkte, Steuerhinterziehung, akademische Unsauberkeiten und Bestechlichkeit. Dies seien Probleme, welche laut der Regierung, trotz harter Strafen weiterhin bestehen.

Die Idee mit welcher all diese Probleme gelöst werden sollen ist folgende:

"broadly shape a thick atmosphere in the entire society that keeping trust is glorious and breaking trust is disgraceful, and ensure that sincerity and trustworthiness become conscious norms of action among all the people" (Rogier Cremers, China Copyright and Media: 14.06.2014)

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Details

Titel
Die Einführung des Sozialkreditsystems in China. Eine kritische Analyse der Auswirkungen auf das Verhalten der chinesischen Gesellschaft
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,3
Autor
Seiten
14
Katalognummer
V1003176
ISBN (eBook)
9783346380531
ISBN (Buch)
9783346380548
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkungen, verhalten, gesellschaft, einführung, sozialkreditsystems, eine, analyse
Arbeit zitieren
Till Uphoff (Autor), Die Einführung des Sozialkreditsystems in China. Eine kritische Analyse der Auswirkungen auf das Verhalten der chinesischen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1003176

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