Diese Arbeit befasst sich mit dem Sozialkredit-System in China. Um das Sozialkredit-System besser erklären und darstellen zu können, werden zunächst dessen Grundelemente differenziert voneinander erklärt. Da Daten das Fundament des Sozialkredit-Systems bilden, wird im Folgenden geklärt was Daten überhaupt sind, wie Sie erfasst und folglich von der Regierung verwendet werden können.
Bei rot die Straße überqueren. Einen Kommentar in Social Media verfassen, der die Unzufriedenheit gegenüber der aktuellen politischen Situation ausdrückt. Aufgrund von zu viel Arbeit, seine Eltern nicht regelmäßig besuchen. Alles Dinge, die in der Gesellschaft geschehen und ohne großartige Konsequenzen hingenommen werden. Doch was wäre wenn ein Arbeiter plötzlich von seinem Arbeitgeber gefeuert wird, nur weil er bei rot über die Ampel gegangen ist? Wenn er plötzlich auf einem großen Bildschirm am Hauptbahnhof sein Gesicht wiedererkennt, weil er versäumt hat die Miete pünktlich zu bezahlen? Was sich im ersten Moment dystopisch und unvorstellbar anhört, ist in China bereits in manchen Städten Realität. Im Jahr 2014 veröffentlichte die Regierung der Volksrepublik China den Plan zur Einrichtung des Gesellschaftlichen Bonitätssystems, welches den Namen "Social Credit System".
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Daten als Grundlage für das Sozialkredit-System
2.1 Daten
2.2 Big Data
2.3 Big Data Unternehmen
3 Das Sozialkreditsystem – Ziele des Verhaltens
4 Konkrete Ausgestaltung des Sozialkredit-Systems
5 Folgen
5.1 Punktevergabe und Punkteabzug
5.2 Folgen eines negativen Rankings
5.3 Folgen eines positiven Rankings
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Auswirkungen des staatlichen Sozialkreditsystems in China auf das Verhalten der Bevölkerung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern durch digitale Überwachung und ein Belohnungs- sowie Bestrafungssystem eine Verhaltenssteuerung der Bürger stattfindet.
- Grundlagen und Definition von Daten sowie Big Data.
- Die Rolle digitaler Großunternehmen im chinesischen Sozialkreditsystem.
- Die moralischen und gesellschaftspolitischen Ziele der chinesischen Regierung.
- Mechanismen der Punktevergabe und die Konsequenzen positiver sowie negativer Rankings.
- Einschätzung der Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander.
Auszug aus dem Buch
3 Das Sozialkreditsystem – Ziele des Verhaltens
Während die Demokratie und der Rechtsstaat in Europa sich gegen eine zügellose Verwendung der Daten stellen, möchte sich das chinesische Regime die Möglichkeiten der Datenpakete zunutze machen. Dafür kreiert die Regierung einen Plan, welcher zu einer ganzheitlichen Überwachung der Bevölkerung führen soll. Dabei ist das Ziel der chinesischen Regierung, vertrauenswürdiges Verhalten zu belohnen und sogenannte „Vertrauensbrecher“ zu bestrafen. Wie die Belohnungen und Bestrafungen umgesetzt werden, wird später in Kapitel fünf erläutert (vgl.Rogier Cremers, China Copyright and Media: 14.06.2014). Zur Erklärung des Sozialkredit-Systems wird ein offizielles von der chinesischen Regierung veröffentlichtes Dokument zur Planung und Umsetzung des Sozialkreditsystems „Planning Outline for the Construction of a Social Credit System (2014/2020)“ zur Hilfe genommen. Zu Beginn werden zunächst einmal die Ziele und Gründe für die Entwicklung eines Sozialkredit-Systems beschrieben.
“Accelerating the construction of a social credit system is an important basis for comprehensively implementing the scientific development view and building a harmonious Socialist society, it is an important method to perfect the Socialist market economy system, accelerating and innovating social governance, and it has an important significance for strengthening the sincerity consciousness of the members of society, forging a desirable credit environment, raising the overall competitiveness of the country and stimulating the development of society and the progress of civilization.” (Rogier Cremers, China Copyright and Media: 14.06.2014)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der gesellschaftlichen Überwachung durch das Sozialkreditsystem in China ein und stellt die Relevanz der digitalen Datenerhebung für die Verhaltenssteuerung dar.
2 Daten als Grundlage für das Sozialkredit-System: In diesem Kapitel werden die technischen Voraussetzungen, namentlich der Datenbegriff und das Konzept Big Data, sowie die Rolle der beteiligten Unternehmen erläutert.
3 Das Sozialkreditsystem – Ziele des Verhaltens: Das Kapitel beleuchtet die von der chinesischen Regierung formulierten Zielsetzungen für das System, insbesondere die Etablierung einer harmonischen Gesellschaft durch Belohnung und Bestrafung.
4 Konkrete Ausgestaltung des Sozialkredit-Systems: Hier werden die sieben zentralen Punkte der Umsetzung sowie der technische Ausbau der Überwachung durch Gesichtserkennung und öffentliche Ratingseiten beschrieben.
5 Folgen: Dieses Kapitel analysiert die konkreten Auswirkungen für den Bürger, basierend auf der Punktevergabe sowie den Konsequenzen eines positiven oder negativen Rankings im Alltag.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das Sozialkreditsystem bereits jetzt spürbare Auswirkungen auf das Verhalten der chinesischen Gesellschaft hat.
Schlüsselwörter
Sozialkreditsystem, China, Big Data, digitale Überwachung, Verhaltenssteuerung, Sozialkredit, harmonische Gesellschaft, Vertrauensbrecher, Rating-System, Gesichtserkennung, gesellschaftliche Auswirkungen, soziale Kontrolle, Mediensozialisation, Scoring, Reputation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das chinesische Sozialkreditsystem und dessen Einfluss auf die Verhaltensweisen der Bevölkerung durch eine kritische medienpsychologische Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Datenerhebung, Big Data, staatliche Überwachungstechnologien sowie die Auswirkungen von Belohnungs- und Sanktionsmechanismen auf das Individuum.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie die Einführung des Sozialkreditsystems das Verhalten der chinesischen Gesellschaft verändert und steuert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse offizieller Regierungsdokumente Chinas sowie Fachliteratur und Medienberichten zur Funktionsweise und den Folgen des Systems.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technologischen Grundlagen (Daten/Big Data), die politisch-ideologischen Ziele der Regierung, die technische Ausgestaltung und die konkreten Folgen eines positiven oder negativen Rankings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialkreditsystem, digitale Überwachung, Verhaltenssteuerung, Big Data und soziale Kontrolle.
Wie genau beeinflusst das Sozialkreditsystem den Alltag eines Bürgers?
Es beeinflusst den Alltag durch direkten Zugang zu Dienstleistungen wie Reisen oder Krediten, abhängig vom individuellen Punktestand, der durch das Verhalten gegenüber dem Staat bestimmt wird.
Was ist das Ziel der sogenannten „schwarzen Liste“?
Die „schwarze Liste“ dient als abschreckendes Instrument, bei dem Personen mit unaufrichtigem Verhalten öffentlich angeprangert werden.
Wie wirkt sich Wohltätigkeitsarbeit auf den Punktestand aus?
Wohltätigkeitsarbeit sowie Spenden werden vom System positiv bewertet und führen zu einer Erhöhung des Punktekontos, was den Bürger im System besser stellt.
- Citation du texte
- Till Uphoff (Auteur), Die Einführung des Sozialkreditsystems in China. Eine kritische Analyse der Auswirkungen auf das Verhalten der chinesischen Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1003176