Die für diese Publikation verfassten Texte weisen nicht nur auf die Vielfalt des Themas Kunst und Inklusion mit dem Schwerpunkt Theater hin, sondern auch auf die unterschiedlichen Zugänge, die die Studierenden des Seminars wählten, um sich ihren Themenfeldern zu nähern. Die Inhalte umfassen sowohl Theatergruppen, Theaterfestivals, pädagogische Herangehensweisen, historische Rückblicke, als auch Literaturvorlagen und Filme, die sich allesamt mit der drängenden Frage auseinandersetzen, inwiefern Inklusion am jeweiligen Beispiel tatsächlich stattfindet bzw. lediglich als dekoratives Modernisierungsinstrument verwendet wird.
Mit dem Hinweis, dass die im Seminar erlernte moderne Auffassung von Inklusion sowohl in der Kunst als auch im Alltag (hierzu zählt auch die Hochschullehre) noch in ihren Kinderschuhen steckt, sollten sich die Studierenden des Seminars Theater und Inklusion (Wissenschaftliche Reflexion der Kulturvermittlungspraxis) anhand selbstgewählter Themen mit dieser Herausforderung kritisch auseinandersetzen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Tiffany Kudrass
Auszug aus dem Vorlesungsverzeichnis
Theater RambaZamba: Es geht um Kunst und nicht um Therapie
Emma Greve
Theater Eisenhans: Theater erfahren und mitgestalten. Für Menschen mit und ohne Behinderung
Lucie Charlotta Broich
Inklusion psychisch Erkrankter im Kleinen Theater Haar
Elisabeth Lankes
Das Schicksal von Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus
Caroline Eva Marie Verhoff
Ziemlich beste Freunde – eine inklusive Freundschaft
Emily Babette Herpich
Die Frage nach dem Selbst und seiner Inklusion. Zum Umgang mit Demenz in Theater, Film und Gesellschaft
Alexandra Eckl
Der Klang von Rhythmus: Inklusion im Kunstbereich am Beispiel der gehörlosen Künstlerin Kassandra Wedel
Hanna Liertz
Theater überwindet Barrieren: Die Kooperation der Schulen Bergkirchen und Schönbrunn
Rudi Siegl
Braucht Inklusion einen breiten öffentlichen Diskurs?
Julia Voigt
„Was darf Theater? Krüppel auf der Bühne"
Verena M. Knarr
Die künstlerische Freiheit sich frei von seinem Kunstwerk zu machen
Raphaela Kriegl
Nunjeen – Flucht in die Freiheit. Ein Essay über Exklusion, Inklusion und Integration
Eva Sedlmeier
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von inklusiven Ansätzen in verschiedenen Bereichen der darstellenden Künste und der kulturellen Vermittlung. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen theoretischen Forderungen nach Inklusion und der tatsächlichen praktischen Umsetzung zu beleuchten, wobei der Fokus auf dem Theater als Ort künstlerischer Prozesse und gesellschaftlicher Auseinandersetzung liegt.
- Kritische Reflexion von Inklusionskonzepten in Theater und Kunst.
- Analyse praktischer Beispiele inklusiver Theaterarbeit mit Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen.
- Untersuchung der Rolle von Institutionen, Medien und öffentlichem Diskurs.
- Diskussion über Kunstbegriff, Ästhetik und die Gefahr der Exklusion durch therapeutische Instrumentalisierung.
- Betrachtung von individuellen Lebensgeschichten und deren Einfluss auf künstlerische Freiheit und Teilhabe.
Auszug aus dem Buch
Die Frage nach dem Selbst und seiner Inklusion. Zum Umgang mit Demenz in Theater, Film und Gesellschaft
„Peer Gynt ist dement. Was ist es, das Selbst? Und wer entscheidet, wessen Realität hier gilt?“ Diesen Fragen nähert sich das Theaterkollektiv Markus&Markus in seiner Inszenierung Ibsen: Peer Gynt an, für welche die beiden Performer über eine bestimmte Zeit hinweg den an Demenz erkrankten Herbert begleitet haben. Wie Henrik Ibsens Protagonist Peer Gynt lebt auch Herbert in einer Welt zwischen Fakt und Fiktion, in der eine Unterscheidung von Mal zu Mal schwerer wird. Trotz der Verbindung zu Peer Gynt soll Herbert im Theaterstück nicht eine andere Figur spielen, sondern als diejenige Person auftreten, die aufgrund seiner Erkrankung mehr und mehr auf dem Spiel steht: als er selbst. Markus&Markus stellen die Frage nach dem Selbst im Kunstraum, im Theater, aber verorten sie damit gleichzeitig in der Gesellschaft, im alltäglichen Leben, wenn sie den gesellschaftlichen Umgang mit Selbst und Realität diskutieren – wie im Eingangszitat deutlich wird. Wie kann oder soll eine Inklusion des Selbst mit Demenz in Kunst und Gesellschaft in diesem Fall aussehen? Um sich einer Antwort anzunähern, soll im Folgenden neben der Theaterinszenierung von Markus&Markus kontrastierend der Film Vergiss mein nicht von David Sieveking betrachtet werden – beides Produktionen, die einen Demenzpatienten bzw. eine Demenzpatientin begleiten und auf unterschiedliche Weise Ansatzpunkte aufzeigen, wie Inklusion in Kunst und Gesellschaft aussehen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Theater RambaZamba: Es geht um Kunst und nicht um Therapie: Das Kapitel beleuchtet die Philosophie des inklusiven Theaters RambaZamba, bei dem der künstlerische Prozess und nicht die therapeutische Wirkung im Vordergrund steht.
Theater Eisenhans: Theater erfahren und mitgestalten. Für Menschen mit und ohne Behinderung: Diese Arbeit beschreibt das Hamburger Projekt Eisenhans, das Menschen mit und ohne Behinderung die Möglichkeit bietet, gemeinsam Theaterstücke zu erarbeiten und aufzuführen.
Inklusion psychisch Erkrankter im Kleinen Theater Haar: Das Kapitel untersucht den Inklusionsansatz des Kleinen Theaters Haar im Kontext des kbo-Sozialpsychiatrischen Zentrums und thematisiert die Rolle der Theaterpädagogik.
Das Schicksal von Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus: Die Autorin setzt sich mit der historischen Ausgrenzung und systematischen Vernichtung von Menschen mit Behinderung während der NS-Zeit auseinander.
Ziemlich beste Freunde – eine inklusive Freundschaft: Anhand des Films wird eine ungewöhnliche Freundschaft analysiert, die als Modell für gelungene Inklusion und gegenseitige Bereicherung dienen kann.
Die Frage nach dem Selbst und seiner Inklusion. Zum Umgang mit Demenz in Theater, Film und Gesellschaft: Das Kapitel kontrastiert Theater- und Filmproduktionen, die den Umgang mit Demenz behandeln und kritisch nach einer inklusiven Darstellung fragen.
Der Klang von Rhythmus: Inklusion im Kunstbereich am Beispiel der gehörlosen Künstlerin Kassandra Wedel: Die Arbeit porträtiert die Karriere der Tänzerin Kassandra Wedel und diskutiert die Möglichkeiten der Inklusion von gehörlosen Menschen im Tanz.
Theater überwindet Barrieren: Die Kooperation der Schulen Bergkirchen und Schönbrunn: Dieses Kapitel berichtet über ein konkretes Kooperationsprojekt zwischen Schulen mit und ohne Förderschwerpunkt.
Braucht Inklusion einen breiten öffentlichen Diskurs?: Die Autorin hinterfragt, wie inklusive Kulturprojekte mehr Aufmerksamkeit in der breiteren Öffentlichkeit erlangen können, um Defizitdenken abzubauen.
„Was darf Theater? Krüppel auf der Bühne": Die Arbeit reflektiert die ethischen und ästhetischen Fragen, die entstehen, wenn behinderte Menschen als Schauspieler auf der Bühne stehen.
Die künstlerische Freiheit sich frei von seinem Kunstwerk zu machen: Raphaela Kriegl beschreibt ihre persönlichen Erfahrungen in Werkstätten für Menschen mit Behinderung und hinterfragt die Möglichkeiten künstlerischer Ausdrucksfreiheit.
Nunjeen – Flucht in die Freiheit. Ein Essay über Exklusion, Inklusion und Integration: Das Kapitel behandelt die Fluchtgeschichte von Nunjeen Mustafa und analysiert ihren Prozess der Ankunft und Inklusion in Deutschland.
Schlüsselwörter
Theater, Inklusion, Kulturvermittlung, Menschen mit Behinderung, Kunst, Gesellschaft, Teilhabe, Demenz, Barrierefreiheit, Ästhetik, Diskurs, Integration, Exklusion, Behindertenrechtskonvention, Künstlerische Freiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Publikation grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert im Rahmen eines theaterwissenschaftlichen Seminars die Schnittstellen zwischen Kunst und Inklusion sowie die damit verbundene gesellschaftliche Praxis.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen inklusive Theatergruppen, Projekte mit Menschen mit Demenz oder Hörbehinderung, historische Kontexte sowie die Rolle der Medien bei der Vermittlung von Inklusion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem theoretischen Anspruch der Inklusion und der tatsächlichen, oftmals herausfordernden Umsetzung in der Kulturlandschaft zu analysieren.
Welche methodischen Ansätze werden verwendet?
Die Arbeit nutzt theaterwissenschaftliche Reflexion, Fallstudien, Analysen von Filmen und Theaterinszenierungen sowie die Auswertung von persönlichen Interviews und Erfahrungen.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil besteht aus Beiträgen von Studierenden, die diverse inklusive Projekte untersuchen und kritisch hinterfragen, ob Inklusion tatsächlich stattfindet oder nur als Instrument dient.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Theater, Inklusion, kulturelle Teilhabe, gesellschaftliche Wahrnehmung, künstlerische Autonomie und Barrierefreiheit sind zentrale Begriffe.
Wie wird das Thema Inklusion von Menschen mit Demenz in dieser Arbeit diskutiert?
Die Arbeit diskutiert dies anhand von Film und Theater, wobei die Balance zwischen künstlerischem Ausdruck, Würde der Betroffenen und der Frage nach notwendigen „Schutzräumen“ (Safe Spaces) im Vordergrund steht.
Welche Rolle spielt die Sprache im Zusammenhang mit Gehörlosigkeit im Theater?
Das Beispiel Kassandra Wedel verdeutlicht, wie durch Gebärdensprache, Untertitelung und aktive Kommunikation Sprachbarrieren überwunden werden können, um eine Teilhabe am professionellen Kunstbetrieb zu ermöglichen.
- Citation du texte
- Dr. phil. Tiffany Kudrass (Auteur), 2017, Theater und Inklusion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1003554