Als zentrale Forschungsfrage, die im Rahmen dieser Arbeit beantwortet werden soll, fungiert die Frage, ob die negativen und positiven Vermutungen und Vorurteile, die viele gegenüber Mehrsprachigkeit im Kindesalter hegen, in Wirklichkeit vielmehr eine Chance oder ein Hindernis für die Entwicklung des Kindes bedeuten. Diese zentrale Forschungsfrage erfordert Antworten auf weitere Fragen, die im Laufe der Arbeit ausführlich beantwortet und erläutert werden.
Zur Beantwortung der aufgeworfenen Forschungsfrage wird in dieser Arbeit wie folgt vorgegangen: Die Arbeit umfasst vier Kapitel. Das erste Kapitel widmet sich der Begriffserklärung und Definition von Mehrsprachigkeit. Darauf aufbauend wird der Begriff Mehrsprachigkeit weitergehend untersucht, da das zweite Kapitel sich mit der Typunterscheidung und den verschiedenen Arten von Mehrsprachigkeit befasst. Im Fokus des dritten Kapitels stehen die Vorurteile und Klischees, die eine Menge Eltern, Pädagogen und Sprachwissenschaftler haben. Diese Arbeit möchte genau diese Vorbehalte kritisch beleuchten und konzentriert sich darauf mögliche Chancen oder Hindernisse von multilingualer Erziehung in der frühen Kindheit zu diskutieren.
Als Grundlage für eine der erarbeiteten Thesen, ist eine eigenhändig durchgeführte Umfrage ebenfalls ein Teil des Kapitels. Die Arbeit schließt mit einem Fazit, persönlichen Erfahrungen mit mehrsprachiger Erziehung und einem kurzen Ausblick auf die zusammengetragenen Vorurteile und deren Wirklichkeit ab. Insbesondere ist das Ziel der vorliegenden Arbeit zu untersuchen, ob durch den Einsatz von mehrsprachiger Erziehung ein Kind in seiner persönlichen, sprachlichen und geistigen Entwicklung gefördert oder eher beeinträchtigt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung (Fragestellung, Zielsetzung und methodisches Vorgehen)
2. Definition: Mehrsprachigkeit
2.1.Unterschied zwischen Zweit- und Fremdsprache
2.2.Mehrsprachigkeit als der Normalfall
3. Arten von Mehrsprachigkeit
3.1.Art des Spracherwerbs
3.2.Gesellschaftliche Bedingungen
3.3.Formen der Kompetenz
4. Vorurteile von Mehrsprachigkeit im Kindesalter
4.1.Hindernis
4.1.1. Mythos der doppelten Halbsprachigkeit
4.1.2. Je früher, desto besser?
4.2.Chance
4.2.1. Kognitive und geistige Leistungsfähigkeit
4.2.2. Mythos der Sprachverwirrung
4.2.3. Sprachentwicklungsstörungen
4.2.4. Berufschancen
5. Fazit (Eigene Meinung zum Thema, persönliche Erfahrung, Rückblick auf meine Vorgehensweise)
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Vorurteile gegenüber der Mehrsprachigkeit im Kindesalter, um zu ermitteln, ob diese eine Chance für die Entwicklung oder ein Hindernis darstellen.
- Grundlagen und Definitionen der Mehrsprachigkeit
- Typologische Unterschiede und Formen des Spracherwerbs
- Kritische Analyse häufiger Mythen und Vorurteile
- Einfluss der Mehrsprachigkeit auf kognitive Leistungen und Entwicklung
- Empirische Erkenntnisse durch eine eigene Umfrage
Auszug aus dem Buch
4.2.1. Kognitive und geistige Leistungsfähigkeit
Betrachtet man die vielen Vorurteile aus einem positiven Blickwinkel, so teilen immer mehr Menschen die Überzeugung, dass mehrsprachige Kinder intelligenter sind. Sie würden durch das frühe Erlernen von zwei Sprachen besonders gefördert werden in Fähigkeiten, wie dem abstrakten Denken und davon vorteilhaft profitieren.23 Doch sind mehrsprachige Kinder tatsächlich intelligenter als einsprachig aufwachsende Kinder? Anhand von Untersuchungen der McGill University konnte nachgewiesen werden, dass mehrsprachige Kinder intelligenter und lernfähiger sind. Der kanadische Wissenschaftler Wallace Lambert und seine Kollegin Elizabeth Pearl führten eine Intelligenzprüfung durch, in der mehrsprachige Schüler*innen im Alter von zehn Jahren mit einsprachigen Schüler*innen verglichen wurden.
Obwohl die Forscher zuvor ihre Bedenken zu Mehrsprachigkeit im Kindesalter haben, waren sie hinterher sehr überzeugt vom eindeutigen Resultat. Die mehrsprachigen Kinder hatten nicht nur insgesamt bessere Noten, sondern auch bei den IQ-Tests und den sonstigen Aufgaben waren die mehrsprachigen Kinder den einsprachigen weit voraus. Angesichts dieser Ergebnisse liegt die Schlussfolgerung nahe, dass die mehrsprachigen Kinder sich als intelligenter erweisen und diese Untersuchung ein eindeutiger Beweis ist für die positive Wirkung der Mehrsprachigkeit auf die geistigen Fähigkeiten.
Aufgrund dieser Tatsache fällt es einem Menschen leichter grammatische Regeln zu verstehen und auch eine weitere Fremdsprache zu lernen. Dabei wird meistens intuitiv auf vertraute Wörter und Satzstrukturen zurückgegriffen.24
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung (Fragestellung, Zielsetzung und methodisches Vorgehen): Die Einleitung führt in die Relevanz der Mehrsprachigkeit ein und definiert die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich der Chancen und Hindernisse für die kindliche Entwicklung.
2. Definition: Mehrsprachigkeit: Dieses Kapitel klärt den Begriff der Mehrsprachigkeit und unterscheidet präzise zwischen Zweitspracherwerb und dem Erlernen von Fremdsprachen.
3. Arten von Mehrsprachigkeit: Hier werden verschiedene Dimensionen der Mehrsprachigkeit beleuchtet, unterteilt in Erwerbsarten, gesellschaftliche Bedingungen und Kompetenzformen.
4. Vorurteile von Mehrsprachigkeit im Kindesalter: Das Hauptkapitel setzt sich kritisch mit gängigen Vorurteilen und Mythen auseinander, wobei sowohl vermeintliche Hindernisse als auch Chancen analysiert werden.
5. Fazit (Eigene Meinung zum Thema, persönliche Erfahrung, Rückblick auf meine Vorgehensweise): Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet sie vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen und unterstreicht die Relevanz der Sprachförderung.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Kindesalter, Zweitspracherwerb, Bilingualismus, Code-Switching, Kognition, Sprachentwicklungsstörungen, Halbsprachigkeit, Erziehung, Sprachförderung, Kommunikation, Integration, Erstsprache, Fremdsprache, Multilingualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik der Mehrsprachigkeit im Kindesalter und untersucht kritisch, wie diese von der Gesellschaft wahrgenommen wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind Definitionen, verschiedene Typen von Mehrsprachigkeit, der Vergleich von Vorurteilen mit wissenschaftlichen Befunden sowie der Einfluss auf die kognitive Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob eine mehrsprachige Erziehung in der frühen Kindheit eher als Chance für die persönliche und geistige Entwicklung oder als Hindernis betrachtet werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer ausführlichen Literaturanalyse basiert die Arbeit auf einer eigenhändig durchgeführten Umfrage an Schulen, um die These zur Vernachlässigung der Muttersprache zu prüfen.
Was wird im Hauptteil ausführlich diskutiert?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von Mythen wie der "doppelten Halbsprachigkeit", der Sprachverwirrung und den kognitiven Vorteilen, die mit Mehrsprachigkeit einhergehen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Bilingualer Erstspracherwerb, Code-Switching, Semilingualismus, kognitive Leistungsfähigkeit und Sprachförderung.
Welches Ergebnis lieferte die Umfrage der Autorin?
Die Umfrage ergab, dass ein großer Teil der mehrsprachig erzogenen Schüler ihre Muttersprache teilweise verlernt hat, was die Notwendigkeit ihrer bewussten Pflege unterstreicht.
Kann Mehrsprachigkeit zu Sprachentwicklungsstörungen führen?
Nein, die Arbeit stellt klar, dass Mehrsprachigkeit nicht ursächlich für Sprachentwicklungsstörungen ist und die Behauptung eines verzögerten Sprachbeginns wissenschaftlich nicht haltbar ist.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Mehrsprachigkeit im Kindesalter. Chance oder Hindernis?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1003784