Fitness als Gegenstand des Sportunterrichts. Notwendigkeit der Einbindung anhand praktischer Beispiele


Seminararbeit, 2018

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
2.1 Ergebnisse
2.2 Verkürzung der Mittelstufenzeit
2.3 Ergebnisse

3 Der Fitnessbegriff im Sportunterricht
3.1 Mehrperspektivität

4 Gesundheitliche Risiken
4.1 Praxis

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Beginn des organisierten Sports in Deutschland fing mit dem „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn an, der 1810 in Berlin erstmals öffentlich turnen lies, um eine fitte Bürgerwehr zu schaffen. Er wollte in den Kampf um das von Napoleon besetzte Preußen eingreifen, und so bildeten sich um 1820 in einigen Städten die ersten gewerblichen Anstalten, die den dortigen Bürgern die Möglichkeit zur Ausübung des eigentlichen Fitnesssports boten. Die Idee der gemeinschaftsorientierten Turn- und Sportvereine wurde von deutschen Emigranten auch in die Vereinigten Staaten exportiert, wo Mitte des 19. Jahrhunderts in Großstädten wie New York, Boston oder Philadelphia erste „Turnvereine“ entstanden. Diese standen dort in Konkurrenz zu den „Clubs“ nach englischem Vorbild, die einen eher statusbezogenen und mehr kommerziellen Charakter hatten sowie den Einrichtungen der Young Men´s Christian Association (YMCA), die ebenfalls Mitte des 19. Jahrhunderts beginnend Fitnesseinrichtungen zur Förderung eines gesunden Körpers und Geistes unterhielten und heute in den Vereinigten Staaten einen der größten Anbieter darstellen. Ein erfolgreicher Vertreter der Fitnessratgeber des frühen 20. Jahrhunderts war das Werk „My system“ des Dänen J.P. Müller, welches ein 15-minütiges, tägliches Training propagierte. Einer seiner bekanntesten Anhänger war der Schriftsteller Franz Kafka. Einen noch größeren Schub erhielt die aufstrebende Fitnessindustrie jedoch durch ein Idol, mit denen sich die Menschen identifizieren konnten, und das damit großen Einfluss auf die weitere Entwicklung hatte. Arnold Schwarzenegger, der bereits in den Jahrzehnten zuvor erfolgreich bei verschiedenen Bodybuildingmeisterschaften war, erlangte in den 70ern durch eine Reihe von Filmen weltweite Bekanntheit und gilt noch heute als eine der prägenden Persönlichkeiten der Fitnessszene (Ernst, 1991). Bis heute hat in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen das Wort Fitness eine große Bedeutung. Durch Ikonen wie Schwarzenegger werden ihnen Idealvorstellungen von Schönheit und Stärke verbildlicht, die durch Medien und Fitnessstudioangebote verstärkt werden. Das erzieherische Problem ist allgegenwärtig: Es besteht die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche Fitnessidealen, Versprechen von Fitnessstudios oder Fitesspräparaten unkritisch folgen oder fragwürdige Körperideale entwickeln und sich in gesundheitsgefährdende sowie zeit- und kostenintensive Abhängigkeit begeben. Dieses gefährliche Halbwissen über den Fitnessboom steht genauso in der Kritik wie Krankheiten durch zu wenig Fitness oder falscher Ernährung (z.B. Adipositas). Vor diesem Hintergrund gehört es zu den Aufgaben der schulischen Gesundheitsförderung, und hier vor allem zum Auftrag des Sportunterrichts, den Schülerinnen und Schülern Kenntnisse, Fähigkeiten und Einsichten zu vermitteln, die sie in die Lage versetzen, den Erhalt/die Verbesserung ihrer eigenen Fitness selbst zu verantworten und die von außen herangetragenen Körper- und Fitnessideale sowie Fitnessversprechen kompetent und kritisch zu hinterfragen (Lange & Baschta, 2013).

In dieser theoretischen Arbeit beschäftige ich mich mit der Frage, inwieweit sich Fitness in den heutigen, erziehenden Sportunterricht einbinden lässt, und warum dies unbedingt notwendig ist. Dabei werde ich einige Praxisbeispiele zusammentragen und deren Notwendigkeit mit zwei aktuellen Studien unterstreichen, die sich zum einen mit der Gesellschaftskrankheit Adipositas und deren Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen sowie zum anderen mit der Schulzeitverkürzung (von G8 und G9) und den damit verbundenen Freizeitaktivitäten der Kinder beschäftigen.

2 Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

In einer Studie von 2006, die vom Robert Koch-Institut durchgeführt wurde, erhoben die Forscher Daten über den bundesweiten Gesundheitszustand von Kindern im Alter von 0-17 Jahren in Deutschland. An der Studie nahmen 17.641 Kinder und Jugendliche aus 167 für die Bundesrepublik repräsentativen Städten und Gemeinden teil. Körper und Gewicht wurden hierbei standardisiert gemessen. Folglich zogen die Wissenschaftler als Grundlage für die Beurteilung von Übergewicht und Adipositas den BMI (Körpergewicht in kg/Quadrat der Körpergröße in m²) heran. Für Erwachsene haben sich weltweit die Definitionen von Übergewicht bei einem BMI > 25 und von Adipositas bei einem BMI > 30 durchgesetzt. Der BMI erscheint auch für die Anwendung im Kindes- und Jugendalter geeignet, allerdings können in dieser jungen Bevölkerungsgruppe wegen der alters-, entwicklungs- und geschlechtsabhängigen Veränderungen der Körpermasse keine starren Grenzwerte wie im Erwachsenenalter festgelegt werden.

Hintergrund der Studie ist die Schlagzeile der WHO, die über einen rapiden Anstieg des Anteils übergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendlicher in ganz Europa berichtete. Des Weiteren ist ebenfalls ein Anstieg der Anteile übergewichtiger Kinder in Asien, Afrika und den USA festzustellen. Da Übergewichtigkeit und Fettleibigkeit langfristig ein Risiko für die Gesundheit darstellen und schwerwiegende Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Störungen des Fettstoffwechsels und Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems zur Folge haben können, ist diese weltweite Übergewichtsepidemie von hoher Public-Health-Relevanz. Die Datenlage für Deutschland ist zwar heterogen, dennoch gibt es keinen Zweifel daran, dass auch hier der Prozentsatz übergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendlicher steigt. Insbesondere die Reihenuntersuchungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes deuten in verschiedenen Bundesländern auf ein Anwachsen des Problems hin.

2.1 Ergebnisse

Laut der Studie des Robert Koch-Instituts sind 15 % der Kinder und Jugendlichen von 3–17 Jahren übergewichtig, und 6,3 % leiden unter Adipositas. Hochgerechnet auf Deutschland, entspricht dies einer Zahl von ca. 1,9 Millionen übergewichtigen Kindern und Jugendlichen, davon ca. 800.000 Adipösen. Betrachtet man diese Ergebnisse vor dem Hintergrund der Referenzpopulation aus den 1980er- und 1990er-Jahren, so hat sich in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen der Anteil der Übergewichtigen (Adipöse eingeschlossen) um 50 % erhöht. Der Anstieg ist aber in den Altersgruppen unterschiedlich: Nach Schuleintritt steigt der Anteil übergewichtiger Kinder schnell an, bei den Jugendlichen (14–17 Jahre) hat sich der Anteil fast verdoppelt. Noch extremer ist die Situation bei Adipositas: Hier ist eine Verdreifachung des Anteils adipöser Jugendlicher zwischen 14 und 17 Jahren zu beobachten. Es sind keine signifikanten Unterschiede bei Übergewicht und Adipositas zwischen Jungen und Mädchen oder zwischen West- und Ostdeutschland (inklusive Berlin) festzustellen (Kurth & Schaffrath Rosario, 2007).

Die Ergebnisse der Studie bestätigen also den vermuteten Anstieg übergewichtiger Kinder in ganz Deutschland und in allen Altersgruppen. Zu überlegen wäre nun, inwieweit die deutschen Bildungsinstitutionen diesem rapiden Anstieg entgegenwirken können. Bevor wir uns jedoch diesem Problem widmen, möchte ich zunächst eine weitere Studie vorstellen.

2.2 Verkürzung der Mittelstufenzeit

In einer Studie der Phillipps-Universität Marburg wurden mit Hilfe einer Online-Umfrage Schülerinnen und Schüler zur Verkürzung der Mittelstufenzeit in Bezug auf ihre Freizeitaktivität befragt. Neben den Vereinsportaktivitäten wurden auch Themen beantwortet, die die Sport- und Bewegungsaktivitäten in dem selbstorganisierten Bereich betrafen. Teilgenommen haben 2208 Schüler(innen) aus 23 Schulen in Hessen, die sich im Übergang von der Mittelstufe in die Oberstufe befanden.

In fast allen Bundesländern hat seit dem Jahr 2000 eine Diskussion über die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit eingesetzt. Diese erfolgte grundsätzlich in der Mittelstufe von 6 auf 5 Schuljahre. Damit endet die Mittelstufe nach G8 bereits nach der 9. Klasse, woraufhin sich dann 3 Jahre in der gymnasialen Oberstufe anschließen. Der Unterricht des fehlenden Schuljahres (Klasse 10) ist in der Regel auf die verbleibenden 5 Schuljahre verteilt worden; eine Ausnahme bildet der Sportunterricht, bei dem die 2 Unterrichtsstunden aus der Klasse 10 ersatzlos gestrichen worden sind. Die Erhöhung der Unterrichtsanteile in der verkürzten Mittelstufe bildete schließlich den zentralen Kritikpunkt an dem so genannten „G8-Gymnasium“. Mit der Verkürzung der Schulzeit hat gleichzeitig eine Verlängerung des Schultages und eine Verdichtung des Alltages mit schulischen Anforderungen stattgefunden. Die größere zeitliche, aber vor allem kognitive, emotionale und psychische Beanspruchung der Schülerinnen und Schüler für unterrichtliche Belange hat einerseits zu einer Reduzierung der schulischen Möglichkeiten für ein anderes Lernen und andere schulische Angebote außerhalb des Unterrichts sowie anderseits zur Reduzierung der Freizeit für Aktivitäten außerhalb von Schule in Vereinen, Kirchen, Jugendeinrichtungen, Peergroups und in den Familien geführt. Beklagt wird von Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften eine Zunahme des Leistungsdrucks und die zeitliche Beanspruchung durch die Schule. Es wird davon ausgegangen, dass sich die durch die Einführung von Nachmittagsunterricht verursachte Verknappung der frei verfügbaren Zeit zu Lasten von außerschulischen Aktivitäten wie Sport, Musik und Freunde auswirken wird. Die Sportvereine gehen davon aus, dass die Verkürzung der Mittelstufenzeit zu einem Rückgang von Vereinsmitgliedschaften führen wird. Dies ist besonders deswegen sehr gravierend, da Gymnasialschülerinnen und -schüler deutlich häufiger Mitglied in einem Sportverein sind als Schülerinnen und Schüler anderer Schulformen.

In der Onlinebefragung haben sich die Forscher auf die Auswirkungen der verkürzten Mittelstufenzeit auf Sport- und Bewegungsaktivitäten konzentriert. Dabei sollten unter anderem die Aktivitäten in kommerziellen Einrichtungen, wie Fitnessstudios und privaten Sportschulen, erfragt werden.

2.3 Ergebnisse

Ein Ergebnis der Studie war, dass es zu Lasten der G8-Schülerinnen und Schüler in den Themen Hausaufgaben, Zeit, Notendruck, schulische Verpflichtungen und Treffen mit Freunden tendenzielle Unterschiede gab. Des Weiteren sind sie in selbstorganisierten oder kommerziell betriebenen Freizeitsportarten etwas weniger aktiv als G9-Schülerinnen und Schüler. Außerdem sind es in einigen Sportarten (wie Schwimm-, Tanz-, Turnsport) häufig viele G8-Schüler(innen), die eine Sportart aufgeben, weil sie „mehr Zeit für die Schule“ benötigen (Prof. Dr. Ralf Laging, Dr. Petra Böcker, Fabian Dirks, 2012).

Vor diesem Hintergrund gilt es nun herauszufinden, inwiefern die Schule diesem Freizeitstress und der damit verbundenen Einschränkung der Bewegungsaktivität der Kinder entgegenwirken kann. Mit der vorangegangenen Studie wollte ich zum einen erst einmal verdeutlichen, unter welchem Druck die Jugendlichen heute in der Schule leiden, und zum anderen die Aktualität dieses Themas unterstreichen. Dadurch, dass sich die Freizeitaktivitäten durch die verkürzte Schulzeit minimieren, haben die Kinder weniger Zeit für den Freizeitsport. Die Folge sind fehlende Fitness und Gesellschaftskrankheiten, wie z.B. Adipositas, was in der ersten Untersuchung des Robert Koch-Instituts schon näher erläutert wurde. Eine Möglichkeit ist es, den Kindern in der Schule adäquate Fitnessangebote zu ermöglichen und sie somit für das Thema zu sensibilisieren. Doch inwieweit lassen sich Fitnessübungen in den erzieherischen Schulunterricht einbauen? Ist das überhaupt möglich?

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Fitness als Gegenstand des Sportunterrichts. Notwendigkeit der Einbindung anhand praktischer Beispiele
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V1003894
ISBN (eBook)
9783346383945
ISBN (Buch)
9783346383952
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fitness, gegenstand, sportunterrichts, notwendigkeit, einbindung, beispiele
Arbeit zitieren
Diana Bäder (Autor), 2018, Fitness als Gegenstand des Sportunterrichts. Notwendigkeit der Einbindung anhand praktischer Beispiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1003894

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