Diese Arbeit soll sich mit Tertullians konkreter Darstellung des trinitarischen Gedankens auseinandersetzen. Konkret widmet sie sich der Frage, inwiefern sich seine eigene Vorstellung dieses Konzeptes im Laufe der Zeit verändert, oder ob er, auch angesichts fortwährender Konfrontation mit oppositionellen Standpunkten, seine Auffassung neu definierte oder anpasste.
Zur Beantwortung dieser Forschungsfrage werden im Folgenden zwei Schriften gegenübergestellt. Zum einen wird das "Apologeticum" , zum anderen die spätere Schrift "Adversus Praxean" beleuchtet. Bevor dieser Vergleich auf Textebene durchgeführt wird, sollen sowohl Tertullians Person selbst, die beiden Werke, als auch die Situation, in der er sich befand, in einen historischen Kontext gesetzt werden. Im Zuge der Kontextualisierung der Quellen werden die Grundzüge ihrer Inhalte grob skizziert. Für den eigentlichen Vergleich wird vorerst getrennt dargestellt, wie Tertullian die Trinität in der jeweiligen Schrift darstellt, bevor die Aspekte dann gegenübergestellt und neu angeführte Aspekte in ‚Adversus Praxean‘ dargelegt werden. Es folgt ein Fazit und ein kurzer Ausblick, welche Gedanken Tertullians in heutigen Trinitätsvorstellungen noch zu finden sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kontextualisierung Tertullians
2.1. Zur Person Tertullian
2.2. Die Werke Tertullians
2.2.1. „Apologeticum“
2.2.2. „Adversus Praxean“
2.3. Historischer Kontext der Alten Kirche
3. Der Trinitätsgedanke bei Tertullian
3.1. Trinität im „Apologeticum“
3.2. Trinität in „Adversus Praxean“
3.3. Vergleich der Trinitätsdarstellungen beider Schriften
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung des Trinitätsverständnisses bei Tertullian, indem sie seine frühen apologetischen Schriften wie das „Apologeticum“ mit seiner späteren Schrift „Adversus Praxean“ vergleicht, um zu analysieren, ob und wie er seine Auffassung im Laufe der Zeit in der Auseinandersetzung mit theologischen Gegenpositionen angepasst oder geschärft hat.
- Biografischer und historischer Kontext Tertullians
- Systematische Analyse des Trinitätsgedankens im „Apologeticum“
- Untersuchung der Trinitätslehre in „Adversus Praxean“
- Vergleichende Analyse der beiden Schriften hinsichtlich dogmatischer Entwicklungen
- Rolle des Montanismus und des Vokabulars für Tertullians Theologie
Auszug aus dem Buch
Trinität in „Adversus Praxean“
Nach der Analyse von Tertullians Darstellung von Trinität im „Apologeticum“, folgt nun die Darlegung der Schrift „Adversus Praxean“, in der die Dreiheit Gottes die Hauptthematik ist und seine Ausführungen somit ausführlicher sind. Der folgende Abschnitt soll seine Gedanken in ihren Grundzügen darstellen und verständlich erklären.
In Bezug auf den Schöpfungsprozess trifft Tertullian auch hier vorerst die Aussage, dass Gott zu Beginn mit sich selber, Welt, Raum und allen Dingen allein und diese auch in ihm vereint waren („Ante omnia enim Deus erat solus, ipse sibi et mundus et locus et omnia“)82. In den folgenden Sätzen stellt er wiederum fest, dass dieses Alleinsein nur bedingt richtig zu sein scheint, da sein Denkvermögen und somit seine Vernunft („Quae ratio sensus ipsius est“) von Anfang an mit bei ihm waren („habitat in semetipso rationem“)83. Zeitgleich habe Gott jedoch nicht nur die Vernunft, sondern auch das Wort bereits bei sich, auch bevor er es hervorbrachte, da er auch seine Gedanken notwendigerweise in Worte fassen musste84. Die Vernunft sei jedoch bereits vor dem Wort vorhanden gewesen, da das Wort aus der Vernunft bestehe („sermo ratione consistens“)85. Nachdem das Wort innerhalb der Gedanken Gottes entstanden sei, folgte nun die „Sophia“, die er als zweite Person bezeichnet („secundam personam“), da nichts weiser sei als das Zusammenspiel und die Anordnung von Wort und Vernunft Gottes („Quid enim sapientius ratione Dei sive sermone“) 86. Nach der Ordnung von Vernunft und „Sophia“ in sich selbst brachte Gott das erste Wort hervor, jedoch nicht resultierend in einer Trennung voneinander („ipsum primum protulit sermonem, habentem in se individuas suas, rationem et sophiam“)87.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob sich Tertullians Trinitätsvorstellung über die Zeit verändert hat, und umreißt das methodische Vorgehen durch den Vergleich der Schriften „Apologeticum“ und „Adversus Praxean“.
2. Kontextualisierung Tertullians: Dieses Kapitel liefert biographische Eckdaten zu Tertullian, ordnet seine Werke in den historischen Kontext der Alten Kirche ein und beschreibt kurz die Entstehungsbedingungen und Zielsetzungen seiner zentralen Schriften.
3. Der Trinitätsgedanke bei Tertullian: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die Trinitätsdarstellung in den beiden Werken, vergleicht die Argumentationsmuster und beleuchtet die Entwicklung des theologischen Vokabulars und des dogmatischen Verständnisses bei Tertullian.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Tertullian von einer eher binitarischen Sichtweise im „Apologeticum“ zu einer expliziteren Trinitätslehre in „Adversus Praxean“ gelangt ist, wobei die Grundintention der Einheit Gottes stets gewahrt blieb.
Schlüsselwörter
Tertullian, Trinität, Apologeticum, Adversus Praxean, Christologie, Dogmengeschichte, Alte Kirche, Monarchie, Substanz, Person, Heiliger Geist, Vater-Sohn-Beziehung, Montanismus, Theologiegeschichte, Schöpfung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Nuancierung des Trinitätsverständnisses bei dem Kirchenvater Tertullian durch einen textvergleichenden Ansatz zweier seiner Hauptwerke.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die frühchristliche Dogmengeschichte, die Trinitätstheologie Tertullians sowie die Auseinandersetzung mit häretischen Strömungen wie dem Monarchianismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob sich Tertullians Vorstellung von der Dreieinigkeit im Laufe der Zeit in seinen Texten gewandelt hat oder ob er seine Argumentation aufgrund neuer Konfrontationen angepasst hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische Textanalyse und ein vergleichender Vergleich (Komparation) der beiden ausgewählten Schriften durchgeführt, unterstützt durch aktuelle theologiegeschichtliche Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Trinitätsdarstellung im „Apologeticum“ und in „Adversus Praxean“ sowie mit einer anschließenden vergleichenden Analyse der Gemeinsamkeiten und Entwicklungsunterschiede.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Tertullian, Trinität, Substanz, Person, Monarchie Gottes und Dogmenentwicklung einordnen.
Wie unterscheidet sich die Trinität im „Apologeticum“ von „Adversus Praxean“?
Während das „Apologeticum“ primär eine Zweiheit (Binitarismus) von Vater und Sohn betont, argumentiert „Adversus Praxean“ expliziter für eine Dreiheit und zeigt eine stärkere montanistische Prägung.
Welche Rolle spielt das Vokabular Tertullians in seiner Theologieentwicklung?
Die Einführung und Verwendung von Begriffen wie „trinitas“, „personae“ und „substantia“ verdeutlicht die zunehmende Präzision und Systematisierung seiner Theologie im späteren Werk.
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- Lena Formella (Author), 2020, Trinität bei Tertullian. Vergleich des Apologeticums und Adversus Praxean, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1004052