In dieser Bachelorarbeit soll es vorrangig um Jugendliche gehen. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob ein Segeltörn deren Selbstvertrauen stärken und so den Einstieg in ein eigenständiges Leben unterstützen kann. Da die Gegebenheiten auf See und zu Land sich stark voneinander unterscheiden, stellt sich darüber hinaus die Frage, auf welche Weise das auf hoher See erhaltene Selbstvertrauen der Jugendlichen Einzug in ihren Alltag an Land finden kann.
Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, wird analysiert, inwiefern mehrmonatige Segeltörns ein Element erlebnispädagogischer Arbeit als Mittel zur Förderung des Selbstvertrauens betrachtet werden können. Im ersten Kapitel wird zu diesem Zweck der Begriff des Selbstvertrauens näher beleuchtet und methodische Ansätze der Förderung von Selbstvertrauen referiert. Danach wird die Erlebnispädagogik in ihren Zielen, Prinzipien und methodischen Ansätzen definiert und beschrieben. In einem weiteren Schritt wird das Segeln als erlebnispädagogische Maßnahme anhand einzelner Beispiele und deren konzeptioneller Grundlagen dargestellt und in Bezug zu den Zielen, Prinzipien und Methoden der Erlebnispädagogik gesetzt. Im zentralen Kapitel werden die Kernaspekte von erlebnispädagogischen Segelmaßnahmen mit den Kernaspekten von Methoden zur Förderung von Selbstvertrauen vergleichend analysiert und herausgearbeitet, inwiefern Segeln auf der Basis dieser Analyse als Methode zur Förderung von Selbstvertrauen dienen kann. Dabei werden die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen dieses Ansatzes mit Blick auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und Problemlagen analysiert und erarbeitet.
Die Seefahrt dient den Menschen bereits seit vielen Jahrtausenden als Fortbewegungsmittel. Die ersten Hinweise auf Segelschiffe sind dabei bereits ca. 5000 v. Chr. bei den Ägyptern zu finden (vgl. Lankers, o. J.). Seitdem entwickelte sich das Segeln als praktisches Mittel, um Handel zu treiben. Heute dient es allerdings kaum noch dem Handel, vielmehr ist es nun ein Sport mit einem hohen Erlebnischarakter.
Die Erlebnispädagogik macht sich diesen Sport zu Nutze, da bei einem Segeltörn nicht allein Teamwork gelernt werden kann, sondern z.B. auch handwerkliches und navigatorisches Können. Des Weiteren kann auch die Entwicklung der Persönlichkeit, wie etwa das Selbstvertrauen, gefördert werden. Der Segelsport ist daher ein gutes Mittel für Kinder und Jugendliche, um das Vertrauen in ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zu stärken.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Selbstvertrauen
1.1 Selbstvertrauen entwickeln und stärken
1.1.1 Subjektive Ebene
1.1.2 Physiologische Ebene
1.1.3 Motorische Ebene
1.1.4 Kognitive Ebene
1.2 Selbstvertrauen und das ‚Innere Team‘
2 Erlebnispädagogik
2.1 Ziele der Erlebnispädagogik
2.2 Methoden der Erlebnispädagogik
2.2.1 The Mountains speak for themselves
2.2.2 Outward Bound Plus
2.2.3 Metaphorisches Modell
3 Segeltörn als erlebnispädagogische Maßnahme
3.1 Klassenzimmer unter Segeln
3.1.1 Anforderungen beim Bewerbungsverfahren
3.1.2 Leben und arbeiten an Bord
3.1.3 Unterricht
3.1.4 Praktika und Projekte
3.1.5 Pädagogisches Konzept
3.2 High Seas High School
3.3 Verein für sozialpädagogisches Segeln e.V.
3.4 Segeln und Erlebnispädagogik
4 Förderung des Selbstvertrauens Jugendlicher auf hoher See
4.1 Wachdienst
4.2 Reinschiff
4.3 Backschaft
4.4 Weitere Aufgabenbereiche
4.5 Zusammenfassung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Bachelorarbeit untersucht, ob mehrmonatige Segeltörns als erlebnispädagogische Maßnahmen geeignet sind, das Selbstvertrauen von Jugendlichen zu stärken und sie auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten, wobei insbesondere der Transfer der auf See erworbenen Kompetenzen in den Alltag an Land im Fokus steht.
- Psychologische Grundlagen des Selbstvertrauens und dessen Förderung.
- Methoden der Erlebnispädagogik und deren Anwendung auf Segelprojekte.
- Analyse spezifischer Segelprogramme (z.B. Klassenzimmer unter Segeln) als pädagogische Settings.
- Bedeutung von Bordaufgaben wie Wachdienst, Reinschiff und Backschaft für die Persönlichkeitsentwicklung.
- Die Rolle des "Inneren Teams" bei der Bewältigung von Ängsten und Herausforderungen.
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Subjektive Ebene
In evolutionspsychologischen Ansätzen wird der biologische Ursprung von Emotionen und die Funktion für das Leben und Überleben betont (vgl. Nolting & Paulus 2009, S. 55). ‚Angst‘ ist dabei eine Emotion, die in potenziell gefährlichen Situationen auftritt. Sie dient so als ein Warnzeichen, welches das eigene Leben retten kann (vgl. Zimbardo 1995, S. 489). Angst ist dabei eine subjektive Emotion, die von jedem Individuum anders empfunden wird. Auch die Reaktion jedes Einzelnen unterscheidet sich in bestimmten Situationen. Während die einen in einer Situation lediglich nervös sind, fühlen sich andere im selben Setting hilflos, oder sind gar starr vor Angst (vgl. Becker & Margraf 2016, S. 62).
Um diese subjektive Ebene beherrschen zu können, gibt es verschiedene Handlungsstrategien. Eine davon ist das bewertungsfreie Wahrnehmen, welches sich auf das bewusste Wahrnehmen der eigenen aktuellen Gefühle konzentriert (vgl. Berking 2017, S. 77f). Bei dieser Strategie werden Gefühle, insbesondere die negativen, neutral betrachtet und benannt. Durch das aktive Wahrnehmen wird dabei auch deutlich, dass neben dem vorherrschenden negativen Gefühl weitere Gefühle vorhanden sind (vgl. Beckmann-Waldenmayer & Beckmann 2019, S. 165). Auf diese Weise soll die aktuelle Situation reflektiert werden und versucht werden, z.B. die Angst bewusst zu verringern.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Nutzung des Segelsports als erlebnispädagogisches Mittel zur Stärkung des Selbstvertrauens und zur Förderung der Persönlichkeitsentwicklung bei Jugendlichen.
1. Selbstvertrauen: Dieser Abschnitt definiert Selbstvertrauen, beleuchtet dessen Entwicklung sowie die verschiedenen Ebenen der Angstreaktion und führt das Konzept des „Inneren Teams“ zur emotionalen Reflexion ein.
2 Erlebnispädagogik: Es werden die historischen Wurzeln und Ziele der Erlebnispädagogik sowie methodische Ansätze wie das metaphorische Modell und "Outward Bound" erläutert.
3 Segeltörn als erlebnispädagogische Maßnahme: Dieser Teil stellt konkrete Segelprojekte wie „Klassenzimmer unter Segeln“ (KUS) und die „High Seas High School“ vor und analysiert deren erlebnispädagogisches Potenzial.
4 Förderung des Selbstvertrauens Jugendlicher auf hoher See: Das Kapitel untersucht spezifische Aufgaben an Bord wie Wachdienst, Reinschiff und Backschaft als Settings, in denen Jugendliche Verantwortung übernehmen und ihre Fähigkeiten erproben können.
5 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Segelprojekte vielfältige Lernchancen bieten, weist jedoch auf die Schwierigkeit des Transfers in den Alltag an Land und auf die hohen Kosten der Projekte hin.
Schlüsselwörter
Selbstvertrauen, Erlebnispädagogik, Segeltörn, Persönlichkeitsentwicklung, Klassenzimmer unter Segeln, Innere Team, Adoleszenz, Wachdienst, Backschaft, Sozialpädagogik, Transfer, Jugendliche, Eigenverantwortung, Erfolgserlebnisse, Sozialsystem Schiff.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie mehrmonatige Segeltörns als erlebnispädagogische Maßnahme eingesetzt werden können, um das Selbstvertrauen von Jugendlichen zu stärken und sie auf ihr Erwachsenenleben vorzubereiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die psychologischen Grundlagen von Selbstvertrauen, die Geschichte und Methoden der Erlebnispädagogik sowie die praktische Umsetzung in maritimen pädagogischen Projekten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob ein Segeltörn das Selbstvertrauen stärken kann und wie Jugendliche die auf hoher See gewonnenen Kompetenzen in ihren Alltag an Land transferieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse erlebnispädagogischer Konzepte, der Auswertung bestehender Segelprojekte und der vergleichenden Betrachtung von erziehungswissenschaftlicher Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie konkrete Aufgaben an Bord – etwa Wachdienst, Kochen oder Segelmanöver – als erlebnispädagogische Gelegenheiten genutzt werden, um soziale und persönliche Kompetenzen zu entwickeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Selbstvertrauen, Erlebnispädagogik, Segeltörn, Persönlichkeitsentwicklung, Eigenverantwortung und das "Innere Team" nach Schulz von Thun.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Jugendlichen im Projekt KUS von einem normalen Schulalltag?
Im Projekt KUS sind die Jugendlichen von Beginn an aktive Mitglieder der Schiffscrew mit realen Verantwortlichkeiten, anstatt nur passive Lernende zu sein, was sie zu eigenverantwortlichem Handeln zwingt.
Warum ist das "Innere Team" für die Jugendlichen auf einem Segeltörn hilfreich?
Es dient den Jugendlichen als Instrument, um ihre Gedanken und Emotionen – besonders in Stresssituationen oder bei Ängsten – zu reflektieren, aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und so ihre Selbststeuerung zu verbessern.
Welche Grenzen der erlebnispädagogischen Wirkung sieht der Autor?
Der Autor weist darauf hin, dass der "geschlossene" Lebensraum Schiff sehr spezifisch ist und der Transfer der dort gewonnenen Stärke in das völlig anders strukturierte Leben an Land nicht garantiert ist.
- Arbeit zitieren
- Simon Pfeil (Autor:in), 2020, Förderung des Selbstvertrauens Jugendlicher auf hoher See, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1004560