Ziel der Arbeit ist es, im Rahmen einer explorativen empirischen Untersuchung in Form von Gruppendiskussionen zum Basiskonzept Macht, Erkenntnisse über Schülervorstellungen im Bereich des Politischen zu gewinnen. Die Basiskonzepte sind dabei: Macht, Gemeinwohl, Knappheit, System, Recht und Öffentlichkeit, als erste Grundlage, auf der sich politisches Verständnis konstituiert.
Die vorliegende explorative Studie gibt also einen Einblick in einen noch relativ unbekannten Forschungsgegenstand und soll Anreize und Ideen für weitere Forschungsfragen bieten. So soll im ersten Schritt die Untersuchung und die darauf aufbauende praktische Umsetzung theoretisch fundiert werden. Innerhalb des gesteckten Rahmens politischer Bildung im Kontext Schule widmen sich die Fragestellungen den Vorstellungen von Lernenden als Teil der Subjektorientierung, eingebettet ins fachdidaktische Modell des Pädagogen Wolfgang Sanders. Die Heranziehung des Modells Sanders’ ermöglicht die Effektivierung von Schülervorstellungen für die praktische Umsetzung nach dem Prinzip des konzeptuellen Lernens.
Der didaktische Zugang der Subjektorientierung ist facettenreich und vereint verschiedene Aspekte. Ein wesentlicher Bestandteil davon sind die Schülervorstellungen, die sich unter anderem im didaktischen Prinzip des konzeptuellen Lernens berücksichtigen lassen. Nach diesem Prinzip ist Unterricht so zu gestalten, dass an das Vorwissen, also an die Vorstellungen der Lernenden, angeknüpft werden kann.
Insbesondere das fehlende Wissen über diese Vorstellungen und im Weiteren über Konzepte von Lernenden stellt aber ein Problem des Unterrichts dar. Welche Entwürfe über den Bereich des Politischen bestehen, welche Annahmen und Urteile in diesen enthalten sind und wie differenziert und vielleicht problematisch diese sind, sind Fragen, mit denen sich die Didaktik beschäftigen sollte, um einen konstruktiven Unterricht zu gestalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Forschungsvorhaben
1.2. Wissenschaftliche Verortung
1.3. Aufbau der Arbeit
2. Theoriebildung
2.1. Entwicklungen politischer Bildung
2.2. Herausforderungen des 21. Jahrhunderts
2.3. Ziele politischer Bildung
2.3.1. Von Werten und Normen
2.3.2. Das Individuum im Kollektiv
2.3.3. Kompetenzen als Ziele politischer Bildung
2.3.3.1. Politische Urteilsfähigkeit
2.3.3.2. Politische Handlungsfähigkeit
2.3.4. Subjektorientierung
2.3.5. Konzeptuelles Lernen
2.3.6. (Schüler_innen-) Vorstellungen, Konzepte und Schemata
2.4. Das „Sander-Modell“
2.4.1. Von der Idee konzeptuellen Wissens zu den Basiskonzepten
2.4.2. Basiskonzepte
2.4.3. Das Basiskonzept Macht
3. Forschungsmethodisches Vorgehen
3.1. Qualitatives Forschen (als Grundprinzip)
3.2. Erhebungsmethode
3.2.1. Kritik am Gruppendiskussionsverfahren
3.2.2. Auswahl der Zielgruppe
3.2.3. Gruppenbeschreibung
3.2.4. Entwicklung des Leitfadens
3.2.5. Ablauf
3.3. Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
4. Ergebnisdarstellung
4.1. Kategoriensystem
4.2. Analyse der Schüler_innenvorstellungen zum Konzept Macht
4.2.1. Ergebnistabelle
4.2.2. Macht und Bildung
4.2.3. Soziale Figuration
4.2.4. Stolz
4.2.5. Bewertung von Macht
4.2.6. Machtverhältnisse
4.2.7. Macht als attributionales Phänomen
4.2.8. Macht und Geld
4.2.9. Macht, Moral und Führung
4.2.9.1. Macht und Moral
4.2.9.2. Macht und Führung
4.2.10. Schüler_innenvorstellungen zum Konzept Macht
4.3. Von der Analyse zur Theorie - Thesenblatt
4.4. Von der Theorie zur Praxis
4.4.1. Fachwissenschaftliche Annäherung (=Arbeitswissen)
4.4.2. Erhebung von Vorstellungen zum Basiskonzept Macht
4.4.2.1. Kartenabfrage
4.4.2.2. Mind-Mapping
4.4.3. „Politik in Tiefenschichten“
5. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die subjektiven Vorstellungen von Schüler_innen zum Basiskonzept Macht im Rahmen des Unterrichtsprinzips des konzeptuellen Lernens. Das primäre Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Konzepte von Macht Lernende mit in den Unterricht bringen, um diese didaktisch nutzbar zu machen und die politische Urteils- und Handlungsfähigkeit zu fördern.
- Subjektorientierung und konzeptuelles Lernen in der politischen Bildung
- Empirische Untersuchung mittels Gruppendiskussionen
- Analyse von Machtvorstellungen (Macht als soziale Figuration, Macht und Moral, Macht und Geld)
- Integration von Schüler_innenvorstellungen in die Unterrichtsgestaltung
- Kritische Reflexion politischer Machtstrukturen und Geschlechterrollen
Auszug aus dem Buch
2.3.6. (Schüler_innen-) Vorstellungen, Konzepte und Schemata
Der Begriff „Vorstellung“ beschreibt in der Didaktik ein „verbindendes Element von Fachlichkeit und Lebenswelt“ und entspricht mentalen Abbildungen, sozusagen kognitiven Landkarten von der gesellschaftlichen Realität. Vorstellungen „sind gedankliche Dispositionen, mit denen die wahrgenommene Wirklichkeit deutbar wird, unabhängig ob sie wissenschaftlich und alltagsbezogen sind.“ In der Psychologie wird unter Disposition gemeinhin ein Personenmerkmal verstanden. Auf Vorstellungen übertragen, sind damit überdauernde Objektrepräsentationen, also innere Bilder von Phänomenen und Sachverhalten, gemeint. Diese dienen dazu, sich in der (sozialen) Umwelt zu orientieren.
Vorstellungen erlauben zu situations- und problemspezifischen Phänomenen oder Sachgebieten entsprechende Lösungsvorschläge kognitiv zur Verfügung zu stellen und beziehen sich auf einen Wirklichkeitsbereich. Sie machen subjektive Wahrnehmungen deutbar.
Vorstellungen konstruieren sich auf dem zur Verfügung stehenden Wissen, welches durch Interaktionen und Erfahrungen mit der Welt angehäuft wurde. Ungeachtet dessen, dass sich fachliche, der Wissenschaft entnommene, von Lai_innenvorstellungen in ihrer Differenziertheit unterscheiden, „beziehen sich beide auf denselben Wirklichkeitsbereich“. Fachmeinungen entstehen, wie Alltagsvorstellungen durch Beobachtungen und im Austausch mit anderen, jedoch bilden sich diese im Gegensatz zu Lai_innenvorstellungen innerhalb des Wissenschaftsbetriebs heraus. Wenngleich sich fachliche von alltäglichen Vorstellungen in ihrer Qualität unterscheiden, gewähren beide Varianten die Schaffung von brauchbarem Wissen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung politischer Bildung in Österreich und hinterfragt das Verhältnis von Demokratie und kritischem Denken.
2. Theoriebildung: Dieses Kapitel erörtert die historische Entwicklung der politischen Bildung, das Ziel der Mündigkeit sowie die Bedeutung von Subjektorientierung und Basiskonzepten.
3. Forschungsmethodisches Vorgehen: Hier wird die qualitative Methodik der Gruppendiskussionen dargelegt und die Anwendung der Inhaltsanalyse nach Mayring zur Datenauswertung begründet.
4. Ergebnisdarstellung: Dieses Kapitel präsentiert das entwickelte Kategoriensystem und analysiert die gewonnenen Vorstellungen der Schüler_innen zum Konzept Macht in verschiedenen Kontexten.
5. Conclusio: Die Conclusio fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert das Potenzial, Schüler_innenvorstellungen für eine kritische politische Bildung didaktisch nutzbar zu machen.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Schüler_innenvorstellungen, Macht, Basiskonzept, Subjektorientierung, konzeptuelles Lernen, Gruppendiskussion, politische Urteilsfähigkeit, Machtverhältnisse, Herrschaft, Moral, qualitative Forschung, Didaktik, Empowerment, Selbstermächtigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit widmet sich der Erforschung von Schüler_innenvorstellungen zum Basiskonzept „Macht“ innerhalb der politischen Bildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Fachdidaktik der politischen Bildung, das „Sander-Modell“ der Basiskonzepte, die Rolle von Subjektorientierung sowie Macht als soziales und moralisches Phänomen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu verstehen, welche Vorstellungen Lernende mitbringen, um diese im Sinne des konzeptuellen Lernens für eine nachhaltige Unterrichtsgestaltung zu nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen qualitativen Ansatz mit Gruppendiskussionen, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine tiefgehende Theoriebildung und eine umfangreiche empirische Ergebnisdarstellung zu den verschiedenen Machtkategorien, die von den Schüler_innen identifiziert wurden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind politische Bildung, Schüler_innenvorstellungen, Machtkonzepte, Subjektorientierung und konzeptuelles Lernen.
Wie bewerten die Schüler_innen das Konzept Macht?
Die Mehrheit der Schüler_innen konnotiert Macht primär negativ, assoziiert sie mit Unterdrückung oder Asymmetrie, verbindet sie jedoch auch mit Wissen (Bildung) und Reichtum.
Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in den Ergebnissen?
Ja, die Arbeit stellt fest, dass Schüler_innen machtvolle Positionen meist nur maskulin benennen und dass weibliche Teilnehmerinnen stärker zur moralischen Argumentation tendieren.
- Citar trabajo
- Madlen Schwaiger (Autor), 2020, Subjektorientierung und konzeptuelles Lernen im Fach 'Politische Bildung'. Schülervorstellungen zum Konzept Macht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1004990