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Die jungen Alten als Humankapital im lebenslangen (Bildungs-)Zwang? Ein Erklärungsansatz des utilitaristischen Prinzips des aktiven Alterns auf der Grundlage der Foucaultschen Bio-Macht

Titel: Die jungen Alten als Humankapital im lebenslangen (Bildungs-)Zwang? Ein Erklärungsansatz des utilitaristischen Prinzips des aktiven Alterns auf der Grundlage der Foucaultschen Bio-Macht

Hausarbeit , 2019 , 28 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Claudia Schick (Autor:in)

Pädagogik - Erwachsenenbildung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Wenn durch den Eintritt in den Ruhestand eine Entkoppelung des Menschen von seiner Arbeitskraft und ein niedrigerer Nutzen für die kapitalistischen Verhältnisse entsteht, was heißt es dann für die Älteren, produktiv zu sein?

Dass das Alter als eine eigenständige Lebensphase anerkannt wird und nicht ein (unerwünschtes) Resultat des Erwachsenenalters ist, kann als ein junges Phänomen betrachtet werden. Dem Bedeutungswandel, dem das Alter unterliegt, hat sich vom negativ konnotierten gesellschaftlichen Faktor, zu einer ‚heimliche(n) Ressource‘ im Kontext der Bewältigung der mit dem demografischen Wandel einhergehenden Probleme gewandelt. Doch ist es wirklich geheim, wenn so offensiv in Veröffentlichungen, wie zum Beispiel in den Altenberichten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend [BMFSFJ] von einer gesellschaftliche(n) Produktivität Älterer, ‚ungenutzte(n)‘ Potentialen oder uneingeschränkt davon gesprochen wird, dass Ältere ihren Beitrag zu leisten haben, um mit den vorliegenden Hürden, die im demografischen Wandel (und dessen Folgen) begründet liegen, adäquat umgehen zu können?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Der Wohlfahrtsstaat zwischen Altruismus und Egoismus – Die Alten als ungenutztes Potenzial

2 Die Identitätskategorie des Alters – Eine Bestandsaufnahme der Position (junger) Alter in der Gesellschaft

2.1 Eine erste Annäherung an das Konstrukt des Alters

2.2 Die Etikettierung des produktiven Alter(n)s – Die jungen Alten zwischen jung bleiben und alt werden

3 (Bio-)Macht als eine konstitutive Grundkategorie des menschlichen Lebens – Ein Abriss des Foucaultschen Machtverständnisses auf der Grundlage disziplinierender und regulierender Mechanismen

3.1 Die Disziplinarmacht – Der gelehrige und fügsame Körper als eine Basis für die Potenzialentfaltung

3.2 Die Ambivalenz zwischen aktiver Überwachung und passivem Überwachtwerden – Das panoptische Prinzip als zentraler Mechanismus effizienter Optimierung

3.3 Vom Individuum zur Bevölkerung – Die Bio-Macht zwischen disziplinierenden und regulierenden Mechanismen als Grundlage der Normalisierungsgesellschaft

4 Aktives Altern als machtimmanenter Diskurs? Eine Betrachtung alterspolitischer Inhalte aus einer machttheoretischen Perspektive

4.1 Vom Fremdzwang zum Selbstzwang – Das panoptische Prinzip im Kontext gesundheitspolitischer Maßnahmen

4.2 Zwischen Freiheit und Zwang – Regulierende Mechanismen zur Steigerung der gesellschaftlichen Teilhabe

4.3 (Aus-)Bildung zum Humankapital – Optimierungszwang durch lebenslange Anpassung als das neue Bildungsverständnis?

5 Macht als ein unüberwindbarer Teil der Gesellschaft? – Abschließende Bemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die machttheoretischen Hintergründe des Konzepts „Aktives Altern“ und analysiert, wie durch die Konstruktion der „jungen Alten“ als Humankapital neoliberale Nützlichkeitsprinzipien auf die Lebensphase des Alters übertragen werden. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welche Faktoren bedingen die Entstehung der Zielgruppe (des Konstrukts) der Älteren durch bundespolitische Konzepte wie die des aktiven Alterns?

  • Analyse des Alters als diskursives Konstrukt und Identitätskategorie
  • Anwendung des Foucaultschen Machtbegriffs (Bio-Macht, Disziplinarmacht, Normalisierung) auf die Alterspolitik
  • Untersuchung des panoptischen Prinzips im Kontext gesundheitspolitischer Aktivierung
  • Kritische Betrachtung von Bildung und lebenslangem Lernen als Instrumente der Selbstoptimierung
  • Hinterfragung der Verwertung von „jungen Alten“ als ökonomische Ressource

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Ambivalenz zwischen aktiver Überwachung und passivem Überwacht werden – Das panoptische Prinzip als zentraler Mechanismus effizienter Optimierung

Macht ist – wie im vorangegangen Kapitel angeklungen ist – sowohl repressiv als auch produktiv, da sie sowohl die Menschen zu Subjekten, zu Unterworfenen macht als sie auch erst und die Umwelt hervorbringt (vgl. Sich 2018, S. 71–77). „Das Individuum ist Effekt und Objekt der Macht zugleich“ (Mümken 2012, S. 28), indem sie Individuen vereinzelt (vgl. a.a.O., S. 36) Es ist somit eine individualisierende Macht (a.a.O., S. 38) „Die Disziplinen dienen der ‚Fabrikation zuverlässiger Menschen‘.“ (a.a.O., S. 46) Wie können Menschen jederzeit zuverlässig sein, auch wenn die beschriebene Überwachung nicht durch physisch vorhandene Menschen durchgeführt wird?

Der hierarchische Blick steht stellvertretend für die institutionelle Machtverteilung; doch die Disziplinarmacht breitete sich über die vereinzelten Institutionen hinweg, gerade durch die Ausbreitung eben dieser Institutionen, in der Gesellschaft aus (vgl. Foucault 1991, S. 166f.). Nun ging es nicht mehr um die ausschließliche Kontrolle. Da das zentrale Element die Nützlichkeit eines jeden Menschen war und ist, resultiert daraus der bedeutende Aspekt, wie durch das Hinzukommen einer Vielzahl an Personen, die Produktivität qua Überwachung auf der Grundlage eines Kosten-Nutzen Gedankens gesteigert werden kann. Ursächlich für diese adaptiven Veränderungen sind „[…] einmal der demographische Wachstumsstoß des 18. Jahrhunderts [… .]. Der andere Aspekt der historischen Konstellation ist das Anwachsen des Produktionsapparates, der immer ausgedehnter, komplexer, kostspieliger wird und dessen Rentabilität darum gesteigert werden muß [sic].“ (Foucault 2016, S. 280). Dies führt zu einer aufeinander abgestimmten Anpassung zwischen Disziplinierungstechniken und umgebenden gesellschaftlichen Veränderungen (vgl. a.a.O., S. 279f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Der Wohlfahrtsstaat zwischen Altruismus und Egoismus – Die Alten als ungenutztes Potenzial: Dieses Kapitel führt in die ambivalente Situation des Ruhestands ein und hinterfragt die utilitaristische Umdeutung älterer Menschen von einer sozialen Gruppe hin zu einer ökonomischen „Humanressource“.

2 Die Identitätskategorie des Alters – Eine Bestandsaufnahme der Position (junger) Alter in der Gesellschaft: Hier wird das Alter als sozial konstruierte Kategorie analysiert, wobei der Fokus insbesondere auf der politisch forcierten Zielgruppe der „jungen Alten“ liegt.

3 (Bio-)Macht als eine konstitutive Grundkategorie des menschlichen Lebens – Ein Abriss des Foucaultschen Machtverständnisses auf der Grundlage disziplinierender und regulierender Mechanismen: Das Kapitel bietet eine theoretische Fundierung durch Foucaults Machtanalyse, insbesondere die Konzepte der Disziplinarmacht, des Panoptismus und der Bio-Macht.

4 Aktives Altern als machtimmanenter Diskurs? Eine Betrachtung alterspolitischer Inhalte aus einer machttheoretischen Perspektive: Dieses Kapitel überträgt die theoretischen Foucaultschen Ansätze auf konkrete alterspolitische Maßnahmen wie Gesundheitsvorsorge und lebenslanges Lernen.

5 Macht als ein unüberwindbarer Teil der Gesellschaft? – Abschließende Bemerkungen: Zusammenfassend wird konstatiert, dass die Aktivierung älterer Menschen durch regulierende Mechanismen auf einer permanenten Selbstoptimierung basiert und die „jungen Alten“ damit zu einem machtimmanenten Produkt des Kapitalismus werden.

Schlüsselwörter

Aktives Altern, junge Alte, Foucault, Bio-Macht, Disziplinarmacht, Normalisierung, Humankapital, Selbstoptimierung, Alterspolitik, Neoliberalismus, Lebenslanges Lernen, Panoptismus, Gouvernementalität, Wohlfahrtsstaat, Macht-Wissen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert kritisch das politische und gesellschaftliche Leitbild des „Aktiven Alterns“ unter Rückgriff auf die Machttheorie von Michel Foucault.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Konstruktion des Alters als soziales Phänomen, der staatlichen Regulierung älterer Menschen sowie dem Einfluss neoliberaler Nützlichkeitsvorstellungen auf die Lebensgestaltung im Alter.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die verborgenen machttheoretischen Mechanismen und den ökonomischen Verwertungszwang aufzudecken, die hinter Programmen zur Aktivierung „junger Alter“ stehen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Es handelt sich um eine diskursanalytische Arbeit, die auf einer metatheoretischen Betrachtung und einer Literaturrecherche basierend auf Foucaults Machtbegriffen aufbaut.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert untersucht?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Disziplinierung und Normalisierung, die Anwendung des panoptischen Prinzips auf gesundheitspolitische Maßnahmen sowie das Bildungsverständnis als Instrument zur Humankapitalbildung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?

Wesentliche Begriffe sind die Bio-Macht, die Normalisierungsgesellschaft, die „jungen Alten“ als soziales Konstrukt und die ständige Selbstoptimierung.

Inwiefern beeinflusst das „panoptische Prinzip“ die Gesundheitspolitik für Ältere?

Das Prinzip wird hier als Mechanismus verstanden, bei dem der öffentliche Druck und die Internalisierung von Normen (wie Fitness und gesunde Lebensführung) dazu führen, dass sich das Individuum selbst überwacht und optimiert.

Warum wird das Konzept des „lebenslangen Lernens“ in der Arbeit kritisch hinterfragt?

Die Arbeit hinterfragt das Konzept, da „lebenslanges Lernen“ hier nicht als zweckfreie Bildung zur Mündigkeit verstanden wird, sondern als eine auf ökonomische Effizienz und Ständige Anpassung ausgerichtete Verwertungsstrategie.

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Details

Titel
Die jungen Alten als Humankapital im lebenslangen (Bildungs-)Zwang? Ein Erklärungsansatz des utilitaristischen Prinzips des aktiven Alterns auf der Grundlage der Foucaultschen Bio-Macht
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Bildung und Kultur)
Veranstaltung
Diversity(management) und erwachsenenpädagogische Professionalisierung
Note
1,0
Autor
Claudia Schick (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
28
Katalognummer
V1006037
ISBN (eBook)
9783346388285
ISBN (Buch)
9783346388292
Sprache
Deutsch
Schlagworte
junge Alte Produktivität Macht Bio-Macht Michel Foucault Bildungszwang
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Claudia Schick (Autor:in), 2019, Die jungen Alten als Humankapital im lebenslangen (Bildungs-)Zwang? Ein Erklärungsansatz des utilitaristischen Prinzips des aktiven Alterns auf der Grundlage der Foucaultschen Bio-Macht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006037
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Leseprobe aus  28  Seiten
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