Einstellungen zu Schwangerschaftsabbrüchen vor dem Hintergrund persönlicher Religiosität und politischer Selbsteinschätzung

Aserbaidschan, Türkei, Deutschland und die Tschechische Republik im querschnittlichen Vergleich


Hausarbeit, 2019

50 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand im internationalen Kontext
2.1 Einflussfaktoren auf Einstellungen zum Schwangerschaftsabbruch
2.1.1 Religiosität in Bezug auf Einstellungen zum Schwangerschaftsabbruch
2.1.2 Politische Einstellungen und Meinungen zum Schwangerschaftsabbruch
2.2 Länderauswahl

3. Methodisches Vorgehen
3.1 Zum European Values Study 2008 Datensatz
3.2 Deskription der Variablen
3.3. Statistische Modellierung

4. Ergebnisse
4.1. Deskriptive Ergebnisdaten
4.2. Induktive Ergebnisdaten

5. Diskussion und Schlussfolgerungen
5.2 Limitationen der Analyse

Literatur

Anhang 1: Kreuztabellen Länderauswahl

Anhang 2: Testergebnisse Modellspezifikation

Anhang 3: Stata Do-File

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Deskriptive Ergebnisse

Tabelle 2: Bivariate induktive Ergebnisdaten

Tabelle 3: Multivariate induktive Ergebnisdaten

Tabelle 4: Länderauswahl 1

Tabelle 5: Länderauswahl 2

Tabelle 6: Länderauswahl 3

Tabelle 7: Länderauswahl 4

Tabelle 8: Maßzahlen zum Prüfen der korrekten Modellspezifikation

1. Einleitung

Der Schwangerschaftsabbruch, auch Interruptio oder umgangssprachlich Abtreibung genannt, ist ein komplexes soziales Phänomen, auf das viele gesellschaftliche Bereiche Einfluss nehmen Die Häufigkeit und Vielfalt der Debatten sowie der daran beteiligten Akteure ist ein Indiz für die besondere Kontroversität des medizinischen Eingriffs. Damit berührt die Problematik, weit über medizintechnische Spezifikation und gesundheitliche Folgen hinaus, tiefgreifende Fragen zu Vorstellungen gesellschaftlichen Zusammenlebens, wenn es beispielsweise um Selbstbe­stimmungsrecht, oder den zeitlichen Startpunkt menschlichen Lebens im Kontext ethische Grundsatzdebatten geht.

Aktuell wird in Deutschland das Pro und Kontra der Abschaffung oder Veränderung des Paragraphs 219a des Strafgesetzbuches auf parlamentarischer und öffentlicher Ebene thematisiert1 und in diesem Kontext das Recht auf den Zugriff zu medizinischen Informationen, sowie Persönlichkeitsrechte von Frauen verhandelt2. International betrachtet stellt Deutschland bezogen auf die Intensivität des Diskurses keine Ausnahme dar. So führt in Irland ein aktuelles Referendum zum Thema zur rechtlichen Neubetrachtung von Schwangerschaftsabbrüchen3. Auch Begriffspaare wie Pro-Life und Pro-Choice sind weit über ihren US-amerikanischen Ursprung hinaus geläufige Kategorien für die Positionierung im Diskurs und finden große populär­kulturelle Beachtung4. Öffentliche Meinungsunterschiede laufen dabei oft entlang politischer und religiöser Überzeugungen, da diese sowohl Einfluss auf, als auch Ausdruck von lebensweltlichen Vorstellungen sind und politische Diskurse sowie legislative Entscheidungen beeinflussen.

Politische und religiöse Rahmenbedingungen haben Einfluss auf Verfügbarkeit, Gründe und Akzeptanz von Schwangerschaftsabbrüchen. So weisen konservativere Regierungen, wie in Tschechien, striktere Reglementierung von Möglichkeiten zum Schwangerschaftsabbruch auf, als in vergleichsweise liberalen Systemen, wie Deutschland5. Ebenfalls werden in Aserbaidschan überproportional mehr Schwangerschaften mit weiblichen Föten abgebrochen6 und in der Türkei führen rechtliche und strukturelle Hürden zum Anstieg unsachgemäßer Schwangerschaftsabbrüche außerhalb medizinischer Institutionen7. Dabei haben die jeweils vorherrschenden Gegebenheiten starke Effekte auf die Gesundheitsrisiken und -chancen betroffener Menschen.

Ungewollte Schwangerschaften, als Grund für Schwangerschaftsabbrüche, stehen mit gesund­heitlichen und sozialen Benachteiligungen für die betroffenen Frauen und deren Familien in Verbindung (Singh, Sedgh und Hussain 2010, 241f.). Dadurch wird verständlich, dass Ärzte ohne Grenzen für Länder mit restriktiver Gesetzlage eine erhöhte Prävalenz unsachgemäßer Schwangerschaftsabbrüche feststellt8, welche für 22.800 – 31.000 Todesfälle und damit für 8-11% der weltweiten Müttersterblichkeit verantwortlich gemacht werden9.

Um sich der Thematik auf internationaler Ebene zu nähern, werden im Rahmen der folgenden Arbeit persönliche Einstellungen zu Schwangerschaftsabbrüchen sowie politische und religiöse Selbsteinschätzung betrachtet und im Ländervergleich analysiert. Unter der Annahme, dass Un­terschiede in den persönlichen Einstellungen Einfluss auf die öffentliche Meinung und damit auf Gesetzeslage und Risiken betreffend Schwangerschaftsabbrüche haben, werden in der Arbeit zwei Hypothesen untersucht und miteinander in Bezug gestellt: Je wichtiger Personen Religion in ihrem Leben ist, desto weniger halten diese Schwangerschaftsabbrüche allgemein für gerechtfertigt. Und je mehr sich Menschen dem rechten politischen Spektrum angehörig fühlen, umso weniger halten diese Schwangerschaftsabbrüche allgemein für gerechtfertigt. Auf Basis datensatzbezogener Vorüberlegungen bezüglich politischer und religiöser Einstellungen wurden die Länder Aserbaidschan, Türkei, Deutschland und die Tschechische Republik für den Vergleich ausgewählt.

Im Folgenden wird der theoretische Hintergrund der Fragestellung in Bezug auf Schwanger­schaftsabbrüche, politische und religiöse Überzeugung erläutert. Anschließend wird das methodische Vorgehen verdeutlicht, welches zu den Ergebnissen führt, die im nächsten Schritt der Arbeit vorgestellt werden. In Bezug auf theoretischen Rahmen und Ergebnisse werden diese abschließend interpretiert und die Limitationen der Arbeit thematisiert.

2. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand im internationalen Kontext

Die Definition des Begriffs Schwangerschaftsabbruch verkompliziert sich bei internationaler Betrachtung und unter Berücksichtigung der verschiedenen relevanten Bereiche. Unterschied­liche rechtliche Auffassungen oder auch unterschiedliche medizinische Standards und Proze­duren führen zwischen Ländern zu abweichenden Begriffsnuancen. Da auch soziale und kulturelle Normen Auswirkung auf das Verständnis des Begriffs haben können und die Arbeit eine international vergleichende Perspektive einnimmt, wird eine möglichst allgemeingültige Begriffsbestimmung gewählt. In Anlehnung an Cunningham et al. (2014) wird Schwanger­schaftsabbruch somit verstanden als die zielgerichtete Beendigung einer Schwangerschaft bevor der Fötus lebensfähig ist und mittels medizinischem oder chirurgischem Vorgehen.

Annäherungsweise 40 Prozent der 213-Millionen weltweiten Schwangerschaften im Jahre 2012 waren ungewollt (Sedgh, Singh und Hussain 2014, 308). Weltweit wurden davon circa 50 Prozent frühzeitig beendet, wobei die Raten für unterschiedliche Regionen variieren. Im euro­päischen Raum wurden 44 bis 75 Prozent, im asiatischem Raum hingegen 39 bis 77 Prozent der ungewollten Schwangerschaften frühzeitig abgebrochen (Sedgh, Singh und Hussain 2014, 309). Die Inzidenzraten von Schwangerschaftsabbrüchen sind in Europa und den USA im Ge­gensatz zu vielen Entwicklungsländern, mit oftmals restriktiverer Gesetzeslage, rückläufig (Sedgh et al. 2016, 258ff.). Einen Erklärungsansatz hierfür bieten neuere Erkenntnisse über die Zentralität von gesundheitlicher und sexueller Aufklärung für die Verringerung von Schwanger­schaftsabbruchsraten (Roberts et al. 2017, 1880f.). Demnach führen gesetzliche Ver­bote sowie soziale Sanktionierung nicht zur Verringerung der Inzidenz, sondern dazu, dass betroffene Frauen möglicherweise unsichere Alternativen wählen, um die Schwangerschaft zu beenden, oder den Eingriff im Ausland vornehmen lassen (Crane 1994, 246ff.; Bajos et al. 2014, 1f.; Reis und Brownstein 2010, 516f.).

Die in der Einleitung angerissene Häufigkeit öffentlicher Diskurse zum Thema veranschaulicht die Bedeutsamkeit des Themas für viele Menschen. Dabei werden, unter anderem, akzeptable Rahmenbedingungen, medizinische Vorgehen, Regulationen, Alternativen und ethische Positio­nen verhandelt. Der Literatur nach variieren persönliche Einstellungen zu Schwanger­schaftsabbrüchen stark nach personen- und kulturspezifischen Merkmalen, welche im Folgen­den erläutert werden.

2.1 Einflussfaktoren auf Einstellungen zum Schwangerschaftsabbruch

Vor dem Hintergrund historischer Kämpfe um das körperliche Selbstbestimmungsrecht von Frauen und der biologischen Besonderheit, dass nur Frauen Schwanger werden können, ließe sich aus einer Betroffenheitsperspektive heraus annehmen, dass für Einstellungen zu Schwanger­schaftsabbrüchen besonders starke Geschlechterunterschiede zu beobachten sind. Wie Untersuchungen zeigen konnten, hat das eigene Geschlecht tatsächlich einen allgemeinen Einfluss auf die persönliche Einstellung, wobei verschiedene Studien allerdings auffällige Un­terschiede in der Effektstärke aufweisen10. Loll und Hall (2018) kommen anhand von Daten der World Value Study 2015 zu dem Ergebnis, dass männliche Befragte eine signifikant negativere Einstellung zu Schwangerschaftsabbrüchen aufweisen, als die Studienteilnehmerinnen (Loll und Hall 2018, 6). Vor allem ältere Studien finden hingegen keine, oder schwächere signifikan­ten Unterschiede, wobei sich die beobachtete Effektrichtung nicht ändert (s.d.: Hertel und Russell 1999, 365; Misra 1998, 97ff.).

Eine Ursache für die divergierenden Ergebnisse sind die unterschiedlichen Studienpopulationen der Analysen. Beschränken sich Studien, welche nur schwache oder keine Unterschiede fest­stellen, in der Regel auf die USA (s.d.:Barkan 2014, 943; Jelen, Damore und Lamatsch 2002, 321; Misra 1998, 91), sind bei internationalen Studienpopulationen stärkere Effekte zu be­obachten (Loll und Hall 2018, 6). Erklärungsansatz dafür sind länderspezifische kulturelle und strukturelle Unterschiede in Geschlechterrollen, -gleichheit und Familienbilder (Adamczyk 2013, 215f.). Weiter haben sich andere Merkmale als wirksamere und stabilere Prädiktoren für die Einstellung zum Schwangerschaftsabbruch herausgestellt.

Sowohl Alter, Bildung, Beschäftigungs- und Beziehungsstatus, als auch Größe des Wohnge­bietes, Haushaltseinkommens und der persönliche sozioökonomische Status wurden in vorheri­gen Untersuchungen als Einflussgrößen identifiziert. Mit steigendem Alter werden die Einstellun­gen zu Schwangerschaftsabbrüchen im Durchschnitt zustimmender (Loll und Hall 2018, 9; Misra 1998, 97). Ebenso tendieren Menschen mit höherem Bildungsniveau und einer Arbeitsanstellung eher zu befürwortenden Positionen (Mosley et al. 2017, 918ff.; Loll und Hall 2018, 9, 2018, 12). Jelen, Damore und Lamatsch (2002) konnten darüber hinaus für die USA nachweisen, dass der Beschäftigungsstatus einen modifizierenden Effekt auf den Zusammen­hang von Geschlecht und Einstellung zu Schwangerschaftsabbrüchen hat. Demnach hatten vor allem Frauen, die keiner geregelten Lohnarbeit nachgingen, negative Einstellungen zu Schwanger­schaftsabbrüchen, im Vergleich zu arbeitenden Frauen und Männern (Jelen, Damore und Lamatsch 2002, 326). Personen, welche in partnerschaftlichen Beziehungen leben stehen Schwangerschaftsabbrüchen allgemein positiver gegenüber (Rominski et al. 2017, 58; Hertel und Russell 1999, 364ff.). Wie die beobachtete Effektrichtung für Bildung und Beschäftigungs­status bereits erahnen lässt, steigt mit höherem sozioökonomischem Status die Wahrscheinlich­keit, dass Personen eine befürwortende Position einnehmen (Adamczyk 2013, 224). Loll und Hall (2018) identifizieren zudem die Größe des Wohngebietes und das Haushaltseinkommen als Einflussfaktor. So lehnen Menschen in ländlichen Regionen und mit geringem Haushalts­einkommen Schwangerschaftsabbrüche eher ab, als Menschen in städtischen Wohngebieten und mit hohem Haushaltseinkommen (Loll und Hall 2018, 9ff.).

Ob ein Schwangerschaftsabbruch gerechtfertigt ist, wird zudem oftmals von den Gründen und Umständen abhängig gemacht (Biggs, Gould und Foster 2013, 1ff.; Rominski et al. 2017, 56). So werden Schwangerschaftsabbrüche nach sexualisierter Gewalt oftmals eher akzeptiert (Roberts et al. 2017, 1878ff.). Seit langem ist in der Forschung bekannt, dass akute Gefahr für das Leben der Mutter bei der Geburt oder schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen des Fötus die Akzeptanz Befragter erhöhen (Harris, Richard J. und Mills 1985, 137). Weiter gelten Merkmale der Betroffenen, wie das Alter als einflussreich (Smith und Son 2013, 2ff.). Da die benutzte Datenbasis eine Differenzierung hier nur bedingt zulässt und diese den Rahmen der Hausarbeit überziehen würde, wird sich auf die allgemeine Einstellung zu Schwanger­schaftsabbrüchen bezogen, auch wenn persönliche Einstellungen situativ differenzierter aus­fallen können.

Neben den genannten Faktoren werden in der Literatur häufig die Einflüsse von politischen Überzeugungen und Religiosität auf Einstellungen zu Schwangerschaftsabbrüchen betont. Da diese für die Untersuchung im Rahmen der Hausarbeit zentral sind, wird im Folgenden genauer darauf eingegangen.

2.1.1 Religiosität in Bezug auf Einstellungen zum Schwangerschaftsabbruch

Frühe Soziologen wie Karl Marx und Max Weber prognostizierten, dass sich die Wichtigkeit von religiösen Weltanschauungen im gesellschaftlichen Diskurs mit zunehmender Industrialisie­rung und Entwicklung verringern würde. Aktuellere Arbeiten der Religionssozio­logie widerlegen diese Thesen und zeigen auf, dass religiöse Ansichten und Verhaltensweisen bis zur heutigen Zeit große Prävalenz in verschiedensten Gesellschaften haben und damit auch Effekte auf Einstellungen zu sexualmoralischen Fragen und Geschlechtergleichheit aufweisen (Adamczyk 2013, 217; Stark und Finke 2000, 57ff.).

Die meisten Weltreligionen favorisieren traditionelle Familienbilder und Geschlechterrollen, was dazu führt, dass religiösere Menschen Themen wie nicht-traditionellem Sexualverhalten, Scheidung und auch Schwangerschaftsabbruch tendenziell vergleichsweise ablehnend gegen­über eingestellt sind (Adamczyk 2013, 215; Kim, Kim und Kim 2014). Obwohl sich Religionen in ihren Positionen zu sozialen und moralischen Fragen teilweise stark unterscheiden, gibt es wenig konkrete Abstufungen bezogen auf Schwangerschaftsabbrüche. Religiöse Weltan­schauungen weisen tendenziell gleiche Einstellungen gegenüber Schwangerschaftsabbrüchen auf, weshalb für die Arbeit auf eine Differenzierung nach Konfessionen verzichtet wird11.

Jelen und Wilcox (2003, 489ff.) identifizieren Religiosität als einen der wichtigsten Prädiktoren für Einstellungen zu Schwangerschaftsabbrüchen. Die Ergebnisse sind dabei für verschiedenste Länder und Religionen in ihrer Effektrichtung stabil (Finke und Adamczyk 2008, 632ff.). In vergleichsweise weniger säkularisierten Staaten ist der Effekt der persönlichen Religiosität auf moralische Fragestellungen wie Schwangerschaftsabbrüche stärker, als für Regionen mit aus­geprägterer Trennung zwischen Regierung und Religion (Scheepers, Grotenhuis und van der Slik 2002, 157ff.). Allgemeiner formuliert hat Religiosität sowohl auf individueller, als auch auf der Lokalebene Einfluss auf die persönlichen Einstellungen zu Schwangerschaftsabbrüchen (Adamczyk und Valdimarsdóttir 2018, 129ff.). Je stärker Menschen an gemeinschaftlicher Religions­ausübung partizipieren, desto wahrscheinlicher ist auch, dass diese in Kontakt mit den jeweiligen religiösen Positionen zum Schwangerschaftsabbruch kommen. Je wichtiger Religion dabei für sich selbst eingeschätzt wird, desto eher werden religiöse Positionen zum Thema über­nommen (Adamczyk 2013, 217; Finke und Adamczyk 2008, 617), weswegen die Selbstein­schätzung der persönlichen Wichtigkeit als eine der unabhängigen Variablen der Hausarbeit gewählt wurde12. Aus diesen Überlegungen leitet sich die religionsbezogene Hypothese der Hausarbeit ab: Je wichtiger Personen Religion in ihrem Leben ist, desto weniger halten diese Schwangerschaftsabbrüche allgemein für gerechtfertigt (H1).

Sowohl Religion, als auch politische Positionierung sind aufgrund handlungsleitender Vor­stellungen und verbindender Symbolik als Teilbereiche sozialer Identität zu verstehen (Ysseldyk, Matheson und Anisman 2010, 60), welche aggregiert und im gesellschaftlichen Kontext starke Auswirkungen auf die Verfügbarkeit und Akzeptanz von Schwangerschafts­abbrüchen haben13.

2.1.2 Politische Einstellungen und Meinungen zum Schwangerschaftsabbruch

Die Literaturbasis für den Zusammenhang zwischen politischen Faktoren und Einstellungen zu Schwangerschaftsabbrüchen bezieht sich größtenteils auf die Makroebene, beziehungsweise auf spezifische Staatsformen. Ist der Einfluss politischer Systeme und deren Steuerungs­maßnahmen auf individuelle Einstellungen zu Schwangerschaftsabbrüchen in verschiedenen Kontexten untersucht worden14, gibt es kaum Ansätze, welche sich dezidiert auf der Ebene per­sönlicher politischer Einstellungen bewegen.

Gründe dafür könnten analytische Probleme bei der Kategorisierung politischer Überzeugun­gen sein. Die Unterteilung in linke und rechte politische Überzeugung wird umgangssprachlich häufig genutzt, ist aber bei näherer Betrachtung schwer zu definieren. Sind etwa Themen der sozialen Gerechtigkeit eher links und Fokus auf wirtschaftliche Unabhängigkeit in westlichen Nationen eher rechts konnotiert (Janoff-Bulman, Sheikh und Baldacci 2008, 1091), kann sich die Wahrnehmung dieser Themenkomplexe als klassisch links oder rechts in anderen nationalen Kontexten und politischen Systemen ändern. In der wissenschaftlichen Literatur werden des­wegen häufig andere Begriffspaare genutzt, um politische Überzeugungen zu kategorisieren15. Die in der internationalen Fachliteratur geläufigste Kategorisierung politischer Positionen differen­ziert rechtsgerichteten Autoritarismus und linksorientierten Liberalismus. Dabei ist der Literaturkorpus für „right wing authoritarianism“ umfassender, da in diesem Kontext Instrumen­te wie die Kurzskala Autoritarismus der GESIS oder die Right-Wing Authoritarianism scale in sozialwissenschaftlichen Untersuchungen häufig Anwendung finden.

Laut Mirels und Dean (2006, 839) ist es für Menschen, welche rechtsgerichtete politische Ideolo­gien unterstützen, unwahrscheinlich eine befürwortende Meinung bezüglich des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch einzunehmen. Damit korreliert sind vergleichsweise ablehnende Positionen bezüglich sozialer Wohlfahrt, gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und sozialer Gleichstellung marginalisierter Gruppen (Mirels und Dean 2006, 839ff.). Hieraus leitet sich die zweite Hypothese der Hausarbeit ab: Je mehr sich Menschen dem rechten politischen Spektrum angehörig fühlen, umso weniger halten diese Schwangerschaftsabbrüche allgemein für gerecht­fertigt (H2).

Trotz der begrifflichen Unschärfen wird im Rahmen der Hausarbeit die Unterteilung in linke und rechte politische Positionen genutzt, da die verwendete Datenbasis den Studienteil­nehmern/-innen die Selbstpositionierung ohne vorherige Angabe von Definitionen erlaubte. Aufgrund der global geläufigen alltagssprachlichen Nutzung der Kategorien, wird im Folgen­den davon ausgegangen, dass Menschen, die sich einer Position in diesem Spektrum zuordnen ähnliche Ansichten vertreten, wie andere Menschen, die sich der gleichen Richtung angehörig fühlen. Damit kann zwar nicht das ganze thematische Spektrum politischer Einstellungen trenn­scharf definiert werden, dennoch erlaubt dieses Vorgehen die Unterteilung politischer Ansich­ten in einem ausreichenden begrifflichen Rahmen, da die Selbsteinschätzung der Befragten für die Hypothese wichtig ist.

2.2 Länderauswahl

Mit Blick auf religiöse und politische Einstellungen wurden Länder für die Analyse anhand theoretischer Vorüberlegungen und mittels der Datenbasis identifiziert. Ziel dabei war, Länder zu wählen, welche sich auf Personenebene im Hinblick auf die bereits herausgearbeiteten Merk­male Religiosität und politische Selbsteinschätzung unterscheiden, um die Hypothesen unter verschiedenen Vorbedingungen möglichst sinnvoll testen zu können. Mittels Kreuztabellen der länderspezifischen Mittelwerte zur politischen Selbsteinschätzung und religiöser Überzeugung wurden die Länder Aserbaidschan, Türkei, Deutschland und die Tschechische Republik ausge­wählt16. Mit Blick auf den Befragungszeitraum (2008 – 2010) der Datenbasis beziehen sich die Aussagen zu den Ländern nicht auf jüngere Entwicklungen.

Aserbaidschan wurde ausgewählt, da überdurchschnittlich viele der Befragten Religion als wichtig für ihr Leben empfinden und sich politisch dem linken Spektrum zuordnen. Vorherr­schende Religion ist der Islam. Seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion im Jahre 1991 wird Aserbaidschan als Präsidialsystem regiert. Dem Economist Intelligence Unit´s Democracy Index (EIU-DI) wird der Staat seit der Unabhängigkeit autoritär regiert und weist keinen nennens­werten politischen Pluralismus auf17. Besonders häufig werden Schwangerschaften mit weiblichen Föten frühzeitig beendet, wobei traditionelle Geschlechterrollen und religiöse Prä­gungen gesellschaftlicher Normen als Ursache diskutiert werden18. Schwangerschaftsabbrüche sind in Aserbaidschan nicht verboten19.

Die Befragten in der Türkei gaben überdurchschnittlich oft einen hohen Stellenwert von Reli­gion für das eigene Leben an, bei höherem Anteil rechtsgerichteter Selbsteinschätzung. Auch hier das Präsidialsystem Regierungsform und der Islam die häufigste Religion. Der Wert des EIU-DI der Türkei zum Zeitpunkt der Befragung weist auf eine teilautoritäre Regierungsform hin17. Im Befragungszeitraum waren Schwangerschaftsabbrüche legal und kostenpflichtig20.

Im Datensatz stellte sich Deutschland, im internationalen Kontext, als überwiegend linksorien­tiert und nicht religiös heraus. In der parlamentarischen Demokratie ist das Christentum die verbreitetste Religion. Im Befragungszeitraum war Deutschland nach EIU-DI vollständig de­mokratisch17. Schwangerschaftsabbrüche sind straffrei21.

Anhand des Datensatzes wurde die Tschechische Republik als überwiegend rechtsorientiert und nicht religiös für die Analyse ausgewählt. Tschechien ist ebenfalls vorwiegend christlich ge­prägt und funktioniert auf politischer Ebene als parlamentarische Demokratie. Die Werte des EIU-DI sind denen Deutschlands für den Befragungszeitraum sehr ähnlich17. Schwanger­schaftsabbruch ist auch in diesem Fall straffrei. Vor dem Hintergrund des erläuterten theoreti­schen Fokus und der getroffenen Länderauswahl wird im Folgenden die Datenbasis und das methodische Vorgehen erläutert.

3. Methodisches Vorgehen

Als Datenbasis für die Analyse dient der integrierte Datensatz der European Values Study. Die European Values Study (EVS) ist ein umfangreiches, länderübergreifendes, längsschnittliches Umfrageforschungsprogramm zu grundlegenden menschlichen Werten. Sie bietet Einblicke in die Ideen, Überzeugungen, Vorlieben, Einstellungen, Werte sowie Meinungen der Bürger in ganz Europa (GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2010a, 5). Mittels eines Kern­fragebogens und einem Face-to-Face-Interview findet alle neun Jahre eine repräsentative Stich­probenbefragung der in den EVS-Mitgliedsländern ansässigen erwachsenen Bevölkerung statt (GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2010b, 3, 2016, 8). Anhand festgelegter Richtlinien der „Methodology Group“ gewährleistet die EVS Qualität und Konsistenz und deckt bisher einen Zeitraum von 1981 bis 2017 ab (GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2010a, 9ff.)

3.1 Zum European Values Study 2008 Datensatz

Für die Analyse im Rahmen der Hausarbeit wurde die Version 3.0.0 des integrierten Datensat­zes ZA4800 der European Values Study 2008 verwendet mit einer Stichprobegröße von n = 67.786. Die Grundgesamtheit dieser vierten Welle der EVS umfasst 46 Länder und Regionen Europas mit einer Bevölkerung von 100.000 und mehr (GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2010b, 3ff., 2016, 8ff.). Die EVS 2008 bildet Themen wie Gesellschaft, Kultur, Religion und Weltanschauung ab und konzentriert sich auf eine breite Palette von Werten wie Fragen zu Familie, Arbeit, Religion, Politik und Gesellschaft. Der Datensatz bietet darüber hinaus einen reichhaltigen Satz an soziodemografischen Hintergrundvariablen, um weitreichende Analysen der Determinanten von Werten zu ermöglichen22.

Für die Datenerhebung wurden repräsentative mehrstufige oder stratifizierte Stichproben der erwachsenen Bevölkerung ab 18 Jahren (außer Armenien 15+ und Finnland 18 bis 74 Jahre) gezogen. In dem Zeitraum vom 27.03.2008 bis 15.03.2010 wurden persönliche Interviews mit einem standardisierten Fragebogen mit etwa 250 Fragen geführt23 ((Ausnahmen sind Finnland (Internet-Panel) und Schweden (Postbefragung)). Durchschnittlich konnten für die einzelnen Länder und Regionen eine Kooperationsrate von ungefähr 60 Prozent realisiert werden (GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2016, 17). Für den Datensatz wurde eine Anpassungs­gewichtung auf Basis des Alters und Geschlechts angewendet (GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2016, 14ff.). Der kostenfreie Download der Daten und Doku­mentation der EVS 2008 erfolgte durch das GESIS-Datenarchiv für die Sozialwissenschaften in Köln.

3.2 Deskription der Variablen

Die Datenaufbereitung und Deskription der Variablen wurde mit STATA 14.2 durchgeführt. Für die Variablen aus dem EVS 2008 Datensatz, die für diese Analyse verwendet werden konn­ten, waren Anpassungen und Neubildungen notwendig, um die Analyse zielführend durchzu­führen. Liegen alle Variablen bereits von Missings bereinigt in dem Datensatz vor, wurde für die hiesige Analyse eine vollständige 0/1 bzw. eine 0/n Recodierung vorgenommen, um eine möglichst einheitliche und präzise Analyse der Daten zu ermöglichen.

Für die ausgewählte abhängige Variable der Rechtfertigung des Schwangerschaftsabbruchs (im Originaldatensatz „v241“) waren keine weiteren Änderungen notwendig. Die Variable wurde in der Untersuchung abgefragt als: „Do you justify: Abortion“ mit zehn möglichen Ausprägun­gen. Da die Variable in einer 0/9 Kodierung (aufsteigend, 0 = niemals, 9 = immer) vorliegt und die Abstände zwischen den Antworten semantisch und durch numerische Wertzuweisung als gleich groß interpretiert werden können, erfüllt sie die Voraussetzungen für die weitere Inter­pretation als quasi-metrische Variable (Urban, Mayerl und Wahl 2016, 7f.).

Die unabhängige Variable zur Beschreibung der politischen Selbsteinschätzung (im Original­datensatz „v193“, „Political view: left-right“) konnte ohne weitere Anpassungen für die Analy­se verwendet werden und zeigt eine aufsteigende 0/9 Kodierung mit einer liberalen linken po­litischen Selbsteinschätzung als Ausgangspunkt (0 = links, 9 = rechts).

Die unabhängige Variable zur Ermittlung der Wichtigkeit der persönlichen Religiosität (im Originaldatensatz „v6“, „How important in your life: Religion“) liegt in einer 0/3 Kodierung vor und berücksichtigt mit zunehmender Kodierung eine zunehmende Bedeutung der Religion (0 = überhaupt nicht wichtig, 1 = ziemlich wichtig, 2 = sehr wichtig). Die Werte der Variable wurden in ihrer Richtung rekodiert, um eine Vergleichbarkeit mit der Variable zur politischen Selbsteinschätzung zu vereinfachen. Anhand der Anpassungen der unabhängigen Variablen kann somit eine einheitliche Richtung der Analyse vorgenommen werden.

Mehrere soziodemografischen Hintergrundvariablen mussten angepasst oder auch neugebildet werden, damit diese als Kovariaten in die Analysemodelle aufgenommen werden konnten. Auf­genommen wurden die Variablen für Geschlecht (zur einfacheren Interpretation in der induk­tiven Analyse als „Frau“ benannt) als binäre Variable (im Originaldatensatz „v302“, Mann/Frau), Alter („age“, 15 bis 108 Jahre) als metrische Variable und der Beschäftigungssta­tus (zur einfacheren Interpretation im induktiven Teil als „Berufstätig“ benannt, „v89“, Ja/Nein) als binäre Variable. Zusätzlich wurde die Größe der Stadt („v370“) als ordinale Variable hin­zugezogen, welche die Merkmalsausprägungen unter 2.000, bis 5.000, bis 10.000, bis 20.000, bis 50.000, bis 100.000, bis 500.000 und mehr als 500.000 aufweist. Die verwendete Bildungs­variable („v336“) gliedert sich in die Kategorien Vorschulbildung, Grundschulausbildung, Se­kundarstufe I, Sekundarstufe II, Berufsausbildung, Bachelor-/ Masterabschluss sowie Doktor­abschluss und bietet im Gegensatz zu anderen Bildungsvariablen des Datensatzes den Vorteil, dass hierbei die internationale Vergleichbarkeit von Bildungsniveaus durch Orientierung an der Klassifikation nach ISCED (International Standard Classification of Education) der UNESCO möglich ist24 (GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2010b, 334ff., 2016, 425ff.). Die Variable für das Haushaltseinkommen („v353MM“) unterteilt sich in die Ausprägungen weniger als 150€, bis 300€, bis 500€, bis 1.000€, bis 1.500€, bis 2.000€, bis 2.500€, bis 3.000€, bis 5.000€, bis 7.500€, bis 10.000€ und mehr als 10.000€. Aufgenommen wurde ebenfalls der sozioökonomische Status („v357ISEI“), welcher als Score operationalisiert wurde, der wiederum auf der schulischen und beruflichen Qualifikation, sowie auf dem Einkommen und der beruflichen Stellung basiert (Züll 2015, 7ff.). Der für diesen Score angewandte Index ISEI (International Socio-Economic Index of occupational status) ermöglicht die Messung des sozio­ökonomischen Status im internationalen Vergleich. Es wird davon ausgegangen, dass jede be­rufliche Tätigkeit einen bestimmten Bildungsgrad erfordert und entsprechend entlohnt wird. Der niedrigste Wert des Index beträgt 16 (z. B. Hilfskräfte und Reinigungspersonal), der höchste Wert beträgt 90 (z. B. Richter) (Ganzeboom und Treiman 1996, 212ff.). Basieren andere im Datensatz vorhandene sozioökonomische Variablen auf der international vergleich­baren standardisierten beruflichen Prestige-Skala SIOPS (Standard International Occupational Prestige Scale), ist der Index ISEI für jedes Land unabhängig vom Urteil der Befragten hin­sichtlich der beruflichen sowie sozialen Prestige-Hierarchie (Züll 2015, 7f.). Abschließend wurde die binäre Variable für eine feste Beziehung („v316“, Ja/Nein) mit aufgenommen.

Bei der Überprüfung der Variablen wurden für den sozioökonomischen Status und den Beziehungs­status eine hohe Anzahl an fehlenden Werten und damit eine erheblich geringe Fall­zahl der Analysemodelle festgestellt. Zur Behandlung fehlender Werte wurde daher eine Im­putation eingesetzt, die der Ausgangspunkt für die neugenerierten Variablen ist. Konnten feh­lende Werte für die Variable des sozioökonomischen Status mit den Variablen des Arbeits- bzw. Beschäftigungsstatus, der Bildung und des Haushaltseinkommen ermittelt werden, wurden fehlende Werte für die Variable des Beziehungsstatus mit der Variable für die Ge­schlechter ermittelt. Eine abschließende Missinganalyse und Fallzahlkontrolle zeigte eine deut­liche Steigerung mit einer Mindestfallzahl von n ≥ 1.098.

[...]


1 https://www.sueddeutsche.de/politik/abtreibung-a-gesetzentwurf-bundestag-1.4339500, letzter Zugriff: 04.03.2019

2 https://www.tagesschau.de/kommentar/kommentar-paragraf219a-101.html, Letzter Zugriff: 04.03.2019

3 https://www.zeit.de/2018/23/irland-schwangerschaftsabbruch-abtreibung-kirche-rom-papst-vatikan, letzter Zugriff: 04.03.2019

4 https://www.spektrum.de/news/wie-maechtig-framing-wirklich-ist/1627094, letzter Zugriff: 04.03.2019

5 https://www.tschechien-online.org/nachrichten/abtreibungspille-ab-heute-tschechien-legal-verfuegbar-16062014-7779, letzter Zugriff: 04.03.2019

6 https://eurasianet.org/azerbaijans-new-sex-ed-curriculum-targets-sex-selective-abortions, letzter Zugriff: 04.03.2019

7 https://www.dw.com/de/abtreibung-in-der-t%C3%BCrkei-praktisch-verboten/a-47226175, letzter Zugriff: 04.03.2019

8 https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/gesundheitskrise-unsichere-schwangerschaftsabbrueche, letzter Zugriff: 04.03.2019

9 https://www.guttmacher.org/report/abortion-worldwide-2017, letzter Zugriff: 04.03.2019

10 Exemplarische Beispiele für quantitative Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen diesbezüglich sind Loll und Hall (2018), Hertel und Russell (1999), Misra (1998), Jelen, Damore und Lamatsch (2002) und Rominski et al. (2017).

11 Dabei ist anzumerken, dass sowohl inter-, als auch intrareligiös Abstufungen in der Ablehnung auszumachen sind (Kim, Kim und Kim 2014).

12 Mit Bezug auf Religion sind weitere Differenzierungen möglich, welche Auswirkungen auf die Testung der Hypothese haben können, im analytischen Teil der Hausarbeit aber aus verschiedenen Gründen nicht berücksichtigt werden. So werden neben der individuell wahrgenommenen Wichtigkeit von Religion weitere religionsbezogene Merkmale als einflussreich diskutiert. Auch die Regelmäßigkeit, mit der an religiösen Veranstaltungen teilgenommen wird und die Arbeit im Rahmen religiöser Institutionen haben für sich betrachtet einen Effekt auf moralische Bewertung von Themen wie Schwangerschaftsabbruch (Adamczyk 2013, 217). Aus Gründen des Umfangs der Hausarbeit werden diese Faktoren nicht berücksichtigt.

13 Je nach Staatsform haben religiöse Positionen mehr oder weniger prägenden Einfluss auf staatliche Politik. So kann Religion beispielsweise Einfluss auf die Gesetzgebung zu Schwangerschaftsabbrüchen nehmen, direkt etwa bei Beteiligung an der Regierung, oder indirekt durch die Beeinflussung öffentlicher Diskurse in eher säkularisierten Staatsformen (Minkenberg 2016, 221ff.).

14 Siehe hierzu die Arbeiten von Minkenberg (2016), Bajos et al. (2014), Reis und Brownstein (2010).

15 So schlagen Janoff-Bulman, Sheikh und Baldacci (2008, 1091) etwa die Unterteilung in Positionen persönlicher und sozialer Verantwortung vor.

16 In den Kreuztabellen wurden die Länder ausgewählt, welche den höchsten prozentualen Anteil an gleichzeitig linksgerichteter Selbsteinschätzung und hoher Religiosität, rechtsgerichteter Selbsteinschätzung und hoher Religiosität, sowie linksgerichtet und niedriger, beziehungsweise rechtsgerichtet und hoher Religiosität aufwiesen. Das statistische Vorgehen und die Tabellen sind in Anhang 1 dokumentiert.

17 https://infographics.economist.com/2017/DemocracyIndex/, letzter Zugriff: 05.03.2019

18 http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/abtreibungen-aerzte-sollen-geschlecht-von-foeten-geheim-halten-a-785746.html, letzter Zugriff: 04.03.2019

19 http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/abtreibungen-aerzte-sollen-geschlecht-von-foeten-geheim-halten-a-785746.html, letzter Zugriff: 07.03.2019

20 https://iwhc.org/2015/02/access-abortion-turkey-no-laughing-matter/, letzter Zugriff: 04.03.2019

21 https://www.profemina.org/info-abtreibung/straffreie-abtreibung, letzter Zugriff: 12.03.2019

22 https://europeanvaluesstudy.eu/methodology-data-documentation/previous-surveys-1981-2008/survey-2008/methods-and-sample-survey-2008/, letzter Zugriff: 20.03.2019

23 https://europeanvaluesstudy.eu/methodology-data-documentation/previous-surveys-1981-2008/survey-2008/, letzter Zugriff: 23.03.2019

24 Andere Bildungsvariablen berücksichtigen internationale Bildungsabschlüsse nur ungenügend, wodurch Verzerrungen zu erwarten wären.

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Einstellungen zu Schwangerschaftsabbrüchen vor dem Hintergrund persönlicher Religiosität und politischer Selbsteinschätzung
Untertitel
Aserbaidschan, Türkei, Deutschland und die Tschechische Republik im querschnittlichen Vergleich
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
International vergleichende Gesundheitsforschung
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
50
Katalognummer
V1006593
ISBN (eBook)
9783346391353
ISBN (Buch)
9783346391360
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwangerschaftsabbrüche, Schwangerschaftsabbruch, Religiosität, Religion, politische Selbsteinschätzung, Politik, Querschnittsstudie, International, Aserbaidschan, Türkei, Deutschland, Tschechische Republik, Abtreibung
Arbeit zitieren
David Reißig (Autor), 2019, Einstellungen zu Schwangerschaftsabbrüchen vor dem Hintergrund persönlicher Religiosität und politischer Selbsteinschätzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006593

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