Disparität zwischen Mann und Frau im alpinen Skirennsport der Schweiz. Eine qualitative Untersuchung


Facharbeit (Schule), 2020

40 Seiten, Note: 5.1

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort
1.1 Beweggründe
1.2 Dank

2 Einleitung

3 Hypothesen

4 Definitionen
4.1 Geschlechterungleichheit / Gender Inequality
4.2 Gender Pay Gap

5 Vergleich mit anderen Sportarten
5.1 Fussball
5.2 Tennis
5.3 Surfen

6 Gender Inequality
6.1 Fakten und Zahlen
6.2 Gender Inequality Index

7 Gender Pay Gap (Lohnungleichheit)
7.1 Die «Gläserne Decke»
7.2 Equal Pay Day

8 Verdienste von Männern und Frauen im alpinen Skirennsport

9 Methodischer Teil
9.1 Mindmap
9.2 Recherche
9.3 Interview
9.4 Interviewpartner
9.4.1 Matthias Rietschin
9.4.2 Ruedi Holdener
9.4.3 Michael Schiendorfer
9.4.4 Urs Lehmann
9.4.5 Corinne Suter
9.4.6 Ramon Zenhäusern

10 Ergebnisse
10.1 Ergebnisse aller Interviewpartner
10.2 Ergebnisse der Männer Weltcup Interviewpartner
10.3 Ergebnisse der Frauen Weltcup Interviewpartner
10.4 Ergebnisse der Athleten
10.5 Ergebnisse der Manager
10.6 Ergebnisse der SwissSki Kaderpersonen

11 Diskussion der Ergebnisse
11.1 Vergleich Prämien und Sponsoring
11.2 Frauen im Männer Weltcup

12 Fazit

13 Schlusswort

14 Quellenverzeichnis

15 Abbildungsverzeichnis

16 Eigenständigkeitserklärung

17 Anhang
17.1 Interviews
17.1.1 Matthias Rietschin
17.1.2 Ruedi Holdener
17.1.3 Michael Schiendorfer
17.1.4 Urs Lehmann
17.1.5 Corinne Suter
17.1.6 Ramon Zenhäusern
17.2 Zeitplan

Abstract

Diese Maturaarbeit vereint die brandaktuellen Themen Gender Equality und Gender Pay Gap mit einer traditionellen Sportart, dem alpinen Skirennsport. Das Ziel der vorliegenden Maturaarbeit ist es, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen im alpinen Skirennsport bezüglich Prämien und Sponsoring zu untersuchen, sowie auch ob zukünftig eine Frau im Männer Weltcup startet. Dazu nutzte ich die Recherche und meine Interviews mit kompetenten Interviewpartnern. Diese Personen stehen in direkter Verbindung zum Weltcup und ermöglichten mir somit einen praxisnahen Einblick in diese Thematik. Meine zu Beginn formulierten Hypothesen bestätigten sich grösstenteils. Die geschlechterspezifische Gleichberechtigung ist in Sachen Prämien Tatsache, im Bereich Sponsoring herrscht jedoch viel Intransparenz. Die zweite Hypothese bestätigte sich vollkommen, denn unter meinen Interviewpartnern herrschte Einstimmigkeit, dass es auch in Zukunft unwahrscheinlich sein wird, eine Frau im Männer Weltcup starten zu sehen. Somit kam ich schlussendlich zum Ergebnis, dass die Gender Equality weitestgehend erreicht ist und, dass die momentane Unterteilung im Skiweltcup weiterhin auf Zuspruch stösst.

1 Vorwort

Zu Beginn meiner Arbeit möchte ich meine Beweggründe offenbaren, welche ich im nächsten Subkapitel noch genauer erläutere. Zudem gelang es mir nicht ganz ohne Hilfe, diese Maturarbeit zu schreiben. Daher ist ein weiteres Subkapitel dem Dank an alle Personen gewidmet, die mir geholfen haben.

1.1 Beweggründe

Die Begeisterung zum Sport gehört zu meinen treuen Wegbegleitern seit meiner Kindheit. Ich war schon in allen möglichen Sportvereinen; von Knabenriegen über Skifahren und Tennis bis hin zum Fussball und sogar zum Tischtennis. Alle Sportarten bereiteten mir Freude. Speziell dem Skifahren bin ich über die Jahre treu geblieben. Aber auch im Fussball bin ich noch aktiv. Tennis und Tischtennis spiele ich noch immer gerne in meiner Freizeit.

Ich habe mich dafür entschieden meine Maturaarbeit dem alpinen Skisport zu widmen, da ich von klein auf vom alpinen Skisport begleitet werde. Meine ersten Kurven auf dem Schnee machte ich im Alter von zwei Jahren. Schnell wurde aus meinem Interesse mehr und es trieb mich in den Skiclub Feusisberg. Seit etwa 12 Jahren bin ich Mitglied im Skiclub Feusisberg, früher als Rennfahrer. Heute fahre ich keine Rennen mehr, bin aber immer noch Mitglied.

Als kleiner Rennfahrer schaute ich zu den Weltcup Fahrern auf. Ihre Rennen, welche im Fernsehen übertragen wurden, verfolgte ich gespannt. Besonders erfreut war ich bei guten Ergebnissen der Schweizer. Als ich dann älter wurde, merkte ich, dass der Sport im Allgemeinen mit sehr viel Geld in Verbindung steht. Ich war erstaunt von den exorbitanten Transfersummen und Löhnen der Spieler im Fussball. Daher stellte ich mir dann die Frage, ob auch die Skifahrer ähnliche Prämien erhalten.

Mein Interesse zum wirtschaftlichen Aspekt des Sportes hat sich, wie gesagt, gleichzeitig mit meiner Leidenschaft zum Fussball entwickelt. Ich war fasziniert von den Transfersummen, wie zum Beispiel als Cristiano Ronaldo von Manchester United zu Real Madrid für rund 94 Mio. Euro wechselte. Das Schwerpunktfach «Wirtschaft und Recht», welches ich nun seit zwei Jahren besuche, steigerte mein Interesse zu Zahlen und Beträgen, also zum Wirtschaftlichen, nochmals. Aktuell möchte ich nach der Matura an der HSG studieren.

Das Thema Gender Equality, zu Deutsch Geschlechtergleichheit, ist sehr präsent in den Medien und sorgt immer mal wieder für Aufsehen. Daher wollte ich meine Sportbegeisterung mit einem höchst aktuellen Thema verknüpfen, also alpiner Skirennsport mit der Gender Equality Thematik. Um den finanziellen Aspekt auch noch einzubauen, beschäftigte ich mich zudem noch mit dem Gender Pay Gap, dem Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen.

Nicht nur der alpine Skisport interessiert mich, sondern auch andere Sportarten. Darum entstand zudem ein Kapitel in welchem ich auf den aktuellen Stand dieser Thematik in verschiedenen Sportarten zu sprechen komme.

Das Ziel meiner Arbeit ist es, Ihnen als Leser und Leserinnen einen Einblick in den alpinen Skirennsport, kombiniert mit der Gender Equality Thematik, zu ermöglichen.

1.2 Dank

Dieses Kapitel ist allen Personen, die mich bei meiner Maturaarbeit unterstützt haben, gewidmet. Damit möchte ich in angemessener Form meinen Dank aussprechen. Diese Unterstützung erleichterte mir die Zeit während meiner Maturaarbeit sehr.

In erster Linie möchte ich mich bei meiner Betreuungsperson Guido Purtschert bedanken. Er erklärte sich bereit meine Maturaarbeit zu betreuen und mich auf dem Weg zur Fertigstellung zu begleiten. Ich konnte mich in den Gesprächen mit ihm von seinen Ideen inspirieren lassen. Zudem stiess ich stets auf ein offenes Ohr für meine Fragen.

Meinen sechs Interviewpartnern Matthias Rietschin, Ruedi Holdener, Michael Schiendorfer, Urs Lehmann, Corinne Suter und zu guter Letzt Ramon Zenhäusern gehört mein nächstes Dankeschön. Sie antworteten alle mit einer Zusage auf meine Interviewanfrage. Alle sechs halfen mir mit dem Beantworten meiner Fragen in einem informativen Gespräch oder auch per Emailverkehr. Meine Maturaarbeit wäre ohne diese Hilfe nicht so praxisnah wie gewünscht zustande gekommen. Ich war auf diese Hilfe angewiesen, um überhaupt an nutzbare Informationen zu kommen. Denn mein gewähltes Thema gehört noch immer zu den Tabuthemen in unserer Gesellschaft und es herrscht sehr viel Intransparenz in diesem Bereich.

Vielen Dank auch Brigitte Leis, meiner ehemaligen Deutschlehrerin. Sie erklärte sich bereit, meine Arbeit besonders genau unter die Lupe zu nehmen und das Schlusskorrektorat durchzuführen.

Zum Schluss möchte ich mich ebenfalls noch bei meinem nahen Umfeld bedanken. Ich traf immer auf Zuspruch und Unterstützung. Sie halfen mir besonders beim Einstieg in meine Arbeit und beim Feinschliff am Schluss.

2 Einleitung

In unserer Gesellschaft dreht sich derzeit vieles um das Erreichen einer Gleichstellung zwischen Mann und Frau. Dazu gehört sowohl das Anpassen von Wörtern, um der politischen Korrektheit gerecht zu werden, wie auch das Erreichen einer Frauenquote in der Politik und in der Führung von Unternehmen. Selbstverständlich müssen Frauen nun auch in Sachen Geld, also dem Lohn, gleichbehandelt werden. Dafür gibt es sogar einen eigenen Begriff: der Gender Pay Gap. Diese zwei Themen, »Gender Equality» und «Gender Pay Gap», bringen diese Maturaarbeit in Verbindung mit dem alpinen Skirennsport. Sie analysiert die Unterschiede zwischen Männern und Frauen im alpinen Skirennsport in Bezug auf Prämien und Sponsoring. Weiter bildet die Fragestellung, ob zukünftig eine Frau im Männer Weltcup startet, ein Teil dieser Maturaarbeit.

Die zu Beginn festgelegten Hypothesen befinden sich in einem separaten Kapitel. Diese Hypothesen bilden die Basis dieser Arbeit. In den folgenden Seiten werden diese Hypothesen untersucht und dabei entweder widerlegt, oder aber ihre Richtigkeit belegt.

Schlussendlich soll diese Arbeit Aufschluss dazu geben, ob der alpine Skirennsport bereits auf einem guten Stand ist in Sachen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Damit auch ein Vergleich zu anderen Sportarten möglich ist, dreht sich ein Kapitel um den aktuellen Stand im Fussball, Tennis und Surfen.

Ich gelangte durch intensives Recherchieren an einen Teil der Informationen zu meiner Arbeit. Besonders der Theorieteil baut auf meiner Recherche auf. Beim Lesen verschiedener Sachbücher und beim Durchforschen der Internetseiten fiel mir auf, dass es sehr wenig Literatur zu meinen ausgewählten Themen gab. Meistens behandelt ein Buch zum alpinen Skisport irgendwelche Techniken. Ich bemerkte ebenso, dass ich keine bereits vorhandene Arbeit finden konnte, welche sich genau mit der Kombination von Gender Equality und Gender Pay Gap im alpinen Skirennsport beschäftigt. Daher zog ich eine zweite Informationsquelle zur Hilfe, die Interviews. Die Interviews führte ich mit kompetenten Personen aus dem Skiweltcup durch. Ich wählte zwei Kaderpersonen von SwissSki aus, zudem zwei Manager einer Athletin und eines Athleten, sowie einen Weltcupfahrer und eine Weltcupfahrerin.

Diese Maturarbeit behandelt die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, daher sind bei einer allgemeinen Formulierung stets beide Geschlechter gemeint. Nur beim ausschliesslichen Nennen der männlichen oder weiblichen Form ist eine Unterscheidung von Bedeutung.

3 Hypothesen

Zu Beginn meiner Maturaarbeit stellte ich Hypothesen auf, welche ich im Verlaufe dieser Arbeit überprüfen wollte. Durch diese Hypothesen wusste ich, nach welchen Antworten ich suche und wo mein Fokus liegen sollte.

1. Der Gender Pay Gap bei Prämien und Sponsoring ist im alpinen Skirennsport der Schweiz zwischen Mann und Frau nicht besonders gross.

Zu meiner ersten Hypothese kam ich, da mir die Athleten sowie auch die Athletinnen gleichermassen präsent im Fernsehen, in Zeitungen und in anderen Medien erscheinen. Daraus schloss ich, dass auch die Lohndifferenz zwischen den beiden Geschlechtern nicht besonders gross sein kann.

2. Eine Frau im Männer Weltcup starten zu sehen ist unwahrscheinlich.

Die Überlegung hinter meiner zweiten Hypothese war folgende: beiden Athletinnen, Lindsey Vonn und Michaela Shiffrin, gelang es nicht, im Männer Weltcup zu starten. Daher schätze ich auch zukünftig die Chance, eine Frau den «Hundschopf» hinunter springen zu sehen, als gering ein.

4 Definitionen

In dieser Maturaarbeit treten folgende zwei Begriffe vermehrt auf und sind von essenzieller Bedeutung: «Geschlechterungleichheit/Gender Inequality» und «Gender Pay Gap». Um allfällige Missverständnisse zu vermeiden, klärt meine Arbeit in diesem Kapitel die beiden obengenannten Begriffe.

4.1 Geschlechterungleichheit / Gender Inequality

«rechtliche, soziale und kulturelle Situation, in der das biologische und/oder soziale Geschlecht unterschiedliche Rechte und eine unterschiedliche Würde für Frauen und Männer bestimmt, was sich in ihrem ungleichen Zugang zu Rechten oder deren ungleicher Inanspruchnahme sowie in der Übernahme stereotypierter sozialer und kultureller Rollen widerspiegelt»1

4.2 Gender Pay Gap

«signifikanter Unterschied zwischen den Geschlechtern im Hinblick auf Löhne und Gehälter»2

5 Vergleich mit anderen Sportarten

Männer und Frauen üben oft die gleichen Sportarten aus. Doch selten gegeneinander, sondern meist unterteilt in unterschiedliche Kategorien.

Das Hauptaugenmerk liegt in dieser Maturaarbeit auf dem alpinen Skirennsport. Dennoch ist ein Vergleich mit anderen Sportarten interessant, um zu sehen ob sich der Skirennsport in Sachen Gender Equality im Hintertreffen befindet oder als Vorreiter gilt.

5.1 Fussball

Zu Beginn begutachtet diese Arbeit die aktuelle Lage im Fussball. Die Männer geniessen hier maximale Aufmerksamkeit, während die Frauen beinahe komplett untergehen. Dieser Unterschied der Aufmerksamkeit spiegelt sich auch direkt in anderen Bereichen wider. Die angesprochene Aufmerksamkeit beeinflusst auch den Lohn, den die Spieler und Spielerinnen erhalten. Den Spielern und ihren Vereinen ist es möglich fast astronomische Verträge mit Sponsoren und Fernsehen auszuhandeln, somit zirkuliert im gesamten Männerfussball extrem viel Geld. Dies blitzt ab und zu bei den Transfersummen oder den Gehältern durch. Fussballer, wie zum Beispiel Granit Xhaka, erhalten, laut Schätzungen der «Daily Telegraph», ein monatliches Gehalt von 630'000 Franken. Auf der geschlechtlichen Gegenseite stehen die Frauen, welche bei ihren Top-Vereinen in England, Deutschland, Frankreich und Spanien 6'000 bis 10'000 Franken pro Monat auf ihr Konto überwiesen bekommen. Nur Stars im Frauen-Fussball kommen an die 20'000er Grenze.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gender Pay Gap bei der Fussball-WM3

Jedoch liegt das Problem nicht nur bei der Bezahlung, sondern auch bei den Reise-, Spiel- und Trainingsbedingungen und vor allem bei den oberen Entscheidungsgremien.

Als Lichtblick für eine allfällige Besserung kann man die Bewegung in Amerika sehen. Die Amerikanerinnen sind momentan weitaus erfolgreicher als ihr männliches Pendant. Daher reichten die Nationalspielerinnen ihre Klage gegen den amerikanischen Verband ein, als Grund nannten sie jahrelange Diskriminierung.4

5.2 Tennis

Tennis entwickelte sich dank Billie Jean King zur für Frauen wirtschaftlich attraktivsten Sportart. Billie Jean King gilt als Vorkämpferin für die Gender Equality. Sie wurde 1968 auf die Ungerechtigkeit aufmerksam, als sie beim Wimbledon Sieg 750 Pfund erhielt und der männliche Sieger des Turniers 2'000 Pfund.

Aktuell verschütten alle Major-Turniere im Tennis den Männern und Frauen gleich viel Preisgeld aus. Auch grössere Turniere sind nachgezogen und nun ist das WTA-Finalturnier der Frauen sogar weitaus höher dotiert als das Pendant der Männer. Grund dafür sind auch die Männer rund um unseren Landsmann Roger Federer. Denn sie haben ihre Vermarktungsposition dafür genutzt, um die Preisgelder im Allgemeinen zu erhöhen.

Das noch vorliegende Problem im Tennis ist, dass Männer noch immer vermehrt auf den grössten Plätzen, den «Center Courts», spielen dürfen. Zudem wurde eine Spielerin bestraft als sie ihr Shirt wechselte und ihr Sport-BH zu sehen war. Bei den Männern hingegen ist ein Shirtwechsel ohne Strafe verbunden und eine entblösste Brust wird nicht bestraft.5

5.3 Surfen

In Sachen Gender Equality hat der Surfsport die Nase ganz weit vorne. Die World Surfing League entschloss 2019, dass in allen ihren Wettbewerben das gleiche Preisgeld für Männer und Frauen ausgezahlt wird. Durch diesen Entscheid erhoffen sich die Surfer und Surferinnen, einen Startschuss gesetzt zu haben, für den Nachzug anderer Sportarten.

Der Auslöser für diese Bewegung in Richtung Gender Equality war das Foto einer Preisverleihung auf Twitter. Die zwei Sieger, eine Frau und ein Mann, bestritten den Wettbewerb unter gleichen Bedingungen. Doch der Sieger erhielt 8'000 südafrikanische Rand als Preisgeld und die Siegerin nur die Hälfte davon, 4'000 südafrikanische Rand. Zu Beginn rechtfertigte die World Surfing League den Unterschied mit der Teilnehmeranzahl, da im männlichen Wettbewerb doppelt so viele Surfer am Start waren. Doch nun herrscht, wie bereits gesagt, gleiches Preisgeld für Männer und Frauen. Somit zeigt sich eine totale Gleichberechtigung in Bezug auf die Preisgelder.6

6 Gender Inequality

Das Thema Gender Inequality ist sehr aktuell und ständig in den Medien präsent. Dieses Thema erlangte in unserer Zeit höchste Bedeutsamkeit, darum wurde es 2015 sogar Teil der «Sustainable Development Goals», kurz SDG’s. Das SDG 5 Gender Equality soll, wie alle anderen, bis im Jahre 2030 erreicht werden. Das heisst, das Ziel ist es, eine totale Geschlechtergleichheit zu erreichen und alle Frauen zu ermächtigen.7

Frauen werden noch heute in vielen Teilen der Welt gegenüber Männern benachteiligt, dies untersuchte Anika Hillmann genauer. Oft werden sie ausgenutzt, eingeschränkt oder gar Opfer von Gewalt. Dabei stellt häusliche Gewalt oder Sexismus ein grosses Problem dar. Zudem ist der Handel mit Frauen, die moderne Form der Sklaverei, wie die Organisation Terre des Femmes es auch bezeichnet, deutlich weiter verbreitet als der Männerhandel. Zum Frauenhandel kann Prostitution oder auch der illegale Hausmädchendienst gehören. Die Tradition steht einer Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen deutlich in der Quere. Denn eine Tradition lässt sich häufig nicht mal durch Gesetze verbieten. In einigen Kulturen auf dieser Welt gehört die Beschneidung oder Zwangsheirat zum Leben einer Frau dazu. Durch diese Tradition ist eine Gleichberechtigung schlichtweg unmöglich. Auch Ehrenmorde werden noch in vielen Religionen ausgeübt. Besonders häufig müssen sich dabei die Mädchen dem Willen ihrer Familien beugen, um nicht die Ehre der Familie zu verletzen. Gelingt dies einem Mädchen nicht, so wird es von der eigenen Familie umgebracht.8

Die allgemeine Schulpflicht ist längst nicht in allen Ländern Realität. So kommt es, dass meist Jungs eher und länger zur Schule gehen dürfen. Somit geniessen sie eine höhere Bildung, dies erhöht ihre Zukunftschancen immens. Um auch dieses Problem der Gleichberechtigung aus dem Weg zu räumen, entwickelte die UN das SDG 4.5, welches geschlechterspezifische Disparitäten beseitigen soll.9

6.1 Fakten und Zahlen

In einigen Bereichen der Gender Inequality werden Fortschritte gemacht, so wurde ein deutlicher Rückgang der Prävalenz von Genitalverstümmelung und früher Heirat bemerkt. Dennoch bleiben die Gesamtzahlen weiterhin hoch.

Aktuelle Zahlen der UN aus 106 Ländern zeigen, dass 18 Prozent der Frauen und Mädchen im Alter von 15 bis 49 Jahren, welche in der Zwischenzeit jemals mit einem Partner zusammenlebten, in dem vergangenen Jahr Opfer körperlicher und/oder sexueller Gewalt ihres Partners wurden.

Zudem ist das Risiko in Südasien für ein Mädchen noch während seiner Kindheit verheiratet zu werden, zwischen 2013 und 2018 um ca. einen Viertel gesunken.

Weiter sind Frauen nach wie vor auf allen politischen Ebenen unterrepräsentiert. Zwischen 2010 und 2019 stieg der durchschnittliche Frauenanteil um 19 Prozent.

Frauen machen insgesamt 39 Prozent der Weltbeschäftigung aus. 2018 waren weltweit nur 27 Prozent aller Führungspositionen von Frauen besetzt, das bedeutet einen Anstieg um ein Prozent zum Jahre 2015.

Die UN untersuchte Zahlen aus 51 Ländern. In diesen 51 Ländern dürfen lediglich 57 Prozent der verheirateten oder gewerkschaftlich organisierten Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren selbst die Entscheidung über sexuelle Beziehung und die Verwendung von Verhütungsmitteln und Gesundheitsdiensten fällen.

In den letzten 25 Jahren gab es Fortschritte bei den Gesetzen, welche die Gleichberechtigung fördern. Dennoch bestehen in vielen Ländern nach wie vor Lücken und diskriminierende Gesetze. Daten der UN von 2018 aus 53 Ländern belegen, dass fast ein Drittel der Länder Rechtslücken im Bereich der übergreifenden Rechtsrahmen und des öffentlichen Lebens hat. In mehr als einem Viertel dieser Länder existieren Rechtslücken im Bereich Gewalt gegen Frauen und 29 Prozent, beziehungsweise 24 Prozent der untersuchten Länder, weisen Rechtslücken im Bereich der Beschäftigung und der wirtschaftlichen Vorteile sowie im Bereich Ehe und Familie auf.10

6.2 Gender Inequality Index

Der Gender Inequality Index, kurz GII, ist ein Index, um die geschlechtsspezifische Ungleichheit zu veranschaulichen. Diese Ungleichheit wird anhand von drei Kriterien ermittelt, der reproduktiven Gesundheit, der Ermächtigung und dem wirtschaftlichen Status. Daher folgt, dass je höher der Wert des GII in einem Land ist, desto grösser ist die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen.11

Die Schweiz fällt in diesem Vergleich positiv auf. Denn laut dem United Nations Development Programme, kurz UNDP, belegt die Schweiz in Sachen Gender Equality den ersten Platz mit einem GII von 0,037. Somit ist laut dem GII 2018 die Schweiz das Land mit der höchsten Gleichstellung der Geschlechter.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Table 5 Gender Inequality Index13

7 Gender Pay Gap (Lohnungleichheit)

Die Männer verdienen in der Wirtschaft im Durchschnitt mehr als die Frauen. Der Gender Pay Gap handelt genau von dieser Differenz der Verdienste. Berechnen lässt sich der Gender Pay Gap aus der Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes der Männer und Frauen im Verhältnis zum Bruttostundenverdienst der Männer. Doch zu berücksichtigen sind die zwei Arten des Gender Pay Gaps, nämlich der bereinigte und der unbereinigte Gender Pay Gap. Beim ersteren werden die unterschiedlichen Tätigkeiten, Berufe und Bildungsabschlüsse mit einbezogen, während die zuvor genannten Faktoren beim unbereinigten Gender Pay Gap ausser Acht gelassen werden. Somit fällt stets der Bereinigte geringer aus.14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Konzept und Ursachen der Lohnlücke15

Allgemein wird heutzutage gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert, doch anhand des Gender Pay Gaps erkennt man, dass dies in unserer Gesellschaft noch nicht der Fall ist. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln untersuchte die Ursachen dieser Lohnlücke genauer und veranschaulichte es in der Abbildung 3. Der grösste Teil der Lohnlücke also dem Gender Pay Gap konnten sie erklären und mit den Pfeilen beschriften. Doch das Problem ist der ganz schwarze Balken in der Abbildung, denn genau dieser Teil lässt sich nicht erklären. Somit verdient ein Mann aus unerklärlichen Gründen mehr als eine Frau und daher gilt der Grundsatz, «gleicher Lohn für gleiche Arbeit» nicht mehr.16

In der Schweiz stehen einem Mann Ende Monat durchschnittlich 1455 Franken mehr zur Verfügung als einer Frau. Die Differenz von 815 Franken, also 56 Prozent, kann durch objektive Faktoren wie Ausbildung, Dienstjahre oder berufliche Stellung begründet werden. Die restlichen 44 Prozent bleiben auch durch objektive Faktoren unerklärt, das heisst es liegt möglicherweise eine Lohndiskriminierung aufgrund des Geschlechts vor. Insgesamt lässt sich ein langsamer Rückgang der Lohnunterschiede erkennen, doch seit einigen Jahren stagniert der unerklärte Teil bei der 40 Prozent Grenze.17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Lohndifferenz Zahlen und Fakten18

Eine funktionierende Wirtschaft ist in der Lage einen Markt selbst zu regulieren. Doch in Sachen Lohnungleichheit gelingt dies nicht, denn es müssten Vergleiche möglich sein. Erst dann könnte es dem Markt gelingen sich zu regulieren, doch diese Vergleiche werden durch die herrschende Intransparenz über die Lohnstruktur verhindert. Darum wäre eine transparenter Lohnmarkt notwendig, um die Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen zu erreichen.19

7.1 Die «Gläserne Decke»

Das Phänomen der «Gläsernen Decke» lässt sich am besten mit einer Definition der Universität Paderborn beschreiben. «Als Gläserne Decke (engl. glass ceiling) wird eine zumeist nicht sichtbare Barriere bezeichnet, mit der Frauen im Karriereverlauf trotz hoher Qualifikation häufig dann konfrontiert sind, wenn sie in das obere Management aufsteigen wollen, während männlichen Kollegen mit vergleichbarer Qualifikation dieser Aufstieg in der Regel 'gelingt'.»20 Somit liegt auch hier eine potenzielle Diskriminierung vor. Denn eigentlich müssten beide Geschlechter die gleichen Chancen auf Kaderpositionen haben. Durch die geringere Frauenquote in Kaderpositionen können Frauen gar nicht gleich viel wie ihre männlichen Kollegen verdienen, da Kaderpositionen besser bezahlt sind.

7.2 Equal Pay Day

Als Equal Pay Day wird der Tag genannt, an dem die Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen erreicht ist. In der Schweiz ist dieser Tag im Jahre 2019 am 22. Februar erreicht worden, das heisst bis zum 22. Februar arbeiteten die Frauen unentgeltlich, während die Männer bereits seit dem 1. Januar ihren Lohn erhalten. Diese 53 Tage gleichwertiger Arbeit der Frauen entspricht dem Schweizer Pay Gap von 14,6 Prozent im Jahr 2019. Der Equal Pay Day soll diese Ungerechtigkeit auf eine Art und Weise veranschaulichen, die zum Nachdenken anregt.21

8 Verdienste von Männern und Frauen im alpinen Skirennsport

Der Wintersport geniesst in der Schweiz eine hohe Anerkennung. Besonders der alpine Skisport treibt Menschenmengen in die Berge, um sich die Skier anzuschnallen. Die Schweiz gilt als Skination, durchaus aufgrund der Lage in den Alpen. Einige dieser skibegeisterten Leute fokussieren sich auf den alpinen Skirennsport und schaffen es in den Weltcup. Den Profis gelingt es, wie auch in anderen Sportarten, durch ihr Können ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Durch die Begeisterung und die Aufmerksamkeit, die der Sport auslöst, sind fast exorbitante Geldsummen im alpinen Skirennsport verfügbar. Die Rennen mit ihren Preisgeldern und die Verdienste vom Sponsoring gehören zum Einkommen eines professionellen Skirennfahrers. Während die Preisgelder eines Rennens für jedermann einsehbar sind, sind die Verdienste vom Sponsoring nicht offengelegt und sehr intransparent. Darum folgen nur Angaben in Bezug auf Preisgelder.

[...]


1 Eige, „Geschlechterungleichheit“.

2 Duden, „Gender Pay Gap“.

3 Janson, „So groß ist der Gender Pay Gap bei der Fußball-WM“.

4 Steffen, „So steht es um die Gleichberechtigung im Profisport – eine Analyse in sieben Sportarten“.

5 Bärtsch, „So steht es um die Gleichberechtigung im Profisport – eine Analyse in sieben Sportarten“.

6 Rimkus, „Gleiches Preisgeld für Surfer*innen“.

7 UN, „Sustainable Development Goal 5“.

8 Hillmann, „Frauenrechte, Frauen weltweit“.

9 UN, „Sustainable Development Goal 4“.

10 UN, „Special edition: progress towards the Sustainable Development Goal“.

11 UNDP, „Gender Inequality Index (GII)“.

12 UNDP, „Table 5: Gender Inequality Index (GII)“.

13 UNDP.

14 Krämer, „Gender Pay Gap“.

15 Schimdt / Diekmann / Schäfer, „Die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen“.

16 Schimdt / Diekmann / Schäfer.

17 EBG, „Zahlen und Fakten“.

18 EBG.

19 BPW SWITZERLAND, Lohnungleichheit in der Schweiz, Das Argumentarium.

20 Universität Paderborn, „Gläserne Decke“.

21 BPW SWITZERLAND, Lohnungleichheit in der Schweiz, Das Argumentarium.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Disparität zwischen Mann und Frau im alpinen Skirennsport der Schweiz. Eine qualitative Untersuchung
Note
5.1
Jahr
2020
Seiten
40
Katalognummer
V1006835
ISBN (eBook)
9783346393678
Sprache
Deutsch
Schlagworte
disparität, mann, frau, skirennsport, schweiz, eine, untersuchung
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Disparität zwischen Mann und Frau im alpinen Skirennsport der Schweiz. Eine qualitative Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006835

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