Wiederholungen im Gespräch

Welche Funktion hat die Rezeption von Allorepetition und Selbstrepetition in Gesprächen?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Forschungsaufsätze
a. Giovanni Rossi: Other-repetition in conversation across languages: Bringing prosody into pragmatic typology, in: Cambridge University Press, veröffentlicht: 06.07.2020
b. Elizabeth Couper-Kuhlen: The prosody of repetition: on quoting and mimicry, in: Prosody in Conversation. Interactional Studies, hrsg. V. Elizabeth Couper- Kuhlen/Margaret Selting, Cambridge 1996, S.366 - 405
c. Zwischenfazit der Forschungsaufsätze

3. Eingrenzung der behandelten Fälle

4. Gesprächsanalyse
a. Selbstrepetition
b. Allorepetition

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Repetition in der gesprochenen Sprache ist ein wichtiger Bestandteil der Interaktion zwischen Menschen. Schon beim Erlernen einer Sprache im frühen Kindesalter spielen Wiederholungen eine große Rolle.1 Kinder lernen durch das Wiederholen von ihnen gestellten Fragen in Form von Antworten mit veränderten deiktischen Elementen, wie sie in vollständigen Sätzen antworten können. So erlernen sie beispielsweise früh, dass man auf die Frage „Wie heißt du?“ mit der Antwort „Ich heiße ..reagieren kann. Wiederholungen kreieren durch leicht variierte Formen einer vorangegangenen Aussage neue Bedeutungen, was die Repetition zu einer wichtigen Ressource für die Entwicklung von Sprache macht.

Als Teilgebiet der Pragmatik, die Sprachphänomene in einem interaktionalen Kontext untersucht, sind die Repetitionen ein wichtiger Bestandteil. Erst vor kurzem ist ein Themenheft zu other-repetitions bei der Language in Society erschienen, herausgegeben von Giovanni Rossi. Dieser Forschungsaufsatz beschäftigt sich mit Allorepetitionen, welche sich nur durch deiktische oder modale Veränderungen von der vorangegangenen Aussage unterscheiden. Ein wichtiger Aspekt, der sowohl in diesem Aufsatz als auch bei Elizabeth Couper-Kuhlen in „The prosody of repetition: on quoting and mimicry“ vorkommt, ist die Prosodie. Prosodische Wiederholungen spielen in gesprochener Sprache ebenfalls eine Rolle, weshalb eine Betrachtung der Repetitionen in diesem Aspekt ebenfalls interessant ist. Hierb sollen die genannten Forschungsaufsätze näher erläutert werden.

Das häufige Auftreten von Wiederholungen in Gesprächen wirft die Frage auf, inwiefern das Wiederholen von eigenen Aussagen, aber auch das Wiederholen anderer Gesprächsteilnehmer für den Gesprächsverlauf relevant ist. Repetitionen eröffnen ein breitgefächertes Spektrum an Funktionen2, weshalb eine empirische Betrachtung von Gesprächen in Hinsicht auf Selbstrepetition und Allorepetition und deren Funktion interessant ist. Wichtig ist hierbei die Reaktion der Rezipienten auf die Repetitionen, welche maßgeblich relevant für den weiteren Gesprächsverlauf sind.

Im Folgenden sollen die Repetitionen, die nur wenig abweichende, verbale Veränderungen aufweisen, behandelt werden.

Beispiele, die die These unterstützen sollen, werden aus dem Korpus der Datensammlung der Reality-TV-Show „Big-Brother“ entnommen.

2. Forschungsaufsätze

a. Giovanni Rossi: Other-repetition in conversation across languages: Bringing prosody into pragmatic typology, in: Cambridge University Press, veröffentlicht: 06.07.2020.

Giovanni Rossi beschäftigt sich in seinem Forschungsaufsatz mit der Funktion von Prosodie in interaktionalen Gesprächen. Dabei betrachtet er ausschließlich Allorepetitionen in natürlichen Konversationen, welche sich nur durch kleine Veränderungen in der Deixis und Modalität von der vorangegangenen Aussage unterscheiden.3 Hierbei fokussiert Rossi sich auf Allorepetitionen in verschiedenen Sprachen, um Wiederholungen und deren Funktion durch Vergleiche in Englisch, Finnisch, Französisch, Italienisch und Schwedisch sichtbarmachen zu können. Es ist bereits bekannt, dass Repetitionen ein großes Spektrum an Funktionen in Gesprächen besitzen, Rossi will in seinem Aufsatz jedoch deutlich machen, wie Gesprächsteilnehmer aus verschiedenen Ländern, die Funktion einer Repetition verstehen können.

Der Fokus in Giovanni Rossis Aufsatz liegt hierbei auf der Prosodie von Wiederholungen, um die Gespräche vergleichend in diesem Aspekt analysieren zu können.

Wiederholungen sind laut Rossi auf die Prosodie und auch auf das visuelle Verhalten angewiesen, um die Funktion der Repetition zuordnen zu können.4 Als Prosodie definiert er die nicht-lexikalische, akustisch-auditive Einheit einer Aussage. Diese trägt nicht zur Struktur und Bedeutung der Worte bei, sondern organisiert die gesamte Äußerung. Meist wird in Gesprächsanalysen die Intonation analysiert, die man auch als Sprechmelodie bezeichnen kann.5 Somit ist die Prosodie in Bezug auf die Ausdrucksweise relevant, welche wiederum zu der Bedeutung der Allorepetition beiträgt. Er kommt zu dem Schluss, dass ein tiefer Pitch Selbstbewusstsein bedeutet, während ein hoher Pitch eher Unsicherheit markieren soll.6

Allerdings ist die Prosodie nur ein weiteres unterstützendes Element, um die Bedeutung und Funktion einer Allorepetition zu erkennen. Rossi betont ebenfalls, dass mehr Faktoren in Betracht gezogen werden müssen, um eine Allorepetition zu kategorisieren. Vor allem muss beachtet werden, dass die Wiederholungen immer in einem interaktionalen Kontext gegeben werden, weshalb auch die Funktion einer Allorepetition in diesen Kontext eingeordnet werden muss und nur so analysiert werden kann.

b. Elizabeth Couper-Kuhlen: The prosody of repetition: on quoting and mimicry, in: Prosody in Conversation. Interactional Studies, hrsg. V. Elizabeth Couper-Kuhlen/Margaret Selting, Cambridge 1996, S.366 - 405.

Auch Elizabeth Couper-Kuhlen behandelt in ihrem Aufsatz zu Repetitionen den Aspekt der Prosodie. Sie geht vor allem auf das Problem der vergleichenden Analyse von prosodischen Wiederholungen ein. Das Variationsspektrum der Prosodie vor allem auch zwischen Männern und Frauen ist zu groß, um Schlüsse aus dem Vergleich der prosodischen Elemente zu ziehen.7

Als prosodische Wiederholung bezeichnet Elizabeth Couper-Kuhlen die Wiederholung der Dauer von Silben sowie das Volumen und den Pitch der Silben.8 Sie geht davon aus, dass man bei der Wiederholung anderer auch die eben genannten prosodischen Elemente wiederholt sowie sich der Gestik und dem Akzent des Gegenübers anpasst. Hierbei kann die Prosodie gleich sein oder sich aber auch von der vorangegangenen Aussage unterscheiden, was in einem gewissen Kontext unterschiedliche Funktionen der Allorepetition markiert.

Um diese Funktionen zu analysieren und die Unterschiede in einer prosodischen Wiederholung sichtbarzumachen, analysiert Couper-Kuhlen verschiedene Gespräche und visualisiert diese in Skalen. Bei der absoluten Skala wird die prosodische Nachahmung sichtbar, was darauf schließen lässt, dass die Allorepetition in diesem Fall ein Nicht-Ernstnehmen der anderen Person signalisiert.9 Sie lässt dabei allerdings die anderen Funktionen eines hohen Pitchs in der Wiederholung einer Aussage außer Acht, was zu einem pauschalisierten Ergebnis führt.

Couper-Kuhlen zieht zwei signifikante Schlussfolgerungen aus ihrer Studie.

Zum Einen bedeutet ein hoher Grad an verbaler Wiederholung in Kombination mit der prosodischen Wiederholung, dass die vorangegangene Aussage entweder parodistisch imitiert wird oder aber auch kritisiert wird.10

Zum Anderen muss mehr Wert auf die Relativität in prosodischer Kontextualisierung gelegt werden.11 Eine Betrachtung auf Basis einer absoluten Skala ist nur dann möglich, wenn das Variationsspektrum der Gesprächsteilnehmer nicht weit auseinanderliegt. Beim Vergleich der prosodischen Nachahmung zwischen Männern und Frauen ist es deshalb sinnvoller, eine relative Skala zu verwenden.

c. Zwischenfazit der Forschungsaufätze

Sowohl Giovanni Rossi als auch Elizabeth Couper-Kuhlen kommen in ihren Forschungen auf den Schluss, dass eine Allorepetition in einem hohen Pitch eher Unsicherheit bedeutet, während ein tiefer Pitch Selbstbewusstsein bedeutet.

Hinsichtlich der Herangehensweise bei der Analyse von Repetitionen im Allgemeinen ist der prosodische Aspekt eher nebensächlich.

Viel wichtiger meiner Meinung nach ist die Auffassung einer Selbstrepetition oder auch Allorepetition bei den anderen Gesprächsteilnehmern. Die Intention einer Wiederholung ist meistens nicht mehr relevant für den weiteren Gesprächsverlauf, während die Reaktion und Interpretation darauf das Gespräch bestimmt.

3. Eingrenzung der behandelten Fälle

Die Wiederholungen, die im Folgenden analysiert werden sollen, beschränken sich auf Selbstrepetitionen und Allorepetitionen, welche sich nur leicht von der vorangegangenen Aussage unterscheiden. Hierbei kommt es vor allem auf die Funktion einer leicht modifizierten Repetition im interaktionalen Kontext an. Der Fokus soll im Folgenden auf der Abweichung der Intention einer Wiederholung mit der Interpretation dieser Wiederholung liegen.

Um das Phänomen der Repetition untersuchen zu können, werden die hier behandelten Beispiele aus dem Korpus „Big Brother“ entnommen, um möglichst realitätsnahe Gespräche analysieren zu können.

4. Gesprächsanalyse

a. Selbstrepetition

Ein oft betrachtetes Phänomen in der Interaktion zwischen Menschen ist die Selbstrepetition. Die Funktion einer Selbstrepetition kann kognitive, aber auch funktionale Gründe haben. Oftmals fällt es uns leichter, Satzstrukturen sowie Wörter zu wiederholen, um den kognitiven Aufwand während der Planung der nächsten Äußerung zu reduzieren. Das sichert dem Sprecher gleichzeitig das Rederecht, wodurch die Rollen des Sprechers und des Rezipienten klar geregelt sind. Auch für den Rezipienten ist der kognitive Aufwand beim Zuhören reduziert, wodurch es ihm leichter fällt, im Gespräch in der Rolle als Zuhörer zu agieren.

Viel wichtiger sind aber die funktionalen Gründe einer Selbstrepetition. Häufige Selbstwiederholungen führen zu Kohäsion und Kohärenz in Gesprächen, was Gespräche verständlicher macht. Selbstwiederholungen können aber auch als Pause dienen, um die nächste Äußerung zu planen oder sie wirken durch eine Wiederholung selbstironisch. Die Intention einer Selbstrepetition ist hierbei oftmals anders als die Rezeption.

Diese Wichtigkeit der Abweichung von Intention und Rezeption einer Selbstrepetition soll nun anhand von Beispielen aus „Big Brother“ deutlich gemacht werden.

In diesem Beispiel wiederholt sich John wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Tannen, Deborah: Talking voices. Repetition, dialogue, and imagery in conversational discourse. (Studies in Interactional Sociolinguistics 6). Cambridge 1989, S.46.

2 Vgl. Rossi, Giovanni: Other-repetition in conversation across languages: Bringing prosody into pragmatic typology, in: Cambridge University Press, veröffentlicht: 06.07.2020, S.3.

3 Vgl. Rossi 2020, S.2.

4 Vgl. Rossi 2020, S.3.

5 Vgl. Rossi 2020, S.6.

6 Vgl. Rossi 2020, S.8.

7 Vgl. Elizabeth Couper-Kuhlen: The prosody of repetition: on quoting and mimicry, in: Prosody in Conversation. Interactional Studies, hrsg. V. Elizabeth Couper-Kuhlen/Margaret Selting, Cambridge 1996, S.370.

8 Vgl. Couper-Kuhlen 1996, S.369.

9 Vgl. Couper-Kuhlen 1996, S.381f.

10 Vgl. Couper-Kuhlen 1996, S.389.

11 Vgl. Couper-Kuhlen 1996, S.401.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Wiederholungen im Gespräch
Untertitel
Welche Funktion hat die Rezeption von Allorepetition und Selbstrepetition in Gesprächen?
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V1006895
ISBN (eBook)
9783346390424
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hausarbeit Linguistik Wiederholungen repetitionen allo-repetition selbstrepetition
Arbeit zitieren
Lena Morgenstern (Autor), 2020, Wiederholungen im Gespräch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006895

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