In dieser Seminararbeit wird die Frage, ob Dialekte schützenswert sind auf wissenschaftlicher Basis beantwortet. Es werden sowohl Belege für den Dialektrückgang aufgeführt als auch Aspekte die für bzw. gegen den Erhalt der deutschen Mundarten spricht.
Der Dialekt, welcher häufig auch Mundart oder Sprachvarietät genannt wird, meint eine regionale Variante einer Sprache, die von der Norm bzw. der Standardsprache abweicht. Mundarten unterscheiden sich in den grundlegenden Merkmalen wie etwa Phonologie , Grammatik, Syntax , Wortschatz und Grammatik. Es gibt sogenannte Basisdialekte wie zum Beispiel "Bayerisch", die große Landesbereiche und Regionen abdecken. Diese weisen jedoch zahlreiche Unterteilungen auf, da jede Region eine eigene Färbung des Dialekts hat. Sprachvarietäten sind oft wenig verschriftlichte Sprachsysteme. Zudem sind ist die Verwendung immer an bestimmte Faktoren gebunden, wie die Lokalität und die jeweilige soziale Sprechsituation. Außerdem haben die Sprecher des Dialekts als Muttersprache oft einen Akzent in der Hochsprache, den sie nicht ablegen können und sogleich auf die regionale Zugehörigkeit des Sprechers schließen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung „Dialekt“
3 Die Schönheit des Dialekts
3.1 Dialekt als altes Kulturgut - Entstehungsgeschichte und Einflüsse
3.2 Besseres Sprachbewusstsein und erleichterter Spracherwerb durch die Förderung der inneren Mehrsprachigkeit
3.3 Mundart als identitätsstiftendes Medium
3.4 Dialekt als Vorteil im Berufsleben
4 Beobachtung: Der Dialekt stirbt aus
5 Gründe für das Schwinden des Dialekts
5.1 Hochdeutsch als Muttersprache
5.2 Medien
5.3 Mobilität
5.4 Schule
5.5 Begriffsklärung soziale Stigmatisierung und Vorurteile
5.5.1 Bewertung und Vorurteile gegenüber deutschen Dialekten
5.5.2 Stigmatisierung
6 Zwischenfazit
7 Schule als mundartschützende Institution
7.1 Projekt MundART WERTvoll
7.2 Konkrete Beispiele von MundART WERTvoll
7.3 Handreichung des ISB
8 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Dialekten im deutschen Sprachraum, beleuchtet die Ursachen für deren stetigen Rückgang und analysiert Möglichkeiten, wie Bildungseinrichtungen aktiv zu deren Erhalt und Förderung beitragen können.
- Identitätsstiftende Wirkung von Dialekten
- Einfluss von Erziehung, Medien und Schule auf den Dialektrückgang
- Stigmatisierung und gesellschaftliche Bewertung von Mundarten
- Vorteile von Dialektkompetenz für Spracherwerb und Beruf
- Modellprojekte zur Förderung der Mundart im bayerischen Schulwesen
Auszug aus dem Buch
3.3 Mundart als identitätsstiftendes Medium
„Für weite Bereiche des deutschen Sprachgebiets ist es nach wie vor so, dass der Dialekt die Sprache der Primärsozialisation ist. Das ist die Sprachform, in der Sie zunächst einmal aufwachsen. Damit ist es der zentrale Identitätsanker“. (Schmitz, 2014)
Wie aus dem obigen Zitat von Dr. Albert Plewnia4 deutlich wird ist, dass das Sprechen der regionalen Mundart deshalb so essenziel wichtig ist, da diese eine identitätsstiftende Wirkung für den Sprecher hat.
Lernende einer bestimmten Sprache, oder einer Varietät, werden automatisch auch mit dem jeweiligen kulturellen Kontext vertraut. Eine Person, die einen Dialekt spricht, übernimmt automatisch die Werthaltungen, Einstellung und Verhaltensnormen, die in dieser Sprache akzeptiert sind. (Eßer, 1983, S. 121)
Dies wiederum spielgelt einen großen Teil der persönlichen Identität wieder. Der Dialektsprecher formt aber nicht nur seine eigene Identität, sondern auch die Gruppenidentität. Der Dialekt gewährt der jeweiligen Person bzw. dem Sprecher einen festen Platz, in einer durch die Varietät der Sprache zustande gekommenen Gemeinschaft, die sich nach außen abgrenzt. Damit sind positive Gefühle wie Geborgenheit und Sicherheit verbunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Autorin beschreibt ihre persönliche Motivation zur Themenwahl aufgrund ihrer Heimatverbundenheit und erläutert die Zielsetzung der Arbeit.
2 Begriffsklärung „Dialekt“: In diesem Kapitel wird der Dialekt als regionale Sprachvarietät definiert und von der Umgangssprache sowie anderen Sprachsystemen abgegrenzt.
3 Die Schönheit des Dialekts: Hier werden die kulturelle Bedeutung, die sprachwissenschaftlichen Vorteile bei der Entwicklung der Mehrsprachigkeit sowie die identitätsstiftende Funktion von Dialekten erörtert.
4 Beobachtung: Der Dialekt stirbt aus: Dieses Kapitel analysiert statistische Daten, die einen deutlichen Rückgang der Dialektsprecher in Deutschland belegen.
5 Gründe für das Schwinden des Dialekts: Es werden fünf Hauptfaktoren identifiziert, die zum Dialektrückgang führen, darunter Erziehung, Medien, Mobilität, schulische Sozialisation und soziale Stigmatisierung.
6 Zwischenfazit: Die Autorin resümiert, dass Dialekte trotz negativer Aspekte aufgrund ihrer kognitiven und sozialen Vorteile als schützenswert anzusehen sind.
7 Schule als mundartschützende Institution: Es werden Strategien und konkrete Projekte wie „MundART WERTvoll“ vorgestellt, mit denen Schulen aktiv zur Bewahrung der Mundart beitragen können.
8 Schluss: Die Arbeit endet mit dem Plädoyer, Dialekte als sprachliches Kulturgut wertzuschätzen und ihre Förderung weiter voranzutreiben.
Schlüsselwörter
Dialekt, Mundart, Heimat, Identität, Sprachbewusstsein, Mehrsprachigkeit, Stigmatisierung, Sprachwandel, Kulturerbe, Schule, Bildung, Projekt MundART WERTvoll, Regionalsprache, Spracherwerb, Sprachgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Relevanz von Dialekten im heutigen Deutschland, analysiert die Ursachen ihres Verschwindens und diskutiert, wie Schulen zum Erhalt der regionalen Mundarten beitragen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der linguistischen Einordnung, der identitätsstiftenden Kraft, den soziologischen Gründen für den Rückgang sowie dem pädagogischen Potenzial von Dialektprojekten.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, wissenschaftlich zu begründen, warum der Erhalt von Dialekten schützenswert ist und welche Rolle Bildungsinstitutionen dabei einnehmen sollten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu sprachwissenschaftlichen und soziologischen Grundlagen sowie einer eigenen Schülerbefragung an der FOS in S.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die positiven Funktionen des Dialekts, die Ursachen für dessen Aussterben – insbesondere den Einfluss von Medien, Schule und Stigmatisierung – sowie konkrete Gegenmaßnahmen im Schulkontext.
Was charakterisiert die Arbeit in Bezug auf ihre Schlagworte?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Identitätsbildung, Sprachbewusstsein und regionale Kulturgüter, die das Spannungsfeld zwischen Hochdeutsch und Dialekt aufzeigen.
Warum spielt die Erziehung eine so entscheidende Rolle beim Dialektrückgang?
Viele Eltern entscheiden sich heute bewusst gegen die Dialektvermittlung an ihre Kinder, da sie irrtümlicherweise befürchten, ein Dialekt könne den Bildungserfolg gefährden.
Was ist das Ziel des Projekts „MundART WERTvoll“?
Das Projekt des Wertebündnisses Bayern zielt darauf ab, die Wertschätzung für die eigene Sprachtradition zu erhöhen und Schülern die Bedeutung von Dialekten als Teil ihrer Heimat näherzubringen.
- Citation du texte
- Judith Waibel (Auteur), 2021, Zukunft des Dialekts. Stirbt er aus oder sollte er geschützt werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1007160